mini|Klosterkirche Grimma aus Richtung Altstadt mini|Eine von Grimmas bekanntesten Ansichten: Klosterkirche und das über Jahrhunderte zugehörige Gymnasium St. Augustin mini|Klosterkirche Grimma (links) im Jahr 1915 mini|Blick in die Klosterkirche (2013), genutzt als Konzert-, Veranstaltungs- und Ausstellungs-Ort

Die Klosterkirche St. Augustin zu Grimma ist ein um 1435 als Saalkirche errichteter Sakralbau, dessen Vorgänger um 1300 erbaut wurde. Das Bauwerk hat bei einer Mauerstärke von fast eineinhalb Metern eine Länge von mehr als 54 Metern, eine durchschnittliche Breite von über 12 und eine Höhe von 19 Metern. Martin Luther nannte sie einst einen „Brustbrecher“.Quelle für die ursprüngliche Version dieses Wikipedia-Beitrags ist die Dokumentation von Ralf Thomas: Die Klosterkirche St. Augustin zu Grimma. Schreibmaschinen-Manuskript als Begleitmaterial zur gleichnamigen Ausstellung in der Frauenkirche zu Grimma (ca. 1987); Organisation: Thomas Ott – zu finden im Archiv der Fürstenschüler-Stiftung.

Die Klosterkirche Grimma bildet zusammen mit dem Gymnasium St. Augustin (Architekt: Hugo Nauck) ein einzigartiges bauliches Ensemble, das überregional zu den bekanntesten Stadtansichten der Muldestadt zählt.

Die Klosterkirche wurde bis zur Reformation vom Orden der Augustiner-Eremiten genutzt, anschließend bis 1937 als Kirche der angrenzenden Fürsten- und Landesschule zu Grimma, dann bis 1975 – aufgrund eines Nutzungsvertrages mit der Stadt Grimma als Gebäude-Eigentümerin – gelegentlich als evangelisch-lutherisches Gotteshaus. Nach Leerstand, baupolizeilicher Sperrung und großflächigem Einsturz des Daches 1989 wurde nach dem Zusammenbruch der DDR das Dach erneuert und die Umnutzung ermöglicht.

Gegenwart Die Klosterkirche ist ein leerstehendes Kirchenschiff in Grimmas Altstadt direkt an der Mulde. Die Stadtverwaltung bezeichnet sie als „Grimmas innerstädtische Kulturhalle“.Amtsblatt der Großen Kreisstadt Grimma. Nr. 11/2013, 27. Juli 2013, S. 1.

Die Klosterkirche dient als Stätte für Kunst, Kultur und Musik, für Ausstellungen, Konzerte und Zusammenkünfte. Besonders für Ausstellungen bietet sie eine gleichermaßen beeindruckende Länge und Höhe. Die lange Sichtachse führt zu drei großen Kirchenfenstern, deren mittleres zwei kleinere, historische Glasmosaiken mit Martin Luther und Philipp Melanchton zeigt.

Der Sakralbau wird seit 19. März 2016 auch als Kulisse für profanen Handel genutzt: Auf Initiative der Stadtverwaltung findet jährlich von Frühjahr bis Herbst an jedem dritten Sonnabend im Monat ein Frischemarkt für regionale Lebensmittel und Produkte statt. Auch gibt es alljährlich Grimmas Martinimarkt in der Klosterkirche.

Im August 2014 gab es ein Konzert namens „Rock in der Kirche“Roger Dietze: Rockige Rhythmen lassen Klosterkirche klingen – Leipziger Urgestein Tino Standhaft bestreitet Auftakt zu neuer Konzertreihe / Kleeberg und Genossen spielen als Vorband. In: Leipziger Volkszeitung. Ausgabe Muldental, 25. August 2014, S. 27., es gab keine Folgekonzerte.

Am 17. April 2015 wurde im Westflügel der Kirche, wo sich einst Orgel und Empore befanden, eine künstlerische Lichtinstallation offiziell freigegeben, anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Fotoverein Grimma“: Die 7,5 Meter breite und 5 Meter hohe Mosaik-Fotografie zeigt die beim Hochwasser 2002 zerstörte Pöppelmannbrücke und das Gymnasium St. Augustin und setzt sich aus 1.035 Porträtfotos von Fluthelfern zusammen. Geschaffen wurde die 450 Kilogramm schwere Installation mit 2.500 LED-Lampen vom Kunst- und Fotoverein Grimma; das Projekt wurde von der Stiftung der Sparkasse Muldental mit knapp 15.500 Euro gefördert.Cornelia Braun: Lichtinstallation mit 1000 Fluthelfern – Kunst- und Fotoverein Grimma gestaltet Mosaikfotografie in der Klosterkirche. In: Leipziger Volkszeitung. Ausgabe Muldental, 19. August 2014, S. 28.Leuchtende Attraktion in Grimmas Klosterkirche. In: Leipziger Volkszeitung. Ausgabe Muldental, 21. April 2015, S. 26.

Nach langjähriger Pause diente die Klosterkirche im Sommer 2017 einmal wieder als religiöser Ort: Die Teilnehmer der Vollkonferenz der Konfessionellen Evangelisch-Lutherischen Konferenz nutzten sie am 2. Juli 2017 für ihren Abschluss-Gottesdienst – das benachbarte Gymnasium St. Augustin war Tagungsstätte und Herberge für die Konferenzteilnehmer.elfk.deelfk.de

mini|Der MDR Musiksommer zu Gast in der Klosterkirche Grimma mini|Das MDR Musiksommer-Konzert am 7. Juli 2017 in der Klosterkirche Grimma Die Klosterkirche Grimma war am 7. Juli 2017 ausverkaufte Aufführungsstätte für ein Konzert des 26. MDR Musiksommers. Sie war für dessen Konzertreihe Perspektiven als „architektonisch reizvolle Spielstätte“ ausgewählt worden.mdr.demdr.deBroschüre 26. MDR-Musiksommer, Leipzig 2017, S. 7. Folgetermine gab es für 2018 und 2019.mdr.de

Elsa Brändström war eine Ausstellung gewidmet, die im Frühjahr 2018 in der Klosterkirche Station machte. Geschaffen haben sie 40 Künstlerinnen der GEDOK Bonn und Leipzig, der 1926 gegründeten Künstlerinnenvereinigung.

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Geschichte Zur Geschichte der Klosterkirche Grimma finden sich vielfältige Dokumente im Archiv der Fürstenschüler-Stiftung, das von 1992 bis 2010 von Kurt Schwabe geführt wurde und im benachbarten Gymnasium St. Augustin in der einstigen Rektorwohnung beheimatet war. Seit Frühjahr 2016 ist das Archiv im Dachgeschoss des angrenzenden Gebäudes Altes Seminar, zuvor Döringsches Freihaus, untergebracht.

Augustiner-Eremiten in Grimma Am 23. April 1287 gestattete Friedrich von Landsberg, zu dessen Herrschaftsbereich Grimma damals gehörte, Augustiner-Eremiten aus Gotha die Niederlassung in der Stadt. Im Bereich der Unterstadt, die damals wohl schon weitgehend ausgebaut war, errichteten die Augustinermönche ihr Kloster innerhalb der Stadtmauer, die hier parallel zum Muldenufer gebaut war. Kloster und Klosterkirche bestanden neben der innerstädtischen Pfarrorganisation als kirchliche Sondereinrichtungen.

Klosterkirche Außer der Kirche ist vom einstigen Kloster nichts erhalten. Die Klosterkirche, um 1300 baulich noch nicht fertiggestellt, wurde bereits 1315 durch ein Hochwasser teilweise fortgerissen. Die ungünstige Lage in Flussnähe hat aktuell bis in unser Jahrhundert (zuletzt im Juni 2013) immer wieder zu Beschädigungen geführt, obwohl das städtische Gelände in diesem Bereich im Laufe der Jahrhunderte um etwa zwei Meter aufgeschüttet worden ist. Nach einem Brand im Jahre 1430 ist die Klosterkirche wieder aufgebaut und am 8. Juni 1435 neu geweiht worden. Bei einer Mauerstärke von 1,45 Meter, einer Länge von 54,65 Meter und einer durchschnittlichen Breite von 12,25 Meter entspricht sie etwa der Augustiner-Mutterkirche in Gotha.

Vermutlich stammt somit die Baukonzeption aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, während die jetzigen Umfassungsmauern wenigstens teilweise auf die Zeit nach 1315 zurückgehen. Die fast sieben Meter hohe hölzerne Tonnenwölbung stammte aus den Jahren zwischen 1430 und 1435. Weitere Ein- und Anbauten kamen später hinzu.

Martin Luther und die Klosterkirche Grimma Einen „Brustbrecher“ soll Martin Luther nach einer von ihm gehaltenen Predigt die Klosterkirche genannt haben. Gemeint ist die Schwierigkeit, den rund 11.000 Kubikmeter umfassenden, 19 Meter hohen Raum – damals mit Holztonnendecke – mit klar verständlicher Stimme bis in die letzte Hörerreihe zu füllen. Von den etwa zehn Aufenthalten Luthers in Grimma – vorwiegend Übernachtungen auf Durchreisen – kann diese Äußerung im Zusammenhang stehen mit einem sonst nicht näher belegbaren Besuch des Klosters, das ja zu Luthers Orden gehörte. Leider ist eine Predigt, die er in Grimma gehalten hat, nicht überliefert.

Reformation 1529 wurde in Grimma die Reformation eingeführt. Schon 1522 hatten Mönche begonnen, das Kloster zu verlassen. Gleichwohl stellten die Visitatoren 1529 fest, dass noch neun Mönche die Anlage bewohnten und dass der Prior dieselbe zu räumen habe. Erst 1541 zogen die letzten Mönche aus. Mit der Auflösung des Klosters verlor die Klosterkirche ihre ursprüngliche Zweckbestimmung, sie hatte von da an nie ihre eigene Kirchgemeinde. Sie wurde seitdem überwiegend für evangelische und gelegentlich auch für katholische Gottesdienste genutzt.

Eigentümer ab 1550 Eigentümer der Klosterkirche nach der Reformation waren nacheinander die sächsischen Kurfürsten – erst der ernestinischen, ab 1547 der albertinischen Linie der Wettiner –, das Königreich Sachsen und ab 1918 der Freistaat Sachsen. Nach 1945 und der Bodenreform ist die Stadt Grimma die Eigentümerin (endgültig bekräftigt mit Vertrag vom 5. Mai 1976 zwischen Evangelisch-Lutherischem Bezirksbauamt und Bürgermeister der Stadt Grimma). Somit war dieser Sakralbau zu keiner Zeit Eigentum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens. Diese Situation ist für das historische Bauwerk im Zeitraum 1945 bis 1990 (also bis Ende der Deutschen Demokratischen Republik) verhängnisvoll gewesen.

Kirche der Fürstenschule Im Jahre 1543 hatte Herzog Moritz beschlossen, aus säkularisiertem Klostergut drei Landes- oder Fürstenschulen im Albertinischen Sachsen zu errichten, und zwar in Meißen, Pforta und Merseburg. Grimma gehörte bis 1547 nicht zu seinem Herrschaftsbereich, und die Errichtung einer Landesschule in Merseburg kam aufgrund des Einspruchs des dortigen Bischofs nicht zustande. Während eines Besuches in der Stadt bot der Rat der Stadt Grimma dem nunmehrigen Kurfürsten Moritz am 1. Mai 1549 die Klosteranlage an für die ausstehende Gründung der angekündigten dritten Fürstenschule. 1550 wurde die Klosterkirche der neu gegründeten Landesschule zugeordnet, die im einstigen Kloster ihr Zuhause fand. Sie diente fortan für die in der Schulordnung vorgegebenen Gottesdienste und zur Konfirmation der Alumnen. Sie war bis 1937 Schulkirche.

Bauliche Veränderungen, Gustav II. Adolf Die veränderte Nutzung der Klosterkirche sorgte im Laufe der Jahrhunderte für eine Reihe von Veränderungen am und im Gebäude. Die Altäre – mindestens zehn – wurden außer dem Hauptaltar beseitigt. 1617 wurde zur Erzielung einer besseren Akustik eine Bretterdecke eingezogen. Nach der Neueinrichtung des Chor- und Altarplatzes brach man den Lettner ab. Von einer darauf befindlichen Kreuzigungsgruppe gelangten die Christus-, Marien- und Johannesfigur ins Grimmaer Museum.

Der Leichnam des bei der Schlacht bei Lützen gefallenen Schwedenkönigs Gustav II. Adolf († ) wurde in einem großen Zug etappenweise mit mehreren mehrtägigen Zwischenstopps nach Wolgast überführt, am 16. Juli 1633 am Dreilindengrund, nahe der später benannten Gustav-Adolf-Schlucht in Wolgast, eingeschifft und nach Schweden gebracht. Eine Station dieses Zugs war die Klosterkirche Grimma, wo der Leichnam bis auf dem Altartisch öffentlich aufgebahrt wurde.

Zwischen 1679 und 1685 erfolgte die letzte größere Umgestaltung: Einfügung eines flachen hölzernen Kreuzgewölbes, Errichtung der Kanzel, Einbau der dreigeschossigen Empore an der nördlichen Längsseite und eines zusätzlichen Portals im Westgiebel. Auch das Äußere wurde weitergestaltet. Eine gründliche Erneuerung konnte in den Jahren 1840 bis 1841 durchgeführt werden, nachdem einige Jahre zuvor die alten Klostergebäude umgebaut und teilweise durch neue Schulgebäude ersetzt worden waren.

Verfall nach 1945 Die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde zu Grimma nutzte die Klosterkirche während der Sommermonate als gottesdienstliche Stätte – auch nach 1945. Nach der Aufhebung der Landesschule bzw. deren Umwandlung in eine Oberschule (später Erweiterte Oberschule) verblieb die Klosterkirche in städtischem Eigentum. 1952 teilte die Denkmalpflege in Dresden den Stadtoberen in Grimma mit, dass im Dachstuhl der Klosterkirche Hausschwamm deutlich sichtbar wäre.