mini|Hilgenroth, Luftaufnahme (2017) mini|296px|Hilgenroth mini|200px|Kirche Hilgenroth

Hilgenroth ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld an.

Geographie Geographische Lage Hilgenroth liegt im Westerwald zwischen Altenkirchen und Hamm. Nachbargemeinden sind Breitscheidt im Norden, Seelbach und Volkerzen im Osten, Obererbach und Bachenberg im Süden sowie Busenhausen und Birkenbeul im Westen. Östlich angrenzend liegt das Kloster Marienthal (Ortsteil von Seelbach) im Staatsforst Altenkirchen.

Klima Der Jahresniederschlag beträgt 996 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD

Geschichte Der Ort Hilgenroth wurde sicher datierbar erstmals 1426 urkundlich erwähnt.Vgl. Daniel Schneider: Die erste nachweisbare Erwähnung der Ortsgemeinde Hilgenroth im Westerwald, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 69 (2026), S. 178–194. Die Bezeichnung der damaligen Siedlung lautete Heilgeroide (vereinzelt Hilgeroide).Vgl. Daniel Schneider: Die erste nachweisbare Erwähnung der Ortsgemeinde Hilgenroth im Westerwald, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 69 (2026), S. 178–179. Die Namensformen deuten hinsichtlich der Entstehung der Gemeinde auf eine Rodung im Mittelalter hin, vermutlich in der Rodungsperiode des 10. Jahrhunderts bis hin zum 14. Jahrhundert.

Hilgenroth war im 15. Jahrhundert ein bedeutender Wallfahrtsort, zu dem zahlreiche Menschen aus weitentlegenen Teilen des Westerwaldes ebenso wie aus Westfalen, der Eifel, dem Rheinland oder dem Sauerland pilgerten. Mittelpunkt der Gemeinde ist bis heute noch die Hilgenrother Kirche. Aus dem 15. Jahrhundert ist eine Aufzählung von Wunderberichten in der Kirche von Hilgenroth überliefert (Hilgenrother Mirakelbuch).Salome Solf-Maennersdoerfer: Das Hilgenrother Mirakelbuch, in: Gabriel Busch (Hrsg.): Hilgenroth/Marienthal. Zwei Wallfahrtsorte, Siegburg 1982, S. 193–240. Nach der Einführung der Reformation in der Grafschaft Sayn, zu der Hilgenroth gehörte, endeten die Wallfahrten nach Hilgenroth.Zur konfessionellen Entwicklung vgl. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58 (2015), S. 74–80. Nach der im 17. Jahrhundert erfolgten Landesteilung der Grafschaft Sayn gehörte Hilgenroth zur Grafschaft Sayn-Altenkirchen. Seit 1665 wurde die Hilgenrother Kirche als Simultaneum von Lutheranern und Reformierten gemeinsam genutzt.Vgl. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58 (2015), S. 79. Auf Betreiben der saynischen Landstände wurde die Lateinschule in Altenkirchen Anfang des 18. Jahrhunderts wieder eröffnet und dem Pfarrer von Hilgenroth als Rektor übertragen.Daniel Schneider: Die Landstände in der Grafschaft Sayn sowie Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 33 (2007), S. 227. Während des ersten Koalitionskrieges (1792–1797) zogen französische Truppe der Sambre-Maas-Armee bei ihrem Vormarsch durch den Westerwald durch die Ortsgemeinde Hilgenroth und hinterließen erhebliche Zerstörungen.Daniel Schneider: Die Geschichte der Ortsgemeinde Obererbach (Westerwald). Die Ortschaften Hacksen, Niedererbach, Obererbach und Koberstein vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Obererbach 2009, Bd. 1, Seite 228–234.

Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam Hilgenroth 1803 an das Fürstentum Nassau-Usingen, das 1806 im Herzogtum Nassau aufging. Nach dem Wiener Kongress gehörte Hilgenroth zum Königreich Preußen. In der preußischen Zeit zählte Hilgenroth zur Bürgermeisterei Altenkirchen im Kreis Altenkirchen und gehörte zum Regierungsbezirk Koblenz in der preußischen Rheinprovinz.

Im Zweiten Weltkrieg war Hilgenroth bereits 1940 Etappenort für die Wehrmacht und wurde 1944 und 1945 erneut zur Einquartierung von Panzerverbänden herangezogen. Anfang 1945 stürzte ein amerikanischer Bomber (B 17) bei Hilgenroth ab. Nach dem Durchzug deutscher Verbände marschierten die Amerikaner am 27. März 1945 in Hilgenroth ein und richteten schwere Artilleriestellungen im Ort ein. Von Kampfhandlungen blieb Hilgenroth allerdings verschont.Daniel Schneider: Die letzten Kriegstage in Hilgenroth und Umgebung, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 44 (2001), S. 124–127.

Seit Gründung des Landes gehört Hilgenroth zu Rheinland-Pfalz.

Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Hilgenroth, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Mein Dorf, meine Stadt: Zeitreihe Bevölkerungsstand. Abgerufen am 29. September 2021 Jahr Einwohner 1815 107 1835 146 1871 163 1905 200 1939 220 1950 249 Jahr Einwohner 1961 260 1970 286 1987 260 1997 273 2005 315

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Hilgenroth besteht aus sechs Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Bürgermeister Michael Rüttger wurde am 28. August 2024 Ortsbürgermeister von Hilgenroth. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 80,5 % gegen eine Mitbewerberin durchgesetzt.

Rüttgers Vorgängerin Monika Otterbach hatte das Amt von 2001 bis 2024 ausgeübt.

Wappen

Sehenswürdigkeiten Die evangelische Pfarrkirche Hilgenroth weist mit ihrer ältesten Bausubstanz, dem Turm, auf romanische Ursprünge zurück. Bemerkenswert ist die Übereckstellung des Turmes zum Kirchenschiff. Sie ist auf die komplizierte Baugeschichte zurückzuführen und weist darauf hin, dass im ursprünglichen Zustand in Hilgenroth eine weitläufigere mehrschiffige Anlage bestand. Das spätgotische Seitenschiff der Kirche, die Kapelle Unserer lieben Frau, auf 1433 datiert, diente ursprünglich als Gnadenkapelle für ein Muttergottesbild.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz/Saarland. 2. bearbeitete und erweiterte Auflage, Berlin 1984, S. 371. Nachdem Hilgenroth als Folge der Reformation seine Bedeutung als Wallfahrtsort verloren hatte, konnte die Kirche im Laufe der Zeit nicht mehr unterhalten werden und wurde baufällig. Im Zeitalter des Barock wurde daher das romanische Hauptschiff hinter dem Turm niedergelegt und das gotische Seitenschiff als danach einzig verbliebenes Kirchenschiff weiter genutzt. Auf diese Weise entstand die Übereckstellung des Kirchturms zum Kirchenschiff. Die evangelische Kirche in Hilgenroth zeigt heute eine Abfolge unterschiedlicher Baustile seit dem Mittelalter. Mit dem Kirchturm ist ein Bezug zur Romanik vorhanden, das heutige Hauptschiff entstand während der Gotik und im Barock erfolgten abschließende Umbauten.Margot Bitterauf-Remy (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Altenkirchen, Düsseldorf 1935, S. 115–117. Erwähnenswert sind die farbenreichen Kirchenfenster des gotischen Chores, die in den 1960er Jahren entstanden und durch ihre Farbigkeit den Kirchenbau in warmes Licht tauchen.

Links des Marienthaler Baches liegt auf einer Anhöhe auf der Gemarkung Hilgenroth der Marienthaler Kreuzweg. Er wurde in den Jahren von 1853 bis 1869 errichtet. In unmittelbarer Nähe befand sich das Kloster Marienthal bei Seelbach.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Hilgenroth Liste der Naturdenkmale in Hilgenroth

Verkehr Verkehrsmäßig wird der Ort durch die Kreisstraßen 37, 51 und 52 erschlossen.

Hilgenroth ist ein verkehrsgünstig gelegenes Naherholungsgebiet mit weitläufigen Wanderwegen rund um den malerisch gelegenen Ort. In der Nähe der Ortsgemeinde verläuft der Fernwanderweg Westerwald-Steig.

Unweit vom Ort entfernt zwischen Hilgenroth und Marienthal befindet sich der Bahnhaltepunkt „Kloster Marienthal“ der Westerwald-Sieg-Bahn, auf welcher die Züge der Linie RB90 (Kreuztal–Siegen Hbf–Kirchen–Au (Sieg)–Altenkirchen (Westerwald)–Hachenburg–Nistertal/Bad Marienberg–Westerburg–Diez Ost–Limburg an der Lahn) der Hessischen Landesbahn (HLB), Bereich Dreiländerbahn, nach dem Rheinland-Pfalz-Takt täglich im Stundentakt in beide Richtungen verkehren; von Montag bis Freitag besteht zu den Hauptverkehrszeiten auf dem Abschnitt zwischen Au (Sieg) und Altenkirchen ein Takt von 30 Minuten. Der Bedarfshalt wird unter der Woche jedoch nur zweistündlich, und aufgrund von fehlender Bahnsteigbeleuchtung nur bis Einbruch der Dunkelheit bedient.

Wirtschaft Die landwirtschaftlichen Flächen in Hilgenroth werden inzwischen nur noch im Nebenerwerb oder von auswärtigen Landwirten bewirtschaftet. Eine Reihe von Handwerksbetrieben bieten Arbeitsplätze im Ort.

Literatur Gabriel Busch (Hrsg.): Hilgenroth/Marienthal – zwei Wallfahrtsorte, Siegburg, 1982. Daniel Schneider: Das Wappen der Ortsgemeinde Hilgenroth, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 46 (2003), S. 43–45. Daniel Schneider: Die erste nachweisbare Erwähnung der Ortsgemeinde Hilgenroth im Westerwald, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 69 (2026), S. 178–202. Daniel Schneider: Die Landstände in der Grafschaft Sayn sowie Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 33 (2007), S. 213–229. Daniel Schneider: Die letzten Kriegstage in Hilgenroth und Umgebung, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 43 (2000), S. 109–116 (Teil I) und 44 (2001), S. 124–130 (Teil II). Daniel Schneider: Die Geschichte der Ortsgemeinde Obererbach (Westerwald). Die Ortschaften Hacksen, Niedererbach, Obererbach und Koberstein vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 2 Bände, Obererbach 2009, ISBN 978-3-00-027494-7 (mit zahlreichen Bezügen zu Hilgenroth). Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 58 (2015), S. 74–80.

Weblinks

Internetpräsenz der Ortsgemeinde Hilgenroth Ortsgemeinde Hilgenroth auf den Seiten der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) Kategorie:Ersterwähnung 1428