mini|hochkant|Waldtraut vom Mühlwald, der höchste Baum Deutschlands mini|231x231px|Waldtraut vom Mühlwald aus Blickrichtung Westen
Die Gewöhnliche Douglasie (Pseudotsuga menziesii (Mirb.) Franco), Varietät Küsten-Douglasie (Pseudotsuga menziesii var. menziesii), Waldtraut vom Mühlwald ist mit einer zuletzt gemessenen Höhe von 67,85 Metern (Stand April 2024) der höchste Baum Deutschlands.Claudia Füßler: Der Herr über den Traum aller Förster, Zeit Online, 24. November 2011, abgerufen am 1. März 2012. Die in Deutschland forstlich bevorzugt angebaute Küsten-Douglasie erreicht höhere Wuchshöhen als die Gebirgs-Douglasie und gilt als eine der schnellwüchsigsten Baumarten Mitteleuropas.Peter Schütt, Horst Weisgerber, Hans J. Schuck, Ulla Lang, Bernd Stimm, Andreas Roloff: Lexikon der Nadelbäume. Nikol, Hamburg 2004, ISBN 3-933203-80-5. Der Baum wächst weiterhin aktiv; sein jährlicher Höhenzuwachs beträgt derzeit etwa 15 cm. Waldtraut steht etwas südlich des heutigen Arboretums Freiburg-Günterstal im Günterstäler Stadtwald in Freiburg im Breisgau, Baden-Württemberg. Sie wurde 1913 als dreijährige Pflanze an den jetzigen Standort gesetzt und hat somit ein Alter von rund 116 Jahren (Stand 2026). Um sie herum stehen mehrere weitere gleichalte und nahezu gleichhohe Douglasien, die aus derselben Pflanzaktion stammen.
Namensgebung Den Namen Waldtraut vom Mühlwald erhielt die Douglasie von den Förstern des städtischen Forstamts Freiburg, die den Baum liebevoll mit einem weiblichen Vornamen bedachten.Stadt Freiburg im Breisgau – Forstamt: Höchster Baum Deutschlands – Waldtraut vom Mühlwald. Abgerufen am 1. Juni 2026. Der Vorname Waldtraut ist eine althochdeutsche Variante von Waltraud und setzt sich aus den Bestandteilen walt- (von althochdeutsch waltan: „walten, herrschen“) und *þrūþiz (germanisch: „Kraft, Stärke“) zusammen; der Namensbestandteil -traut wurde in althochdeutscher Zeit zu trūt (‚vertraut, lieb') umgedeutet.Rosa Kohlheim, Volker Kohlheim: Duden Lexikon der Vornamen. 7. Auflage. Dudenverlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-411-04947-9, S. 383. Der Name ist damit zugleich eine spielerische Anspielung auf den Wald als Lebensraum des Baumes.
Der Zusatz vom Mühlwald bezeichnet den Walddistrikt, in dem der Baum steht: den Mühlwald, ein Waldgebiet im Günterstäler Stadtwald zwischen dem Stadtteil Günterstal und dem Schauinsland.Stuttgarter Zeitung: Waldtraut über allen Wipfeln. 23. März 2017, abgerufen am 5. April 2018. – „Seit 2008 ist der Titel im Breisgau daheim, genauer im Mühlwald zwischen Günterstal und Schauinsland.“Stadt Freiburg im Breisgau – Forstamt: Höchster Baum Deutschlands – Waldtraut vom Mühlwald. Abgerufen am 1. Juni 2026. – „Seit dem Jahr 1913 steht sie hier im Freiburger Stadtwald im Mühlwald bei Günterstal.“
Standort und Ökologie Das Arboretum Freiburg-Günterstal liegt auf einer Höhe von 290 bis 430 m ü. NN auf Grundgestein aus Gneis mit überwiegend humosen, kiesigen und tiefgründigen Braunerden, die teilweise gut verlehmt sind. Der Jahresniederschlag beträgt rund 1000 mm, die mittlere Jahrestemperatur liegt bei über 9 °C. Diese Standortbedingungen – tiefgründige, gut durchlüftete Böden, ausreichende Niederschläge und wintermildes Klima des Oberrheinischen Tieflandes – entsprechen den optimalen Wachstumsbedingungen der Küsten-Douglasie.Hermann Spellmann, Andreas Weller, Peter Brang, Hans-Gerhard Michiels, Andreas Bolte: Douglasie (Pseudotsuga menziesii (Mirb.) Franco). In: Torsten Vor et al. (Hrsg.): Potenziale und Risiken eingeführter Baumarten. Göttinger Forstwissenschaften, Bd. 7. Universitätsverlag Göttingen, 2015, ISBN 978-3-86395-240-2, S. 187–217, doi:10.17875/gup2015-843.
Die Douglasie bildet ein herzförmiges Tiefwurzelsystem aus, das ihr sowohl Stabilität als auch Zugang zu tieferen Bodenwasserschichten ermöglicht. Neuere forstwissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch, dass Douglasien unter mitteleuropäischen Verhältnissen ein ähnlich hohes Sturmwurfrisiko aufweisen können wie Fichten.Axel Albrecht, Ulrich Kohnle u. a.: Sturmrisiko von Fichte versus Douglasie auf baden-württembergischen Versuchsflächen. DVFFA-Jahrestagung 2011 (Memento).
Die Douglasie geht Mykorrhiza-Symbiosen ein, insbesondere mit dem Zweifarbigen Lacktrichterling (Laccaria bicolor), der bei Jungpflanzen eine erhebliche Wachstumssteigerung bewirken kann.J. G. Huang, F. Lapeyrie: Ability of ectomycorrhizal fungus Laccaria bicolor S238N to increase the growth of Douglas Fir seedlings and their phosphorus and potassium uptake. In: Pedosphere. 4(3), 1994, S. 217–224. Als immergrüner Nadelbaum ist sie ein Lichtkeimer, der im Jugendalter eine gewisse Schattentoleranz aufweist und Wuchsraten von bis zu 1 m pro Jahr erreichen kann.
Botanische Einordnung Die Gewöhnliche Douglasie (Pseudotsuga menziesii) gehört zur Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) und bildet innerhalb dieser eine eigene Gattung – sie ist weder eine echte Tanne, Fichte noch Kiefer. In Europa erreicht sie Wuchshöhen von über 60 m; in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet im pazifischen Nordamerika sind Höhen bis 100 m dokumentiert.Christopher J. Earle: Pseudotsuga menziesii. In: The Gymnosperm Database (englisch). Die Art kann in ihrer Heimat ein Höchstalter von über 1400 Jahren erreichen (P. m. var. menziesii).Peter Schütt, Horst Weisgerber, Hans J. Schuck, Ulla Lang, Bernd Stimm, Andreas Roloff: Lexikon der Nadelbäume. Nikol, Hamburg 2004, ISBN 3-933203-80-5.
Höhenmessungen Ihre Höhe war im Jahr 2008 63,33 m und der Stammumfang am Fuß 300 cm.Freiburger Douglasie ist der höchste Baum im Land, Joachim Röderer, Badische Zeitung, 30. August 2008, abgerufen am 29. Oktober 2013. Sie verwies damit eine Douglasie aus Eberbach im Odenwald mit 61,60 m auf Platz 2.Freiburger Douglasie mit 63,33 m höchster Baum im Land Die Höhen wurden von einem Messteam des geodätischen Institutes der Uni Karlsruhe am 18. August 2008 ermittelt. Im März 2017 wurde vom Forstamt die aktuelle Höhe mit 66,581 m ermittelt.Deutschlands höchster Baum und andere Freiburger 100er Yvonne Weik, Joachim Röderer, Simone Höhl, Badische Zeitung, 29. Oktober 2013, abgerufen am 29. Oktober 2013.Douglasie 'Waldtraut vom Mühlwald' im Günterstäler Stadtwald Monumentale Bäume, abgerufen am 5. April 2018.Freiburgs Waldtraut ist der höchste Baum Deutschlands, Simone Höhl, Badische Zeitung, 21. März 2017, abgerufen am 5. April 2018. Die Messung vom 13. April 2024 ergab 67,85 m.
Das kontinuierliche Höhenwachstum über alle Messzeiträume belegt die anhaltende Vitalität des Baumes. Mit einem Zuwachs von rund 3,25 m zwischen 2008 und 2017 (ca. 36 cm/Jahr) und weiteren 1,27 m bis 2024 (ca. 18 cm/Jahr) zeigt sich eine mit dem Alter erwartungsgemäß abnehmende Wachstumsrate, wie sie für alte Großbäume typisch ist.
Forstwirtschaftliche und naturschutzfachliche Bedeutung Die Douglasie ist in Deutschland die wichtigste nicht heimische Forstbaumart. Nach der Dritten Bundeswaldinventur (2012) nimmt sie mit rund 218.000 Hektar etwa zwei Prozent der deutschen Waldfläche ein, mit dem größten Anteil in Rheinland-Pfalz (52.000 ha) und Baden-Württemberg (44.000 ha). Ihr durchschnittlicher Holzzuwachs beträgt 18,9 Vorratsfestmeter pro Hektar und Jahr.F. Kroiher, A. Bolte: Naturschutz und Biodiversität im Spiegel der BWI 2012. In: AFZ-Der Wald. 21/2015.Bundeswaldinventur 3, 2012. Abgerufen am 2. Juli 2016.
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) stufte die Douglasie 2013 als invasiven Neophyten ein und nahm sie in die Schwarze Liste invasiver Arten auf. Diese Einschätzung wird in der Forstwissenschaft jedoch kontrovers diskutiert.Dierk Kownatzki, Wolf-Ulrich Kriebitzsch, Andreas Bolte, Heike Liesebach, Uwe Schmitt, Peter Elsasser: Zum Douglasienanbau in Deutschland. Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, 2011.Torsten Vor, Hermann Spellmann, Andreas Bolte, Christian Ammer (Hrsg.): Potenziale und Risiken eingeführter Baumarten. Göttinger Forstwissenschaften, Bd. 7. Universitätsverlag Göttingen, 2015, ISBN 978-3-86395-240-2.
Siehe auch Hyperion in Kalifornien, der höchste bekannte Baum der Erde Liste markanter und alter Baumexemplare Liste markanter und alter Baumexemplare in Baden-Württemberg
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Einzelnachweise
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