miniatur|hochkant|Rüdiger Kuhlbrodt 2016 Rüdiger Nitzo Kuhlbrodt (* 20. November 1942 in Hamburg) ist ein deutscher Theater-, Film- und Fernseh-Schauspieler und Theater-Regisseur.
Leben Rüdiger Kuhlbrodt stammt aus einem akademischen Elternhaus. Er wuchs als fünftes Kind des maritimen Meteorologen und Leiter des Hamburger Seewetteramtes Erich Kuhlbrodt und der Geologin Lucie Kuhlbrodt in Hamburg-Eppendorf auf. Nach dem Abitur studierte er von 1964 bis 1967 Schauspiel an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg, abgerufen am 6. Februar 2024Mechthild Lange: Das ist ein verdammt harter Job... Jungschauspieler in Deutschland, in: Die Welt 7. Oktober 1967, in einem Jahrgang u. a. mit Dietmar Mues, Dagmar Berghoff und Heidemarie Rohweder. Es folgten erste Engagements im Rollenfach des „jugendlichen Helden“ am Stadttheater Pforzheim und am Mainfranken Theater Würzburg, am Theater Lübeck, später den Städtischen Bühnen Münster und 1975 am Schauspielhaus Bochum. Unter der Intendanz von Peter Zadek arbeitete Rüdiger Kuhlbrodt u. a. mit den Regisseuren Rosa von Praunheim, Werner Schroeter, Jiří Menzel, Augusto Fernandes sowie Jürgen Flimm zusammen. Zum Ensemble gehörten u. a. Hannelore Hoger, Tana Schanzara und Ulrich Wildgruber, aber auch Herbert Grönemeyer, Marie-Luise Marjan und Matthias Zschokke. Man erweiterte nicht nur den Rahmen von Theaterkunst, sondern erprobte auch das Mitbestimmungstheater. Rüdiger Kuhlbrodt beendete seine Bochumer Zeit 1979 mit einem hartnäckigen Arbeitskampf gegen den nachfolgenden Intendanten Claus Peymann. Dieser hatte 44 Mitgliedern des Bochumer Schauspielhauses gekündigt. Als Obmann der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (GDBA) erstritt er gemeinsam mit den Kollegen Abfindungen für alle Betroffenen.Bochum: Schauspieler in goldener Rüstung führte Protestmarsch an, in: Bild 9. November 1978Protest gegen Peymann: Schauspieler demonstrieren vor Arbeitsamt und Rathaus, in: Ruhr Nachrichten 9. November 1978Schauspieler demonstrieren: "Neue Besen, alte Besen - immer ist es so gewesen", in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung 9. November 1978
Nach einer kreativen Auszeit in Kalifornien, in der er den Kinofilm Exit Sunset Boulevard mit Elke Sommer und Azizi Johari drehte, baute er 1980 mit anderen Künstlern das alternative Theaterprojekt im ehemaligen Atlantik-Kino Düsseldorf auf. Eine „Knast-Tournee“ führte in Justizvollzugsanstalten in ganz Nordrhein-Westfalen, weitere Tourneen in andere theaterferne Einrichtungen wie Altenheime und Jugendzentren. Daraufhin holte ihn 1984 das Westfälische Landestheater als Oberspielleiter."Zu wenig Städte spüren eine Verpflichtung". WAZ-Gespräch mit R. Kuhlbrodt, dem neuen Oberspielleiter des Westfälischen Landestheaters, in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung 12. Juli 1984Neuer Oberspielleiter setzt auf Ensemblebildung und Projekte. Rüdiger Kuhlbrodt unterschrieb Jahresvertrag, in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung 2. Juni 1984 Hier realisierte Rüdiger Kuhlbrodt politische Revuen, so Der gläserne Mensch und Deutschland ein Wundermärchen, aber auch Romanadaptionen wie 1984, Kleiner Mann – was nun? sowie das Drama Hoppla, wir leben!. Außerdem inszenierte er das türkische Migrationsstück Sevdican – Tor der Hoffnung mit der bekannten türkischen Schauspielerin Dilek Türker in der Hauptrolle.
1986 folgte er einem Ruf Peter Zadeks als Schauspieler ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. Hier spielte er bis 1991 an der Seite u. a. von Susanne Lothar, Ulrich Tukur, Eva Mattes, Monica Bleibtreu und Michael Degen. Nach einem Ausflug ins Boulevardtheater an der Seite von Evelyn Hamann sowie Walter Plathe (Komödie Winterhuder Fährhaus Hamburg sowie Komödie am Kurfürstendamm Berlin) und dem Gastspiel Der Blaue Engel am Theater des Westens Berlin, Regie Peter Zadek, in der Hauptrolle Ute Lemper, wurde er 1994 unter der Direktion von Heiner Müller, Matthias Langhoff, Fritz Marquardt, Peter Palitzsch und Peter Zadek Mitglied des Berliner Ensembles. Nach 1996 folgten Gastverträge u. a. mit den Kammerspielen Berlin, der Deutschen Staatsoper Berlin, den Wiener Festwochen, der Schaubühne am Lehniner Platz, dem Schlosspark Theater Berlin, dem Theater der Landeshauptstadt Magdeburg, den Hamburger Kammerspielen, der Ruhrtriennale, den Freilichtspielen Schwäbisch Hall und dem Landestheater Salzburg. 2002 gründete er aus politischem Anlass (Zweiter Irakkrieg) die freie Gruppe Global Heroes, die mit der Multimedia-Performance Amerika im Krieg: Eine Serie auftrat.Reinhard Wengierek: God bless America. Deutsche Momente, in: Die Welt 13. September 2002
Daneben spielte Rüdiger Kuhlbrodt bisher in mehr als 200 Film- und Fernsehproduktionen, in denen er mittlerweile das Rollenfach des „angry grandpa“ bekleidet.
Privates Rüdiger Kuhlbrodt ist der Bruder des Archäologen, Tänzers und ehemaligen Intendanten der Ruhrfestspiele Eckhard Kuhlbrodt sowie des Staatsanwalts, Filmkritikers und Performers Dietrich Kuhlbrodt. Er ist in zweiter Ehe verheiratet und lebt in Berlin und Palm Beach, Florida.
Regien und Projekte 1968: Max Frisch: Die große Wut des Philipp Hotz 1970: Christopher Fry: Ein Phönix zuvielH. Reitberger: "Ein Phönix zuviel" altert nicht. Christopher Frys Stück neuinszeniert im Torturmtheater Sommerhausen, in: Main-Post 9. März 1970 1970: James Saunders:Der Schulmeister 1970: John Mortimer: Das PflichtmandatHintergründiger Witz aus England. Einakter von Saunders und Mortimer im Studio des Stadttheaters Würzburg, in: Main-Post 4. Mai 1970 1971: René de Obaldia: Seeluft (fr.: L’Air du large, 1966)Max Schmidt: Buschum oder nicht Buschum? René Obaldias Einakter "Seeluft" in Luigi Malipieros "Mitternachtsbühne", in: Main-Post 5. August 1971 1973: Luigi del Torre: Aus Mangel an BeweisenAnnemarie Fölske: Das zermürbende Nachspiel. "Aus Mangel an Beweisen" im Zimmertheater, in: Münstersche Zeitung 24. Mai 1973 1973: Louise Labé, Pierre de Ronsard, François Villon: Liebe und ReueAchim Kuhlmann: Ohne jede theatralische Feierlichkeit. Lyrikabend im Innenhof der Städtischen Bühnen Münster erschloss neue Möglichkeiten, in: Westfälische Nachrichten 13. Juli 1974 1980: Till Eulenspiegel 1983: Janosch: Ich sag, du bist ein Bär 1983: Hans Fallada: Jeder stirbt für sich alleinVon Schlagern bleibt oft nur ein Satz. Fünf Sekunden zum Thema "Wagner und Faschismus". Kollektiver Regiestil bei WLT-Inszenierung, in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung 10. Dezember 1983Schauspielrevue "Jeder stirbt für sich allein" am WLT: Die Schrecken des Dritten Reiches im Krimicharakter, in: Ruhr Nachrichten vom 10. Dezember 1983 1984: Der gläserne MenschGabi Specks: Ernst-Fälle. Westfälisches Landestheater in der "Werkstatt", in: Rheinische Post 20. September 1984 1984: George Orwell: 1984 1985: Nezihe Meriç: Sevdican – Tor der Hoffnung 1985: Ernst Toller: Hoppla, wir leben 1986: Deutschland ein Wundermärchen 1989: Henry Miller: Plexus Sexus Nexus 2007: Erich Kästner: Das blaue Buch. Kriegstagebuch und Romannotizen
Theaterrollen (Auswahl) 1975: Frühlingserwachen von Frank Wedekind, Rolle: Vater Gabor, Regie: Peter Zadek 1976: Sonny Boys von Neil Simon, Rolle: Ben Silverman, Regie: Hans Lietzau 1976: Menschen im Hotel von Vicki Baum, Rolle: Baron von Geigern, Regie: Rosa von Praunheim 1977: Käthchen von Heilbronn von Heinrich von Kleist, Rolle: Georg von Waldstätten, Regie: Werner Schroeter 1978: Der Untertan von Heinrich Mann, Rolle: Fuchsmajor, Regie: Jürgen Flimm 1979: Katzenspiel von István Örkény, Rolle: Neffe, Regie: Jiří Menzel 1982: Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht, Rolle: Mackie Messer, Regie: Roland Kabelitz 1984: Dantons Tod von Georg Büchner, Rolle: Georges Danton, Regie: Rainer Mathias BeckThomas Wiltberger: "Danton": Verständnisprobleme und ein überragender Hauptdarsteller, in: Ruhr Nachrichten 8. Oktober 1984 1986: Prawda von Howard Brenton und David Hare, Rolle: Michael Quince, Regie: Matthias Langhoff 1987: Andy von Burkhard Driest, Rolle: Olaf Wolpe, Regie: Peter Zadek 1988: Wölfe nach Carlos Saura, Rolle: Hauslehrer Anatol, Regie: Gerald UhligKlaus Witzeling: Sauras Film wurde zum Bühnendebakel, in: Hamburger Morgenpost 19. Juli 1988Alfred Hermsdörfer: "Nackte Haut ist auch ein Kostüm". Immer mehr Theaterregisseure bringen ihre Schauspieler hüllenlos auf die Bühne - alles für die Kunst?, in: Bild am Sonntag 7. Mai 1989 1988: Lulu von Frank Wedekind, Rolle: Journalist Heilmann, Regie: Peter Zadek 1988: Punkt Punkt Komma Strich von Wilfried Minks, Rolle: Ernst Jandl, Regie: Wilfried Minks 1989: Reineke Fuchs von Johann Wolfgang von Goethe, Rolle: Isegrimm der Wolf, Regie: Michael Bogdanov 1990: Road von Jim Cartwright, Rollen: Jerry, Brian, Professor etc., Regie: Peter KühnKlaus Witzeling: Sieben Typen im Spiel von Liebe und Sehnsucht, in: Hamburger Morgenpost 14. März 1990 1990: Amphitryon von Heinrich von Kleist, Rolle: Alkibiades, Regie: Niels-Peter Rudolph 1992: Der blaue Engel nach Heinrich Mann, Rolle: Konsul Wolters, Regie: Peter Zadek 1994: Antonius und Cleopatra von William Shakespeare, Rollen: Tidias, Prokuleus, Regie: Peter Zadek 1997: In der Sache J. Robert Oppenheimer von Heinar Kipphardt, Rolle: J. Robert Oppenheimer, Regie: Hermann Kleinselbeck 1998: Die Kassette von Carl Sternheim, Rolle: Heinrich Krull, Regie: Jürgen Thormann 1998: Doppelleben Deutsch von Marc Pommerening, Rolle: Johannes R. Becher, Regie: Hannes Hametner 1998: Histoire de Pygmalion et Don Juan ou Le Roi s'amuse, Rolle: Friedrich der Große, Regie: David SutherlandMichaela Schlangenwert: David Sutherland zeigt ein Handlungsballett - Die Campanini und der Alte Fritz in: Berliner Zeitung 2. Februar 1999 2000: Hamlet von William Shakespeare, Rolle: Güldenstern, Regie: Peter Zadek 2001: Hitlers Doktor Faust von Rolf Hochhuth, Rolle: Niels Bohr, Regie: Marcello de NardoErnst Schumacher: Zur Uraufführung von Hochhuths "Hitlers Dr. Faust" in: Berliner Zeitung 23.10.01 2004: Wallenstein von Friedrich von Schiller, Rolle: Wallenstein, Regie: Axel Schneider 2005: Don Carlos von Friedrich von Schiller, Rolle: Philipp II., Regie: Manfred Weiß 2008: Maestro von Christoph Klimke, Rolle: Maestro Herbert von Karajan, Regie: Johann KresnikAndres Müry: Der gepamperte Maestro in: Der Tagesspiegel, vom 12. November 2008Reinhard Kriechbaum: Parodien zuhauf in: nachtkritik.de, vom 7. November 2008
Filmografie (Auswahl) Kino 1980: Exit Sunset Boulevard, Regie: Bastian Clevé 1982: Sender Freies Bild, Regie: Rüdiger Daniel 1987: Der Einbruch, Regie: Bettina Woernle 1988: Blindman's Ball, Regie: Dore O. 1991: Der Eisbärkönig, Regie: Ola Solum 1992: Mau Mau, Regie: Uwe Schrader 1994: Das Rätsel Knut Hamsun, Regie: Bentein Baardson 1998: The Waiting Time, Regie: Stuart Orme 2007: Der Baader Meinhof Komplex, Regie: Uli Edel 2009: Blissestraße, Regie: Paul Donovan 2010: Der ganz große Traum, Regie: Sebastian Grobler 2013: König von Deutschland, Regie: David Dietl 2014: German Angst, Regie: Andreas Marschall
Fernsehen 1983: Rote Erde, Regie: Klaus Emmerich 1993: Ispettore Sarti, Regie: Giulio Questi 1995: Die Angst hat eine kalte Hand, Regie: Matti Geschonneck 1997–1998: Hinter Gittern – Der Frauenknast 1999: Virtual Vampire, Regie: Michael Busch 2000: Der Tunnel, Regie: Roland Suso Richter 2001: Utta Danella – Der blaue Vogel 2003: Ein starkes Team – Blutsbande 2004: Tsunami, Regie: Winfried Oelsner 2005: Die Bagdadbahn, Regie: Roland May 2005: Die Luftbrücke – Nur der Himmel war frei, Regie: Dror Zahavi 2006: Moppel-Ich, Regie: Thomas Nennstiel 2006: Polizeiruf 110, Folge: Traumtod, Regie: Christine Hartmann 2008: Tatort – Erntedank e. V., Regie: Angelina Maccarone 2008: Giacomo Puccini – Die dunkle Seite des Mondes, Regie: Andreas Morell 2009: Ein starkes Team, Folge: Im Zwielicht, Regie: Ulrich Zrenner 2009: Marie Brand und die Nacht der Vergeltung, Regie: Manuel Siebenmann 2010: Schicksalsjahre, Regie: Miguel Alexandre 2011: Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei, Regie: Heinz Dietz