St. Johannis (auch: Johanniskirche) in Schweinfurt war die Hauptkirche der ehemaligen Reichsstadt Schweinfurt und ist heute eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche, die sich am Sitz des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Schweinfurt befindet.

St. Johannis ist eine der kunsthistorisch bedeutsamsten evangelischen Kirchen im fränkischen Maingebiet und steht auf dem Martin-Luther-Platz, einem erhabenen Platz nördlich des Marktplatzes.

Sie war als Bürgerkirche geplant und ab 1325 trug allein der Rat der Stadt Schweinfurt die Baulast. Geweiht ist sie dem Evangelisten Johannes und Johannes dem Täufer.Saffert, Erich: Die St.-Johannis-Kirche zu Schweinfurt am Main. S. 3. Im Herrenchor hängt das älteste Konfessionsbild Süddeutschlands, das Schweinfurter Konfessionsbild.

Baugeschichte Kirchenburg mini|hochkant|Romanisches Brautportal, auch Brauttor (1240)

Reste der Stadtmauer, die eng um den Nord- und Westbereich der Kirche verliefen, wurden 1258 erstmals urkundlich erwähnt. Grundmauern von Gaden wurden nördlich der Kirche, unter dem Alten Gymnasium aufgefunden. Dies lässt den Schluss zu, dass die Kirche ursprünglich als Kirchenburg und zum nördlichen Schutz der im 12. Jahrhundert neu angelegten heutigen Altstadt erbaut wurde.

Romanische Kirche Die Baugeschichte der Kirche beginnt spätestens gegen Ende des 12. Jahrhunderts.Vgl.: Schneider, Erich: Evangelische Kirchen. 1997. S. 8. Hier ist das 11. Jahrhundert erwähnt.St. Johanniskirche auf www.schweinfurtfuehrer.de; abgerufen am 8. Januar 2024. Schon im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts soll der Bau eines romanischen Chores (wohl als Teil einer dreischiffigen Basilika) als auch der des Nordturmes begonnen wurden sein. 1987 wurden bei archäologischen Ausgrabungen in diesem Chor Reste eines mutmaßlichen Vorgängerbaus gefunden. Daraus lässt schließen, dass das Alter der heutigen evangelischen Hauptkirche Schweinfurts noch weiter zurück reicht. 1237 war der Nordturm vollendet. Das Brautportal auf der Südseite, ein Wahrzeichen der Stadt, wurde 1240 errichtet.

Gotischer Ausbau mini|hochkant|Gotisches Querhaus mini|hochkant|Gotischer Taufstein (1367)

Mit dem Kauf eines Steinbruchs in Sömmersdorf wurde die Kirche 1325 erstmals urkundlich als „ecclesia“, als Pfarrkirche, erwähnt. 1360 stand der Kirchenbau in seiner ersten Form. Auf den Südturm hatte man verzichtet.

Bei einer ersten Erneuerung im Jahr 1400 wurde der kleine Chor abgerissen und durch einen größeren, gotischen ersetzt sowie die Sakristei angebaut. 1411 war der neue Chor fertiggestellt. 1417 war die Kirche erstmals vollständig unterkellert. Im Jahr 1460 folgte der Anbau des späteren Herrenchors als Heilig-Grab-Kapelle. Der heute nicht mehr vorhandene gotische Hochaltar wurde 1484 geschaffen.

Neuzeit 1542 hatte die Freie Reichsstadt Schweinfurt die Reformation übernommen. St. Johannis wurde evangelische Stadtkirche. Bei der Verwüstung der Stadt im Zweiten Markgrafenkrieg 1554 wurde sie schwer beschädigt. Ab 1555 erfolgte der Wiederaufbau. Zum Ende des 16. Jahrhunderts erhielt die Kirche Holzemporen im Süden. Nach erneuter Renovierung im Jahr 1604 wurde 1620 der Treppenturm im Nordwesten angebaut. Im Jahr 1662 bekam St. Johannis eine Barockorgel, die heute nicht mehr vorhanden ist.

1707–1739 wurde die Kirche innen umfassend renoviert. Durch den Einbau von Holzemporen wurde sie stark verändert. Die ursprünglichen Pultdächer wurden durch Mansarddächer ersetzt, die fensterlosen Hochschiffswände, die sie als Pseudobasilika kennzeichneten, sind seither nicht mehr von außen zu sehen. Im Jahr 1744 war der Bau des südwestlichen Treppenturms abgeschlossen. 1888 wurde eine Heizung, 1905 eine elektrische Beleuchtung eingebaut.Wößner, Wiltrud: Die St. Johanniskirche Schweinfurt. S. 7.

20. Jahrhundert Bei einer umfassenden Renovierung im Jahr 1911 entfernte Professor Otto Schulz zahlreiche Ergänzungen des Barocks und legte die Fresken und Malereien des Mittelalters wieder frei. Mehrere neue Eingänge wurden geschaffen, farbige Glasfenster, die heute nicht mehr existieren, angeschafft. Der Zweite Weltkrieg verschonte St. Johannis nicht, einige Kunstwerke konnten jedoch ab 1942 im neugeschaffenen, geschützten Archivraum im Turmuntergeschoss eingelagert werden.

Die unmittelbare Nachkriegszeit wurde für den Wiederaufbau genutzt. Die Holzteile der Kirche wurden entfernt, eine Holzdecke wurde eingezogen. 1960–1964 wurden die Außenmauern renoviert. Hierbei wurde das Nordportal in ein Fenster zurückverwandelt. Ein Vorbau am Haupteingang im Westen, eine Ergänzung aus dem späten 19. Jahrhundert, wurde entfernt.

In den Jahren 1984–1992 folgte die Innenerneuerung der Johanniskirche. Die Turmkapelle wurde innen wieder geöffnet, die Sakristei erhielt einen Westzugang. Die Kirche wird vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege unter der Nummer D-6-62-000-104 eingeordnet.https://geoportal.bayern.de/denkmalatlas/searchResult.html?koid=58776&objtyp=bau&top=1

Architektur Acht Jahrhunderte mit ihren Kriegen, Wiederaufbauten und Ergänzungen drücken sich in der Architektur aus. Eine eindeutige stilgeschichtliche Einordnung ist deshalb schwierig.

Südseite mini|Südseite. Merian-Stich von 1646 mini|Südseite um 1900

Die Schauseite der Kirche aus fränkischem Sandstein wird von der mächtigen Giebelwand des Querhauses dominiert. dessen Zweischiffigkeit ist auch von außen erkennbar. In der Mitte befindet sich das spätromanische Brautportal, weitere Gliederungen bestehen aus Lisenen, verschiedenen Friesen und den Gewänden der Rundfenster. Blendarkaden mit Knospenkapitellen weisen bereits auf die Formen der frühen Gotik hin. Neueren Datums sind die beiden Spitzfenster, die 1890 im neugotischen Stil erbaut wurden. Historische Abbildungen lassen eine Entwicklung des Langhauses aus einer Pseudobasilika in Richtung Hallenkirche erkennen; im 17. Jahrhundert gab es zwischen Seitenschiffsdach und Mittelschiffsdach eine mit Blenden geschmückte fensterlose Hochschiffswand, um 1900 war die untere Dachpartie deutlich steiler als die obere, ähnlich einem Mansardendach, heute nimmt die Dachneigung zur Traufe hin leicht ab.

Das Brautportal wird von Ornamenten der Spätromanik mit Rankenwerk und mehreren Fabelwesen geprägt. Der Meister ist unbekannt. Im Jahre 1891 mussten mehrere Teile neugotisch ergänzt werden. Joseph Metzger schuf die Säulen der Figuren und die Figur des Apostels Johannes links. Johannes der Täufer, rechts, entstand wohl im 14. Jahrhundert. Das Tympanon ist zerstört, die Ornamentik der Bogenkehlen besteht aus Drachen, die mit Löwen ringen.

Rechts vom Giebel ist der Unterbau des verworfenen Südturmes erkennbar. Daneben befindet sich die Sakristeierweiterung von 1411. Die Dächer, zu verschiedenen Seiten schräg abfallend, wurden nach einer 1646 angefertigten Zeichnung für Matthäus Merian verändert. Die Südseite schließt rechts mit dem Chor ab. Er hat Pultdächer und Stirngiebel und ist mit Kreuzblumen geschmückt. Links vom Querhaus befindet sich die kleine, 1739 barockisierte Taufkapelle mit einem Mansarddach.Brandl, Andrea: Das Portal der Johanniskirche. S. 223.

Das Langhaus-Südportal mit einem frühgotischen Portalbogen schließt sich links an. Die Gewände sind mit Wulsten, Kanten und Hohlkehlen verziert. Die äußere Bogenkehle zeigt Eichenlaubornament. 1962 wurde die Maske im Scheitel ergänzt.

Das Tympanon fehlt, die Figuren in der inneren Bogenkehle sind schwer zu entziffern. Es handelt sich wohl um zwei Tiere und zwei Männer, einer mit einem Schwert. Weiterhin sind phantastische Lebewesen mit Menschenkörpern erkennbar. Zwei Konsolen mit einem Affen und einem Fabeltier tragen den Türsturz. Der Bogen ist mit einem Maßwerkrelief geschmückt. Links vom Portal befinden sich Wetzrillen.

Westseite mini|Nord- und Westseite, ohne Vorbau am Haupteingang. 19. Jahrhundert mini|Westseite, mit Vorbau am Haupteingang. Um 1900

Die Westseite der Kirche erscheint wesentlich schlichter als die Südseite und wird nur durch die beiden Treppentürme gegliedert. Der nördliche wurde 1620 errichtet und musste 1950 neu aufgebaut werden. Im Jahr 1744 entstand der südliche Turm. Das Portal, das zeitgleich mit dem Langhausportal im Süden entstand, befindet sich nicht in der Mitte der Wand, sondern ist von der Nordecke dreieinhalb Meter weiter entfernt, als von der Südecke, entsprechend dem Gewölbe unter der Westempore, das unter dem Nordseitenschiff ein Joch breiter ist als unter dem Südseitenschiff. Es gleicht diesem in Form und Größe. Allerdings ist es kaum geschmückt. Lediglich ein Kreuz im Giebelfeld und das Johannissiegel von 1963 gliedern es. Ebenfalls 1963 entstanden die Stützkonsolen des Tympanons.

Nordseite Die Johanniskirche wirkt im Norden festungsartig mit Wandstärken von 1,40 m. Dies erklärt sich aus der ursprünglichen Nähe zur Stadtmauer, die parallel verlief. Gegliedert wird die Fassade dort durch das Querhaus, den Herrenchor und den einzigen Turm.

Die Rundbogenfenster im schlichten Querhausgiebel rechts vom Turm stammen aus dem Jahr 1911. Auf der linken Seite des Turmes befindet sich der gotische Chor mit hohen Fenstern von 1411. Die seit 1911 erwähnten farbigen Glasfenster gingen im Zweiten Weltkrieg verloren.

Der Herrenchor rechts vom Querhausgiebel entstand 1562. Seine Volutengiebel haben Renaissanceformen. Ursprünglich eingewölbt, wurde er 1762 barockisiert. Die Gewände der Fenster haben spätgotische Ausformungen. Der Meister, der auch an der Langhausnordwand arbeitete, hat sich mit seinem Zeichen dort verewigt.

Turm Der Turm hat sechs Geschosse und überragt mit seinen 43 Metern das übrige Gebäude. Die untersten Etagen sind im romanischen Stil errichtet. Innen befindet sich die Turmkapelle. Zwei Rundbogenfenster stammen aus der ersten Bauphase des Gotteshauses um das Jahr 1200. Im Jahr 1989 wurde die Außentür entfernt, als die Turmkapelle wieder vom Kircheninneren aus betreten werden konnte. Nach dem Markgräflerkrieg wurden die drei oberen Geschosse erneut errichtet.Vgl.: Schneider, Erich: Evangelische Kirchen Schweinfurt.

Im Jahr 1562 war der Aufbau abgeschlossen, eine niedrige Kuppel mit Laterne wurde aufgesetzt. Im fünften Geschoss hängen vier Glocken, auf der letzten Etage lag früher die Türmerwohnung. Das Sandsteinmauerwerk wurde dort nur an den Ecken hochgezogen. Mehrere Kanonenkugeln wurden eingemauert. Ein primitiver Lastenaufzug diente dem letzten Turmbewohner, einem Schuster, zum Transport seiner Waren.

Inschriften Zwei Inschriften in der Ostwand des Turmes auf 18 m beschreiben den Wiederaufbau des Turmes nach 1554. Sie lauten links „ANO• 1• 5• 54• IAP• DEM• 1• MAII“ (im Jahre 1554, am Tage Jacobi Philippi, dem 1. Mai), was den Zerstörungstermin nennt, und rechts „ANNO/ 1560/ DEN• 10•/ IVNII“ (im Jahre 1560, am 10. Juni). Damit wird der Beginn des Wiederaufbaus genannt.

Glocken Die vier Glocken aus Bronze im Kirchturm von St. Johannis sind auf die Töne d′-f′-g′-b′ gestimmt und folgen dem Te-Deum-Motiv. Kurz nach der Wiedererrichtung des Turmes wurde die 1563 gegossene Zwölf-Uhr-Glocke im Glockenstuhl aufgehängt. Es folgte 1574 die Elf-Uhr-Glocke, 1767 die Vaterunser-Glocke und 1956 die Auferstehungsglocke.Schneider, Erich: Evangelische Kirchen. 1997. S. 10.

ÜbersichtGlockendatenbank createsoundscape.de: Evang. Johanniskirche in Schweinfurt Glocke Name Gussjahr Gießer Durchmesser Gewicht Schlagton 1 Zwölfuhrglocke  1563 Meister Heinrich, Trier 1500 mm 2000 kg d′ 2 Elfuhrglocke 1574 Christoph Glockengießer, Nürnberg 1250 mm 1300 kg f′ 3 Vaterunserglocke 1767 1020 mm 700 kg g′ 4 Auferstehungsglocke 1956 Glockengießerei Rincker, Sinn (Hessen) 860 mm 370 kg b′

Ostseite Auf der Ostseite der Kirche wird der Chorabschluss von zweifach gestuften Strebepfeiler eingerahmt. Teile des Chores sind überbaut, sodass ein Fünfachtelschluss entstand. Dort befindet sich eine Chorpforte. Das genaue Errichtungsdatum ist unbekannt, in den Quellen ist es mit dem Jahr 1665 erwähnt.

Innen