Das Kampfgeschwader 53 „Legion Condor“ war ein Verband der Luftwaffe der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Es war nach der Legion Condor benannt, einem Verband der Wehrmacht, der im Spanischen Bürgerkrieg eingesetzt worden war. Aufgrund dieses Ehrennamens waren die Geschwaderangehörigen berechtigt, am rechten Unterarm einen Ärmelstreifen mit der Aufschrift „Legion Condor“ zu tragen. Als Kampfgeschwader war es ausgestattet mit Bombern vom Typ Heinkel He 111 und Dornier Do 17. Das Geschwader wurde eingesetzt beim Überfall auf Polen, beim Westfeldzug, in der Luftschlacht um England, beim Deutsch-Sowjetischen Krieg und an der Westfront 1944/45. Es wurde am 15. März 1945, noch vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, aufgelöst.
Aufstellung Das Kampfgeschwader 53 entstand am 1. Mai 1939, nach dem neuen Benennungsschema der Luftwaffe, aus dem am 1. April 1937 in Gablingen bei Augsburg aufgestellten Kampfgeschwader 355. Die Geschwaderangehörigen trugen seit dem 12. Juni 1939, am rechten Unterarm einen Ärmelstreifen mit der Aufschrift „Legion Condor“. Aus dem Geschwaderstab und der I. Gruppe des KG 355 wurde am 1. Mai 1939 in Ansbach () der Stab und die I./KG 53 aufgestellt. Die II. Gruppe des KG 53 bildete sich am 1. Mai 1939 aus der II./KG 355 in Schwäbisch Hall (). Die III. Gruppe des KG 53 entstand am 1. Mai 1939 in Giebelstadt () aus der III./KG 355. Im Juni 1940 entstand die IV. (Ergänzungs-)Gruppe in Giebelstadt. Das Geschwader war während der gesamten Zeit seines Bestehens mit der Heinkel He 111 ausgestattet. Jedoch war die im Juli 1942 in Agram aufgestellte 15. (kroatische) Staffel des Kampfgeschwaders 53 mit der Dornier Do 17Z ausgerüstet worden. Die Geschwaderkennung war A1.
Gliederung Der Geschwaderstab führte die I. bis IV. Gruppe, die wiederum in Staffeln unterteilt waren. Die 1. bis 3. Staffel gehörte der I. Gruppe, die 4. bis 6. Staffel der II. Gruppe, die 7. bis 9. Staffel der III. Gruppe und die 10. bis 12. Staffel der IV. Gruppe an. Jede Staffel, geführt durch einen Staffelkapitän, war in drei Schwärme mit je vier Flugzeugen unterteilt. Daraus ergab sich eine Sollstärke der Bombergruppe von 36 Flugzeugen in den drei Staffeln + ein Flugzeug für den Gruppenkommandeur. Dies ergab bei vier Bombergruppen eine Sollstärke von 148 Flugzeugen + 4 Flugzeuge für den Geschwaderkommodore und seinen Stab. Des Weiteren existierte eine 15. Staffel die direkt dem Geschwaderstab unterstellt war. Daraus ergibt sich eine zeitweise Sollstärke von 164 Flugzeugen. Die IV. Gruppe war eine Ergänzungsgruppe und nahm in der Regel nicht an Kampfeinsätzen teil. In ihr wurden frisch ausgebildete oder rekonvaleszente Flieger eine Zeitlang an die Frontbedingungen gewöhnt und geschult, bevor sie in eine der drei Einsatzgruppen wechselten. Darum hatte sie meist ihren Standort in der Heimatbasis des jeweiligen Geschwaders.
Geschichte Überfall auf Polen Der Stab, die II. und III./Kampfgeschwader 53 standen am 1. September 1939 unter dem Kommando der 6. Fliegerdivision der Luftflotte 3 im Westen auf den Plätzen in Schwäbisch Hall und Giebelstadt. Die I. Gruppe war in Märkisch-Friedland/Crössinsee () dem Stab des Kampfgeschwaders 26 und damit der 1. Fliegerdivision der Luftflotte 1 unterstellt. Die Gruppe nahm aktiv am Überfall auf Polen teil.Bernhard R. Kroener: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 5/1, Hrsg.: Militärgeschichtliches Forschungsamt, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06232-3, S. 718–719. Sie verfügte am ersten Angriffstag über 31 einsatzbereite Heinkel He 111H-2.wwii.germandocsinrussia.org Anlage zum Kriegstagebuch der Staffel 1 des Kampfgeschwaders 53: Einsatzmeldungen mit Flugskizzen, Seite 3 Dieser Bombertyp verfügte über zwei Jumo 211 A Motoren mit je Leistung, die eine Höchstgeschwindigkeit von 390 km/h bei einer Bombenlast von 2000 kg ermöglichten. Bis zum 12. September, als sie in den Westen verlegt wurde, verlor die I. Gruppe ein Flugzeug.H. L. de Zeng, D. G. Stanket, E. J. Creek, S. 162–163
Westfeldzug mini|Heinkel He 111 H-2 (A1+BT) der 9./KG 53 (9. Staffel des Kampfgeschwaders 53) Während des Westfeldzuges standen alle drei Gruppen unter dem Kommando des II. Fliegerkorps der Luftflotte 3. Von den Plätzen in Roth (), Oedheim () und Frankfurt () aus erfolgten Luftangriffe auf Flugplätze zur Erringung der Luftherrschaft und taktische Einsätze zur Heeresunterstützung. Unter anderem waren Teile des Geschwaders am Durchbruch des zur Panzergruppe Kleist gehörenden XIX. Armeekorps (mot.) bei Sedan beteiligt, in dem es mit Luftangriffen auf befestigte Stellungen und Bunker am Westufer der Maas das Übersetzen ermöglichte.H. L. de Zeng, D. G. Stanket, E. J. Creek, S. 165
Luftschlacht um England In der Luftschlacht um England blieb das gesamte Geschwader beim II. Fliegerkorps, nun aber unter dem Kommando der Luftflotte 2. Dort flog es von Basen im besetzten Frankreich (Lille-Nord bzw. Lille-Mouvaux)() und Vitry-en-Artois () Luftangriffe gegen Großbritannien, insbesondere Nachtangriffe auf London, Coventry, Birmingham, Liverpool u. a. Dabei fiel in der Nacht des 4./5. August 1940 der Gruppenkommandeur der III. Gruppe, Major Walter Brautkuhl, als seine Heinkel He 111H-6 (Geschwaderkennung A1+NR) von Swansea kommend in die Nordsee nahe der Niederlande stürzte. Wenig später, am 18. August schoss ein Blenheim Nachtjäger der 151 Squadron den Gruppenkommandeur der II. Gruppe, Major Reinhold Tamm mit seiner He 111H-3 ab, als sie bei Norfolk die Küste überflog. Am 15. September geriet bei einem Luftangriff auf die Victoria Docks in London der Gruppenkommandeur der II. Gruppe, Major Maximilian Gruber in britische Kriegsgefangenschaft, als seine He 111H-2 (Geschwaderkennung A1+GM) von Spitfires der 92 Squadron angeschossen wurde. Bei Frittenden, nahe Staplehurst, gelang eine Notlandung.
Deutsch-Sowjetischer Krieg 1941 Am Deutsch-Sowjetischen Krieg nahm das Geschwader mit dem Stab, der I., II. und III. Gruppe teil. Der Stab und die II. Gruppe starteten ab 22. Juni 1941 von Radom-Piastów (), die I. Gruppe von Grójec () und die III. Gruppe von Radzyń () aus zu Feinflügen. Dazu waren sie dem II. Fliegerkorps der Luftflotte 2 im Mittelabschnitt der Ostfront unterstellt. In vielen taktischen Einsätzen zur Erringung der Luftherrschaft und zur Heeresunterstützung war es oft an den Schwerpunkten in der Mitte der Ostfront eingesetzt. In der Nacht vom 21. zum 22. Juli 1941 erfolgte, vom Fliegerhorst Minsk-OstHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, Russia (incl. Ukraine, Belarus & Bessarabia) S. 413–415, abgerufen am 14. März 2020. () aus, zusammen mit anderen Geschwadern ein Nachtangriff auf Moskau. Weitere Angriffe dieser Art folgten. Bei der am 2. Oktober beginnenden Schlacht um Moskau war sie dem II. Fliegerkorps der Luftflotte 2 unterstellt.
1942 mini|Heinkel He 111 H-6 (A1+JH) der 1./KG 53, etwa 1942/43 in Ansbach o. Gablingen Zum Jahreswechsel 1941/42 lagen die Gruppen auf dem Fliegerhorst Schatalowka-OstHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, Russia (incl. Ukraine, Belarus & Bessarabia) S. 607, abgerufen am 14. März 2020. () im Mittelabschnitt der Ostfront. Die drei Gruppen waren überwiegend mit der Heinkel He 111 in der Ausführung H-6 ausgestattet. Diese verfügte über zwei Junkers Jumo 211 D-Motoren mit je . Diese ermöglichten eine Höchstgeschwindigkeit von 400 km/h und eine Bombenlast von 2500 kg. Die I. Gruppe weilte kurzfristig zur Auffrischung in Ansbach, war aber schon wieder ab Januar in Riga an der Ostsee stationiert. Von dort führte sie auch Seeziel- und U-Bootbekämpfungseinsätze über der Ostsee durch. Am 30. März kehrte die He 111H-6 (Geschwaderkennung A1+AB) des Gruppenkommandeurs der I. Gruppe, Major Joachim Wienholtz nach einem Einsatz im Wolchow-Gebiet nicht zurück. Die Besatzung blieb vermisst. Die III. Gruppe verlegte für einen Monat, vom 15. Juli an, nach Chartres () in Frankreich. Dort nahm es kurzzeitig an Tag- und Nachtangriffen auf England teil. Ab August war das gesamte Geschwader wieder an der Ostfront eingesetzt. Am 19. September schoss eine sowjetische Flakbedienung bei Gaytolovo den Gruppenkommandeur der III. Gruppe, Major Hans Waldforst mit seiner He 111H-6 ab, der daraufhin starb. Die II. Gruppe verlegte ab November 1942 in den Südabschnitt der Ostfront. Dort war es beteiligt an der Versorgung des Stalingrader Kessels.
1943 mini|Deutsche Luftaufnahme von Gorki, von Aufklärungsflugzeugen der 1.(F)/100 am 15. Juni fotografiert Anfang 1943 standen der Stab und die I. Gruppe in Korowje-SeloHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, Russia (incl. Ukraine, Belarus & Bessarabia) S. 301–302, abgerufen am 14. März 2020. () und die III. Gruppe in DnoHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, Russia (incl. Ukraine, Belarus & Bessarabia) S. 154–156, abgerufen am 14. März 2020. () im Nordabschnitt der Ostfront. Die II. Gruppe lag zur Auffrischung in Greifswald (). Ab März/April verfügten die Gruppen größtenteils über die Heinkel He 111H-16. Diese nochmals verbesserte Variante verfügte mit ihren zwei Junkers Jumo 211 F-2-Motoren über insgesamt 2700 PS Startleistung, die eine Höchstgeschwindigkeit von 436 km/h und eine Bombenlast von 3000 kg möglich machten.
Ab April lag die II. Gruppe in Gablingen um aufgefrischt zu werden. Dabei kam es am 28. Juni bei einem Formationsflug mit 33 Flugzeugen zu einer folgenschweren Katastrophe. Während des Flugs in Richtung Westen gerieten sechs Flugzeuge in eine dichte, plötzlich aufziehende Wolkendecke. Die Piloten verloren den Sichtkontakt und kollidierten in der Luft. Es folgte eine Explosion und brennende Flugzeuge stürzten über den Stauden in die Tiefe. Zwei Bomber schlugen im Wald östlich von Schloss Seyfriedsberg bei Bauhofen auf, während drei Flugzeuge auf Langenneufnacher Flur abstürzten. Ein Flugzeug konnte auf dem Flugfeld Lechfeld notlanden. Insgesamt fielen in den abgestürzten Maschinen 18 Soldaten, während 2 überlebten.Reste des Unglücks liegen noch im Wald. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 28. Juni 2023, Seite 44. Die II. Gruppe kehrte am 15. Juli zur Ostfront zurück.
Vom 5. bis 22. Juni nahmen die I. und die III. Gruppe an den Luftangriffen auf Gorki und Jaroslawl teil. In Nachtangriffen, zusammen mit anderen Kampfgeschwadern, sollten das Panzerwagenwerk „Molotow“ und das Kunstkautschukwerk Jaroslawl angegriffen werden.Horst Boog: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Das Deutsche Reich in der Defensive, Band 7, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 2001, ISBN 3-421-05507-6, S. 347. Dabei kamen in Gorki 282 Menschen ums Leben, bei 527 Verletzten und 52 Gebäude des Werkes wurden zerstört. In Jaroslawl wurden über 120 Menschen getötet, rund 150 weitere verletzt und über 200 Gebäude (darunter einige Werkshallen des Kautschukwerkes) vollständig zerstört.A. V. Fedorčuk: Jaroslavlʹ. Istorija tvoego goroda, Akademija Razvitij, ISBN 5-7797-0630-1, S. 79 Anschließend verlegten der Stab und die I. bis III. Gruppe auf den Fliegerhorst OlsufjewoHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935-45, Russia (incl. Ukraine, Belarus & Bessarabia) S. 482–483, abgerufen am 15. März 2020. () und nahmen an der Schlacht um den Kursker Bogen teil. Alle drei Gruppen waren überwiegend mit der Heinkel He 111H-16 ausgestattet und der 1. Fliegerdivision der Luftflotte 6 unterstellt.Karl-Heinz Frieser, Klaus Schmider und Klaus Schönherr: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 8: „Die Ostfront 1943/44 – Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten.“ Hrsg.: Militärgeschichtliches Forschungsamt, DVA 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 90–92.
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