mini|hochkant=1.5|St. Pankratius in Holzhausen St. Pankratius ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Holzhausen, einem Ortsteil der Gemeinde March im Breisgau. Sie gehört mit den Kirchen der drei anderen Ortsteile von March, nämlich Buchheim, Hugstetten und Neuershausen, zur Seelsorgeeinheit March des Erzbistums Freiburg. mini|Konrad Stürtzel in einem Glasgemälde im Freiburger Münster mini|hochkant|Taufstein mit Wappen der Harsch und Haitzmann

Geschichte Das Dorf Holzhausen – der Name abgeleitet von „Haus des Holtwulf“ – wird im Lorscher Codex für das Jahr 849 erstmals genannt. Im 14. Jahrhundert gehörte es den Schnewlin von Landeck. 1491 verkaufte David von Landeck es mit anderen Besitztümern, darunter Buchheim, an Konrad Stürtzel, den Kanzler des habsburgischen Erzherzogs Siegmund. Stürtzel wurde 1488, mit Bestätigung 1491, als „Stürtzel von Buchheim“ geadelt. Holzhausen war damit österreichisches Lehen. 1604 kam es an den vorderösterreichischen Kanzler Andreas Harsch († vor 1612), bei dessen Nachkommen Teile des Dorfs bis ins späte 19. Jahrhundert blieben. Doch hatten auch die Markgrafen von Baden-Durlach Rechte und Pflichten in Holzhausen, Ursache von Reibereien, die durch den Konfessionsunterschied (Vorderösterreich katholisch, die Markgrafschaft protestantisch) verschärft wurden.

Eine „ecclesia seu capella Holtzhusen“ ist erstmals in den Akten des Bistums Konstanz für 1362 belegt. Sie war Filiale der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Umkirch. Bereits früher, nämlich 1275, wird ein Pfarrer in „Buhswil“ erwähnt, der heute verschwundenen Siedlung Buchsweiler, nördlich von Holzhausen an der Straße nach Bottingen. 1606 ließ Andreas Harsch die Kirche in Buchsweiler renovieren. Sie war damals den heiligen Adelphus von Metz, in der Dorftradition auch Adolf genannt, und Pelagius geweiht. Sie verfiel wieder und wurde bald nach 1790 abgerissen.Thomas Steffens: Zur Geschichte von Buchsweiler. In: Steffens (Hrsg.) 1995, S. 367–380.

Die erste Kirche in Holzhausen, von der Teile erhalten sind, wurde 1471–1472 errichtet. 1504 trennte der Bischof von Konstanz auf Bitte Konrad Stürtzels Holzhausen von Umkirch und machte es zu einer eigenen Pfarrei. 1614 stifteten Conrad Harsch, Bruder und Erbe des Andreas, und seine Frau Anna Haitzmännin einen Taufstein. 1681 wurden Schäden der Kriege des 17. Jahrhunderts beseitigt. 1687 wurde das jetzige Pfarrhaus erbaut.Quelle: Hermann Brommer, Thomas Steffens: March. Reich an Geschichte und Kunst. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2002, ISBN 3-89870-091-7. Ein jahrzehntelanger Rechtsstreit über die Finanzierung schloss sich an.Franz Hundsnurscher: Zur Geschichte der Pfarrei Holzhausen. In: Thomas Steffens (Hrsg.) 1995, S. 209–224. 1776 war die Kirche baufällig, der Dachstuhl „mehernteils ganz faul“.Hermann Brommer: „Gottes Haus und Pforte des Himmels“: Zur Baugeschichte der St. Pankratiuskirche und des Pfarrhauses in Holzhausen. In: Thomas Steffens (Hrsg.) 1995, S. 225–252. Wieder gab es Streit. Im Generallandesarchiv Karlsruhe befinden sich ungefähr viertausend Seiten Akten, „den Kirchen- und Pfarrhausbau … zu Holzhausen und die darüber zwischen Baden, Österreich und dem Bischof von Konstanz entstandenen Irrungen betreffend (1713–1788)“. Vertreter des Markgrafen war dabei Goethes Schwager Johann Georg Schlosser, dem vorgehalten wurde, er habe gegen „die allerhöchste Monarchin sehr beleidigende Ausdrücke einfließen … lassen“ – gemeint war Kaiserin Maria Theresia. 1780–1781 wurde die Kirche trotzdem unter Einbeziehung des alten Turms und der Nordwand des Schiffs und unter erheblicher Vergrößerung von dem Freiburger Baumeister Johann Gaißer (1733–1817) neu aufgeführt und 1782 vom Konstanzer Weihbischof Wilhelm Joseph Leopold von Baden († 1798) geweiht. Patrone des Hauptaltars wurden die heiligen Pankratius und Apollinaris von Ravenna, Patron des linken Seitenaltars wurde der heilige Josef von Nazaret, Patron des rechten Seitenaltars der heilige Johannes Nepomuk. 1814 malte Simon Göser die vierzehn Kreuzwegstationen. 1869 wurde unter Pfarrer Andreas Schill (1835–1913; Pfarrer in Holzhausen 1868–1878) die Kirche innen renoviert. 1879 wurde der Friedhof, bisher um die Kirche, an den Weg nach Neuershausen verlegt. 1988 kam eine Warmluftheizung in die Kirche, und im Anschluss daran wurde die Kirche bis 1996 restauriert. Der damalige Pfarrer Michael Lerchenmüller (* 1930) begleitete die Bauarbeiten archäologisch. 1999 erhielt die Kirche einen neuen Zelebrationsaltar und 2002 eine neue Orgel. mini|Grundriss mini|Inneres nach Osten mini|Inneres nach Westen

Gebäude Die Kirche steht am Westrand des Dorfes, auf dem hochgelegenen Platz des ehemaligen Friedhofs, der wie bei einer Wehrkirche von einer dicken Bruchsteinmauer umgeben ist. „Wie auf einer ‚Himmelsleiter‘ steigen die Gottesdienstbesucher vom Dorf her die Treppe zum Kirchhof hinauf.“ Der Turm in der Nordostecke besteht aus drei Stockwerken unter einem Dach mit Storchennest. Zur Ostseite hin hat das Turm-Satteldach noch eine Dachgaube in der die Turmuhr mit dem großen Zifferblatt untergebracht ist. Die beiden unteren Stockwerke haben nur Mauerschlitze als Fenster, das oberste hat Spitzbogenfenster mit Fischblasenmaßwerk. Das Schiff ist ein Saal mit jederseits drei flachbogigen Fenstern. Der östlich anschließende Chor ist polygonal geschlossen. Rote Ecklisenen gliedern das im übrig weiß getünchte Äußere. In der Westwand öffnen sich drei kleine ochsenaugenähnliche Fenster. Der Schlussstein des Hauptportals trägt die Jahreszahl „1779“. Das Schiff überfängt eine flache Decke mit umlaufendem Stuckprofil. Zwei Säulen tragen eine Orgelempore. Die beiden östlichen Ecken des Schiffs beidseits des Chorbogens sind ausgerundet. Dadurch und durch die Schrägstellung der beiden Seitenaltäre entsteht ein Sog in Richtung auf den Chor. „Den Raumgedanken hatte schon der Deutschordens-Baudirektor Caspar Bagnato mit seinem bahnbrechenden Merdinger Dorfkirchenbau (1738/41) in den Breisgau eingeführt.“Brommer 2002, S. 12.

Ausstattung Altäre Die Altäre sind „Meisterwerke spätbarocker Altarbaukunst“.Brommer 2002, S. 15. Der Kunstschreiner Thomas Hechinger (1742–1790) aus Oberhausen hat sie in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Matthias Faller geschaffen, von dem oder aus dessen Werkstatt wohl die Statuen stammen. Der Auftrag der Gemeinde lautete auf „geschmackvoll gearbeitete Chorstühle, Beichtstühle, Engel und Cherubim, die drei Altäre selbst, die Kanzel mit den Symbolen und dem guten Hirten, endlich die Communikantenbänke“.Andreas Schill, zitiert in Brommer 1995, S. 233. Der Hauptaltar an der Chorrückwand und die schräg gestellten, etwas einfacheren, zu ihm hinleitenden Seitenaltäre harmonieren. An jedem spielen sechs Engel, vier auf der Höhe der Tabernakel, zwei neben dem Auszug. Der Hochaltar wird flankiert von den heiligen Petrus und Paulus. Das Hauptbild, von Johann Pfunner 1780 signiert, zeigt die ohne den Makel der Erbsünde empfangene Maria immaculata im Himmel, einen Kranz von Sternen um ihren Kopf, auf einem Halbmond stehend, eine Schlange zu Füßen . Eine Weltkugel darunter zeigt in Grisaille-Tönen den Sündenfall. Rechts und links bitten Apollinaris und Pankratius für ihre Gemeinde, der Bischof Apollinaris mit Bildern der Heiligen Familie auf seinem Pluviale, Pankratius mit einem brennenden Herzen in der Hand. Das Oberbild, von unbekannter Hand, zeigt den heiligen Franz Xaver, der als Missionar einen exotisch gekleideten farbigen Jungen auf der Schulter trägt und dabei zu seinem Vorbild, Jesus als dem guten Hirten , aufschaut.

Die Hauptbilder der beiden Seitenaltäre, von nazarenischem Stil, ersetzten wohl bei der Renovierung 1869 barocke Gemälde. Sie sind „C. Remerlein, Wien“ signiert. Das linke zeigt den Tod des heiligen Josef, dem Jesus und Maria beistehen und den Gottvater im Himmel erwartet. Das rechte zeigt Nepomuk, wie er von der Karlsbrücke in die Moldau gestoßen wird. Die Oberbilder der Seitenaltäre sind noch barock. Das linke zeigt Maria Magdalena mit Totenschädel und Salbgefäß, das rechte den heiligen Karl Borromäus.

Weitere Ausstattung Zum Stuckkleid des Inneren gehören die Profilleisten der Decke sowie Verzierungen an der Brüstung der Orgelempore und über den Fenstern, im Chor mit religiösen Symbolen. Hermann Brommer hat sie dem Freiburger Stuckateur Johann Joseph MeisburgerHubert Meissburger: Herkunft und Familie des Freiburger Barockbaumeisters und Stukkators Johann Joseph Meisburger (Meißburger). In: Schau-ins-Land 102, 1983, S. 155–184. zugeschrieben. An der Chordecke stellt ein rundes Gemälde, vielleicht von dem Kenzinger Maler Dominikus Riesterer (* 1756) die Opferbereitschaft Abrahams dar : Gott hatte Abraham befohlen, ihm seinen Sohn Isaak zu opfern, schickte aber, als Abraham willfahren wollte, einen Widder als Ersatz.

An der Südwand des Chors stehen auf Konsolen Figuren der heiligen Josef und Pankratius. Zuoberst auf dem Schalldeckel der Kanzel steht, wie Hechinger in Auftrag gegeben, Jesus als guter Hirte. Darunter sind die „Symbole“ angebracht – nämlich die Symbole der vier Evangelisten, der Mensch des Matthäus, der Löwe des Markus, der Stier des Lukas und der Adler des Johannes. Alle vier Symbole bezeichneten früher Holzhauser Wirtshäuser.Michael Lerchenmüller, Weblink.Fotos der vier Wirtshäuser in Thomas Steffens (Hrsg.) 1995, S. 88–89.

1870 wurde laut Andreas Schill „der schöne, einst von der Familie Harsch gestiftete Kreuzweg, ein Meisterwerk, wieder refraichiert und eingerahmt“. Auf der Rückseite der 12. Station, „Jesus stirbt am Kreuz“, hat Göser ihn signiert. Göser malte die Stationen „mit Anmut, Würde und Farben von erlesenem Geschmack, die oft in den zartesten Tönen ansetzen“.Brommer 2002, S. 25.

Der Taufstein trägt die Jahreszahl „1614“ sowie die Wappen und Initialen der Stifter C[onrad] H[arsch] und A[nna] H[aitzmännin].

An den Friedhof erinnert das Kriegsopfer-Ehrenmal (1769 errichtet)Monsignore Michael Lerchenmüller: Wegkreuze und Statuen in March-Holzhausen Holzhauser Verein für Kultur & Geschichte (Hrsg.) 2011, S. 10 mit einem Steinkruzifix von Franz Xaver Anton Hauser (1712–1772), der in der Kirche geheiratet hat.

Orgel mini|St. Pankratius, OrgelDie Orgel wurde im Jahre 2001 von der Freiburger Orgelbau Hartwig und Tilmann Späth errichtet. Das Instrument hat 16 Register auf einem Manualwerk und Pedal. Die Register des Hauptwerkes sind bis auf den Principal und die Mixtur über Wechselschleifen auf dem zweiten Manual spielbar. I Manual C–g3 nicht schwellbar 1. Prinzipal 8′ im Generalschweller 2. Bourdon 8′ 3. Holzflöte 8′ 4. Salicional 8′ 5. Lamento 8′ 6. Oktave 4′ 7. Flöte 4′ 8. Quinte ′ 9. Flöte 2′ 10. Terz ′ 11. Mixtur IV VZ Octave 2' 2′ 12. Basson-Hautbois 8′ II Wechselschleifen aus I C–g3 Bourdon 8′ Flöte 8′ Salicional 8′ Lamento 8′ Oktave 4′ Flöte 4′ Quinte ′ Doublett 2′ Terz ′ Hautbois 8′ Pedalwerk C–f1 13. Subbass 16′ 14. Oktavbass 8′ 15. Oktave 4′ 16. Trompetbass 8′ Koppeln: II/I, II/II (Suboktavkoppel), I/P, II/P

Glocken