mini|Blick vom Kirchturm der St.-Moritz-Kirche auf die Stadt Mittenwalde ist eine amtsfreie Stadt im Landkreis Dahme-Spreewald im Land Brandenburg in Deutschland. Das Stadtgebiet ist identisch mit dem Gebiet des von 1992 bis 2003 existierenden Amtes Mittenwalde. Seit dem 25. Juni 2018 trägt Mittenwalde offiziell die Zusatzbezeichnung Paul-Gerhardt-StadtMittenwalde trägt den Titel Paul-Gerhardt-Stadt. In: Mitteilungen der Paul-Gerhardt-Gesellschaft, Dezember 2018, S. 15 und ehrt damit den „Ersten Ehrenbürger“ der Stadt, den evangelisch-lutherischen Kirchenlieddichter Paul Gerhardt.
Geografie Mittenwalde liegt an einem der ältesten Schifffahrtswege der Mark Brandenburg, der staugeregelten Notte. Er ist etwa 25 Kilometer lang und führt durch die Ortsteile Schenkendorf-Krummensee, Mittenwalde und Telz bis in den benachbarten Landkreis Teltow-Fläming. Nordwestlich fließt der Zülowkanal am Stadtzentrum vorbei. Er ist durch den Zülowkanal-Durchstich mit der Notte verbunden. Nordöstlich des Stadtzentrums liegt der Tonsee; dort wurde bis in die 1920er Jahre Ton abgebaut. Die nordöstlich gelegenen, landwirtschaftlich genutzten Flächen werden durch den Grenzgraben B Mittenwalde entwässert.
Die Stadt Mittenwalde grenzt im Norden an Schönefeld, im Nordosten an Königs Wusterhausen, im Osten an Bestensee, im Südosten an Groß Köris, im Süden an Teupitz, im Südwesten an Zossen und im Westen an Rangsdorf.
Stadtgliederung Die Stadt Mittenwalde gliedert sich in folgende Ortsteile mit den zugehörigen Gemeindeteilen und Wohnplätzen (die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember 2019):Stadt Mittenwalde. Serviceportal des Landes Brandenburg, abgerufen am 3. August 2024.
Mittenwalde mit den Wohnplätzen Abzweigung, Galluner Müllerhaus, Pittchenmühle, Rohrlake und Vogelsang (2426 Einwohner) Brusendorf mit dem Gemeindeteil Boddinsfelde (423 Einwohner) Gallun (623 Einwohner) Motzen mit dem Wohnplatz Seebadsiedlung (1435 Einwohner) Ragow (1938 Einwohner) Schenkendorf-Krummensee mit den Wohnplätzen Am Krummen See, Krummensee und Schenkendorf (1089 Einwohner) Telz mit dem Wohnplatz Telzer Plan (397 Einwohner) Töpchin mit dem Gemeindeteil Waldeck und den Wohnplätzen Forsthaus Waldeck, Kiefernring und Töpchin-Siedlung (917 Einwohner)
In Motzen und Töpchin gibt es ausgedehnte Wochenendhaussiedlungen.
Geschichte 13. Jahrhundert mini|St.-Moritz-Kirche mini|hochkant|Stadttor Mittenwalde wurde 1307 erstmals urkundlich als „civitas“ erwähnt und war an allen märkischen Städtebünden beteiligt. Sie bestand aus einer askanischen Grenzburg gegen die Lausitz, die auf dem Hausgrabenberg vermutlich auf einem slawischen Burgwall errichtet worden war. Mittenwalde war im Hochmittelalter zur Zeit des deutschen Landesausbaus nach Osten Herrschaftszentrum der Wettiner auf dem Teltow. Nach der Niederlage Heinrichs des Erlauchten 1245 im sechsjährigen Teltow-Krieg fiel der gesamte Teltow mit Mittenwalde dauerhaft an die gemeinsam regierenden askanischen Markgrafen Johann I. und Otto III. und damit an die Mark Brandenburg. 1255 wurde Mittenwalde als Pfarr- und Archidiakonatsort genannt. 1307 wurde Mittenwalde erstmals in einer Urkunde als Stadt bezeichnet, als der Markgraf der Stadt das Recht einräumt, in der Herrschaft Teupitz Holz schlagen zu dürfen. Der Markgraf ließ einen ellipsenförmigen Grundriss der Stadt anlegen, der 500 Meter lang und 400 Meter breit war. Darin entstand ein gitterförmiges Straßennetz. Im Juni 1315 wurden die Holzungsrechte der Stadt vom Markgrafen Waldemar erneuert und erweitert. Unter Ludwig IV. wurden vier Juden in Mittenwalde angesiedelt, die fortan den Geldhandel betrieben. Sie erhielten einen Schutzbrief vom Markgrafen, jedoch keine Bürgerrechte und mussten sich in der Jüdenstraße ansiedeln, die im 21. Jahrhundert noch vorhanden ist.
Im Landbuch Karls IV. erschien Mittenwalde schließlich als Stadt und Burg (civitas et castrum), 1376 als Oppidum. Um 1375 hatte der Rat die Obergerichtsbarkeit vom Kurfürsten erworben und durfte fortan selbst Recht sprechen. An der Handelsstraße nach Dresden bzw. Cottbus gelegen entstand eine Zollstation; es wurde reger Handel betrieben, darunter auch mit Salz auf dem Salzmarkt, der im 21. Jahrhundert ebenfalls noch als Platz vorhanden ist. In dieser Zeit entstand auch 1394 die Spitalkapelle außerhalb der Stadt vor dem Köpenicker Tor. Sie wurde vom Rat mit Hufen Scheffelkorn sowie der Kirchenausstattung aus dem wüst gefallenen Dorf Wierigsdorf ausgestattet.
14. und 15. Jahrhundert Um 1400 beschwerte sich Hans von Torgow beim Bischof über die Mittenwalder Bürger über vermeintlich illegale Holzungen auf seinem Gebiet. Diese Auseinandersetzung führte vermutlich dazu, dass 1430 der Markgraf zwischen den Schenken von Landsberg und der Stadt Mittenwalde die Holzungsrechte erneut bestätigte und 1441 die Privilegien der Stadt erneuerte. 1455 erhielt Mittenwalde die kurfürstliche Mühle am Tor. Im September 1473 kam es zu einem Großbrand in der Stadt, von der sich Mittenwalde nur langsam erholte.
16. Jahrhundert Im Jahr 1573 hatten sich in Mittenwalde mittlerweile zahlreiche Gewerke angesiedelt. Es gab beispielsweise einen Gewandschneider, einen Schuster, einen Bäcker und einen Knochenhauer. Zwischen den beiden Toren gab es eine Korn- und eine Malzmühle; vor den Toren eine Loh- und Walkmühle sowie drei Windmühlen. Es gab einen Jahrmarkt, eine Waage, einen Stadtkeller und eine Badstube. Dem Rat standen außerdem der Angerzins sowie der Ackerzins zu. Im Dorf Ragow war eine Meierei mit drei Hufen entstanden; es gab einen Weinberg vor dem Mühlentor, der 40 Tonnen Ertrag pro Jahr brachte. In Mittenwalde waren mittlerweile 212 Feuerstellen (=Haushalte) ansässig. 1577 und 1598 suchte die Pest die Stadt heim, 1587 und 1617 gab es durch schlechte Ernten eine große Hungersnot.
17. Jahrhundert Vor dem Dreißigjährigen Krieg gab es in der Stadt 245 Häuser. Nach dem Durchzug kaiserlicher und schwedischer Truppen kam es zu Plünderungen und Belagerungen. Es kam zu zahlreichen Übergriffen auf die Bevölkerung; so wurden Mittenwalder Bürger mit dem Schwedentrunk gefoltert.Vera Schmidt: Die Geschichte der Stadt Mittenwalde: Stadtgründung und Stadtausbau. ohne Datumsangabe, S. 4, veröffentlicht auf der Website der Stadt Mittenwalde, abgerufen am 5. Mai 2020. Nach dem Krieg waren lediglich noch 43 Häuser bewohnt.
18. Jahrhundert mini|hochkant|Paul-Gerhardt-Denkmal mini|Mittenwalde auf einer Karte der Region, um 1800 Im Jahr 1719 gab es in Mittenwalde 177 Häuser, von denen allerdings 51 nach wie vor nicht bewohnt waren. Bis 1745 stieg die Anzahl der Häuser auf 198 Gebäude an, davon waren 21 nach wie vor wüst. Vor dem Berliner Tor gab es weitere 16 Häuser (eines wüst); vor dem Mühlentor sechs Gebäude. Die Wassermühle mit einem Gang war wieder im Betrieb. Es gab fünf Windmühlen, dazu kamen Zolleinnahmen aus dem Handel. Es gab eine Schleuse, die „Sühne“ genannt wurde, den Rats- und Deichselzoll bei Märkten sowie das Vorwerk Vogelsang. Bis 1772 war der Gebäudebestand auf 209 Häuser angewachsen.
19. Jahrhundert Mittenwalde wuchs weiter und so gab es 1801 bereits 250 Häuser; hinzu kamen 100 Scheunen. Es gab zahlreiche Gewerke, darunter einen Apotheker, einen Büchsenmacher, zwei Hebammen, einen Stadtmusikus, aber auch 46 Branntweinbrenner, einen Totengräber und einen Scharfrichter. Hinzu kamen sechs Akzisebediente, ein Aktuar, ein Briefträger, vier Magistratspersonen, ein Nachtwächter und viele andere Beschäftigte aus zahlreichen Gewerken. Neben der Wassermahl- und Schneidemühle gab es drei Windmühlen. 70 Häuser hatten das Recht; Bier zu brauen. In Mittenwalde fanden drei Mal pro Jahr ein großer Jahr- und Viehmarkt statt. Hinzu kamen drei kleinere Märkte. Es gab ein königliches Postamt sowie das Akzise- und Hauptzollamt. Mittenwalde gehörte 1836–1952 zum Landkreis Teltow (bis 1947 in der preußischen Provinz Brandenburg, 1947–1952 im Land Brandenburg). Im Jahr 1858 gab es 45 Hofeigentümer, die 25 Knechte und Mägde beschäftigten. Hinzu kamen 39 nebengewerbliche Landwirte mit 39 Knechten und Mädgen. In Mittenwalde lebten aber auch bereits 96 Arbeiter und 19 Bediente. Es gab 348 Besitzungen. Die größte umfasste 834 Morgen, weitere 57 Besitzungen waren zusammen 4128 Morgen groß. 118 weitere waren zusammen 1038 Morgen groß, 172 unter fünf Morgen Fläche. Die Statistik verzeichnete weiterhin zahlreiche Gewerke, darunter sieben Bäckermeister mit fünf Gesellen und einem Lehrling, fünf Seilermeister mit drei Gesellen und einem Lehrling, einen Korbwarenmachermeister mit einem Lehrling, zwei Töpfermeister mit drei Gesellen und einem Lehrling und viele mehr. Neben 15 Beamten erschienen aber auch sieben Rentiers (Rentner) und 36 Arme.
1860 bestand Mittenwalde aus der Stadt mit der Berliner Vorstadt, der Baruther Vorstadt sowie den drei Windmühlen. Es gab sechs öffentliche, 264 Wohn- und 534 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Brauerei, eine Wassergetreide- und Gipsmühle sowie vier Getreidemühlen.
Von 1879 bis 1952 bestand das Amtsgericht Mittenwalde.
20. Jahrhundert Im Jahr 1900 gab es in Mittenwalde mittlerweile 351 Häuser. Bis 1931 wuchs der Gebäudebestand auf 386 Wohnhäuser an. 1930 gab es die Ansiedlung Schenkendorfer Grund und Wirtshaus Waldschlößchen; 1932 die Wohnplätze Nordbahnhof, Ostbahnhof und Zementfalzziegelfabrik. Im Jahr 1941 waren die Wohnplätze Am Kanal, Galluner Chaussee und Schenkendorfer Chaussee hinzugekommen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 39 Hektar enteignet und aufgeteilt. 43 Bauern erhielten zusammen gerade einmal 22 Hektar Land. Weitere 17 Altbauern erhielten zusätzlich 17 Hektar Fläche. 1953 gründete sich eine LPG vom Typ I, die zunächst 18 Mitglieder hatte, die 69 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche betreuten. 1952–1993 war die Stadt Teil des Kreises Königs Wusterhausen (bis 1990 im DDR-Bezirk Potsdam, 1990–1993 im Land Brandenburg). 1960 bestand eine LPG Typ III mit 90 Mitgliedern und 638 Hektar Fläche sowie zwei LPG Typ I mit 22 Mitgliedern und 212 Hektar Fläche. Ein Jahr später schlossen sie sich mit der LPG Typ III zusammen. Im Jahr 1973 gab es in Mittenwalde den VEB Erdöl- und Erdgaserkundung, das VEB Kombinat Getreidewirtschaft sowie eine LPG. Der VEB Erdöl- und Erdgaserkundung wurde im selben Jahr zum VEB Untergrundspeicher Mittenwalde umfirmiert. Dieser Betrieb wurde 1984 zum Stammbetrieb des VEB Kombinat Gasanlagen Mittenwalde.
Nach der Wende schlossen sich 1992 die Gemeinden Brusendorf, Gallun, Motzen, Ragow, Schenkendorf, Töpchin und die Stadt Mittenwalde (alle Landkreis Königs Wusterhausen) und die Gemeinde Telz (Landkreis Zossen) zum Amt Mittenwalde zusammen. Mit der Gemeindereform 2003 in Brandenburg wurden diese Gemeinden zum 26. Oktober 2003 per Gesetz in die Stadt Mittenwalde eingegliedert. Das Amt Mittenwalde wurde aufgelöst und die Stadt Mittenwalde amtsfrei.
21. Jahrhundert Im August 2004 wurden im Rahmen einer Lehrgrabung mit dem Mittelalterarchäologen Felix Biermann Bereiche des als „Wendenfriedhof“ überlieferten Geländes südwestlich von Mittenwalde archäologisch untersucht. Neben Siedlungsspuren wurden 25 Körpergräber des 11. und 12. Jahrhunderts gefunden. Die Bestatteten waren in gestreckter Rückenlage und annähernd in Ost-West-Richtung beigesetzt worden. Mit einer Ausnahme waren jedoch alle Gräber mehr oder weniger stark gestört. Dieser Umstand schränkte die anschließend durchgeführte Untersuchung durch die Anthropologin Bettina Jungklaus ein. Die meisten Bestatteten waren zwischen 40 und 59 Jahre alt, gefolgt von Personen zwischen 20 und 39 Jahren. Mit nur fünf war die Anzahl von Kindergräbern ungewöhnlich niedrig. Von den 18 Erwachsenen waren nur zwei Frauen.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 2.314 1890 2.807 1910 3.185 1925 3.060 1933 3.036 1939 3.136 Jahr Einwohner 1946 3.432 1950 3.307 1964 2.591 1971 2.523 1981 2.174 1985 2.115 Jahr Einwohner 1990 1.981 1995 1.884 2000 2.210 2005 8.664 2010 8.724 2015 8.898 Jahr Einwohner 2020 9.428 2021 9.515 2022 9.701 2023 9.926 2024 10.02720259.977