Gaibach ist ein Gemeindeteil der Stadt Volkach im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Gaibach hat eine Fläche von 7,921 km². Sie ist in 877 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 9032,46 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Öttershausen.
Gaibach war bis zum freiwilligen Zusammenschluss mit Volkach am 1. Oktober 1978 eine selbständige Gemeinde. Die lange Phase der Unabhängigkeit rührt bereits aus der Frühen Neuzeit her. Das Dorf erhielt mit den Herren Echter von Mespelbrunn und später den Grafen von Schönborn mächtige Dorfherren, die ein eigenes Halsgericht etablierten. Gaibach wurde nie Teil des umgebenden Hochstifts Würzburg.
Die lange Souveränität führte auch dazu, dass das kleine Dorf verhältnismäßig viele architektonische Besonderheiten aufweist.Ferdinand Leuxner: Die Schönborns bauen in Gaibach – Grenzziehungen in einer herrschaftlichen Kulturlandschaft des 17. und 18. Jahrhunderts. In: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Geschichte, Kunst und Kultur. 76. Jahrgang (2024), Heft 3. S. 171–181. Neben dem Schloss der Dorfherren steht am zentralen Platz die Dreifaltigkeitskirche, die von Balthasar Neumann als Patronatskirche des Hauses Schönborn errichtet wurde. Die Grafen sorgten auch für die Errichtung einer Rundkapelle an der Ausfallstraße in Richtung Schweinfurt. Die Konstitutionssäule wurde als Reminiszenz an die Bayerische Verfassung von 1818 aufgerichtet. Im Jahr 2020 wurde Gaibach vom Bayerischen Landtag zu einem der 13 Orte der Demokratie in Bayern ernannt.
Geografische Lage Geografie und naturräumliche Gliederung Gaibach liegt im Norden des Volkacher Gemeindegebietes. Weiter nördlich beginnt der Landkreis Schweinfurt mit dem gleichnamigen Hauptort der Gemeinde Kolitzheim. Auch im Osten geht die Gemarkung in Schweinfurter Gebiet über, der Kolitzheimer Gemeindeteil Zeilitzheim liegt Gaibach am nächsten. Südöstlich erhebt sich der Volkacher Gemeindeteil Obervolkach, während im Süden die Kernstadt Volkach selbst zu finden ist. Fahr, wiederum ein Volkacher Gemeindeteil, liegt im Südwesten, westlich ist wiederum Gebiet des Landkreises Schweinfurt mit der Gemeinde Stammheim.
Nächstgelegene, größere Städte sind Kitzingen mit einer Distanz von etwa 17 Kilometern und Schweinfurt, das ebenfalls ungefähr 17 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das 23 Kilometer entfernte Würzburg.
Naturräumlich bildet das Gebiet um Gaibach eine eigene Untereinheit, die sogenannte Gaibacher Lößhochfläche. Sie ist Teil des Iphofen-Gerolzhofener Steigerwaldvorlands innerhalb der Mainfränkischen Platten.Geographie Giersbeck: Karte 152 Würzburg, PDF-Datei, abgerufen am 10. Januar 2019.
Das Dorf liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten in Deutschland zählt. Dies erklärt auch den Weinbau im Ort. Der Main selbst berührt die Gaibacher Gemarkung allerdings nicht, sondern fließt westlich vorbei. Im Dorf entspringt der Gaibach, der in Richtung Südosten in die Volkach abfließt. Ein weiterer Volkachzufluss ist der Eschbachgraben, der im Süden der Gemarkung entspringt. Die Quelle des Eschbachgrabens befindet sich ebenfalls auf der Gaibacher Gemarkung. Geologisch überwiegen Sandsteine des Oberen Muschelkalks und des Unteren Keupers. Gaibach liegt am Rande der Wipfeld-Gaibacher Störungszone, bei der die Gesteinspakete relativ zueinander vertikal bewegt wurden.
Dorfgliederung mini|Der Hof in Öttershausen (September 2014) Gaibacher liegt im Süden der Gemarkung, der ehemalige Gutshof Öttershausen grenzt im Norden an das Dorf und kam bereits im 19. Jahrhundert zu Gaibach. Zwischen beiden Gemeindeteilen liegt die Flur Englischer Garten, die vom ehemaligen Schlosspark eingenommen wird. Sie geht in die sogenannte Schönbornhöhe, den früheren Sonnenberg mit der Konstitutionssäule über.
Öttershausen wird von folgenden Fluren gebildet: Müllerfeld (im Norden), Kolitzheimer Grund (im Nordosten), Zeilitzheimer Grund (im Osten), Klinge (im Südosten), Laufberg (im Süden), Öttershausner Höhe (im äußersten Süden), Eulengrube (im Südwesten), Steinhügel (im Westen) und Neuer Berg (im Nordwesten). Zentrum ist das ehemalige Hofgut und der neuere Weiler an der Kreisstraße KT 35.
Der Gaibacher Westen wird von der Flur Gießhügel und der sogenannten Poppenhecke eingenommen. Gieshügel, eine alte Wüstung, war noch bis ins 15. Jahrhundert besiedelt, ehe die Felder zu Gaibach kamen. Dort befindet sich mit 288 m auch die höchste Erhebung der Gemarkung. Gaibach weist mit dem sogenannten Fasangarten oberhalb des ehemaligen Schlossparks ein Naturdenkmal auf.
Geschichte Wechselnde Dorfherren (bis 1412) Anders als einige Ansiedlungen in der Umgebung von Gaibach ist das Dorf selbst keine Gründung aus der Zeit der fränkischen Kolonisation. Die Endung -bach weist auf eine Besiedlung im 7. oder 8. nachchristlichen Jahrhundert hin. Der Name Gaibach, eine Rodungssiedlung, bedeutet demnach „fruchtbares, freies Land am Bach“, was sich auf das Gewässer Gaibach bezieht, das nahe Obervolkach in die Volkach einmündet.Gerhard Egert: Die Ortsnamen als siedlungshistorische Quelle. Lagestruktur und Deutung. S. 13 f.
Nach der angenommenen Gründung vergingen noch einige Jahrhunderte, bevor Gaibach zum Ende des 13. Jahrhunderts, im Jahr 1299, als „Guebach“ erstmals in den Quellen auftauchte. Das Ackerland des Dorfes war damals in den Händen der Herren von Gaibach, die als Ministeriale und Lehensträger der Grafen von Castell und des Würzburger Fürstbischofs die Dorfgüter verwalteten. Neben ihnen hatten auch andere Rechtsträger Güter in Gaibach, darunter das Steigerwaldkloster Ebrach und die Herren von Brackenlohr, die in Gaibach auch einen ihrer Ansitze unterhielten.
Im Jahr 1303 wurde Gotfried de Gubach als Letzter seiner Familie erwähnt. Die Dorfherrschaft ging in der Folgezeit auf wechselnde Adelsgeschlechter über: die Fuchs von Dornheim, die Ritter von Dettelbach, die Herren von Heidingsfeld, die Edelknechte Fere vom Berg, die Wolfskeel, die Rüdt von Collenberg und zuletzt, im Jahr 1412, auf die Zollner von der Hallburg.Katholisches Pfarramt Gaibach (Hrsg.): Gaibach, Pfarrkirche und Kreuzkapelle. S. 2. In diesem Jahr wurde Konrad Zollner mit der Vogtei des Dorfes belehnt.
Die Zollner von Gaibach (bis 1580) mini|hochkant|Valentin Echter von Mespelbrunn Der befestigte Fronhof, der den Mittelpunkt des Dorfes bildete, verblieb in den Händen der Volkacher Familie Rucker, ehe er im Jahr 1453 an Balthasar Fere vom Berg übergeben wurde. Von diesem gelangte er in die Hände des Endres Zollner von der Hallburg, der so seinen Einfluss über Gaibach ausbauen konnte. Im Jahr 1487 und 1491 wurde der Besitz der Hallburger Herren durch Ankauf zweier weiterer Gutshöfe erweitert.
Unter der Herrschaft des Hans Zollner stieg Gaibach im Jahr 1492 zum Stammsitz einer Linie des Adelsgeschlechts auf. Hans nannte sich fortan „Zollner von Gaibach“. Mit diesem Aufstieg ging auch der Ausbau der Befestigung einher, die mit Graben und Mauer zu einer Burg ausgebaut wurde. 1525 zerstörten Volkacher Bauernhaufen im Deutschen Bauernkrieg das Dorf und steckten die Burg in Brand. Bald darauf forcierten die Zollner den Wiederaufbau.
Im Jahr 1554 waren die Gaibacher Höhen um das Dorf Schauplatz einer kriegerischen Auseinandersetzung. Bundestruppen unter dem Befehl des Bohuslav Felix von Lobkowitz und Hassenstein verfolgten die Armee des Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach. Die Truppen des Markgrafen nahmen bereits Schlachtordnung ein, allerdings zögerte Hassenstein mit dem Angriff. Die eigentliche Schlacht begann dann nordöstlich von Stadtschwarzach.
In den folgenden Jahren verschuldeten sich die Herren von Gaibach immer mehr, sodass im Jahr 1580 Georg Sigmund Zollner von Gaibach seine Besitzungen und die Dorfherrschaft für 21.816 Gulden verkaufen musste.Gerhard Egert: Gaibach – Ein Abriss seiner Ortsgeschichte bis 1806. S. 17. Käufer waren die Brüder Adolf, Valentin und Dietrich Echter von Mespelbrunn, die daraufhin mit dem Halsgericht und der Vogtei belehnt wurden. Später erhielt Valentin Echter das Dorf allein.
Die Echter von Mespelbrunn (bis 1650) Unter dem Volkacher Amtmann Valentin Echter von Mespelbrunn wurde die Burg wiederum umgebaut. Es entstand ein großes Renaissanceschloss mit Befestigungsanlagen und Türmen. Gleichzeitig festigte der Bruder des Würzburger Fürstbischofs Julius auch die katholische Religion im Ort. Am 30. Oktober 1596 wurde Gaibach aus der Pfarrei Volkach ausgepfarrt und erhielt ein eigenes Gotteshaus. Nach dem Tod des ersten Dorfherren aus dem Geschlecht der Echter begann im Jahr 1626 erstmals die Pest in Gaibach zu wüten und tötete nahezu die Hälfte der Bevölkerung.
Der Dreißigjährige Krieg verschonte auch Gaibach nicht. Im Jahr 1631 eroberten die protestantischen Schweden das Dorf und richteten ein Massaker unter der Bevölkerung an. Als die Besetzung einige Jahre später endete, waren nur noch 15 Häuser bewohnt. Hierzu hatte auch die Pest beigetragen, die im Jahr 1632 erneut die Bevölkerung dezimiert hatte. Nur langsam konnte sich das Dorf von den Folgen des langen Krieges erholen.Katholisches Pfarramt Gaibach (Hrsg.): Gaibach, Pfarrkirche und Kreuzkapelle. S. 3.
Auch die Echter hatten unter dem Krieg sehr gelitten. Wiederum war die Herrschaft Gaibach verschuldet. Im Jahr 1645 sagten deshalb die Nachkommen des Valentins dem Würzburger Bischof das Lehen auf. Das Dorf kam in die Hände der Gläubiger, die es schnellstmöglich verkaufen wollten. Der erste Interessent, Feldmarschall Jobst Max von Gronsfeld, konnte jedoch die Summe von 12.000 Gulden nicht aufbringen.
Die Grafen von Schönborn (bis 1806) mini|Die Darstellung des barocken Schlossgartens von Salomon Kleiner Daraufhin wurde der Kaufpreis gesenkt und die hessische Ministerialenfamilie von Schönborn erwarb im Jahr 1650/1651 Dorf und Schloss zum Preis von 10.000 Gulden. Als Gaibach im Jahr 1668 an Lothar Franz von Schönborn übergeben wurde, der später zum Fürstbischof von Bamberg aufstieg, rückte der Ort in den Mittelpunkt des europäischen Geisteslebens. Wiederum baute man das Schloss um und ließ einen barocken Garten anlegen.
Im Jahr 1702 weilte Kaiser Joseph I. in Gaibach und erfreute sich an den großen Sammlungen des Kirchenfürsten Schönborn. 1724 erhielt Friedrich Carl von Schönborn das Dorf. Unter seiner Herrschaft hatte das Örtchen den Höhepunkt seines Einflusses. Mit der Fertigstellung der Pfarrkirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit durch den Baumeister Balthasar Neumann erhielt man ein Bauwerk von überregionalem Rang.Gerhard Egert: Gaibach – Ein Abriss seiner Ortsgeschichte bis 1806. S. 18. Ab dem Jahr 1746 war Gaibach allerdings nur noch ein gräflicher Nebensitz der Reichsgrafschaft Wiesentheid.
Mit der Besetzung durch die Soldaten der französischen Revolutionsarmee am Beginn des 19. Jahrhunderts und der Neuordnung Europas durch Napoleon verloren die Grafen den Einfluss über ihre Herrschaft. Franz Erwein von Schönborn wandelte in den letzten Jahren seiner Herrschaft den barocken Garten in einen englischen Landschaftspark um, das Schloss erhielt in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts seine heutige Form.
In Bayern (bis heute) mini|hochkant|Der Würzburger Bürgermeister Wilhelm Joseph Behr, Redner auf dem Gaibacher Fest. Abbildung auf dem Hambacher Tuch
Nach dem Ende der Mediatisierung war Gaibach im Jahr 1806 eine kurpfalzbayerische Landgemeinde geworden, der die Gemarkungen der Gutshöfe Öttershausen und Hallburg zugeordnet waren. Sie war dem Landgericht Volkach administrativ unterstellt worden, die Grafen behielten lediglich wenige standesherrliche Rechte. Nach einem Intermezzo im Großherzogtum Franken kam das Dorf 1814 endgültig zum jungen Königreich Bayern.