mini|Kirche St. Franziskus, Ansicht von der Albis-/Tannenrauchstrasse mini|Innenansicht mini|Blick zur Orgelempore in der Gestaltung von 2004 mini|Glasfenster von Max Rüedi Die Kirche St. Franziskus ist die römisch-katholische Pfarrkirche des Zürcher Stadtteils Wollishofen. An ihrer Baugeschichte lassen sich drei Phasen des römisch-katholischen Kirchenbaus in der Schweiz exemplarisch ablesen.
Geschichte Vorgeschichte Im Mittelalter gehörte das damalige Bauerndorf Wollishofen zur Pfarrei St. Peter und Paul in Kilchberg, die von Rüschlikon und Adliswil bis zur Enge reichte. Ab dem 14. Jahrhundert entstanden in der Gegend von Wollishofen drei Kapellen, die bei der Einführung der Reformation im Jahre 1523 zu reformierten Gotteshäusern wurden. Im Jahr 1807 wurde im Kanton Zürich die Ausübung des katholischen Kultus wieder erlaubt. Die wenigen Katholiken von Wollishofen schlossen sich 1874 der neu gegründeten römisch-katholischen Pfarrei St. Peter und Paul in Zürich-Aussersihl an. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zogen immer mehr Katholiken aus der Zentral- und Ostschweiz, aber auch aus dem benachbarten katholischen Ausland nach Wollishofen, sodass nach einer Möglichkeit für katholische Gottesdienste in Wollishofen gesucht werden musste.Hans Bosshard: Das Wahrzeichen von Wollishofen in neuem Glanz. In: Römisch-katholische Kirchgemeinde Zürich-St. Franziskus (Hrsg.): Die renovierte Kirche St. Franziskus. Das Wahrzeichen von Wollishofen in neuem Glanz. S. 5. Bereits im Jahr 1901 wurde in Wollishofen eine Notkirche an der Ecke Butzenstrasse/Albisstrasse in einem bescheidenen Lokal angemietet, das den Übernamen Waschhüsli erhielt..
Zehn Jahre später gab es in Wollishofen bereits 700 Katholiken und der Wunsch nach einer richtigen Kirche wurde dringender. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, Land zu erwerben, konnte im Jahre 1923 die Mutterpfarrei St. Peter und Paul Zürich-Aussersihl den 3000 Quadratmeter grossen Baugrund für die heutige Kirche an der Albisstrasse beim Morgental erwerben.Hans Bosshard: Das Wahrzeichen von Wollishofen in neuem Glanz. In: Römisch-katholische Kirchgemeinde Zürich-St. Franziskus (Hrsg.): Die renovierte Kirche St. Franziskus. Das Wahrzeichen von Wollishofen in neuem Glanz. S. 6. Das auf diesem Land stehende Riegelhaus diente bis zum Bau des heutigen Pfarrhauses im Jahr 1940 als erstes Pfarrhaus.Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 180.
Baugeschichte und Namensgebung Im Jahr 1923 wurde mit der Projektierung der katholischen Kirche in Wollishofen zunächst Architekt Joseph Löhlein beauftragt, der eine rechtwinklig zur Strasse gerichtete Kirche vorschlägt und diese mit einer Mauer von der Strasse abzuschotten vorschlägt. Sowohl die Vertreter des Quartiers Wollishofen als auch die Bauherrschaft sind von diesem Projekt wenig überzeugt. Die Baubewilligung wurde zwar erteilt, aber der Bau wurde nicht angegangen.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 126.
1926 wurde Josef Omlin zum zukünftigen Pfarrer der neu zu gründenden Pfarrei Wollishofen ernannt. Er trieb das Projekt für den Bau einer Kirche voran, stellte die Finanzierung für den Bau sicher und konnte den Architekten Joseph Steiner (1882–1975), der in Zürich bereits die Kirche Herz Jesu Wiedikon erbaut hatte, für das Projekt engagieren. Drei Entwürfe gingen dem realisierten Konzept voraus: Ein erster Entwurf sah eine Kirche ohne Turm vor. Danach folgte ein Entwurf mit für die damalige Zeit moderner Gestaltung samt schmalem, kantigem Turm. Ein dritter Entwurf sah einen Rundbau vor, von dem die Idee eines runden Turms in das realisierte Projekt übernommen wurde.Hans Bosshard: Das Wahrzeichen von Wollishofen in neuem Glanz. In: Römisch-katholische Kirchgemeinde Zürich-St. Franziskus (Hrsg.): Die renovierte Kirche St. Franziskus. Das Wahrzeichen von Wollishofen in neuem Glanz. S. 7.
Im Jahr 1926 kam die Idee auf, die zu bauende Kirche dem damals vor 700 Jahren verstorbenen Franz von Assisi zu weihen.Website der Pfarrei, Abschnitt über uns Abgerufen am 7. Juli 2013.
In den Jahren 1927–1928 wurde die Kirche nach Plänen des Architekten Joseph Steiner im Typus einer frühchristlichen Basilika erbaut. Im Gegensatz zum ersten Projekt von Joseph Löhlein wurde die Kirche St. Franziskus parallel zum Strassenverlauf erbaut, was auch von den städtischen Behörden begrüsst wurde. Nachforschungen der Denkmalpflege der Stadt Zürich haben ergeben, dass die ersten Entwürfe zu einer Kirche in Wollishofen mit parallel zur Strasse verlaufendem Kirchenschiff von Architekt Karl Moser aus dem Jahr 1926 stammten und von Joseph Steiner übernommen wurde.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 126 und S. 130. Die rote Färbung der ganzen Anlage ging auf eine Empfehlung der städtischen Baubehörde zurück, die damals eine farbige Stadt propagierte. Am 23. September 1928 erfolgte die Einsegnung der Kirche durch den Bischof von Chur, Georg Schmid von Grüneck. Im gleichen Jahr wurde St. Franziskus zur Pfarrei erhoben.Robert Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. S. 48.
1958 errichtete die Pfarrei neben der Kirche St. Franziskus ein erstes Pfarreizentrum. Dieses blieb in den unteren Teilen beim Bau des heutigen Pfarreizentrums durch Architekt Walter Moser im Jahr 1991 bestehen.
Um das Jahr 1960 entstand in der Pfarrei ein Knabenchor, der sich bis 1976 Franziskus Sängerknaben nannte und aus dem die heutigen Zürcher Sängerknaben hervorgegangen sind.
Während das Äussere der Kirche weitgehend unverändert blieb, wurde sie im Innern mehrmals umgestaltet. Die Wände der Kirche waren bis in die 1930er Jahre recht kahl und wurden im Jahre 1931 vom Kirchenmaler Fritz Kunz (1868–1947) mit einem Freskenzyklus ausgestattet.Wolfgang Nigg: Die erneuerte Kirche St. Franziskus belebt die Pfarrei. In: Römisch-katholische Kirchgemeinde Zürich-St. Franziskus (Hrsg.): Die renovierte Kirche St. Franziskus. Das Wahrzeichen von Wollishofen in neuem Glanz. S. 3. 1972–1973 wurde die Kirche nach Plänen von Dieter Schenker, Rüschlikon grundlegend umgebaut, wobei der Chorbogen abgebrochen und der Altarraum auf die linke Seite des Hauptschiffs verlegt wurde, damit Stühle, die die ursprünglichen Kirchenbänke ersetzten, auf drei Seiten an den Altarraum angefügt werden konnten. Dadurch wollte man der Gemeinschaft von Volk und Priester nach den Vorgaben der Konstitution über die heilige Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils auch räumlichen Ausdruck verleihen. Bei dieser Umgestaltung wurden die Fresken unter den Arkaden der Seitenschiffe übertüncht und das Chorgemälde verschwand beim Abbruch des Chorbogens. Im Jahr 2004 wurde der Altarraum bei der Renovierung der Kirche nach Plänen des Architekten Pius Bieri, Rapperswil SG wieder in den vorderen Teil des Hauptschiffs verlegt. Dadurch erhielt die Kirche erneut ihre architektonisch vorgegebene Längsausrichtung. Gleichzeitig wurde im Aussenbereich der Kirche das Rot von Turm und Kirche einander angepasst, die Sakristei von 1973 neu grau gestrichen und der Vorplatz der Kirche neu gestaltet. Bischof Amédée Grab weihte die neu eingerichtete Kirche am 21. November 2004 ein.
Die Pfarrei St. Franziskus ist mit ihren 4'063 Mitgliedern (Stand 2021) eine der mittelgrossen römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich.Katholische Kirche im Kanton Zürich. Jahresbericht 2021. S. 106.
Tochterpfarreien Das Gebiet der heutigen Pfarrei St. Elisabeth (Kilchberg ZH) wurde bei der Gründung der Pfarrei St. Franziskus von der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit (Adliswil) abgetrennt, da Wollishofen für die Katholiken von Kilchberg näher gelegen war. Ab 1932 fanden in Kilchberg erste katholische Gottesdienste statt und 1935 wurde von Bischof Laurenz Matthias Vincenz die St. Elisabeth-Kapelle eingesegnet und Kilchberg zum Pfarrrektorat ernannt. 1967 wurde die von Architekt André M. Studer errichtete Kirche St Elisabeth geweiht.
Zur Pfarrei St. Franziskus gehörte bis ins Jahr 1972 auch das Quartier Leimbach. 1950 erfolgte in Leimbach der Bau der ersten und in den Jahren 1972–1974 der Bau der heutigen Kirche Maria-Hilf durch Architekt Walter Moser. Per 1. Dezember 1974 wurde Leimbach von Bischof Johannes Vonderach zur Pfarrei erhoben und von St. Franziskus abgetrennt.Robert Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. S. 52.
Kirchturm und Glocken mini|Der einzige vollständig runde Kirchturm der Stadt Zürich Der Turm von St. Franziskus wurde zeitgleich mit der Kirche erbaut. Er ist 30 Meter hoch, fügt sich scheinbar an die Wand der Kirche an, steht aber statisch von der Kirche getrennt.Hans Bosshard: Das Wahrzeichen von Wollishofen in neuem Glanz. In: Römisch-katholische Kirchgemeinde Zürich-St. Franziskus (Hrsg.): Die renovierte Kirche St. Franziskus. Das Wahrzeichen von Wollishofen in neuem Glanz. S. 9. Erst 24 Jahre später, am 25. Oktober 1952 erhielt der Turm seine ersten vier Glocken, welche durch die Glockengiesserei H. Rüetschi, Aarau gegossen wurden und von Bischof Christian Caminada geweiht wurden. Drei Jahre später folgte die fünfte Glocke. Die Tonlage der Glocken wurde auf das Geläute der benachbarten reformierten Kirche abgestimmt.
Nummer Gewicht Ton 1 2440 kg c' 2 1458 kg es' 3 1046 kg f' 4 612 kg as' 5 416 kg b'
Baubeschreibung Nachdem in den 1920er Jahren die Tramlinie bis zur heutigen Endstation verlängert und dazu die Strassen verbreitert wurden, entstand an der Stelle des früheren Unterdorfs das neue Quartierzentrum von Wollishofen. Entlang der gestreckten S-Kurve der Strasse entstanden zeitgleich Häuser einer Baugenossenschaft sowie die Kirche St. Franziskus. Diese Gebäude aus den 1920er Jahren prägen bis heute das Quartierzentrum Morgental.
Architekt Josef Steiner aus Schwyz konnte während der Amtszeit von Bischof Georg Schmid von Grüneck etliche Kirchen im Bistum Chur bauen, darunter die katholischen Kirchen in Wald, Wetzikon und die Kirche Herz Jesu (Zürich-Wiedikon). Gemeinsam ist all diesen Kirchen, dass sie „einen romanischen Baustil von ländlichem und heimatlichem Charakter aufweisen.“Rainald Fischer: Die katholischen Kirchen in der Stadt Zürich. In: Guido Kolb: 100 Jahre St. Peter und Paul. S. 195. So ist auch die Kirche St. Franziskus ein neuromanischer Kirchbau im Basilika-Stil, dessen Besonderheit der runde Kirchturm mit gekuppelten Schallöffnungen darstellt. Dieser Turm soll an die italienische Heimat des Kirchenpatrons St. Franziskus erinnern und ist ein markanter Blickfang von allen Seiten. Die Kirche besitzt ein Mittelschiff, zwei Seitenschiffe und eine flache Gipsdecke mit repetitivem Stuck.
Innengestaltung Konzept einer Wegkirche mini|Innenansicht 1931–1972 mini|Orgelempore vor 1972 mini|Chorfresko von Fritz Kunz 1931–1972 Das von Architekt Joseph Steiner realisierte Projekt bestand in einer Längskirche, die vom hinteren Eingang her den Weg freigab zum Altar im gegenüberliegenden Chor – eine sogenannte Wegkirche. Zu beiden Seiten zog sich im sonst noch kahlen Raum je ein Säulengang, das Mittelschiff und die beiden Seitenschiffe öffneten sich gegenseitig durch Arkaden. Dank der hellen Farbgebung genügten die unter der Decke angebrachten Rundbogenfenster als Lichtquelle. Einfache Kugellampen konnten zusätzlich entzündet werden. Über der Vorhalle beim Eingang erhob sich eine geräumige Orgelempore. Der Chor der Kirche öffnete sich auf der gegenüberliegenden Seite durch einen halbkreisförmigen Mauerbogen. Abgeschlossen wurde der Chor durch eine gerade Chorwand.
Ausmalung und erste Ausstattung Nachdem die Pfarrei genügend finanzielle Mittel zusammengetragen hatte, beauftragte der Katholische Kirchenbau-Verein Wollishofen im Jahr 1931 den Künstler Fritz Kunz, wesentliche Teile der Kirche auszumalen.