Das Geschwister-Scholl-Gymnasium (Kurz „GSG“) ist eines der drei Gymnasien in Lüdenscheid. Im Jahr 1858 löste sich die damalige Mädchenklasse von der seinerzeitigen Knabenschule, heute Zeppelin-Gymnasium, und bildete die Grundlage einer eigenständigen Mädchenschule; die Schule ist seit 1960 nach den Geschwistern Scholl benannt. Ein reines Mädchengymnasium war es noch bis 1973. Es befindet sich am Staberg, wo mit dem ebenfalls dort befindlichen Zeppelin-Gymnasium seit 1971 eine Oberstufenkooperation besteht.

Namensgebung Der Name des Gymnasiums weist auf die humanistischen Ideale der Studenten Hans und Sophie Scholl hin, die an der Universität München die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ gegen das NS-Regime bildeten und 1943 im Alter von nur 25 und 22 Jahren dafür hingerichtet wurden. Achtung der Menschenrechte, Zivilcourage und Verantwortungsgefühl sind hierbei als Eigenschaften zu sehen, die die heutige Gesellschaft bestimmen sollen, und das soll die Schule im Namen der Geschwister Scholl auch nach außen repräsentieren.

Geschichte Mädchenklassen und Mädchenschule (1822–1909) Seit 1822 bestand an der RektoratschuleChronik der Stadt- und Landgemeinde Lüdenscheid . Seite 69–75, Altena 1847, Geschichts- und Heimatverein Lüdenscheid e.V., Neudruck Lüdenscheid 2006, ISBN 3-9804512-5-9 (heute Zeppelin-Gymnasium) eine Mädchenklasse, deren Arbeit jedoch nicht der an der Höheren Knabenschule glich. Als im Jahre 1858 die Rektoratschule von der Stadt übernommen wurde, erhielten die 30 Mädchen nur 16 Wochenstunden. Ein Jahr später waren dann bereits zwei Mädchenklassen vorhanden, und der Unterricht umfasste 28 Wochenstunden. 1860 wurde die erste Lehrerin eingestellt und der Charakter der Mädchenschule vorgeprägt. 1865 umfasste jede Klasse einen zweijährigen Kurs, der erst 1875 durch ein fünftes Schuljahr ergänzt wurde. Die Qualität der Ausbildung war jedoch noch lange nicht auf dem Niveau der Knabenschulen, da es in Preußen keine geeigneten Institute zur Ausbildung von weiblichen Lehrkräften gab. Im Jahre 1883 lösten sich die Mädchenklassen von der nun Realprogymnasium heißenden Knabenschule.Heinz Störing: Lüdenscheid – Märkischer Kreis – Kreisstadt im Grünen. Seite 50, 51 und 52, Heimatbund Märkischer Kreis, 1978 Es wurde eine Mädchenschule mit eigenständigem Kuratorium gegründet. Unter dem nebenamtlich tätigen Schulleiter, Pfarrer Lappe, zählte die Schule bei Beginn ihrer Selbstständigkeit 60 Schülerinnen.Heinrich Thierkopf in: Der Märker Heimatblatt für den Bereich der ehemaligen Grafschaft Mark Sonderausgabe Lüdenscheid 8. Jahrgang 1958 Januar/Heft. Seite 107–109, Der Märker, 1958 mini|Ehemaliges Schulgebäude des Lyzeums in der Sauerfelderstraße 5 Da die Leitung der Schule im Nebenamt nicht zu führen war, wurde 1888 der Mittelschullehrer Schierenberg aus Iserlohn erster hauptamtlicher Leiter. Um den durch die Vergrößerung des Kollegiums und der Schülerschaft auftretenden Platzproblemen zu begegnen, wurde in den Jahren 1891/1892 ein neues Schulgebäude in der Sauerfelder Straße geschaffen.Günther Deitenbeck: Geschichte der Stadt Lüdenscheid. Seite 241 und 242, Kulturamt der Stadt Lüdenscheid, 1985 Im Jahre 1900 wurde die Schule von der Regierung als höhere Mädchenschule anerkannt, nachdem die Gehälter denen der Knabenschule angepasst und eine Oberlehrer- und eine Oberlehrerinnenstelle eingerichtet wurden. Durch neue Erfordernisse (z. B. Naturwissenschaften) des Unterrichtes musste 1907 sowie 1914 noch einmal angebaut werden.

Lyzeum (1910) Der Neuordnungserlass der Höheren Mädchenschule von 1908 führte zu einer Erweiterung des Unterrichtssystems. Es wurde ein siebtes Schuljahr hinzugefügt und der Name in Lyzeum geändert. Trotz der Erweiterung des Lehrplans ging es im Lyzeum meist um „ästhetische Bildung“. Die Berufschancen der jungen Frauen spielten so gut wie keine Rolle.Max Bührmann: Buch der Bergstadt Lüdenscheid. Seite 132–145, Abschnitt: Das Lüdenscheider Schulwesen von Alfred Dietrich Rahmede, Kulturamt der Stadt Lüdenscheid, ca. 1951 mini|Das Kollegium des Lyzeums in der Besetzung von 1899 bis 1902

Oberlyzeum (1925) Im Jahre 1924 verordnete die Stadtverordnetenversammlung den Ausbau des Lyzeums zum Oberlyzeum. Ostern 1928 erhielten 15 Schülerinnen, des 1925 ersten Obersekundajahrgangs, ihre Universitätsreife.Stadt Lüdenscheid: Lüdenscheid – kurz berichtet – 2., überarbeitete Auflage. Seite 21–26, W. Kohlhammer Verlag, 1967 Vor der Zeit des wirtschaftlichen Niederganges und der Arbeitslosigkeit hatte das Oberlyzeum 1928 bereits 419 Schülerinnen. Seit 1931 sank die Schülerzahl, bis sie sich 1938 auf 210 fast halbiert hatte.

+ Schülerzahlen 1858 bis 1923 Jahr Einwohner Schüler Sextaner 1858 5.154Lüdenscheid Statistischer Bericht 1976 Kapitel 2. Bevölkerung Seite 11 30Walter Hostert: Lüdenscheid Industriestadt auf den Bergen. Seite 158–163, Abschnitt: Die Entwicklung des Geschwister-Scholl-Gymnasiums von Heinrich Thierkopf, P.A. Santz, 1964 1868 7.500 36 1878 9.981 54 1888 18.121 60 1898 23.500 122 1908 31.469 175 1913 34.352 260 51 1918 32.358 372 85 1923 32.461 353 81+ Schülerzahlen von 1928 bis 1968 Jahr Einwohner Schüler Sextaner 1928 34.496 419 40 1933 35.659 287 51 1938 40.533 210 35 1943 43.375 404 57 1948 51.279 (PDF; 236 kB) 548 92 1953 53.712 552 94 1958 56.962 491 64 1963 58.633 493 79 1968 57.672 742Daten des Schularchivs des Geschwister-Scholl-Gymnasiums-Lüdenscheid. 42+ Schülerzahlen von 1973 bis 2008 Jahr Einwohner Schüler Sextaner 1973 78.958 721 87 1978 74.468 761Hauptamt/Statistische Abteilung der Stadt Lüdenscheid: Lüdenscheid Statistischer Bericht 1978. 98 1983 73.681 761 97 1988 76.118 608 56 1993 80.277 613 85 1998 81.373 685 85 2003 79.829Bevölkerungsstand und -bewegung der Stadt Lüdenscheid (ab 1962) www.landesdatenbank.nrw.de (aufgerufen Juni 2013). 714 89 2008 77.026LDS NRW (amtliche Bevölkerungszahlen) www.landesdatenbank.nrw.de (aufgerufen Juni 2013) 763 85

Neusprachliches Mädchengymnasium (1946) Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Schule, nach Genehmigung der britischen Militärregierung, ihren Dienst am 1. März 1946 wieder auf. Ein kräftiger Zustrom von Schülerinnen setzte ein, denn die unzerstörte Stadt zog viele Menschen an. Die Wiedereinstellung der Lehrkräfte erfolgte ausnahmslos durch die Provinzial-Militärregierung Det. 307 in Münster.Walter Hostert: Der Reidemeister Geschichtsblätter für Lüdenscheid Stadt und Land Nr. 54 Schule – ständiger Gegenstand der Diskussion. Schlaglichter aus dem Lüdenscheider Schulleben vergangener Tage. Lüdenscheider Verlagsgesellschaft, 5. Oktober 1971. Nachdem sich die Situation normalisiert hatte, wurde der Unterrichtsaufbau wiederum neu geordnet. Die naturwissenschaftlichen Fächer wurden stark reduziert, auch das Fach Erdkunde gekürzt. Zu den bereits vorhandenen Fremdsprachen Englisch und Französisch trat als drittes Pflichtfach Latein hinzu. Zudem entstand bei über 500 Schülerinnen ein Raumproblem, sodass seit 1943 stets Räume außerhalb des Schulgebäudes gemietet werden mussten. Um dem Notstand beizukommen, begann 1958 der Schulneubau an der Hochstraße. Dieser wurde in drei Bauabschnitte eingeteilt. Der erste Abschnitt (Klassentrakt, naturwissenschaftliche Räume und Verwaltungsräume) wurde bereits 1959 bezogen.Heike Müller, Klaus Crummenerl, Arnhild Scholten, Tim Begler: Lüdenscheid – Stadt auf der Höhe – Band 4. Seite 53–56, Geschichts- und Heimatverein Lüdenscheid e. V., 2009, ISBN 3-9804512-9-1

Geschwister-Scholl-Gymnasium (1960) Nach Beschluss des Rats der Stadt Lüdenscheid erhielt das neusprachliche Mädchengymnasium 1960 den Namen Geschwister-Scholl-Gymnasium. Im Oktober 1964Dietmar Simon, Michael Nürenberg: Die besten Tage unseres Lebens / Jugendkultur in Lüdenscheid von 1960 bis 1980. Seite 144–150, Geschichts- und Heimatverein Lüdenscheid e.V., 2013, ISBN 978-3-9813325-2-0 folgte die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts einschließlich einer Turnhalle und der Aula mit Bühnentechnik für zirka 400 Besucher. In ihr finden regelmäßig Veranstaltungen statt. Am 11. August 1971 begann aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft und der Möglichkeit, den Oberstufenschülern eine größere Zahl an Grund- und Leistungskursen zu bieten, die Kooperationen mit dem Zeppelin-Gymnasium. (PDF; 1,6 MB) www.zeppelin-gymnasium.de (abgerufen Juni 2013) Die Anmeldezahlen am Geschwister-Scholl-Gymnasium gingen zum Schuljahr 1972/73 zurück, wohl als Folge der am städtischen Gymnasium (Bergstadt-Gymnasium) eingeführten Koedukation sowie dessen Neubau. Beide ließen dieses in besonderem Maße attraktiv erscheinen. Um den damit verbundenen Ungleichgewichten zu begegnen, fasste der Schul- und Hauptausschuss der Stadt den Beschluss, die Zuordnung der Schüler zu den einzelnen Gymnasien nach Grundschul-Bezirken zu regulieren. Die Schüler der Wehberger-Schule, der Friedensschule, der Schule Bierbaum und der Schule Brüninghausen wurden nun dem Geschwister-Scholl-Gymnasium zugeordnet, wenn sie ein Gymnasium besuchen wollten.Stadt Lüdenscheid: Lüdenscheider Informationen. Seite 3, Druckhaus Maack in Verbindung mit der Stadt Lüdenscheid, Februar 1973 Mit dem Schuljahr 1973/74 begann auch hier die Koedukation und die ersten Jungen wurden in die fünften Klassen aufgenommen. Der Stadtentwicklungsplan Lüdenscheids von 1975 sah vor, Geschwister-Scholl- und Zeppelin-Gymnasium zu fusionieren, was allerdings bis heute nicht realisiert wurde.mini|Eine Schulklasse des Geschwister-Scholl-Gymnasiums besucht Ende der 1960er Jahre die Dechenhöhle in Iserlohn. + Liste der Schulleiter Nr. Name Amtszeit1 Pastor Lappe 1883–18882 Rektor Schierenberg 1888–18963 Direktor Römstedt 1896–19024 Direktor Hübotter 1903–19185 Direktor Hahn 1919–19206 Oberstudiendirektor Frank 1922–19447 Oberstudienrätin Zanner 1944–19458 Oberstudiendirektorin Buschmann 1946–19489 Oberstudienrätin Schulz 1948–194910 Oberstudiendirektor Thierkopf 1949–196811 Oberstudiendirektorin Schulze 1968–198412 Oberstudiendirektor Hermjakob 1984–198713 Oberstudiendirektor Benfer 1987–199914 Oberstudiendirektorin Malycha 1999–2015

Finanzierung Der Haushaltsplan von 2013 beinhaltete die Bereitstellung von Mitteln in Höhe von € 889.170 durch die Stadt Lüdenscheid für die Schule.Haushaltsplan der Stadt Lüdenscheid 2013, S. 368–371 (PDF; 9,2 MB) In: luedenscheid.de (abgerufen Juli 2013) Gleichzeitig beliefen sich die Kosten für Personalaufwendungen auf 63.560 €, die Schülertransferkosten auf 140.000 € und die Gebäudekosten auf 553.796 €. Weitere finanzielle Unterstützung erhält das Gymnasium durch den Verein der Freunde des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Lüdenscheid. 412 Mitglieder des Vereins sorgen mit mindestens je 20 €/Jahr für Spendeneinnahmen von mindestens 8.240 € (Stand: 4. Februar 2013).

Besonderheiten Deutscher Schulpreis Im Rahmen der Verleihung des Deutschen Schulpreises der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof Stiftung am 6. Juni 2014 in Berlin erhielt das Geschwister-Scholl-Gymnasium einen zweiten Platz.Deutscher Schulpreis für das „Scholl“ In: come-on.de (Presseartikel, abgerufen August 2014) Der Preis wird an Schulen mit „hervorragender pädagogischer Praxis“ verliehen, wobei sowohl Kriterien des Bildungsniveaus als auch des sozialen Miteinanders maßgeblich sind.

Gütesiegel Individuelle Förderung Am 3. Februar 2007 verlieh der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, dem Geschwister-Scholl-Gymnasium das „Gütesiegel Individuelle Förderung“ des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes. www.schulministerium.nrw.de (abgerufen Juni 2013) Damit wurden die zahlreichen unterrichtlichen wie außerunterrichtlichen Aktivitäten der Schule für begabte Schüler und für Schüler mit Förderbedarf anerkannt.

Arbeitsgemeinschaften Traditionell wird ergänzend zum regulären Unterricht eine Vielzahl von Arbeitsgemeinschaften angeboten. Im Schuljahr 2012/13 bestehen Arbeitsgemeinschaften in folgenden Bereichen: