mini|Jürgen Wagner, 2020 Jürgen Wagner (Eigenname Öff! Öff!; * 12. Mai 1964 in Gelsenkirchen) ist ein deutscher Aussteiger und Original.
Leben Jürgen Wagner wuchs als ältester von vier Söhnen eines Bankangestellten und einer Sekretärin in Gladbeck im Ruhrgebiet auf. Er besuchte das Gladbecker Ratsgymnasium und machte dort 1983 sein Abitur. Anschließend studierte er als Priesteramtskandidat des Bistums EssenQuelle: Verzeichnisse der Priesteramtskandidaten des Bistums Essen der Jahre 1984 bis 1988 katholische Theologie und Philosophie an der Universität Tübingen und der Ruhr-Universität Bochum. Während der Bochumer Studienzeit lebte er im Bischöflichen Studienkolleg in Bochum-Querenburg.Quelle: Verzeichnisse der Priesteramtskandidaten des Bistums Essen der Jahre 1984 bis 1988 Sein Studium schloss er 1988 an der Fakultät für katholische Theologie der Ruhr-Universität bei Franz Josef Stegmann mit dem Diplom ab. Seine Diplomarbeit trug den Titel Mahatma Gandhis Vorstellung von Gerechtigkeit und ihre Aufnahme im (katholisch-)christlichen Raum.Jürgen Wagner: Mahatma Gandhis Vorstellung von Gerechtigkeit und ihre Aufnahme im (katholisch-)christlichen Raum. Wissenschaftliche Hausarbeit, Ruhr-Universität Bochum, Bochum 1988 ( einer überarbeiteten Fassung, Stand: April 2012; PDF).
Seiner Darstellung nach war Wagner dann mehrere Jahre ohne Obdach in ganz Deutschland unterwegs. Gleichzeitig bemühte Wagner sich darum, die Idee einer „Schenker-Bewegung“ publik zu machen, und engagierte sich zudem als Aktivist bei verschiedenen sozialen Projekten. Später zog er in die Oberlausitz in einen Wald bei Löbau und lebte dort in einer selbstgebauten Behelfshütte in der Georgewitzer Skala. Er ernährte sich unter anderem von Würmern, Schnecken, Pflanzen und Pilzen, aber auch von weggeworfenen Lebensmitteln sowie von Lebensmittelspenden.RTL2 (online)Sat 1 Doku „Leben ohne Geld – Die Waldmenschen“ [im Format „24 Stunden“] von 2006, Kopie in youtube (online)(online) Aussteiger:Trennungsschmerz bei der Waldfamilie Artikel von Steffen Könau in der Mitteldeutschen Zeitung, erschienen am 15. Januar 2007, aufgerufen am 9. Juni 2018
2004 wurde Wagner Vater einer Tochter. 2008 verklagte ihn seine frühere Lebensgefährtin auf Anerkennung der Vaterschaft. Wagner wurde vom Amtsgericht Eschwege verurteilt, für seine Tochter vom Tag ihrer Geburt an Unterhalt zu zahlen. Nach Auffassung des Gerichts sollte sich der mittellose Wagner um Arbeit bemühen, um monatlich etwa 200 Euro zu zahlen.Waldmensch ÖffÖff! muss zahlen, sz-online.de, 11. Oktober 2008 2010
Wagner lebt bei seiner Frau Anke Rochelt und ihrem 2011 geborenen gemeinsamen SohnÖffÖff zeigt seinen kleinen Waldmenschen Sächsische Zeitung, 9. März 2011 in Stadtallendorf.
In einer soziologischen Studie über Aussteiger von Sascha Bachmann mit dem Titel: „Flucht vor der Zivilisation. Untersuchung gesellschaftlichen Aussteigens und zwanghafter Selbstverwirklichung“, wird auch Jürgen Wagner behandelt.Sascha Bachmann: Flucht vor der Zivilisation. Untersuchung gesellschaftlichen Aussteigens und zwanghafter Selbstverwirklichung. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-12058-0, Reihe Kultur und gesellschaftliche Praxis. In Spiegel online erschien ein Artikel mit dem Titel: Öff Öff, der Aussteiger. Der Wald ist nicht genug, der „Öff Öff“ als mediensuchend, inkonsequent und in seinem Anspruch gescheitert beschreibt.Spiegel online-Artikel von David Krenz, 19. Dezember 2016:Öff Öff, der Aussteiger. Der Wald ist nicht genug., abgerufen am 24. Dezember 2016 (online) Auch zuvor gab es offen kritische Berichterstattung wie in der MDR-Sendung Exakt, wo gegen Wagner der Vorwurf der Täuschung bezüglich seiner „Aussteigerlebensumstände“, der Verbreitung von Pornografie, des Sozialhilfebetruges und der Bereicherung an seinen „Jüngern“ erhoben wird.Sendung des MDR Es gab einige kurze TV-Berichte: Im Fernsehen eine Sendung des NDR „Besuch beim Waldmensch Öff Öff“,Ein TV-Beitrag von Sascha Henn mit dem Titel Besuch beim Waldmensch Öff Öff in der NDR-Sendung „DAS!“ vom 4. Dezember 2016 um 18:45 Uhr, abgerufen am 6. Dezember 2016. Im NDR-Archiv war es hier: , auf youtube ist es z. B. hier noch zu sehen: (online), und auch in Öff Öffs Kanal: (online) im WDR die Sendung „Das Experiment – Mein Leben als Selbstversorger“, wo gezeigt wird, wie ein Vater und seine Tochter herausfordernde Selbstversorgungserlebnisse durchmachen, u. a. bei Jürgen Wagner.Eine TV-Sendung im WDR mit dem Titel „Das Experiment – Mein Leben als Selbstversorger“, gesendet am 28. Juni 2017, um 21 Uhr, abgerufen am 19. Dezember 2017 (online)
Positionen, Schenker-Bewegung Wagner lehnt die Konsumgesellschaft ab und geht davon aus, dass diese die Welt langfristig zerstören werde. Als Alternative schlägt er eine Welt der Schenkökonomie vor, denn er glaubt, dass Geschenke austauschen bedeutet, miteinander in Liebe umzugehen.TeleZüri (online).
Bisher hat Wagner allerdings kaum Mitmachende gefunden, die seinen Weg als „(existentieller) Schenker“ mitgehen. Das bedeutet nach seinem Verständnis, ohne Geld und unmittelbaren Tausch zu leben, sondern nur mit Blick aufs Ganze („globale Liebe“) und nicht auf das, was man unmittelbar zurückbekommt. Letzteres führt in seinen Augen zu „Vergeltungsrechnungen“, welche die Menschen vom großen und entscheidenden Ziel ablenken.ProSieben, TV total, Stefan Raab interviewt Öff Öff, Sendung 1072 vom 13. September 2007 (online).
Literatur Andreas Herget: Herr Öff! Öff! braucht kein Geld. In: Das Magazin. Nr. 09, 2002, S. 74 ff. Stefanie Schlemmer: Halb so wild. Waldmensch mit Mission. In: Das Magazin. Für alle, die Seitenstraßen mögen. April 2011 (Das Leben feiern. 2001 bis 2011. Jubiläum im A5-Format. Fünfzig Magazin-Geschichten & wie sie weitergingen.) Seite 116 ff.
Weblinks
Spiegel Reportage „Raus aus der Komfortzone“ sz-online: Waldmensch erfüllt keine Kinderwünsche, am 14. Dezember 2012 Bildungswerkstatt Lilitopia
Einzelnachweise
Kategorie:Aussteiger Kategorie:Person (Löbau) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1964 Kategorie:Mann