Chromecast war die Bezeichnung für mehrere vom US-amerikanischen Unternehmen Google LLC angebotene Arten von Streaming-Media-Adaptern, die auf Basis des Protokolls Google Cast arbeiten. Seit 2024 ist das Nachfolgeprodukt der Google TV Streamer.

Geschichte Das Gerät wurde in den Vereinigten Staaten ab dem 24. Juli 2013 und seit dem 19. März 2014 in elf weiteren Ländern, darunter auch Deutschland, verkauft.Henning Steier: 35-Dollar-Hintertür zum Fernseher, nzz.ch vom 24. Juli 2013.

Im September 2020 präsentierte Google den Chromecast der 4. Generation, auf dem erstmals die Benutzeroberfläche Google TV installiert ist.The Verge (30. September 2020): Google announces new Chromecast with the new Google TV interface.

Funktionsweise Das Gerät wird per HDMI bzw. Audiointerface an ein AV-Wiedergabegerät (zum Beispiel Fernsehgerät) angeschlossen und überträgt („streamt“) Audio und Video über WLAN. Die Stromversorgung erfolgt über ein USB-Kabel entweder aus dem mitgelieferten Netzteil oder einem anderen Gerät, das die für USB üblichen 5 V Gleichspannung mit ausreichender Stromstärke bereitstellt. Der Benutzer kann Inhalte aus unterstützten Apps sowie mittels „Google Cast für Chrome“ auch vom Desktop-Browser Google Chrome an ein AV-Wiedergabegerät übertragen. Über die Chromecast-kompatiblen Apps steuert der Benutzer die Auswahl der Medien (Videos, Audiodateien, Fotos) und ihr Abspielverhalten. Auf dem steuernden Gerät muss eine spezielle Software (App) installiert sein (derzeit: Google Home), die von Google für die Mobil-Betriebssysteme Android und iOS angeboten wird. So gesteuert, empfängt der Chromecast Medienstreams vom Wireless Access Point, decodiert diese und leitet die Inhalte an das AV-Wiedergabegerät weiter. Während der Wiedergabe können auf dem steuernden Android-Gerät andere Aufgaben erledigt, beispielsweise Telefongespräche entgegengenommen werden. Die vom Chromecast verarbeiteten Inhalte können aus dem Internet, dem lokalen Netz (LAN) oder vom steuernden Computer bzw. Mobilgerät kommen. Zum Beispiel ist das Spiegeln eines Tabs aus dem Chrome-Desktop-Browser, des gesamten Bildschirminhalts (eines PCs oder eines mobilen Gerätes) oder das Anzeigen lokal gespeicherter Video-, Audio- und Fotodateien möglich. Es gibt auch Applikationen, um z. B. ein Quiz mit vier Antwortmöglichkeiten anzuzeigen, und Apps, die das Steuergerät als Grafiktablett nutzen, auf dem der Nutzer mit dem Finger malen kann, während das Ergebnis auf dem Fernsehgerät bzw. Monitor ausgegeben wird.

Wird gerade nichts abgespielt, erscheint der Startbildschirm („Homescreen“), der neben Uhrzeit und Name des Chromecasts auch bildschirmfüllend Bildschirmschoner (Landschaftsbilder) anzeigt, die periodisch wechseln. Die Ersteinrichtung und Konfiguration des Chromecast erfolgen über die Google-Home-App (früherer Name: Chromecast-App bzw. Google-Cast-App), zudem lässt sich damit auch die Lautstärke des Chromecast steuern. Mit Version 1.8.22 der Chromecast-App im Oktober 2014 kam die Funktion „Backdrop“, um die angezeigten Medien und Informationen des Sticks anzupassen. So können etwa eigene Fotos eingebunden, das örtliche Wetter angezeigt sowie Kunstgemälde, Nachrichten und Satellitenaufnahmen eingeblendet werden. „Google nutzt dazu hauseigene Dienste wie das Art Project, Maps und Google Plus.“

Streaming-Architektur mini|Angeschlossener Chromecast-HDMI-Stick der ersten Generation

Die Streaming-Architektur Google Cast regelt bei Mobilgeräten die Kommunikation vom Sender zum Empfänger.Google-Entwicklerseite für Google-Cast-API, abgerufen am 29. August 2013. Vom Steuergerät, z. B. Tablet oder Smartphone, werden nur URLs und Steuerdaten (z. B. Pausierung, Lautstärkenänderung) als „Commands“ zum Stick übertragen (außer bei Offline-Inhalten). Dieser holt die Quelle über die WLAN-Verbindung vom Internet oder dem lokalen Netzwerk. Die Übertragung eines beliebigen Bildschirminhaltes oder verschiedener Anwendungen zugleich ist nicht möglich. Im strengen Sinn handelt es sich nicht um ein Streaming-Protokoll und steht deshalb aus technischer Sicht nicht direkt in Konkurrenz zu Streaming-Protokollen wie Miracast oder Apple AirPlayGoogle Chromecast - Noch eine Streaming Architektur, Artikel des Heise Verlages zur Chromecast Streaming-Architektur, abgerufen am 29. August 2013., sondern ist mit dem früheren Heimnetzwerkstandard DLNA zu vergleichen. Google Home basiert auf dem Multicast-DNS-Protokoll. In älteren Versionen kam das Protokoll DIAL (Discover And Launch Protocol) zum Einsatz, das Verfahren von UPnP nutzte.

Vorteile Der Energieverbrauch im Steuergerät ist gegenüber Miracast oder Apple AirPlay geringer, da man nur Steuerdaten und nicht gesamte Bildschirminhalte überträgt. Dies gilt nur für Medieninhalte in der Cloud bzw. auf unterstützten Online-Diensten. Eine Bildschirmübertragungs-Funktion (Screen Mirroring) gibt es mit Android-Geräten ab Version 4.4.2. Da die Steuerung durch das Mobilgerät oder den Computer geschieht, ist keine zusätzliche Fernbedienung notwendig. Wenn es der jeweilige Dienst unterstützt, können mehrere Geräte nacheinander oder auch zugleich die Datenübertragung steuern. So können Familienmitglieder Musikstücke oder Videos zu einer Wiedergabeliste hinzufügen. Das Abspielen ist unabhängig vom Steuergerät, mit dem das Abspielen angestoßen wurde. Die Wiedergabe wird auch fortgesetzt, wenn die Batterie im Mobilgerät entladen ist oder es sich außerhalb der WLAN-Reichweite befindet. Gegenüber einer Übertragung nach dem Wi-Fi-Direct-Standard wird die Internetverbindung des Mobilgeräts nicht getrennt. Es entstehen keine Kosten nach Erwerb des Chromecast-Geräts (ausgenommen ggf. Kosten für die verwendeten Dienste und den Internetzugang).

Nachteile bzw. Kritik Es war zunächst nicht möglich, Inhalte direkt vom Mobilgerät (z. B. Fotos) auf den Fernseher zu übertragen. Inhalte mussten zuerst in die Cloud geladen werden, z. B. über Google+. Seit Dezember 2013 ermöglichen dies Applikationen von Drittanbietern, z. B. AviaGoogle Play Store Seite zur Applikation Avia, abgerufen am 8. Januar 2014. oder Plex, und seit der Veröffentlichung des Chromecast-SDKs auch viele weitere Anwendungen. Ohne Internet-Verbindung funktioniert der Stick nicht, auch wenn man nur lokale Medien abspielen möchte. Erfolgt die Stromversorgung über das mitgelieferte Netzteil, verbraucht der Stick immer Strom. Es ist daher sinnvoll, die Stromversorgung über einen stromführenden USB-Anschluss des Fernsehgerätes herzustellen, sofern dieser nicht auch im Standby-Modus mit Strom versorgt wird. Alternativ bieten sich Master-Slave-Steckdosen an. Mit Ausnahme von Chromecast Ultra ist eine Wiedergabe in 4K nicht möglich (auch nicht mit Netflix), da der Chromecast-Ausgang nur HDMI 1.x und nicht HDMI 2.0 unterstützt und somit die Bandbreite für 4K-Auflösung und 60 Bilder/s zu klein ist; Adapter auf den Standard DisplayPort 1.3 helfen nicht.

Übertragung von Tabs aus dem Browser Google Chrome mini|150px|Aktionssymbol in Apps, das zum Verbinden mit und zum Steuern und Trennen von Google-Home-Empfängern dient.

Zusätzlich zur Streaming-Architektur unterstützt Chromecast eine Übertragung von geöffneten Tabs aus Google Chrome auf ein anderes Gerät (Tab Cast). Dabei wird der Inhalt direkt vom Computer zu Chromecast übertragen (ähnlich Miracast oder Apple AirPlay) mit den dadurch verbundenen Einschränkungen wie höherem Energieverbrauch und Geräte-Abhängigkeit der Wiedergabe. Über Tab Cast ist auch die Übertragung lokaler Inhalte möglich.Ryan Whitwam: Chromecast tab casting: How to stream your desktop, browser, and local media to your TV (video). Englisch. Online auf extremetech.com vom 29. Juli 2013, abgerufen am 3. September 2013. Bei Nutzung der Funktion gibt es noch folgende Einschränkungen: Bisher wird nur die Desktop-Version von Chrome unterstützt, eine Übertragung von Mobilgeräten ist nicht möglich.Systemvoraussetzungen der Google Cast Extension, abgerufen am 30. August 2013 Die Übertragung besitzt eine niedrigere Qualität als direkt durch die Streaming-Architektur unterstützte Anwendungen und hängt von dem verwendeten Computer ab. Die maximal unterstützte Auflösung ist 720p.ChromeCast Optimized Playback vs. Casting a Tab, Hilfe zu Tab Casting, support.google.com, abgerufen am 30. August 2013 (englisch) Neben Übertragung eines einzelnen Tabs gibt es die Option zum Spiegeln des gesamten Bildschirminhalts eines Computers. Dies lässt sich im Chrome-Browser über das Streaming-Menü mittels der Option „Desktop streamen“ aktivieren. Auch andere Programme und die gesamte System-Oberfläche werden dabei übertragen. Audio wird nur von Computern mit Windows übertragen, macOS und Chrome OS werden nicht unterstützt.

Apps und Spiele Unterstützte Apps waren zuerst YouTube, Netflix ohne 4K, Google Play sowie seit dem 10. Dezember 2013 Songza, Vevo, Plex, Red Bull.TV, Revision 3, PostTV, Viki, BeyondPod, RealPlayer Cloud sowie Avia.Moritz Stückler: In: T3n.de. 10. Dezember 2013, abgerufen am 11. Dezember 2013. Mit der Einführung in Deutschland am 19. März 2014 bis zur Einstellung des Dienstes Ende 2016 war das Video-On-Demand-Portal Watchever als App verfügbar., Watchever.de, abgerufen am 19. März 2014.

Am 4. Februar 2014 veröffentlichte Google die Entwicklungsschnittstelle Chromecast-SDK,www.zdnet.de/88183127/google-oeffnet-chromecast-sdk-fuer-alle-entwickler. womit Chromecast-kompatible Apps entwickelt werden können. Voraussetzung dafür ist die Google Cast SDK Developer Console, die 5 Euro kostet. Seitdem gibt es auch kostenlose Anwendungen zur Übertragung von Offline-Inhalten. Die erste und auch bekannteste ist die App AllCast von Koushik Dutta, der vor allem für das alternative Custom-ROM CyanogenMod bekannt ist.

Die Cast Store App,Google-Play-Store-Seite zur Applikation Cast Store die einen inoffiziellen Überblick über Android-Apps mit Chromecast-Unterstützung bietet, listet inzwischen mehrere Hundert Apps und einige Spiele auf.

Zu den Spielen gehören in der Bedienung meist einfache Anwendungen, beispielsweise ein Mehrspieler-Quiz oder Tic-Tac-Toe,Google Play Store Seite zur Applikation TicTacToe for Chromecast die Fragen und Antworten bzw. das Spielfeld auf den Fernseher übertragen. Unter Verwendung von Bildschirmspiegelung (Screen Mirroring) sind aber auch komplexere Oberflächen denkbar; die Entwickler-Plattform Rolocule nutzt dies sowie die Bewegungssensoren des Steuergeräts, um diesen als Controller zu benutzen. Diese Technik ähnelt stark Spielekonsolen wie Nintendo Wii oder Xbox Kinect. Als Demo-App fungiert eine Tennis-Applikation, und weitere sollen folgen – auch andere Programmierer können die verwendete Technik nutzen und solche Spiele entwickeln.

Hardware Erste Generation mini|Chromecast 1. Generation

Die am 23. Juli 2013 erschienene erste Generation des Chromecast basiert auf dem System-on-a-Chip 88DE3005-A1 (Marketingname: Armada 1500 Mini) des bermudischen Herstellers Marvell. Das SoC ist mit einer Single-Core-Arm-Cortex-A9-CPU ausgestattet, die vermutlich mit ~800 MHz getaktet wird. Es ermöglicht die Dekodierung der Videokompressions-Formate VP8 und H.264 über Hardware-gestützte Codecs. Die drahtlose Kommunikation erfolgt über das Funkmodul AzureWave NH–387 (basierend auf dem Marvell-SoC 88W8787), das WLAN nach dem Standard IEEE 802.11 b/g/n im 2,4-GHz-Band ermöglicht. Die erste Generation des Chromecast besitzt 512 MB DDR3-SDRAM (DDR3L) sowie 2 GB Flash-Speicher, beide Speicher sind nicht erweiterbar. Das Gerät besitzt einen HDMI-Anschluss der ersten Generation zum Anschluss an ein HDMI-fähiges Anzeigegerät sowie einen Micro-USB-Anschluss, der zur Stromversorgung des HDMI-Sticks dient. Am Gerät befinden sich eine LED zur Anzeige des Betriebsstatus und eine Taste zum Zurücksetzen des Chromecast. Eine Fernbedienung wird nicht mitgeliefert, da zur Bedienung ein Computer, Smartphone oder Tablet-Computer mit geeigneter Software notwendig ist.