mini|Oberer und unterer Bahnsteig Der Bahnhof Falkenberg (Elster) ist einer der größten Bahnhöfe im Land Brandenburg. Er liegt in der Stadt Falkenberg/Elster im Süden des Landes. Vom Bahnhof verlaufen Eisenbahnstrecken in sieben Richtungen. Er ist als Turmbahnhof gebaut, wobei die Strecken in beiden Ebenen durch mehrere Verbindungskurven verknüpft sind. Sowohl im oberen als auch im unteren Bahnhofsteil gibt es große Rangieranlagen. Zeitweise galt Falkenberg als der fünftgrößte Rangierbahnhof der DDR. Diese Anlagen sind seit den 1990er Jahren nur noch teilweise in Benutzung.
Ein großes, 1882 gebautes Empfangsgebäude des Bahnhofs wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört; ein zur DDR-Zeit entstandener Gaststättenbau wurde nach 2010 erheblich umgebaut und dient heute als Empfangsgebäude. Eine Reihe von Bauten des Bahnhofs und in seinem Umfeld steht unter Denkmalschutz.
Lage und Name Der Bahnhof liegt zum größten Teil in der Stadt Falkenberg/Elster im Landkreis Elbe-Elster unweit der Landesgrenzen zu Sachsen und Sachsen-Anhalt. Ursprünglich hieß die Station Falkenberg (b. Torgau), 1937 erhielt sie ihren heutigen Namen. Während die Stadt sich heute Falkenberg/Elster (mit Schrägstrich) schreibt, erscheint der Flussname in der Bahnhofsbezeichnung im Klammerzusatz. Die Anschrift ist Bahnhofstr. 8, 04895 Falkenberg.
Das Bahnhofsgebäude liegt am Kilometer 111,9 der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bahnstrecke Jüterbog–Röderau, am Kilometer 148,2 der von Südost nach Nordwest führenden Strecke von Kohlfurt (heute Węgliniec) nach Roßlau und am Kilometer 95,0 der West-Ost-Strecke Halle–Cottbus. Die letztgenannte führt durch den oberen Bahnhof von Falkenberg, die anderen durch den unteren. Im unteren Bahnhof beginnt außerdem die Niederlausitzer Eisenbahn, die in Richtung Nordosten führt.
Ausgedehnte Rangieranlagen sowohl im unteren als auch im oberen Bahnhofsteil erstrecken sich über mehrere Kilometer. Der östliche Teil des oberen Bahnhofs reicht bis auf das Gebiet der Stadt Uebigau-Wahrenbrück.
Das Zentrum der Stadt Falkenberg liegt westlich der Bahnstrecke aus Berlin und nördlich der Strecke aus Halle. Der ursprüngliche Dorfkern mit dem Rittergut war etwa 400 Meter vom Bahnhof entfernt.
Geschichte Bahnhof Die ersten Jahre Die Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft (BAE) eröffnete im Jahr 1841 ihre Strecke von Berlin nach Köthen (damals Cöthen). Sie plante von Anfang an eine weitere Strecke, die Berlin mit Leipzig und Dresden verbinden sollte. Die Städte Herzberg, Uebigau und Liebenwerda hatten sich hartnäckig gegen eine direkte Berührung ihrer Städte durch die Bahn gewandt. So wurde eine etwas westlichere Streckenführung gewählt, die das kleine Rittergutsdorf Falkenberg berührte. Zudem war die gewählte geradlinige Streckenführung die kürzeste und billigste Variante. Nachdem bereits zum Juli 1848 der Abschnitt von Jüterbog bis Herzberg fertiggestellt war (wo der Bahnhof deutlich entfernt von der Stadt entstand), ging das anschließende Stück bis Röderau und damit auch der Bahnhof Falkenberg zum 1. Oktober 1848 in BetriebPeter Bley: 150 Jahre Berlin-Anhaltische Eisenbahn. alba, Düsseldorf 1990, ISBN 3-87094-340-8, S. 37.. Falkenberg erhielt eine kleine Haltestation, mit einem Bahnhofsvorsteher, einem Telegrafisten und je zwei Weichenstellern und Rangierern.Heinz Schwarick: Chronik der Stadt Falkenberg/Elster. Vom Straßendorf zur Eisenbahnerstadt. Erster Teil. Stadtverwaltung Falkenberg/Elster (Hrsg.), 2. Auflage 2007, S. 40 (verwaltungsportal.de, PDF). Zudem war eine Wasserstation vorhanden.
mini|hochkant=1.3|1882 gebautes Empfangsgebäude (im Zweiten Weltkrieg zerstört). Am 1. Dezember 1871 ging die Bahnstrecke von Falkenberg nach Cottbus der Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn (HSGE) in Betrieb. Zunächst hielten die Züge noch im unteren, dem alten Bahnhofsteil. Am 1. Mai 1872 wurde die Strecke von Falkenberg nach Westen bis Eilenburg eröffnet und Falkenberg wurde zum Turmbahnhof. Das für die Kreuzung der bestehenden Bahnstrecke notwendige Material der Dammschüttung in der flachen Landschaft wurde einfach neben dem zu errichtenden Damm gewonnen. Die neben den beiden etwa drei Kilometer langen Bahndämmen entstandenen Mulden sind bis heute sichtbar. Ab 30. Juni 1872 wurde der durchgehende Verkehr bis Halle aufgenommen und im selben Jahr durch die Oberlausitzer Eisenbahn-Gesellschaft mit dem Bau der Strecke von Kohlfurt nach Falkenberg begonnen. Deren Eröffnung fand am 1. Juni 1874 statt, am 15. Oktober 1875 folgte durch die BAE die Verlängerung nach Wittenberg mit Anschluss zu den Bahnstrecken nach Halle und Dessau. Die BAE übernahm 1878 auch die Betriebsführung auf der Strecke der Oberlausitzer-Eisenbahn-Gesellschaft. Der Verkehr auf allen drei Strecken entwickelte sich in den Folgejahren sehr rege, so dass Falkenberg zum bedeutenden Bahnknoten wurde. 1882 erhielt der Bahnhof ein neues, größeres Empfangsgebäude am Schnittpunkt der oberen und unteren Strecken. Im selben Jahr übernahm der preußische Staat die Betriebsführung auf den Strecken der BAE, zwei Jahre später auch auf der HSGE. Dennoch hielten sich die Bezeichnungen Halle-Sorauer Bahnhof für den oberen und Berlin-Anhalter Bahnhof für den unteren Bahnhofsteil noch lange weiter.
Die damals zuständige Staatsbahndirektion Erfurt fasste die beiden Maschinenstationen der BAE und HSGE zusammen, seit 1887 wurden sie als Betriebswerkstätte bezeichnet. Aus ihr ging das spätere Bahnbetriebswerk (Bw) hervor.
Ausbau nach 1890 mini|Lageskizze aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Fette Linien: Gleise mit Personenverkehr, dünne Linien: reine Gütergleise Zum Ende des 19. Jahrhunderts nahm der Verkehr um Falkenberg deutlich zu. Nachdem es auf den drei Hauptbahnstrecken zu größeren Kapazitätsengpässen gekommen war, wurden diese zwischen 1896 und 1912 zweigleisig ausgebaut.Heinz Schwarick: Chronik der Stadt Falkenberg/Elster. Vom Straßendorf zur Eisenbahnerstadt. Erster Teil. Stadtverwaltung Falkenberg/Elster (Hrsg.), 2. Auflage 2007, S. 45 (verwaltungsportal.de, PDF). Auch die Bahnhofsanlagen mit den Rangierbahnhöfen und Werkstätten wurden ausgebaut. Im Jahr 1895 wurde ein neuer Wasserturm gebaut, 1908 ging ein weiterer Lokschuppen im unteren Bahnhof in Betrieb. Als letzte der Falkenberg berührenden Bahnstrecken nahm am 15. März 1898 die private Niederlausitzer Eisenbahn nach Uckro ihren Betrieb auf.
Bei einem Zugunglück im Sommer 1934 fuhr ein Güterzug im unteren Bahnhofteil auf einen anderen auf und die aus dem Gleis gedrückten Fahrzeuge kollidierten mit einem entgegenkommenden Zug. Ein Mensch kam dabei ums Leben.Heinz Schwarick: Chronik der Stadt Falkenberg/Elster. Vom Straßendorf zur Eisenbahnerstadt. Erster Teil. Stadtverwaltung Falkenberg/Elster (Hrsg.), 2. Auflage 2007, S. 94 (verwaltungsportal.de, PDF).
1936 eröffnete die Wehrmacht in Alt-Lönnewitz südwestlich von Falkenberg den Fliegerhorst Alt-Lönnewitz. Zu ihm führte eine Anschlussbahn vom unteren Bahnhofsteil, die zum Materialtransport und zur Beförderung der Beschäftigten des Flugplatzes diente.Heinz Schwarick: Chronik der Stadt Falkenberg/Elster. Vom Straßendorf zur Eisenbahnerstadt. Erster Teil. Stadtverwaltung Falkenberg/Elster (Hrsg.), 2. Auflage 2007, S. 92–93 (verwaltungsportal.de, PDF).
1939 umfasste der Bahnhof 20 Kilometer Haupt- und 93 Kilometer Nebengleise mit 324 Weichen. Dazu gehörten 20 Stellwerke und jeweils drei Lokschuppen auf dem oberen und dem unteren Bahnhofsteil. Im Wagenausgang wurden bis zu 4000 Güterwagen am Tag vom oberen und 2400 vom unteren Bahnhofsteil aus befördert. Anschlussbahnen gab es zum Flugplatz mit einem Nebenanschluss zu einem Umspannwerk und zu einer in Falkenberg ansässigen Filiale der Genossenschaft Kornhaus Torgau.
Im Zweiten Weltkrieg begannen Bauarbeiten zum mehrgleisigen Ausbau der Strecke in Richtung Jüterbog, die nicht fertiggestellt wurden. Einige Dammaufschüttungen sind erhalten geblieben. Die Arbeiten wurden maßgeblich unter dem Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen durchgeführt.Heinz Schwarick: Chronik der Stadt Falkenberg/Elster. Vom Straßendorf zur Eisenbahnerstadt. Erster Teil. Stadtverwaltung Falkenberg/Elster (Hrsg.), 2. Auflage 2007, S. 97 (verwaltungsportal.de, PDF).
Wegen der strategischen Bedeutung des Bahnhofs mit seinen Rangieranlagen sowie des nahegelegenen Flugplatzes war Falkenberg im Zweiten Weltkrieg mehrfach Ziel alliierter Bombenangriffe. Die schwersten dieser Angriffe ereigneten sich im April 1945. Am 18. April wurden das Empfangsgebäude und das Kreuzungsbauwerk sowie eine Reihe von Gebäuden in der Umgebung völlig zerstört. Nachdem Radioberichte bereits für den folgenden Tag weitere Angriffe mit dem Ziel der völligen Zerstörung des Eisenbahnknotens Falkenberg angekündigt hatten, trafen Bombenangriffe dabei vor allem den unteren Bahnhof und zerstörten eine Reihe von Anlagen, darunter das Bahnbetriebswerk.Heinz Schwarick: Chronik der Stadt Falkenberg/Elster. Vom Straßendorf zur Eisenbahnerstadt. Erster Teil. Stadtverwaltung Falkenberg/Elster (Hrsg.), 2. Auflage 2007, S. 101 (verwaltungsportal.de, PDF).
Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|hochkant|Unterer Rangierbahnhof Wenige Tage nach Kriegsende verfügte der am 15. Mai 1945 von den sowjetischen Truppen eingesetzte Bahnhofskommandant Braschenko den Wiederaufbau der strategisch wichtigen Bahnanlagen. In den folgenden Monaten gingen die von Falkenberg ausgehenden Bahnstrecken schrittweise wieder zunächst provisorisch in Betrieb.Heinz Schwarick: Chronik der Stadt Falkenberg/Elster. Vom Straßendorf zur Eisenbahnerstadt. Erster Teil. Stadtverwaltung Falkenberg/Elster (Hrsg.), 2. Auflage 2007, S. 112 (verwaltungsportal.de, PDF). Erst 1948 waren alle Gleisanlagen wieder befahrbar.Heinz Schwarick: Chronik der Stadt Falkenberg/Elster. Vom Straßendorf zur Eisenbahnerstadt. Erster Teil. Stadtverwaltung Falkenberg/Elster (Hrsg.), 2. Auflage 2007, S. 131–133 (verwaltungsportal.de, PDF). Allerdings wurde auf allen vorher zweigleisigen Strecken das zweite Streckengleis abgebaut.
In der DDR-Zeit wurde der Bahnhof weiter ausgebaut und umfasste 160 Kilometer Gleisanlagen und 377 Weichen.Erich Preuß, Klaus Pöhler: Deutsche Bahnhöfe: Das große Gleisplanbuch. GeraMond, 2011, ISBN 3-86245-130-5, S. 68. Neben der bereits seit dem 19. Jahrhundert bestehenden nordöstlichen Verbindungskurve vom unteren zum oberen Bahnhofsteil entstanden Verbindungskurven südöstlich der Streckenkreuzung, die direkte Fahrten aus Richtung Westen in den unteren Bahnhof und in Richtung Elsterwerda ermöglichten, ohne einen Fahrtrichtungswechsel im oberen Rangierbahnhof durchführen zu müssen. Das Bahnbetriebswerk wurde mit über 500 Beschäftigten zu einem der größten der DDR. Im Güterverkehr wurden in den 1970er und 1980er Jahren täglich etwa 5000 Wagen im Abgang aus Falkenberg befördert. Die Strecken Wegliniec–Roßlau, Halle–Cottbus und Falkenberg–Röderau wurden, beginnend etwa 1970, wieder zweigleisig ausgebaut. Der Abschnitt Falkenberg–Röderau war der letzte, er wurde erst Mitte der 1980er fertiggestellt. Der Streckenabschnitt Jüterbog–Falkenberg blieb eingleisig, allerdings wurde auf den Wiedereinbau des zweiten Gleises weitgehend Rücksicht genommen.
Wichtig war der Bahnhof auch für die Landesverteidigung. Für durchreisende Soldaten der sowjetischen Armee waren Gütergleise provisorisch mit Bahnsteigen versehen worden, damit sie Waschgelegenheiten und andere Möglichkeiten zur Pausengestaltung auf dem Bahnhofsgelände nutzen konnten.Erich Preuß, Klaus Pöhler, Deutsche Bahnhöfe: Das große Gleisplanbuch, GeraMond, 2011, ISBN 3-86245-130-5, S. 67. Im Jahr 1972 ging ein neues Gaststättengebäude der Mitropa in Betrieb.