Burgstall ist die Bezeichnung für eine kleine Burg oder einen minderen Adelssitz, die bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts gebräuchlich war.Piper: Burgenkunde, S. 667.

Zum Begriff Das Wort, zu Stelle, ‚Ort, wo eine Burg steht‘ war im Süddeutschen verbreitet, und findet sich schon im Hochmittelalter: .Bit. 13330, nach Grimm. Ursprünglich synonym zu Burg beziehungsweise ‚Sitz eines Adeligen / einer Gerichtsbarkeit‘vergl. , historisches-franken.de (),Er. 7833 13330, nach Grimm. dürfte es bald speziell eine Höhenburgen bezeichnet haben (daher auch die Bedeutung ‚Burghügel‘),vergl. etwa die drei Burgstalle an Großglockner, aus dem Pasterzengletscher ragende Felsformationen, und andere Berge des Namens. und dann primär kleiner und abgelegenere Ansitze, befestigte Höfe (Rittergüter), Wehrtürme – während die größeren Burgen Veste und später Schloss genannt wurden – oder den wehrhaften Kern – der letzteren (Kernburg; ).Geszler reth. 39a, nach Grimm.

Bis in das 16. JahrhundertPiper: Burgenkunde. S. 19. wandelt sich die Bedeutung zu Burgstall ‚abgegangene Burg, überwachsener Rest‘, als bis heutige gültiger Fachbegriff der Burgenkunde. Der Grund dürfte sein, dass schon im Spätmittelalter viele Befestigungen aufgegeben wurden, weil sie ihre Funktion verloren oder das ansitzende Rittergeschlecht erlosch, und sich nach Ende der Ritterzeit nur diejenigen Burgen gehalten haben, die Siedlungskern einer Ortschaft, wichtigere Gerichtssitze oder Stamm- und Wohnburgen des Altadels waren. Die „Burgställe“ wurden zwischenzeitlich nur mehr als Außenposten, etwa für die Wegüberwachung und Zollerhebung, oder Fluchtburg (Rückzugsburg) verwendet und in der Folge dem Verfall preisgegeben.

Die ursprüngliche Bedeutung ist mittlerweile untergegangen. Schon im späteren 18. Jahrhundert fühlte sich ein Autor bemüßigt, die Frage ausführlicher zu diskutieren: Samuel Wilhelm Oetter: Bestätigte Wahrheit, daß die Burgställe wirkliche und nicht eingegangene Vesten oder Schlößer und von eben der Beschaffenheit wie diese waren …. In: Johann Mader (Hrsg.): Reichsritterschaftliches Magazin. Band 12, Eigenverlag, Frankfurt/Leipzig 1789, III, S. 232–260, hier S. 239 ().

Ortsnamenkunde mini|Die Pasterze mit den Felsinseln (Nunataks) Burgstalle, um 1850

Burgstall, Burgstahl lautet in der mittelhochdeutschen Form auch burestal.Otto Michael Schinko: Von Achner bis Zugtal: Berg-, Gewässer-, Haus-, Ried- und Siedlungsnamen im oberen Murtal. disserta Verlag, 2015, Eintrag Burgstall-Namen. S. 19 (). Auch dialektal verballhornt Burstel, Buschel, Borstel, Bostel ist das Wort im Oberdeutschen reich namenbildend.Fr. von Leber: Ritterburgen. Wien 1844, S. 199. Angabe in Grimm. So nennt das österreichische Namensverzeichnis Geonam etwa 110 Toponymika auf Burgstall, in allen Ländern außer Vorarlberg, darunter aber auch rein vergleichend einige höhere Berggipfel, auf denen sicherlich nie Burgen standen. Beispiele sind zahlreiche Orte namens Burgstall, wie auch Burstelberg (Wüstung bei Aichtal-Neuenhaus)Burstelberg Wüstung, leo-bw.de oder die – teils wegen verlorenem Namen so genannten – Ruinen Burschel (Greding, Bayern), Burstel (Stockach, Baden-Württemberg), Buschel (Treuchtlingen, Bayern, auf dem Burgstallberg) oder Buschl (Meinheim, Bayern).

Literatur Otto Piper: Burgenkunde. Nachdruck der 3. Auflage von 1912. Weltbild, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-554-7, S. 18–19 (). Der Burgstall. In: Johann Christoph Adelung: Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Zweyte, vermehrte und verbesserte Ausgabe. Band 1. Breitkopf, Leipzig 1793, Sp. 1268 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).

Einzelnachweise

Kategorie:Burgentyp nach Form und Erscheinungsbild Kategorie:Siedlungsname Kategorie:Wohngebäudetyp