European nursing care pathways (ENP) ist eine Pflegeklassifikation zur konkreten Formulierungsunterstützung im Rahmen der Pflegeprozessdokumentation. ENP beinhaltet Pflegediagnosen (mit Kennzeichen, Ursachen, Ressourcen), Pflegeziele und Pflegemaßnahmen, welche sowohl horizontal in der Struktur einer ENP-Praxisleitlinie, als auch vertikal mit einer jeweiligen eigenen taxonomischen Struktur der „Gruppen“ Pflegediagnosen, Kennzeichen, Ursachen, Ressourcen, Pflegeziele und Pflegemaßnahmen aufgebaut sind.Wieteck, Pia (Hrsg.) (2013:21): Praxisleitlinien Pflege, Planen und Dokumentieren auf Basis von Pflegediagnosen der Klassifikation ENP. Kassel, RECOM Verlag Unter einer ENP-Praxisleitlinie verstehen die ENP-Entwickler die fachlich fundierte und möglichst evidenzbasierte Zuordnung von pflegerisch möglichen Zielsetzungen und Maßnahmenkonzepten zur Behebung/Linderung eines Pflegeproblems/einer Pflegediagnose. Die Entwickler sprechen hier auch von modifizierten „praxisnahen Theorien“ oder von einem „pflegediagnosenbezogenen Behandlungspfad“.Wieteck, Pia (2003): European Nursing care Pathways (ENP®). Pflegerische Behandlungspfade auf der Basis von praxisnahen Theorien entwickeln. PR-Internet 5(11): 84-94Wieteck, Pia (2007:259) Dokumentation mithilfe der standardisierten Pflegefachsprache ENP®: Pflegeprozess detailliert und aktuell abbilden. Pflegezeitschrift 60(5): 257-259ilogs.at: bisg.umit.at:
ENP wird als kommerzielles Produkt von der Firma RECOM GmbH weiterentwickelt und vertrieben.
Entwicklungsgeschichte von ENP Die ENP Entwicklung begann 1989 an einer Krankenpflegeschule in Deutschland. Im Verlauf der Entwicklung haben sich mehrere Krankenpflegeschulen an der Entwicklung beteiligt. Zirka 1996, mit den ersten VeröffentlichungenWieteck, P. and H.-J. Velleuer (1994): Handbuch zur Pflegeplanung. Baunatal, RECOM zu ENP, wurde eine pflegewissenschaftliche Abteilung „ENP Research & Development Group“ zur Weiterentwicklung der Fachsprache bei der Firma RECOM (Einrichtung im Gesundheitswesen, siehe OID-Verzeichnis beim DIMDIdimdi.de: ) eingerichtet. Die ENP-Entwickler sind ein Team aus Pflege- und Gesundheitswissenschaftlern, welches sich die kontinuierliche Verbesserung des Systems in enger Zusammenarbeit mit den ENP-Anwendern vorgenommen hat. Ebenso zählen zum Team der ENP-Entwickler Fachübersetzer, welche die Übersetzungsprojekte leiten. Die verschiedenen nachfolgend dargestellten Phasen der Entwicklung konnten aus der Literatur nicht immer exakt datiert werden, da es zum einen Überlappungen der Phasen gibt, zum anderen entsprechende Beschreibungen nicht aufgefunden werden konnten. Einige Informationen stammen aus Kongressvorträgen.Fachkongress 2011, Veranstalter UMIT und tilak Thema: Eine Sprache für die Pflege
Phase 1 (1989–1998) – induktive Entwicklung Ausgangspunkt war zunächst eine induktive Vorgehensweise. Im Rahmen von Praxisanleitungen der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger wurden konkrete Pflegesituationen (> 2000) mit Patienten genutzt, um einen Pflegeplan zu erstellen und im Team mit Auszubildenden, Pflegepersonen und dem Lehrpersonal der Ausbildungsstätte zu konsentieren. Die gefundenen Formulierungen zur Abbildung der Pflegesituation in Form von Pflegeproblemen/-diagnosen, Pflegezielen und Pflegemaßnahmen wurden fachlich durch Literatur untermauert und katalogisiert. Ziel der damaligen Lehrpersonen war es, die Ausbildung sprachlich zu vereinheitlichen und den Auszubildenden eine Formulierungshilfe zur Pflegeprozessdokumentation zu bieten.Wieteck, Pia, Hrsg. (2004:27 ff): ENP – European Nursing care Pathways. Standardisierte Pflegefachsprache zur Abbildung von pflegerischen Behandlungspfaden. Bad Emstal, RECOM Verlag
Phase 2 (1998 bis heute) – Anwenderrückmeldungen zur Weiterentwicklung ENP wurde ab 1998 in Form einer Datenbank erstmals softwarefähig gemacht, welche in Softwareprodukten zur Pflegeprozessdokumentation eingebunden werden konnte.Wieteck, Pia (Hrsg.) (2004:25): ENP – European Nursing care Pathways. Standardisierte Pflegefachsprache zur Abbildung von pflegerischen Behandlungspfaden. Bad Emstal, RECOM Verlag Die Entwickler nutzten seit den ersten Anwendungen der Fachsprache ENP in einer Software die Rückmeldungen der Anwender zur Weiterentwicklung. So werden/wurden Rückmeldung bezüglich fehlender Pflegediagnosen/-maßnahmen analysiert und nach einem Abgleich mit der Fachliteratur/Leitlinien oder einer Begriffsanalyse in ENP aufgenommen.Wieteck, Pia, Hrsg. (2004:26 und 35): ENP – European Nursing care Pathways. Standardisierte Pflegefachsprache zur Abbildung von pflegerischen Behandlungspfaden. Bad Emstal, RECOM VerlagWieteck, Pia, Hrsg. (2013): Praxisleitlinien Pflege, Planen und Dokumentieren auf Basis von Pflegediagnosen der Klassifikation ENP. Kassel, RECOM Verlag Die erste Nutzung in einem Pflegedokumentationssystem kann durch eine Veröffentlichung auf 1996 datiert werden.Deppmeyer, Christine (1999): Vom Anspruch zur Wirklichkeit – Der Umgang mit Pflegeplanung und Pflegedokumentation. Die Schwester/Der Pfleger 38(9): 743-745 Die Nutzung von ENP in einer elektronischen Bewohnerakte in einer Altenpflegeeinrichtung wurde erstmals in einer Diplomarbeit von 2001 beschrieben.Wieteck, Pia (2001): Interventionsstudie zur Qualitätsentwicklung der Pflegedokumentation mit Hilfe eines EDV-gestützten Pflegeplanungsprogrammes in einer stationären Einrichtung. Pflege- und Gesundheitswissenschaft. Darmstadt, Evangelische Fachhochschule Darmstadt Diese Aussagen unterliegen einer gewissen Unschärfe, da es denkbar ist, dass ENP in einer elektronischen Patienten-/Bewohnerakte bereits vor den ersten Veröffentlichungen eingesetzt wurde. In der aktuellen Buchveröffentlichung von ENP schreiben die Autoren, dass bis heute Anwender die Weiterentwicklung von ENP beeinflussen und Anregungen nach entsprechender Prüfung der Fachliteratur aufgenommen werden.Wieteck, Pia, Hrsg. (2013:16): Praxisleitlinien Pflege, Planen und Dokumentieren auf Basis von Pflegediagnosen der Klassifikation ENP. Kassel, RECOM Verlag
Phase 3 (2005–2009) – Aufbau der Klassifikationsstruktur Anhand der Buchveröffentlichung von Pia Wieteck (Hrsg.) 2004 kann nachvollzogen werden, dass die gesamten Bestandteile von ENP eine Notation (eindeutige Nummerierung) haben. Die Autorin schreibt in dieser Veröffentlichung, dass ENP noch kein Klassifikationssystem mit einer eigenen Taxonomie ist.Wieteck, Pia (Hg.): (2004:72) ENP – European Nursing care Pathways. Standardisierte Pflegefachsprache zur Abbildung von pflegerischen Behandlungspfaden. 1. Auflage, Bad Emstal: RECOM Verlag Diese wurde erst Schritt für Schritt in den Jahren 2005–2009 aufgebaut. In den seit 2006 auf der ENP-Homepage veröffentlichten wissenschaftlichen Hintergründen zu ENPrecom.eu: kann die Weiterentwicklung von ENP zu einer Pflegeklassifikation nachvollzogen werden. Erstmals wurde die klassifikatorische Struktur der ENP-Pflegediagnosen in einem Fachartikel (2006) erwähnt, hier ist auch erstmals davon die Rede, dass ENP ein PflegeklassifikationssystemPflegeklassifikationssystem ist.Wieteck, P. (2006): Arbeiten mit ENP. Pflegeprozessdokumentation der Zukunft. Heilberufe 58(11): 62-63
ENP hatte 2006 sieben Klassen heute Gruppen genannt (Pflegediagnosen, Ursachen, Kennzeichen, Ressourcen, Pflegeziele, Pflegeinterventionen und handlungsleitende Angaben). Die Gruppe der Pflegediagnosen hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine monohierarchische Struktur mit 3 Domänen, 22 Klassen und 128 Kategorien. Die restlichen nebengeordneten Klassen/Gruppen wie Ursachen, Kennzeichen usw. hatten keine hierarchische Struktur. Wohl aber hatten die jeweiligen Konzepte/Begriffe (wie Kennzeichen Ursachen, Ziele, Maßnahmen usw.) der Klassen Relationen zu den relevanten Pflegediagnosen.Pia Wieteck et al.: Systematisch wurden die einzelnen Gruppen monohierarchisch mittels Clusterbildung strukturiert und in die heutige Klassifikationsstruktur überführt. 2007–2008 wurden die Gruppen ENP-Pflegeziele und ENP-Pflegemaßnahmen in eine taxonomische Struktur überführt. Im Anschluss daran wurden die Gruppen Kennzeichen, Ursachen und Ressourcen hierarchisiert. Dabei folgen die Konzepte/Begriffe dieser Gruppen einer anderen Ordnungslogik wie die der ENP-Pflegediagnosen, -ziele und -maßnahmen.Wieteck, Pia, Hrsg. (2013:26 f): Praxisleitlinien Pflege, Planen und Dokumentieren auf Basis von Pflegediagnosen der Klassifikation ENP. Kassel, RECOM Verlag
Phase 4 (seit etwa 2008) – Übersetzung von ENP ein kontinuierlicher Prozess ENP ist laut Aussagen der ENP-Entwickler auf Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch übersetzt.Wieteck, Pia, Hrsg. (2013:18): Praxisleitlinien Pflege, Planen und Dokumentieren auf Basis von Pflegediagnosen der Klassifikation ENP. Kassel, RECOM Verlag Veröffentlichungen in englischer, französischer und italienischer Sprache in Buchform stehen noch aus. In einer Doktorarbeit wird von Serge Haag die Validierung von ENP in Französisch beschrieben.Haag, Serge (2009): Effizienzoptimierung der stationären Pflege: Analyse von interventionsbezogenen Bedarfs- und Aufwandszeitwerten, Edition Pflegewissenschaft Band 3. Kassel, RECOM Verlag Die italienische Übersetzung von ENP hat mit der Abschlussarbeit für den Masterstudiengang als Fachübersetzerin an der Universität in Bologna begonnen. Seit diesem Zeitpunkt leitet Elisabetta De Vecchis die ENP Übersetzung ins Italienische sowie die Validierungsarbeiten der Übersetzung als Mitglied des ENP-Entwickerteams.recom.eu: edvtranslations.com:
ENP ist als standardisierte Pflegeklassifikation mittels Object Identifier (OID) zur Objekterkennung im „Deutschen Gesundheitswesen“ registriert. Damit wird ein Datenaustausch zwischen den verschiedenen elektronischen Patienten-/Bewohnerakten möglich. Die Informationen zu ENP können auf der Homepage des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) eingesehen werden.
Ziele von European Nursing Care Pathways Die Zielsetzungen von ENP sind denen der anderen Pflegeklassifikationen wie NANDA, NIC oder NOC sehr ähnlich. ENP soll eine einheitliche, standardisierte Sprache zur Abbildung des Pflegeprozesses bieten. Die Kommunikation soll durch die Fachsprache zwischen den Akteuren in der Pflege verbessert,Wieteck, Pia, Hrsg. (2013:12): Praxisleitlinien Pflege, Planen und Dokumentieren auf Basis von Pflegediagnosen der Klassifikation ENP. Kassel, RECOM Verlag durch die elektronische Nutzung die semantische Interoperabilität ermöglicht und der Daten- und Informationsaustausch zwischen den Sektoren und den verschiedenen elektronischen Patienten-/Bewohnerakten unterstützt werden.Wieteck, P., Ed. (2004): ENP – European Nursing care Pathways. Standardisierte Pflegefachsprache zur Abbildung von pflegerischen Behandlungspfaden. Bad Emstal, RECOM Verlag