In Staaten, in denen Kopten leben, kommt es in den letzten Jahren zu einer zunehmenden religiösen Diskriminierung und Verfolgung durch die islamischen Regime. Darunter ist vor allem Ägypten, wo ägyptische Christen, meist orientalisch-orthodox, nur noch 10 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Damit bildet sie die größte religiöse Minderheit in dem Land. Aber auch etwa in Libyen werden koptische Christen diskriminiert.

Während die Kopten in ihrer gesamten Geschichte hindurch verschiedene Grade an Verfolgung erlebt hatten, verurteilen heute Menschenrechtsorganisationen die „wachsende religiöse Intoleranz“ und sektiererische Gewalt gegen koptische Christen in den letzten Jahren sowie ein Versagen der ägyptischen und libyschen Regierung, sachgemäß zu ermitteln und die Verantwortlichen strafrechtlich zu belangen.

Verfolgungsgeschichte Arabisch-muslimische Eroberung Die moslemische Eroberung Ägyptens fand 640 nach Christus statt, bis dahin war Ägypten koptisch-christlich. Trotz des politischen Aufruhrs verblieb Ägypten ein überwiegend christliches Land, obwohl die durch Diskriminierung bedingten schrittweisen Konversionen zum Islam über die Jahrhunderte Ägypten von einem hauptsächlich christlichen zu einem hauptsächlich moslemischen Land wandelten; am Ende des 12. Jahrhunderts bildeten die Muslime erstmals die Mehrheit.

Dieser Prozess wurde durch die Christenverfolgungen während und nach der Herrschaft des fatimidischen Kalifen al-Hakim (regierte von 996–1021) zusammen mit den Kreuzzügen beschleunigt, aber auch durch die Annahme des Arabischen als Liturgiesprache in der Zeit des Patriarchen von Alexandrien, Papst Gabriel ibn-Turaik.Kamil, Jill (1997). Coptic Egypt: History and Guide. Kairo: Amerikanische Universität Kairo.

Diskriminierung seit den 1970er Jahren Das letzte Viertel des 20. und das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts waren von einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen Muslimen und der koptischen Minderheit Ägyptens geprägt. Dies zeigt sich einerseits durch tägliche Interaktionen wie die Beleidigung von koptischen Priestern durch moslemische Kinder, aber auch durch schwerwiegendere Ereignisse wie Angriffe auf koptische Kirchen, Klöster, Dörfer, Häuser und Geschäfte, vor allem in Oberägypten während der 1980er und 1990er Jahre; diese Zeit ist als Phase der Islamischen Wiedergeburt bekannt. Von 1992 bis 1998 töteten Islamisten in Ägypten mindestens 127 Kopten.U.S. State Department annual reports on `Human Rights Practices in Egypt`, in Murphy, Caryle, Passion for Islam : Shaping the Modern Middle East: the Egyptian Experience, Scribner; 1. Ausgabe (1. Oktober 2002) S. 329.

Ende der 1990er Jahre wurden im Governorat Minya, einem „antiken Zentrum des koptischen Glaubens“, fünf historische Kirchen, zwei Wohltätigkeitsorganisationen und 38 von Christen betriebene Geschäfte niedergebrannt. Die Zerstörungen wurden durchgeführt von „Banden junger Muslime, die Eisenstangen sowie Molotowcocktails schwingen und `Allah ist Groß!` rufen.“Murphy, Caryle, Passion for Islam : Shaping the Modern Middle East: the Egyptian Experience, Scribner; 1. Ausgabe, S. 242. Der Polizei wurde vorgeworfen, sich den Angreifern in mehreren Fällen angeschlossen zu haben. In Südägypten gab es Spannungen, als Terroristen in Klöster eindrangen und Mönche bedrohten, entführten und folterten, etwa bei den Angriffen auf Mönche des Klosters des Heiligen Fana 2008.

Die als „Einsammlung“ von „Steuern“ bezeichneten Raubzüge und Erpressungen gegen Kopten rührt von dem Glauben der Islamisten her, dass die traditionelle Dschisja-Kopfsteuer der Nichtmuslime wieder eingeführt werden müsste. Der Oberste Führer der Muslimbrüder, Mustafa Maschhur, drückte diesen Willen 1997 in einem Interview aus. Er konstatierte auch: “Wir sind dagegen, christliche Abgeordnete in der Volksversammlung zu haben ... die Top-Beamten, vor allem in der Armee, müssen Muslime sein, da wir ein moslemisches Land sind.” Christen könne nicht anvertraut werden, für Ägypten gegen christliche Ausländer zu kämpfen.Supreme Guide Mustafa Mashur talking to Khalid Daoud in an article printed in al Ahram Weekly Juli 5–9, 1997, in Murphy, Caryle, Passion for Islam, S. 241, 330. Derartige Aussagen der Moslembruderschaft und des Präsidenten Anwar Sadat brachten die Nichtmuslime, namentlich die Kopten, in Missgunst.Islam and democracy, John L. Esposito, John Obert Voll, S. 188. 1981 setzte Sadat den koptischen Papst Schenuda III. ab, da er ihn des Schürens „interkonfessionellen Unfriedens“ beschuldigte. Sadat suchte sich danach fünf koptische Bischöfe aus und bat sie, einen neuen Papst zu wählen. Sie lehnten ab, und erst 1985 setzte Präsident Hosny Mubarak Papst Schenuda III. wieder ein.

2007

Im Februar 2007 nahm die ägyptische Polizei in Armant zwei koptisch-orthodoxe Familien fest, nachdem diese zur Polizeistation gekommen waren, um Brandanschläge auf ihre Häuser anzuzeigen; die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) gibt an, dass die Kopten von der Polizei gezwungen wurden, ein Protokoll zu unterzeichnen, wonach sie ihre Häuser selbst angezündet hätten, um die Tat den Muslimen anzulasten und Polizeischutz anzufordern.Andreas M. Rauch: Verfolgte Christen: Weltweite Mißachtung der Religionsfreiheit in Die neue Ordnung, Nr. 1/2011 Februar

2010

Im Mai 2010 kam es in Ägypten zu einer Welle von Überfällen von Muslimen auf Kopten, was viele Christen dazu zwang, aus ihren eigenen Häusern zu fliehen. Trotz der verzweifelten Hilferufe traf die Polizei erst ein, nachdem die Gewalt vorbei war. Die Polizei nötigte die Kopten sogar dazu, sich mit ihren Angreifern zu „versöhnen“, um die Verfolgung zu vermeiden, während kein einziger Moslem für irgendeinen Angriff verurteilt wurde.

Bei einem Bombenanschlag auf eine koptische Kirche in Alexandria wurden am Neujahrstag 2011 mindestens 21 Menschen getötet. Der damalige Präsident Ägyptens Hosni Mubarak verurteilte den Anschlag. Im ägyptischen Staatsfernsehen machte der Gouverneur von Alexandria, Adel Labib, die islamistische Terrororganisation al-Qaida für den Anschlag verantwortlich. Am 5. März 2011 berichtete al-Arabiya, dass im Hauptquartier des Geheimdienstes in Alexandria offizielle Dokumente gefunden worden seien, die Pläne für einen Angriff auf koptische Kirchen bestätigen.Libya (and Beyond) LiveBlog: Any Advance? Der ägyptische Rechtsanwalt und Direktor des al-Kalema Center for Human Rights (ACHR) Mamdouh Nakhla hatte bereits zwei Tage nach dem Anschlag die Vermutung geäußert, dass es bei diesem Anschlag möglicherweise Komplizen im Innenministerium gegeben habe.Egyptian Security Guards Withdrew One Hour Before Church Blast, Say Eyewitnesses

Neuere Beispiele für Diskriminierung und Gewalt gegen Kopten (chronologische Auswahl)

2011 Nach der Revolution in Ägypten 2011 nahm die Besorgnis innerhalb der koptischen Bevölkerung hinsichtlich möglicher Übergriffe zu. Während des Sturzes von Husni Mubarak wurde von einer Zunahme der sektiererischen Gewalt berichtet – mit 24 Toten, 200 Verwundeten und drei niedergebrannten historischen Kirchen.

Am 23. Februar 2011 griffen Soldaten der ägyptischen Armee das in der Sketischen Wüste gelegene Anba-Bischoy-Kloster mit Maschinenpistolen an. Bei dem Vorfall soll ein Mönch erschossen und ein weiterer entführt worden sein. Insgesamt 19 andere Mitarbeiter des Klosters wurden erheblich verletzt. Gemäß einer Stellungnahme des ägyptischen Militärrats haben die Soldaten „ein paar Mauern entfernt“, die auf der Straße und auf Land gebaut worden waren, das dem Staat gehört. Nach Angaben Bischof Anba Damians hatte die Armee die Mönche in den Wochen davor aufgefordert, eine Schutzmauer um das Kloster zu bauen, weil die Sicherheitskräfte abgezogen und Tausende Gefangene aus den dortigen Gefängnissen freigelassen worden waren.Wieder Übergriffe gegen koptische Christen in ÄgyptenEgyptian Armed Forces Fire At Christian Monasteries, 19 Injured

Am 9. Oktober 2011 sind bei einer Demonstration von koptischen Christen in Kairo mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen. Es waren die schwersten Ausschreitungen in Ägypten seit dem Sturz von Ex-Präsident Mubarak. Die Kopten hatten zunächst friedlich dagegen protestiert, dass militante Moslems in der Provinz Assuan eine Kirche niedergebrannt hatten. Nach Augenzeugenberichten fuhr die Armee mit Panzern mitten in die Menge und überrollte mehrere Demonstranten.Viele Tote bei Ausschreitungen in Kairo sueddeutsche.de, 9. Oktober 2011.

2013

Bei der Präsidentschaftswahl in Ägypten 2012 wurde der Kandidat der Muslimbrüder Mohammed Mursi gewählt. Er und die islamistische Muslimbruderschaft setzten Ende 2012 eine neue Verfassung durch.

Ab Januar 2013 nahmen Protestbewegungen gegen die neue Regierung deutlich zu. Ende Juni kam es zu riesigen Massenprotesten. Im April 2013 wurde erstmals die Sankt-Markus-Kathedrale, der Sitz des koptischen Papstes, angegriffen. Die Sicherheitskräfte ließen die Randalierer gewähren und griffen erst nach einer Stunde ein.spiegel.de: Angriffe auf Kopten: Ägyptens Christen in Gefahr Die Muslimbruderschaft erklärte, die Christen hätten sich die Angriffe selbst zuzuschreiben, weil sie sich gegen die Muslimbrüder gestellt hätten. Daher dürften sich die Christen nicht über die Wut der Islamisten wundern.

Am 1. Juli 2013 stellte die Armee ein Ultimatum und zwei Tage später nahm sie Mursi fest. Die islamistischen Anhänger Mursis richteten Protestcamps ein. Seit der gewaltsamen Räumung der Protestcamps der Muslimbrüder in Kairo sahen sich die Christen in ganz Ägypten islamistischen Gewaltakten ausgesetzt. Innerhalb von fünf Tagen wurden durch die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi 63 Kirchen angezündet und zuvor geplündert. Fünf katholische Schulen in Minia, Suez und Assiut brannten zum Teil bis auf die Grundmauern ab. In den Städten Suez und Assiut wurden zwei Klöster zerstört, in Minia ein der Kirche zugehöriges Waisenhaus schwer beschädigt. In Kairo wurde auch der Konvent der Franziskanerinnen attackiert. In Alexandria lynchte ein wütender Mob auf offener Straße einen koptischen Taxifahrer, der aus Versehen in eine Pro-Mursi-Demonstration hineingeraten war. In Kairo wurden 58 Wohnhäuser, 85 Geschäfte und 16 Apotheken geplündert sowie in Luxor drei Hotels angezündet, die Kopten gehören.Brutale Übergriffe gegen Christen in Ägypten, Tagesspiegel, 18. August 2013

Nach der gewaltsamen Räumung der Protestlager der Mursi-Anhänger am 14. August 2013 attackierten Unterstützer der Muslimbrüder mehr als ein Dutzend koptische Kirchen. In der Provinz Minia wurde ein Kloster vollständig zerstört und geplündert. Mehrere Nil-Ausflugsschiffe von Kopten sowie Geschäfte und Apotheken wurden verwüstet, drei Kirchen in Brand gesetzt.„Islamisten rächen sich an uns Christen“, Kirche in NotRadikale Islamisten attackieren offenbar Kirchen, Die Welt, 14. August 2013.Three churches torched in Fayoum, In: Zeit Online, 14. August 2013

2015 Am 2. Februar 2015 enthaupteten Kämpfer der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) 21 koptischen Christen an einem Strand im Westen der libyschen Stadt Sirte. Bei den Opfern handelte es sich um Gastarbeiter in Libyen, von denen zwanzig ägyptische Kopten, dreizehn davon aus El-Or im Gouvernement al-Minya, und einer ein Christ aus Ghana war.Der Spiegel 8/2018, S. 96, Walter Mayr:Die Kirche der Märtyrer Sie wurden bei zwei Angriffen der Gruppe Ansar al-Scharia, die sich im Oktober 2014 dem IS angeschlossen hat, im Dezember 2014 und Januar 2015 entführt."ISIL Video zeigt Enthauptung christlicher Ägypter in Libyen"; Al Jazeera, 16. Februar 2015, abgerufen am 18. Februar 2015. Der koptische Patriarch Tawadros II. sprach die Männer bereits eine Woche nach ihrer Ermordung heilig und erkannte sie als Märtyrer an.

2016

Bei einem Anschlag in der Kirche St. Peter und Paul (Kairo) am 11. Dezember 2016 wurden während der Sonntagsmesse wiederum koptische Christen zum Opfer eines Sprengstoffattentäters. Mindestens 24 Menschen wurden getötet und 35 Personen verletzt.

2017