Die Geschichte der Stadt Danzig umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Danzig () von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. mini|hochkant=2|Umgebung von Danzig mit Neufahrwasser und Weichselmünde um 1898 mini|130px|Altes Wappen von Danzig im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig Geschichte vom 7. bis 13. Jahrhundert Wikingerzeit 9. und 10. Jahrhundert mini|Handelswege im 10. Jahrhundert
Die Weichselmündung in die Ostsee war Teil eines wichtigen Handelsweges der skandinavischen Wikinger (Waräger) bis in das Byzantinische Reich. Der älteste archäologische Fund im Stadtgebiet des heutigen Danzig ist das Fragment einer arabischen Münze von etwa 812/820 westlich der Altstadt in der ul. Strzelnicka (Schützengasse), wo ein alter Handelsweg von Süden nach Norden verlief.Anfänge von Danzig Gedanopedia (polnisch) Dieser lag am Hagelsberg (Góra Gradowa). Es ist unsicher, ob auf diesem Berg eine Siedlung oder Burg bestand. Es sind fast keine archäologischen Funde gemacht worden, da das Gelände im 17. Jahrhundert mit einer Festung bebaut wurde. Eine arabische Münze von etwa 913/943 ist fast der einzige Fund, Siedlungs- oder Befestigungsspuren konnten bisher nicht festgestellt werden. Da es aber eine vergleichbare Burg im nahegelegenen Sopot gibt, ist es möglich, dass auch hier eine kleinere Burganlage bestand.
Eine Siedlung befand sich im Bereich des späteren Langen Marktes und der östlichen Langgasse (ul. Długa, am späteren Rechtstädtischen Rathaus) seit dem späten 9. Jahrhundert.Jerzy Kmieciński: Gdańsk – geneza średniowiecznego miasta i portu [= Danzig, Entstehung der mittelalterlichen Stadt und des Hafens]. In: Zakład archeologiczny. Nr. 65. 2017, S. 133–149, hier S. 136–140, mit Plan der frühen Siedlungen in Danzig (polnisch, mit englischen Abbildungserklärungen) Diese lag an der Mottlau und besaß einen Hafen. Die Bewohner betrieben Fischfang, Ackerbau und Viehzucht, und übten Handwerke wie das Schmiedehandwerk aus. Die Siedlung war mit einem Erdwall mit Faschinenverstärkung umgeben. Sie diente dem Handel an der Weichsel und ist mit Truso und Wolin vergleichbar, die von skandinavischen Händlern und Seeleuten genutzt wurden. Die ethnische Zusammensetzung der Siedlung ist bisher unbekannt, wahrscheinlich gab es prußische, kaschubische und skandinavische Bewohner.
Ein Friedhof befand sich an der Stelle des späteren Dominikanerklosters (jetzt Markthalle/Hala Targowa) spätestens seit dem 10. Jahrhundert.
Polnische Zeit 10. bis 12. Jahrhundert mini|Chronik von 997, mit Ersterwähnung urbem Gyddanyzc
Um 970/990 kam das Gebiet unter die Herrschaft des polnischen Herrschers Mieszko I. Von 997 ist die älteste Erwähnung der urbs Gyddanyzc erhalten, als der Missionar Adalbert von Prag hierher kam, um Prußen zu bekehren. Er stellte fest, dass es bereits Christen in Danzig gab.
Ob die Burgstadt Danzig zu dieser Zeit auf dem Hagelsberg lag oder sich an der Mottlau befand, ist unsicher. Es ist gut möglich, dass es bereits zu dieser Zeit eine Burgsiedlung auf einer Insel in der Mottlau gab, im Bereich des späteren Ordensburg (heute Ortsteil Zamczysko). Die ältesten archäologischen Datierungen sind allerdings erst aus der Zeit von etwa 1050 nachgewiesen worden.
Die Siedlung am späteren Langen Markt veränderte sich zu einem Platz des Handels-Hafen-Typus ohne Tierhaltung. Sie war ebenfalls durch eine starke Holz-Erde-Befestigung gesichert. Ihre räumliche Ausdehnung wird auf höchstens drei Hektar geschätzt.
Als Polen 1037–1039 sich durch heidnische Aufstände in Auflösung befand, lösten sich die pommerschen Stämme aus dem Piastenverbund. Kasimir I, der 1039 mit Unterstützung Kaiser Heinrichs III. immerhin Großpolen und Kleinpolen wieder zusammengeführt hatte, 1046 gegen die kaiserliche Politik auch Schlesien zurückgewann, eroberte 1047 mit Unterstützung des Kiewer Großfürsten Jaroslaw des Weisen auch Masowien und das Danziger Pommern zurück. Sein Sohn König Bolesław II. verlor aber um 1060 die Kontrolle über Pommerellen wieder. Nach seiner Flucht vor einem Aufstand 1079 verzichteten die Herrscher Polens 2016 Jahre lang auf den Königstitel. Um 1113/1116 eroberte der polnische Herzog Bolesław III. Schiefmund das Stettiner und das Danziger Pommern. Nach dessen Tod wurde Danzig im Rahmen der Senioratsverfassung dem Krakauer Seniorherzog unterstellt. In Danzig saßen seitdem Statthalter, die im Laufe der Zeit immer größere Kompetenzen und Eigenständigkeit erwarben.
Um 1180 wurde Sambor I. Statthalter in Danzig. In seiner Zeit wurde die Nikolaikirche (neben dem alten Friedhof des 10. Jahrhunderts) neu gebaut. Es entstand dort eine Siedlung von deutschen Kaufleuten, zum Teil aus Lübeck. 1186 gründete er das Kloster Oliva (Schamborius princeps Pomeranorum), es wurde auch mit dem Bau der Katharinenkirche als Stadtkirche begonnen. Sein Bruder Mestwin I. gründete 1209 das Prämonstratenserinnenkloster Zuckau. Er musste sich 1210 der Lehnshoheit des dänischen Königs unterstellen.
Herzogtum Pommerellen 13. Jahrhundert Mestwins I. Sohn Swantopolk II. (Zwentopolc, Świętopełk) regierte ab 1220. Im Folgejahr 1221 eroberte König Waldemar von Dänemark Danzig erneut. Die Dänische Vorherrschaft endete erst mit der Schlacht bei Bornhöved in Schleswig-Holstein am 22. Juli 1227.Christian Friedrich Wutstrack: Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung von dem königlich-preußischen Herzogthume Vor- und Hinter-Pommern. Maurer, Berlin und Stettin 1793, S. 46. Noch im selben Jahr entledigte sich Swantopolk auch der polnischen Oberhoheit; wegen säumiger Tributzahlungen vor eine Reichsversammlung geladen, überfiel er diese mit einem Heer und ließ am 23. November 1227 den polnischen Seniorherzog Leszek II. ermorden.
Unter seiner Herrschaft entwickelte sich die Siedlung um die Katharinen- und die Nikolaikirche weiter und erhielt zu einem unbekannten Zeitpunkt das Stadtrecht nach lübischem Recht (zwischen 1226 und 1263).Aus der Geschichte der Selbstverwaltung Danzigs von Andrzej Jaruszajtis, besonders S. 10 f. (4ff.) mit Chronologie der städtischen Entwicklung von 1220 bis 1271; einige seiner Ansichten sind nicht Konsens Er gründete 1227 das Dominikanerkloster als erstes Kloster in der Stadt.
Nach seinem Tod kam die Stadt nach Bruderkämpfen der Söhne 1271 unter die Kontrolle des brandenburgischen Markgrafen Konrad I. In den folgenden Kämpfen unterstützten Teile des deutschen Patriziats in Danzig die Brandenburger. Nach der Rückeroberung 1272 durch Mestwin II. wurden die Stadtmauern geschleift und einige der Abtrünnigen hingerichtet.
Als Mestwin II. 1294 ohne männliche Erben starb, fiel Danzig, laut dem Vertrag von Kempen (Kępno) von 1282 an den König Przemysław II. und blieb in den folgenden Jahrzehnten unter der Oberherrschaft wechselnder polnischer (und böhmischer) Herrscher.
Danzig unter dem Einfluss des Deutschen Ordens und in der Blütezeit der Hanse
Eingreifen des Deutschordensstaats 1308 rief Władysław Łokietek den Deutschen Orden gegen die Brandenburger zu Hilfe, die Danzig belagerten. Einer der Beweggründe für die Belagerung war der, dass die brandenburgischen Askanier vom römisch-deutschen Kaiser Friedrich II. im Dezember 1231 in Ravenna mit ‚Pommern‘ belehnt worden waren und diese Belehnung großzügig auf beide Herzogtümer dieses Namens anwendeten, obwohl das Danziger Pommern nie Reichslehen gewesen war. Am 8. Januar 1295 hatte der römisch-Deutsche König Adolf von Nassau (♛ 1292–1298) diese Belehnung erneuert. Nach dem Tod des letzten pommerellischen Herzogs sahen die Markgrafen die Chance, diese Belehnung zu nutzen. Den brandenburgischen Truppen öffneten deutsche Bürger Danzigs die Stadttore. Da der Deutsche Orden bei der Verteidigung der Danziger Burg mithalf, konnte der Markgraf von Brandenburg die Burg jedoch nicht einnehmen. Er zog aus Danzig ab, ließ jedoch eine schwache brandenburgische Besatzungstruppe zurück. Als die Verteidiger der Burg ihre militärische Überlegenheit erkannten, drangen sie in die Stadt ein und überwältigten die zurückgelassenen brandenburgischen Truppen. Der überwiegende Teil wurde niedergemetzelt. Danziger Parteigänger, die den brandenburgischen Truppen bei der Einnahme der Stadt behilflich gewesen waren, wurden hingerichtet.Johannes Voigt: Geschichte Preußens von der ältesten Zeit bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens. Vierter Band: Die Zeit von der Unterwerfung der Preußen 1283 bis zu Dieterichs von Altenburg Tod 1341, Königsberg 1830, S. 215. Der Deutsche Orden besetzte die Stadt und behielt sie – da die versprochene Entschädigung nicht ausgezahlt worden war – in seinem Besitz.
Um den Besitz Pommerellens mit Danzig rechtlich abzusichern, kaufte der Orden im Vertrag von Soldin am 13. September 1309 den Brandenburgern alle ihre – zweifelhaften – Besitztitel an Pommerellen, die sie seit 1269 (siehe auch Vertrag von Arnswalde) und aufgrund der früher durch Kaiser Friedrich II. erfolgten Belehnung mit Pommerellen geltend machen konnten, für 10.000 Mark Silber ab. Die Annexion Pommerellens durch die Ritter des Ordens führte zu einem langanhaltenden Rechtsstreit zwischen dem Königreich Polen und dem Deutschen Orden, der 1343 durch einen Vergleich im Friedensvertrag von Kalisch beendet wurde. Danach herrschte zwischen dem Deutschordensstaat und dem Königreich Polen 66 Jahre lang Frieden.
Hanse mini|Haupthandelsrouten der Hanse mini|hochkant|Danziger Hansekaufmann Giese 1532 im Londoner Stalhof; Gemälde von Hans Holbein dem Jüngeren.
Ab dem 13. Jahrhundert etablierte sich Danzig als Handelsknotenpunkt in der Ostsee.Philippe Dollinger: Die Hanse. Stuttgart 2012, S. 301–302. Es gibt Indizien dafür, dass sich bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts Handwerker und Kaufleute aus Lübeck in der Nähe der Parochialkirche St. Katharinen ansiedelten und dass diese Siedlung während der Auseinandersetzungen Swantopolks mit dem Deutschen Orden (1242–1248) wieder aufgegeben wurde.Gerard Labuda: Danzig. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 3 (1986), Sp. 564–565. Zeugnis der frühen Handelsbeziehungen zu Lübeck, das damals schon eine führende Rolle im Ostseehandel innehatte, liefert die älteste erhaltene Urkunde mit dem Danziger Siegel, das eine hochbordige Hansekogge zeigt.Rüdiger Ruhnau: Danzig. Geschichte einer Deutschen Stadt. Würzburg 1971, S. 28.
Am Ende des 13. Jahrhunderts besaßen die Danziger Kaufleute bereits einen großen Einfluss im Kontor Peterhof in Nowgorod und in Pommerellen und hatten sogar ein Mitspracherecht bei Gerichtsangelegenheiten.Henryk Samsonowicz: Danzig. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 3 (1986), Sp. 566. Danzig wurde zum Vorort des preußischen Quartiers innerhalb der Frühhanse und nahm damit spätestens ab 1377 eine Führungsrolle gegenüber Thorn und Elbing ein. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts ist eine immer stärkere Verflechtung im ostseeischen TransithandelMarian Biskup: Der Deutsche Orden und die Freiheiten der großen Städte in Preußen vom 13. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. In: Udo Arnold (Hrsg.): Stadt und Orden. Das Verhältnis des Deutschen Ordens zu den Städten in Livland, Preußen und dem Deutschen Reich. Marburg 1993, S. 113. und mit den Städten des wendischen Bundes, vor allem Hamburg und Lübeck, zu verzeichnen, die den Kern der am Ende des Jahrhunderts entstehenden Hanse bilden sollten. Diese agierten nun immer häufiger gemeinsam als frühhansische Städte, darunter auch Danzig.Jahnke Carsten: Die Hanse. Überlegungen zur Entwicklung des Hansebegriffes und der Hanse als Institution resp. Organisation. In: Hansische Geschichtsblätter, S. 26. Es ist die Teilnahme am sogenannten Hansetag von 1361 belegt. An den Auseinandersetzungen der Städte der Kölner Konföderation (siehe auch Kölner Konföderation) mit Dänemark und Schweden nahm Danzig seit 1367 teil.Henryk Samsonowicz: Danzig. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 3 (1986), Sp. 565–566.
Auseinandersetzungen mit dem Deutschen Orden