Brunn am Gebirge ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Mödling in Niederösterreich. Die Gemeinde liegt am Übergang des Wienerwaldes zum Wiener Becken unmittelbar südlich der Wiener Stadtgrenze und gehört zum Ballungsraum der Bundeshauptstadt Wien.

Die Besiedlung des Gemeindegebiets reicht bis in die Jungsteinzeit zurück; die frühneolithische Fundstelle im Wolfsholz zählt zu den ältesten bäuerlichen Siedlungen Österreichs. Über mehr als ein Jahrhundert war der Ort durch die Brunner Brauerei geprägt. Heute ist Brunn am Gebirge ein Wirtschafts- und Betriebsstandort im Süden Wiens mit ausgedehnten Gewerbe- und Industriegebieten sowie dem Businesspark Campus 21. Geografie Lage und Geologie Der Ort liegt an den östlichsten Ausläufern der nördlichen Kalkalpen sowie am Staffelbruch des Wiener Beckens (Thermenlinie). Eine Bohrung beim Felsenkeller, somit nahe dem Gebirgsrand, erreichte dennoch erst bei 231,4 m wieder das Grundgebirge. Das belegt, dass das Gebirge in diesem Gebiet sehr steil zum Wiener Becken absinkt.Franz Toula: Die Tiefbohrung bis 600 m Tiefe auf dem Gebiete der Fabrik chemischer Produkte und zwar der Holzverkohlungs-Industrie-Aktien-Gesellschaft in Liesing bei Wien. In: Nova Acta. Abhandlungen der Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher. Band C, Nr. 3. Halle 1914. S. 56. Brunn liegt südlich von Perchtoldsdorf und der Wiener Stadtgrenze an der Südbahn, sodass ein Teil des Ortes am Abhang des Wienerwaldes und der andere Teil bereits im Wiener Becken liegt. Diese Grenze verläuft im Gelände etwa entlang der Südbahn.

Brunn am Gebirge bildet eine einzige Katastralgemeinde und Ortschaft, gliedert sich aber in die Siedlungen Am Wolfsholz und Heidesiedlung. Die Gemeindefläche beträgt 7,26 km²; damit zählt Brunn zu den kleinen, dicht besiedelten Umlandgemeinden Wiens. Nachbargemeinden

Geschichte Siedlungsreste der jungsteinzeitlichen Bandkeramischen Kultur (älteste Phase) in der Flur Wolfsholz belegen, dass das Gebiet bereits ca. 5500 v. Chr. bewohnt war.Peter Stadler, Nadezhda Kotova (Hrsg.): Early Neolithic Settlement Brunn am Gebirge, Wolfsholz Site 2 in Lower Austria and the Origin of the Western Linear Pottery Culture (LPC). Weißbach, Beier&Beran 2010. Diese zählen zu den ältesten bekannten bäuerlichen Siedlungen Österreichs; die Besiedlung war jedoch nicht durchgehend.

In einigen Publikationen wird vermutet, dass die ehemalige römische Wasserleitung zum Legionslager Vindobona unter anderem mit Wasser aus Brunn gespeist worden sein könnte.Heinz Gerstbach: Die Römische Wasserleitung durch Hietzing nach Vindobona. Siedlungen zur Römerzeit im Bezirk Hietzing und römische Straßen in seiner Umgebung. In: Fenster in die Vergangenheit. Lokalgeschichtliche Schriftenreihe des 13. Wiener Gemeindebezirkes – Hietzing. Ausgabe 10. Hrsg. Bezirksmuseum Hietzing, Wien 2022. . S. 74. Konkrete Funde oder andere Belege gibt es dafür jedoch nicht.

Awarengräber, die in Mödling gefunden wurden, lassen darauf schließen, dass das Gebiet auch zu dieser Zeit bewohnt war. Aufgrund von Ausgrabungen nimmt man an, dass es zur Römerzeit hier eine Veteranensiedlung gab. Aus dieser Epoche stammt ein im Brunner Heimathaus verwahrtes Grabporträt einer Frau in norisch-pannonischer Tracht (um 100 n. Chr.), das als das einzige in Malerei ausgeführte römische Grabbildnis Österreichs gilt.

Etwa um 1000 dürfte das heutige Ortszentrum entstanden sein. Es nannte sich Prun oder Brun, was so viel wie Brunnen bedeutet. Urkundlich wurde Prunni im 12. Jahrhundert in einer Schenkungsurkunde erstmals erwähnt, mit der zwei Brunner Höfe an das Stift Klosterneuburg gelangten. 1370 ist im Ort eine Schule belegt, die zu den ältesten Dorfschulen Niederösterreichs zählt. 1459 stellte Kaiser Friedrich III. einen Freiheitsbrief aus, der den Brunnern eine eigene Gerichtsbarkeit sowie das alleinige Weinschankrecht im Ort einräumte. Um 1500 stand in Brunn eine Mauer rund um den Ort, die rund 300 Jahre lang Bestand hatte.

Während der ersten Türkenbelagerung 1529 wurde Brunn verwüstet. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) brachte Einquartierungen und schwere Belastungen, 1634 grassierte die Pest, 1652 zerstörte ein Großbrand einen erheblichen Teil des Ortes, und die Pestwelle von 1679/1680 forderte mehr als 200 Todesopfer. Während der zweiten Türkenbelagerung 1683 wurde Brunn durch osmanische und tatarische Verbände erneut zerstört.

Im 18. und 19. Jahrhundert prägte die Ziegelindustrie den Ort; im Zuge der Industrialisierung stieg die Einwohnerzahl bis um 1900 von rund 1100 auf etwa 3000. In der Zwischenkriegszeit siedelten sich weitere Betriebe an, darunter eine Glasfabrik und eine Verzinkerei (siehe Abschnitt Altlasten).

1938 wurde Brunn am Gebirge im Zuge der Schaffung von Groß-Wien in den 24. Wiener Gemeindebezirk (Mödling) eingegliedert. Der Zweite Weltkrieg hinterließ Kriegsschäden; unter anderem wurden 1944 und 1945 Dach und Fenster der Pfarrkirche St. Kunigunde schwer beschädigt, der Kirchturm wurde erst 1956 nach den Kriegsschäden wiederhergestellt.Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich südlich der Donau. Teil 1. Verlag Berger, Horn/Wien 2003, S. 333–337. 1954 wurde die Gemeinde wieder aus Wien ausgegliedert und kehrte zu Niederösterreich zurück. Zeit des Nationalsozialismus Wie zahlreiche andere Gemeinden untersagte Brunn am Gebirge im Zuge der nationalsozialistischen Judenverfolgung Juden den Aufenthalt im Ortsgebiet. Eine im Wien Museum verwahrte Fotografie aus den Jahren 1938 bis 1945 zeigt an der Ortseinfahrt ein Schild mit der Aufschrift „Juden unerwünscht“.

Zu den Brunner Opfern des Nationalsozialismus zählte der Offizier Adolf Sterz (1875–1939), der im Juni 1938 wegen seiner österreichisch-patriotischen Haltung verhaftet und im KZ Dachau inhaftiert wurde und 1939 an den Haftfolgen starb; nach ihm ist die Adolf-Sterz-Straße benannt. Ein 1950 enthülltes Denkmal im Schulpark (Feldgasse 1) erinnert an zehn zwischen 1934 und 1945 ums Leben gekommene Arbeiter, eine Gedenktafel am ehemaligen KPÖ-Haus (Bahnstraße 2) an ermordete Kommunisten. An weitere Opfer des Widerstands erinnern Straßenbenennungen wie der Franz-Anderle-Platz, die Jakob-Fuchs-Gasse, die Franz-Rehmann-Gasse und die Max-Schrems-Gasse. Biertradition Die Brautradition in Brunn am Gebirge begann 1790 in Form einer Kleinbrauerei. 1847 wurde die Brunner-Brau-Aktien-Gesellschaft gegründet, deren Areal 19 ha umfasste und die zu einer der größten Brauereien der damaligen Monarchie aufstieg. Über 200 Beschäftigte brauten mehr als 200.000 hl pro Jahr in zahlreichen Sorten. 1929 wurde die Brunner Brauerei an die Österreichische Brau AG verkauft, der Liesinger Brauerei angegliedert und als eigenständiges Unternehmen aufgelöst. Einige Ausstellungsstücke im Brauereimuseum im Brunner Heimathaus erinnern noch an diese Zeit.Buch-Dokumentation: Die Geschichte der Brunner Brauerei – 1790 bis 1930 – Eine Spurensuche von Dipl. Braumeister Günther Thömmes. Selbstverlag, Dezember 2010. Religion Die römisch-katholische Pfarre Brunn am Gebirge mit der Pfarrkirche St. Kunigunde gehört zum Vikariat unter dem Wienerwald der Erzdiözese Wien.

Seit 2021 besteht in Brunn am Gebirge zudem die rumänischsprachige Pfingstgemeinde Elim (Biserica Penticostală Elim), die zur Pfingstkirche Gemeinde Gottes in Österreich gehört. Sie ging aus einer um 1980 entstandenen Wiener rumänischen Pfingstgemeinde hervor und eröffnete ihr Kirchengebäude am Rennweg 85 am 8. Mai 2021; die Gottesdienste werden auf Rumänisch und Deutsch gehalten. Am 8. Juli 2024 wurde das Gebäude schwer beschädigt, als ein Mann mehrfach mit einem Lastkraftwagen dagegen fuhr; die drei zu diesem Zeitpunkt anwesenden Personen, darunter der Pastor, blieben unverletzt. Bevölkerungsentwicklung

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Die Jugendstil-Reihenhaussiedlung in der Franz Keim-Gasse

Bauwerke Gliedererhof Im „Gliedererhof“ lebte Rudolf Steiner bis zu seiner Berufung nach Weimar als Herausgeber der Naturwissenschaftlichen Schriften Goethes in der Weimarer Ausgabe (Sophien-Ausgabe). Dort schrieb er auch die Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften in Joseph Kürschners National-Literatur sowie die Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung. Kirche Die der hl. Kunigunde geweihte Pfarrkirche ist eine spätgotische Wallfahrtskirche des 15./16. Jahrhunderts mit Maßwerkfenstern und einem barocken Hochaltar; im 19. Jahrhundert wurde sie regotisiert. Ihr Grundriss weist Ähnlichkeiten mit dem des von Rudolf Steiner entworfenen ersten Goetheanums auf, eines monumentalen Holzbaus in Dornach im Kanton Solothurn in der Schweiz. Sie soll von den Baumeistern des Wiener Stephansdoms errichtet worden sein. Im Zweiten Weltkrieg wurden 1944 und 1945 Dach und Fenster schwer beschädigt; der Turm wurde 1956 nach den Kriegsschäden erneuert. Jugendstilreihenhäuser Die Jugendstilreihenhäuser in Brunn gelten als das einheitlichste Ensemble im Stil der Wiener Secession. Die zehn Reihenhäuser in der Franz Keim-Gasse wurden ab 1902 von dem Architekten Sepp Hubatsch errichtet. Veranstaltungen

In Brunn fand seit 2007 das Internationale Brunner Boogie Woogie-Piano & Blues-Festival statt. Sport In Brunn am Gebirge bestehen mehrere Sportvereine, darunter der Fußballverein Sportclub Brunn am Gebirge (SC Brunn) und die Sportunion Brunn am Gebirge. Am westlichen Ortsrand (Rennweg) betreibt der Golf & Country Club Brunn am Gebirge eine 18-Loch-Golfanlage mit Driving Range und Übungsbereichen. Wirtschaft und Infrastruktur Heute ist nur mehr ein kleiner Teil der Bevölkerung im Weinbau tätig; die Weingärten liegen an den Hängen des Wienerwaldes. Der Großteil ist in Industrie- und Handelsbetrieben, die sich im Industriegebiet sowie im Campus 21 angesiedelt haben, sowie in Wien tätig.

Im Osten der Gemeinde – entlang der Industrie- und Gewerbegebiete sowie im 1999 fertiggestellten Businesspark Campus 21 mit rund 150 Betrieben – haben zahlreiche Unternehmen ihren Standort. Mehrere Firmen haben in Campus 21 ihre Österreich-Zentrale: So haben McDonald’s Österreich und die TÜV-Austria-Gruppe mit rund 300 Beschäftigten hier ihren Sitz; ebenso hat der Enterprise Softwarehersteller ISIS Papyrus nebenan (Papyrus-Platz) seinen Hauptsitz in Brunn.

Von internationaler Bedeutung ist die IMS Nanofabrication GmbH mit Hauptsitz in Brunn (Wolfholzgasse): Das 1985 in Wien gegründete Unternehmen entwickelt und fertigt Multi-Beam-Maskenschreiber (Multi-Beam Mask Writer) für die Herstellung der Fotomasken der Halbleiterindustrie und gilt als weltweit führend auf diesem Gebiet; 2014 stellte es den ersten kommerziellen Multibeam-Maskenschreiber vor. IMS gehört seit 2015 zum US-Konzern Intel; im Jahr 2023 erwarben Bain Capital und der taiwanesische Halbleiterhersteller TSMC Minderheitsbeteiligungen, die das Unternehmen mit rund 4,3 Milliarden US-Dollar bewerteten.

Zu den Industrie- und Gewerbebetrieben zählen unter anderem die österreichischen Niederlassungen der Firmen Flowserve und Scania. In Brunn eröffnete Hornbach im August 1996 seine erste Österreich-Filiale.

Eine lange industrielle Tradition hat das Feuerverzinken: 1916 richtete Heinrich Bablik in Brunn eine erste Verzinkerei ein, aus der seine Söhne 1926 die Brunner Verzinkerei Brüder Bablik formten – einen der frühen Betriebe der Feuerverzinkung in Österreich. 1986 wurde der Betrieb von der deutschen Kopf-Gruppe übernommen und firmiert seither als Zinkpower Brunn; die Anlage im Bereich des Goldtruhenbaches ist bis heute in Betrieb.

Ende Jänner 2025 eröffnete im Osten der Gemeinde mit Topgolf Wien die erste Topgolf-Anlage Österreichs, eine über 30.000 m² große, dreigeschoßige Golf-Unterhaltungsanlage mit 102 Abschlagplätzen und einem rund 200 m langen Außenfeld. Der Betrieb stieß bei Anrainern wegen Lärm- und Lichtemissionen auf Kritik. Weinbau