Der im Jahr 1840 eröffnete Bahnhof Köthen in Sachsen-Anhalt gilt als der erste Eisenbahnknoten in den deutschen Ländern. Ein „deutschlandweit einmaliges“ Ensemble mit Bahnhofsgebäuden aus verschiedenen Epochen und weiteren Bauten steht auf der Denkmalliste der Stadt Köthen (Anhalt). Bis heute ist der Bahnhof ein Knotenpunkt und Fernverkehrshalt geblieben.

Lage

Der Bahnhof liegt östlich der Innenstadt von Köthen (Anhalt) im Landkreis Anhalt-Bitterfeld am Streckenkilometer 49,8 der dort etwa in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig. Aus Richtung Ostnordosten erreicht die Bahnstrecke Dessau–Köthen die Stadt und endet im Bahnhof. Dort beginnt ihre Verlängerung, die Bahnstrecke Köthen–Aschersleben, die südlich der Stadt in Richtung Westen verläuft. Ebenfalls im Bahnhof Köthen beginnt in Richtung Nordosten die Stichbahn nach Aken.

Früher war für Stadt und Bahnhof sowohl die Schreibweise Köthen als auch Cöthen üblich. Während zu Eröffnungszeit des Bahnhofs die Schreibung mit K häufiger war, dominierte später die Schreibung mit C. Seit 1927 tragen Stadt und Bahnhof einheitlich den Namen Köthen.

Geschichte

Der erste Bahnhof

mini|links|Der erste Köthener Bahnhof, links der BAE, rechts der MLE, im Vordergrund die Bahnhofsrestauration Bereits 1825 gab es Planungen für eine Eisenbahnverbindung zwischen Magdeburg und Leipzig, die allerdings zunächst über Bernburg führen sollte. 1835 hatte sich die Magdeburg-Cöthen-Halle-Leipziger Eisenbahn-Gesellschaft (MLE) gegründet. Während der Bernburger Herzog Alexander Carl die Eisenbahn ablehnte, unterstützte der Köthener Herzog Heinrich den Bahnbau, so dass die Strecke über Köthen geführt wurde.Gerhard Zieglgänsberger, Aus der anhaltischen Eisenbahngeschichte. Entwicklung der Eisenbahn in Köthen, abgerufen am 2. September 2013 Am 9. Juni 1840 fuhr der erste Zug aus Magdeburg in Köthen ein, am 22. Juli des gleichen Jahres wurde die Verlängerung bis Halle eröffnet.

mini|Detail am 1870/71 eröffneten Magdeburg-Leipziger Bahnhof Die Berlin-Sächsische Eisenbahn-Gesellschaft plante Mitte der 1830er Jahre eine Verbindung von Berlin zu den großen Städten in Sachsen. Es gab jedoch Schwierigkeiten, vom preußischen Staat eine entsprechende Konzession zu erhalten. Nachdem die Pläne für den Bau der Strecke Magdeburg–Leipzig bekannt wurden, kristallisierte sich Köthen als Streckenendpunkt heraus. Von dort konnten sowohl Magdeburg als auch Halle und Leipzig gut erreicht werden. Die Gesellschaft änderte ihren Namen in Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft (BAE). Am 1. September 1840 ging zunächst die Strecke von Dessau (damals auch Deßau geschrieben) nach Köthen in Betrieb. Damit wurde Köthen der erste Eisenbahnknotenpunkt im Gebiet des Deutschen Bundes. Am 16. September 1841 wurde der durchgehende Verkehr nach Berlin aufgenommen. Die Strecke verlor mit dem Bau direkter Strecken von Berlin nach Magdeburg und Halle bzw. Leipzig etwas an überregionaler Bedeutung.

Im Jahr 1846 eröffnete die Anhalt-Köthen-Bernburger Eisenbahn die Strecke von Köthen nach Bernburg. Die MLE übernahm die Betriebsführung der Züge. Im Jahr 1863 kaufte die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft (MHE) die Bernburger Bahn, 1869 wurde die Strecke über Güsten und Aschersleben nach Wegeleben verlängert, wo Anschluss nach Halberstadt und Vienenburg bestand.

Ebenfalls Ende der 1860er Jahre wurde der Bahnhof Cöthen umfassend umgebaut. Zwei neue Bahnhofsgebäude entstanden, eins für die Züge in Richtung Magdeburg und Leipzig, eins für die nach Berlin und Halberstadt. In den 1870er Jahren wurden alle drei Köthen bedienenden Bahngesellschaften verstaatlicht. Die preußische Staatsbahn übernahm auch die anhaltischen Streckenteile.

Am 1. Mai 1890 ging die Strecke von Köthen nach Aken in Betrieb, die Züge fuhren vom Berlin-Halberstädter Bahnhof ab.

Der zentrale Bahnhof mini|Der Bahnsteig mit Aufsichtshäuschen und Bänken stammt aus der Zeit des Bahnhofsumbaus in den 1910er Jahren

Spätestens nachdem die beteiligten Bahngesellschaften in den Preußischen Staatsbahnen aufgegangen waren, bestand keine Notwendigkeit mehr für die getrennten Bahnhöfe. Jedoch kam es erst im 20. Jahrhundert zum Bau eines zentralen Bahnhofs. Die Bauarbeiten begannen am 1. April 1911. Dabei wurden auch das Gleisplanum angehoben und die querenden Straßen abgesenkt, so dass niveaugleiche Bahnübergänge durch Unterführungen ersetzt wurden. Die Bauarbeiten zogen sich, auch bedingt durch den Ersten Weltkrieg, bis ins Jahr 1920 hin.

Nach dem Ersten Weltkrieg war geplant, die Strecke von Magdeburg nach Halle bis zum Jahr 1923 zu elektrifizieren. Wegen Geldmangel wurde das Projekt von der Reichsbahndirektion Magdeburg zurückgestellt. Vorarbeiten für den Bau des Unterwerks in Köthen hatten bereits stattgefunden. Erst 1933 wurde der elektrische Betrieb auf der Strecke und im Bahnhof Köthen aufgenommen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile des Bahnhofs bei einem Bombenangriff auf die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke Köthen beschädigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Südliche Ausfahrt mit Stellwerk, Formsignalen und Streckenverzweigung nach Halle und Bernburg Ein Teil der Gleisanlagen, die zweiten Gleise auf den Strecken und die Anlagen für den elektrischen Betrieb wurden nach Kriegsende als Reparationsleistung an die Sowjetunion demontiert. Die Schmalspurbahn nach Radegast wurde komplett abgebaut.

Im Jahr 1955 wurde der elektrische Betrieb nach Halle und Schönebeck wieder aufgenommen, zwei Jahre später auch wieder bis Magdeburg.

Im Jahr 2007 wurde der Bahnhof von täglich etwa 2000 Pendlern genutzt. Am Ende des gleichen Jahres wurde der Personenverkehr zwischen Köthen und Aken eingestellt.

Auch im Jahr 2018 wurde der Betrieb noch von einer Reihe von lokalen Stellwerken gesteuert, der Bahnhof ist mit Formsignalen ausgerüstet. Der Neubau eines ESTW (Elektronisches Stellwerk) war für 2019 vorgesehen, es wurde im April 2020 in Betrieb genommen. Die Bahnsteige, der Bahnhofstunnel, sowie sämtliche Bahnbrücken in Köthen sollen ab 2022 erneuert werden.

Angesichts der Planungen wandte sich der Verein zur Pflege des Eisenbahnkulturgutes Köthen mit einer Petition an den Landtag, in der der Erhalt des Bahnsteigs 1, der 100 Jahre alten denkmalgeschützten Bahnsteigausstattung mit Bänken und Aufsichtshäuschen, eines mechanischen Museumsstellwerks, die weitere Nutzung des Empfangsgebäudes sowie eine Alternativlösung zur Vollsperrung gefordert werden. Die ursprünglich vorgesehene sechsmonatige Vollsperrung wurde danach so abgeändert, dass die Regionalbahnen aus Richtung Dessau weiterhin verkehren. Im November 2017 wurde bekannt, dass doch alle fünf Bahnsteige erhalten bleiben sowie auch teilweise deren Mobiliar und Dächer.

Im Herbst 2018 wurden die Planfeststellungsunterlagen für den Umbau des Bahnhofs ausgelegt. Eine Unterzentrale eines elektronischen Stellwerks (ESTW) entstand auf der Ostseite der Gleisanlagen. Für die Zufahrt zum ESTW-Gebäude werden die Gleise zum Ringlokschuppen unterbrochen. Die eigentlichen Bahnhofsgleise werden erst nach Inbetriebnahme des ESTW umgebaut und entstehen in veränderter Anordnung neu. Die Bahnsteiganlagen müssen als Ensemble denkmalgerecht saniert werden.In: Bahn-Report, 1/2019, S. 44.

Die eigentlichen Umbauarbeiten gliedern sich in zwei Bauphasen. Während der ersten Bauphase im Jahr 2019 wurde die Sicherungstechnik vollständig ersetzt, außerdem wurden Hilfsbrücken an der Eisenbahnüberführung Friedrich-Ebert-Straße eingebaut. Ab dem Juni 2019 war der Knoten Köthen hierfür nahezu vollständig gesperrt, lediglich die Strecke aus Dessau wurde zunächst noch bis Köthen bedient, hierzu wurde für rund 1,2 Millionen Euro ein Behelfsstellwerk (ESTW-R) errichtet. Züge der Relation Magdeburg – Halle wurden über Dessau und Bitterfeld umgeleitet. Während der Sperrpause wurde weiterhin der Westkopf Köthen umgebaut sowie die Streckengleise Stumsdorf–Köthen und weitere Bahnübergänge und Eisenbahnüberführungen erneuert. Ursprünglich sollten die Gleisanlagen zusammen mit dem neuen ESTW im Dezember 2019 wieder in Betrieb gehen. Durch Planungsfehler verzögerten sich die Arbeiten erheblich, sodass die Vollsperrung des Knotens bis Ende März 2020 verlängert werden musste, wobei die Deutsche Bahn zwischenzeitlich sogar von einer Verlängerung der Sperrung bis Ende Mai ausging. Am 1. April 2020 wurde der Bahnhof wieder in Betrieb genommen.Bauvorhaben Eisenbahnknoten Köthen. deutschebahn.com, Pressemitteilung, 1. April 2020; abgerufen am 2. April 2020.

Trotz Status als eingetragenes Kulturdenkmal wurde bei den Bauarbeiten die Innenanlage des Stellwerks W1 ausgebaut und verschrottet. Weiterhin plant die Deutsche Bahn, das ebenfalls denkmalgeschützte Gebäude des ehemaligen Umspannwerks abzubrechen, um Baufreiheit für weitere Baustufen zu schaffen.

Die zweite Bauphase beinhaltet die eigentliche Bahnhofsmodernisierung mit Spurplananpassung. Das hierfür erforderliche separate Planfeststellungsverfahren soll 2022 beginnen und mindestens zwei Jahre dauern, sodass mit einem Baubeginn frühestens 2024 zu rechnen ist. Beide Bauphasen sind jeweils mit mindestens 120 Millionen Euro veranschlagt.

Personenverkehr mini|Intercity-Zug im Bahnhof Im Fernverkehr war die wichtigste der Köthen berührenden Bahnstrecken die nach Magdeburg und Halle. Die meisten Fernzüge auf dieser Strecke hielten in Köthen. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es Direktverbindungen unter anderem nach Hamburg, Dresden und Wien. In den 1960er Jahren wurde vor allem die Verbindung von Leipzig und Halle über Schwerin nach Rostock wichtig. Nach der deutschen Wiedervereinigung verlagerten sich die Verkehrsströme wieder in Richtung Westen.

Weniger von Bedeutung war die Strecke von Dessau über Köthen in Richtung Aschersleben. Dennoch gab es immer wieder einzelne Fernzüge, die auch in Köthen hielten. 1939 verkehrten beispielsweise ein Schnellzug-Paar von Berlin nach Wiesbaden und ein Eilzugpaar von Berlin nach Frankfurt (Main) über Köthen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es mehrere Eilzüge täglich von Berlin über Köthen nach Aschersleben.

Im Regionalverkehr gab es ein relativ dichtes Zugangebot in alle Richtungen.

Verkehrsanbindung Linie Linienverlauf Takt (min) EVU IC 55 Dresden Hbf – Leipzig Hbf – Halle (Saale) Hbf – Köthen – Hannover Hbf – Dortmund Hbf – Köln Hbf – (Stuttgart Hbf) 120 DB Fernverkehr IC 56 Leipzig Hbf – Köthen – Hannover Hbf – Bremen Hbf – Emden Hbf – (Norddeich Mole) 120 RE 30 Magdeburg Hbf – Calbe (Saale) Ost – Köthen – Halle (Saale) Hbf 60 DB Regio Südost RB 50 Dessau Hbf – Köthen – Bernburg Hbf – Güsten – Aschersleben (– Halberstadt Hbf) 60(Dessau–Güsten)120(Güsten–Aschersleben) DB Regio Südost Stand: 15. Dezember 2024

Anlagen

Die Köthener Bahnhofsanlagen gelten als „deutschlandweit einzigartig erhaltene Abfolge historischer Bahnhofs-, Post-, Beherbergungs- und Restaurationsbauten der Privat- und Länderbahnzeit von 1840 bis 1917“.Reise in die Historie des Bahnhofsensembles. In: Mitteldeutsche Zeitung, 19. Juni 2007. Erhalten sind vier Empfangsgebäude: eins aus der Eröffnungszeit des Bahnhofs im Jahr 1840, zwei aus der Zeit um 1870 und das heutige Bahnhofsgebäude aus den 1910er Jahren. Zu den zumindest teilweise erhaltenen weiteren Bahnbauten zählen unter anderem die Bahnhofsrestauration und das Bahnpostamt von 1840 sowie im Gelände des früheren Bahnbetriebswerks östlich der Bahnsteige der Wasserturm, ein Lokschuppen (beide aus der Zeit um 1910) und ein Umformerwerk aus der Zeit um 1930. Diese Gebäude stehen ebenso unter Denkmalschutz wie mehrere Stellwerksgebäude aus der Zeit des Bahnhofsumbaus.Köthener Bahnhofsensemble – wichtiges Zeugnis der Eisenbahnhistorie. Website der Stadt Köthen (Anhalt); abgerufen am 11. September 2013.

Bahnhöfe von 1840 Lage: mini|Erstes Bahnhofsgebäude (1840), heute Tanzlokal