mini|Die Standorte der BTU

Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) ist eine im Jahr 2013 in Cottbus und Senftenberg im Süden des Landes Brandenburg gegründete Technische Universität. Sie ist nach der Universität Potsdam die zweitgrößte Universität Brandenburgs. Die Campus in beiden Städten liegen etwa 40 km voneinander entfernt.

Hochschule für Bauwesen mini|Diplomanden von 1985 an der Ingenieurhochschule Cottbus Bereits seit dem Jahr 1948 gab es in Cottbus eine Landeshochbauschule. 1954 kam es zur Gründung der Hochschule für Bauwesen, neben Leipzig, Dresden und Weimar stellte dies die vierte Bau-Hochschule der DDR dar. In der folgenden Zeit kam die DDR in wirtschaftliche Schwierigkeiten, und auch in politischer Hinsicht wurde die Gangart unter dem Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht strenger. Da der damalige aus Baden-Württemberg stammende Rektor Musterle sich zur SED nicht parteikonform verhielt und auch der Cottbuser Studentenfasching immer wieder der Parteileitung negativ aufgefallen war, ließ sie die Cottbuser Hochschule 1963 schließen. Ohnehin konnte die DDR die Zahl der Baufach-Studenten reduzieren, da seit 1961 die Berliner Mauer u. a. die Flucht von Hochschulabsolventen in den Westen verhinderte. Studenten und Mitarbeiter wurden zumindest teilweise von der Technischen Universität Dresden (TU Dresden), der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar (HAB Weimar) und der Bauhochschule Leipzig übernommen.

Im Jahr 1969 folgte die Neugründung als Ingenieurhochschule für Bauwesen auf dem Gebiet des Campus der späteren BTU. Unter der Leitung von Rektor Heinz Präßler wurde eine linientreue Hochschule der DDR etabliert. Bis 1974 hatten sich neben der Ingenieurhochschule drei Fachschulen, zwei Betriebsberufsschulen und zwei Polytechnische Oberschulen in dem so genannten Bildungszentrum angesiedelt. In Senftenberg gab es eine ähnliche Institution, die als Bergingenieurschule Senftenberg in die spätere Hochschule Lausitz überging.

Rektor Präßler ging 1988 in Ruhestand und wurde von Rektor Horst Brix abgelöst. Im Oktober 1989 erfolgte die Umbenennung der Ingenieurhochschule Cottbus in Hochschule für Bauwesen Cottbus. Im Jahr der Wiedervereinigung 1990 versuchte die Hochschule intern die Weichen für einen fließenden Übergang zum vereinten Deutschland zu stellen, indem z. B. der zu den so genannten Hardlinern zählende Brix durch den gemäßigteren Rektor Bernd Wagenbreth ersetzt wurde.

BTU Cottbus Gründungsphase von 1991 bis 1996 mini|Blick über das Forum zum Zentralen Hörsaalgebäude (Audimax) Am 15. Mai 1991 beschloss der brandenburgische Landtag mit der Verabschiedung des Brandenburgischen Hochschulgesetzes die Errichtung der Technischen Universität Cottbus. Sieben Tage darauf wurden die Mitglieder der Gründungskommission unter Vorsitz von Günter Spur vom Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg, Hinrich Enderlein, berufen. Am 14. Juni fand die konstituierende Sitzung der Gründungskommission statt und am 15. Juli die Gründung der TU Cottbus. Mit den fünf Studiengängen Architektur, Bauingenieurwesen, Elektrotechnik, Umweltwissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen nahm die Universität am 1. Oktober im Wintersemester 1991/92 den Lehrbetrieb auf. 1992 folgten die Berufungen der ersten Kern-Professoren in den neu gebildeten Fakultäten.

Am 9. Juli 1993 empfahl der Wissenschaftsrat die Aufnahme der TU Cottbus in die Anlage zum Hochschulbauförderungsgesetz (HBFG). Die TU Cottbus wurde daraufhin in die Bauförderung aufgenommen. Am 1. Juni 1994 fanden die ersten Wahlen der Fakultätsräte statt. Im selben Jahr schlug Gründungspräsident Spur während der zweiten Lausitzer Wissenschaftstage vor, die TU Cottbus künftig Brandenburgische Technische Universität Cottbus (BTU Cottbus) zu nennen. Am 7. Dezember folgten die ersten Wahlen des Senats und des Konzils und am 9. Dezember die Verabschiedung des Gründungssenats durch den Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg Steffen Reiche. Senat und Konzil konstituierten sich am 12. Januar 1995. Als Vorsitzende des Konzils wurde am 9. Februar Sabine Pickenhain gewählt. Das Konzil wählte – auf Vorschlag des noch amtierenden Gründungspräsidenten – die Prorektoren für Lehre, Studium und Studienreform, Wolfgang Cezanne, für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, Reinhard Hüttl, und für Planung und Finanzen, Matthias Kleiner. Am 6. Dezember wurde Ernst Sigmund der erste vom Konzil gewählte Präsident der BTU Cottbus. Das Konzil wählte – auf Vorschlag des neu gewählten Präsidenten – am 30. Januar 1996 die Prorektoren für Lehre, Studium und Studienreform, Wolfgang Cezanne, für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, Reinhard Hüttl, und für Planung und Finanzen, Jörg Kühn. Am 1. Februar wurde Sigmund von Minister Reiche in sein Amt als Präsident eingeführt.

Profilierung und Ausbau von 1996 bis 2006 Mit dem Amtsantritt von Ernst Sigmund erfolgte die Profilierung der Universität in den Bereichen Bauen, Energie, Umwelt und Informationstechnologie. Mit den steigenden Studentenzahlen wurde der Campus stetig erweitert und den neuen Bedürfnissen angepasst. So entstand im Juni 1998 nach mehrjähriger Bauzeit das Zentrale Hörsaalgebäude (ZHG), welches neben kleineren Hörsälen und Seminarräumen auch das Audimax mit etwa 1000 Sitzplätzen beherbergt. Im folgenden Jahr wurde das Internationale Begegnungszentrum (Ludwig-Leichhardt-Haus) als Gästehaus für ausländische und deutsche Gastwissenschaftler fertiggestellt. Im Wintersemester 1999/2000 konnte die Universität erstmals über 1000 neue Studenten begrüßen und die Gesamtzahl der Studierenden stieg auf über 4000.BTU Cottbus: Studienbeginn für rund 1000 Erstsemester. uni-protokolle.de; abgerufen am 25. Juli 2009

Zum zehnjährigen Bestehen der BTU im Juli 2001 besuchte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Universität in einem feierlichen Festakt. Im Juni 2002 wurde das interdisziplinäre Forschungsinstitut für Leichtbauwerkstoffe Panta Rhei eröffnet. Nach der Umgestaltung der Lehrgebäude 2A–D (früher Lehrgebäude 4–7) wurde im Jahre 2004 mit dem Bau der Konrad-Wachsmann-Allee als zentrale Fußgängerpromenade begonnen.

mini|Die moderne Universitätsbibliothek von den Architekten Herzog & de Meuron

Im Dezember 2004 eröffnete das neue Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum (IKMZ) der Architekten Herzog & de Meuron, das unter anderem die neue Zentralbibliothek der Universität beherbergt. Gut ein halbes Jahr später, im Juni 2005, wurde die Amateurfunkstation mit dem Rufzeichen DKØBTU eingeweiht und wird seitdem für Lehrveranstaltungen und Funkabende genutzt.

Führungswechsel und Wachstum von 2006 bis 2013 mini|Das Auditorium maximum (Audimax) während einer Einführungsveranstaltung für neue Studenten mini|Historisches Logo

Der Senat wählte am 7. Juni 2006 Jürgen Kurths zum neuen Präsidenten der BTU Cottbus, der die Wahl am 13. Juni 2006 annahm, das Amt allerdings nicht antrat. Er begründete diesen Schritt in einer Pressemitteilung der Universität Potsdam damit, dass das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg seinen Forderungen nach einer besseren finanziellen Ausstattung der BTU Cottbus nicht entgegenkam. Die BTU Cottbus war in der Folgezeit erstmals führungslos. Erst am 27. Februar 2007 wurde Walther Christoph Zimmerli zum neuen Präsidenten gewählt, der sein Amt dann am 15. Mai 2007 antrat. Seit dem 1. Oktober 2006 beziehungsweise dem Wintersemester 2006/07 gab es ein Semesterticket für damals 94 Euro, das für alle öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin und Brandenburg (VBB) und den RE18 Cottbus – Dresden galt. Zuvor gab es mehrere Urabstimmungen, in denen die Studierenden selbst über die Einführung des Semestertickets entscheiden konnten. Nach mehreren Wahlgängen, in denen das Semtix abgelehnt wurde, erhielt es im Sommer 2006 eine knappe Mehrheit.

Zu Beginn des Wintersemesters 2008/09 wurde das umgestaltete Hauptgebäude feierlich eingeweiht. Es beherbergte zuletzt neben den Büroräumen für die Verwaltung, das Studierendensekretariat und die Zentrale Studienberatung, das Akademische Auslandsamt sowie Lehrstühle der Informatik und der Mathematik. Als Besonderheit gilt die offene Gestaltung der Fassade im Foyerbereich, welche die Konrad-Wachsmann-Allee scheinbar durch das Gebäude hindurch verlaufen lässt. Mit der Umgestaltung des Hauptgebäudes wurde das Lehrgebäude in der Ewald-Haase-Straße nicht mehr benötigt und der Mietvertrag im Frühjahr 2009 aufgelöst.

mini|Neues Logo der BTU Cottbus Im Sommer 2009 erhielt die BTU ein neues Logo und führte ein einheitliches Corporate Design ein. Dabei wurde das alte Logo mit dem Märkischen Adler durch eine geschwungene Variante des Kürzels btu ersetzt, die sich an dem Design des Grundrisses der Unibibliothek (IKMZ) orientiert.

Im Zuge des bundesweiten Bildungsstreiks gab es auch in Cottbus Diskussionen und Proteste zur Verbesserung der Studienbedingungen. In der ersten Phase des Bildungsstreiks, vom 15. bis 19. Juni 2009, wurde in kleineren Kundgebungen auf Probleme und Defizite im derzeitigen Bildungssystem aufmerksam gemacht. In einer zweiten Phase erarbeiteten Interessenvertreter der Studierendenschaft gemeinsam mit der Hochschulleitung die Cottbuser Bildungsdeklaration, welche am 4. Dezember 2009 vom Präsidenten sowie von Vertretern des Studierendenrats und des Studierendenparlaments unterschrieben wurde. In dieser Deklaration solidarisierten sich die Universitätsleitung und die Studierendenschaft mit den bundesweiten Protesten und forderten unter anderem eine Verbesserung der Betreuungsrelationen durch mehr Personaleinsatz. stura-cottbus.de; abgerufen am 5. März 2010 In einer Vollversammlung am 9. Dezember 2009 bekräftigte die Studierendenschaft die Cottbuser Bildungsdeklaration, ohne sich aber auf eine Verschärfung der Proteste (z. B. Besetzung des Audimax) zu einigen. stura-cottbus.de; abgerufen am 5. März 2010

Mit dem Beginn des Wintersemesters 2010/2011 erreichte die Studierendenzahl einen neuen Höchststand mit über 6600 eingeschriebenen Studenten, welche im Wintersemester 2011/2012 nochmals überboten wurde. Im Wintersemester 2012/13 gehörten schließlich 119 Professoren, 594 wissenschaftliche Mitarbeiter und knapp 7000 Studenten der BTU Cottbus an, davon rund 1050 ausländischer Herkunft aus 89 Nationen.

Trotz einer hervorragenden Entwicklung bei den Studierendenzahlen und sehr guten Platzierungen bei den Hochschul-Rankings verkündete Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst am 10. Februar 2012 das Ziel, die BTU mit der Hochschule Lausitz zu einer neuen Energie-Universität zu vereinen. Sie stützte sich dabei auf das Ergebnis der Lausitzkommission, die eine größere Zusammenarbeit der beiden Bildungseinrichtungen empfahl. Infolgedessen wurde von Angehörigen der BTU eine Volksinitiative zum Erhalt der Lausitzer Hochschulen ins Leben gerufen. Nach Beschluss des Brandenburgischen Landtags fusionierten die Brandenburgische Technische Universität Cottbus und die Hochschule Lausitz zum 1. Juli 2013 zur Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.Benjamim Lassiwe / boc: In: Lausitzer Rundschau. 23. Januar 2013

Auszeichnungen Die BTU Cottbus belegte im Ranking des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) im bundesweiten Vergleich Spitzenplätze in den Studiengängen Architektur, ranking.zeit.de; abgerufen am 6. Mai 2010 Elektrotechnik, ranking.zeit.de; abgerufen am 6. Mai 2010 Maschinenbau ranking.zeit.de; abgerufen am 6. Mai 2010 und Wirtschaftsingenieurwesen. ranking.zeit.de; abgerufen am 6. Mai 2010 Dabei wurden die Ausstattung der Uni sowie das Betreuungsverhältnis zwischen Dozenten und Studierenden positiv hervorgehoben. In den Erhebungen der Fächer Wirtschaftsingenieurwesen (2008) und Architektur (2010) wurde die BTU als beste Universität Deutschlands bewertet.