mini|Jürgen Ovens: Johann Amos Comenius, Rijksmuseum. rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image Johann Amos Comenius (deutsch auch Komenius, lateinisch Iohannes Amos Comenius, latinisiert aus tschechisch Jan Amos Komenský; früherer Familienname: Segeš;Gyula Décsy: Komenský-Comenius und seine Namen. In: Eurasian Studies Yearbook 67 (1995), S. 67–68. * 28. März 1592 in Nivnice,Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts (aufgerufen am 5. November 2014). Mähren; † 15. November 1670 in Amsterdam) war ein mährischer Philosoph, Pädagoge und evangelischer Theologe. Comenius war Bischof der Böhmischen Brüder.
Leben mini|hochkant|Johann Amos Comenius mini|hochkant| Von sich sagte Comenius:„Ich bin von Geburt ein Mähre,der Sprache nach ein Böhme,von Beruf ein Theologe.“
Herkunft Geboren wurde Comenius in Südostmähren, ob in Nivnice (Nivnitz), Uherský Brod (Ungarisch Brod) oder Komňa, ist nicht sicher. Sein Vater, der früh verstarb, war Mitglied der Gemeinde der Böhmischen Brüder, einer evangelischen freikirchlichen Gemeinschaft, die am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges noch unter dem Schutz des Majestätsbriefes Rudolfs II. stand und eine verhältnismäßig tolerante Behandlung erfuhr. Nachdem auch Mutter und Schwestern gestorben waren, wurde Comenius von Verwandten aufgezogen.
Name Comenius wurde als Johann (Jan) Segeš geboren. Er verwendete im Laufe seines Lebens eine Reihe unterschiedlicher Namen und Namensvarianten: Den zweiten Vornamen, Amos, legte er sich während seiner Gymnasialzeit zu. Als er sich 1611 an der Hohen Schule Herborn und 1613 an der Universität Heidelberg einschrieb, verwendete er den „Familiennamen“ Nivanus und Nivnicensis, d. h. „von Nivnice“. Als er 1614 in Heidelberg von der Witwe Jakob Christmanns eine Schrift von Nikolaus Kopernikus, De revolutionibus orbium coelestium, erwarb, versah er sie mit dem Eigentumsvermerk Johannes Amos Nivanus. Der Name Komenský, den schon sein Vater trug, erscheint bei ihm erst 1623, dessen lateinische Form Comenius erst 1627. Den auf Ungarisch Brod zu beziehenden Zunamen Hunno Brodensis hat er überhaupt nur spät und selten, so 1657 beim Abdruck einer Rede von 1650, benutzt.Comenius: Opera Didactica Omnia Bd. 3. Amsterdam 1657, Sp. 71f.
Ausbildung mini|Gedenktafel für Johann Amos Comenius an der Hohen Schule Herborn Von 1608 bis 1611 besuchte er das Gymnasium der Brüdergemeinde in Přerov (Prerau). Ab 1611 studierte er Theologie an der calvinistischen Hohen Schule in Herborn, wo er durch den dort herrschenden Ramismus beeinflusst wurde, ab 1613 an der Universität Heidelberg. Da ihm die Mittel für eine Promotion in Heidelberg fehlten, kehrte er nach Mähren zurück.
Erstes berufliches Wirken mini|Karte Mährens Von 1614 bis 1617 wirkte er als Lehrer und Rektor der Brüderschule in Prerau. 1616 wurde er zum Pfarrer der Brüdergemeine ordiniert. Von 1618 bis 1621 war er Vorstand der Brüder in Fulnek. Während dieser Zeit heiratete er seine erste Frau, Magdalena Vizovska, eine Verwandte des Bischofs der Brüdergemeine und seines Förderers Lanecius.
Als in der Schlacht am Weißen Berg (1620) die protestantischen böhmischen Stände der katholischen Liga unterlagen, setzte die Verfolgung aller evangelischen Konfessionen in den Ländern der Habsburger Monarchien ein. Comenius versteckte sich an wechselnden Orten im Grenzgebiet Mährens, während seine Frau mit seinem erstgeborenen Sohn in Fulnek blieb und dort einen zweiten Sohn zur Welt brachte. Nachdem Fulnek gebrandschatzt worden war, kamen seine Frau und beide Söhne 1622 durch die Pest ums Leben. Comenius fand zunächst für einige Jahre Zuflucht bei Karl von Zierotin auf dessen Gütern in Böhmen. Während dieser Zeit heiratete er 1624 zum zweiten Mal: Dorothea Cyrillova, Tochter eines der vier Ältesten der Brüdergemeine. Aus dieser Verbindung stammten drei Töchter und ein Sohn. alternativtext=Jan Amos Comenius, geboren 1592, Nivnice, gestorben 1670, Amsterdam, Böhmische Brüder, Philosoph, Theologe, Pädagoge, 30-jähriger Krieg|mini|Comenius-Denkmal in Leszno. alternativtext=Leszno Comenius-Str. |mini|Comenius-Str. in Leszno mini|Johann Amos Comenius Widmung an Schule in Trebenice Nach vorübergehenden Aufenthalten in Görlitz, Berlin und Holland und anschließender Rückkehr nach Mähren musste er 1628 mit seiner Familie das Land endgültig verlassen und fand mit Tausenden anderer Vertriebener im polnischen Lissa am 8. Februar 1628 ein Exil.
Exil und europäische Wirkung Die Glaubensflüchtlinge bauten in einem eigenen Stadtteil auch ein eigenes Bildungswesen auf. Comenius fand für die nächsten Jahre als Lehrer am Gymnasium der Gemeinde ein dürftiges Auskommen. Recht bald übernahm er das Rektorat des Lissaer Gymnasiums, das unter seiner Führung aufblühte („Gymnasium Illustre“). Zugleich war dies für Comenius eine literarisch höchst produktive Periode. Er erwarb sich Ansehen bei Philosophen und Intellektuellen in ganz Europa bis hin nach Nordamerika. Auf Einladung von Samuel Hartlib unternahm er 1641 bis 1642 eine Reise nach England und stellte dort seine Pansophie vor.
1642 erhielt er durch Vermittlung des ebenfalls mit Hartlib korrespondierenden Johannes Duraeus eine Einladung des Industriellen Louis de Geer nach Schweden. Er reiste über die Niederlande, wo er mit Descartes zusammentraf, und Deutschland. In dem seit 1626 von Schweden kontrollierten Elbing ließ er sich nieder und holte seine Familie nach. Im Auftrag des schwedischen Kanzlers Axel Oxenstierna arbeitete er an neuen Schulbüchern. Ab 1644 war er Professor des Elbinger Gymnasiums und unternahm mehrere Reisen durch Deutschland und Schweden. Als Vertreter der „Böhmischen Brüder“ nahm er 1645 am Thorner Religionsgespräch teil. 1648 kehrte er nach Lissa zurück, im selben Jahr verstarb seine zweite Frau, und er wurde zum Bischof der Brüdergemeine ernannt. Am 17. Mai 1649 heiratete er in Lissa in dritter Ehe Johanna Gajusová.
Reform der Schule von Sárospatak mini|Abbildung einer Schule in Comenius: Orbis sensualium pictus Die mährischen Exilgemeinden in Ungarn hatten schon seit längerem danach verlangt, Comenius als ihren Bischof in ihrer Nähe zu haben.Comenius: Continuatio Admonitionis Fraternae, § 98 (deutschsprachige Übersetzung bei Gerhard Michel: Johann Amos Comenius. Sankt Augustin 1992, S. 117). Zur gleichen Zeit erhielt Comenius auch von Sigismund I. Rákóczi, dem jüngeren Bruder des über Siebenbürgen und Teile von Oberungarn (Ostslowakei) regierenden Fürsten Georg II., eine Einladung. Er sollte in dessen Residenz Sárospatak (Weißenburg) an der Reform des Schulwesens mitwirken.Comenius: Continuatio Admonitionis Fraternae, § 99f (deutschsprachige Übersetzung bei Gerhard Michel: Johann Amos Comenius. Sankt Augustin 1992, S. 117ff). Viele der ungarischen Gemeinden waren auf den Schutz der Rákóczi angewiesen. Die Fürstenfamilie verfolgte außerdem eine antihabsburgische Politik: Die bevorstehende Heirat Sigismunds mit einer Tochter des „Winterkönigs“, Friedrichs V. von der Pfalz, machte sie zum Hoffnungsträger der Gemeinschaft im Spiel der europäischen Mächte. Diese Situation bewog Comenius im Frühjahr 1650 zur Reise nach Ungarn.
Am Ostersonntag, dem 17. April, erreichte er Skalica, wo die mährischen Exilanten nahe der mährischen Grenze ihre Hauptkirche hatten und Comenius mit der dortigen Gemeinde das Osterfest beging, mit ihr am Tag nach Ostern eine Versammlung abhielt und den bereits gewählten Johann Chodnicius zum Bischof ernannte.Comenius, Continuatio Admonitionis Fraternae § 100 (deutschsprachige Übersetzung bei Gerhard Michel: Johann Amos Comenius. Sankt Augustin 1992, S. 118f.) Anschließend besuchte er Trnava (Tyrnau), um mit einer befreundeten Gemeinde helvetischer Konfession zu beraten, die ihn in dem Vorhaben seiner Reise nach Sárospatak bestärkte, um dem unter den dortigen Protestanten grassierenden Independentismus entgegenzuwirken. Nachdem er Púchov erreicht, dort Johann Effronius zum Gemeindeoberhaupt ernannt und anschließend weitere Gemeinden besucht hatte, begab er sich schließlich nach einer neuerlichen Phase des Zögerns und nochmaliger Beratung nach SárospatakComenius: Continuatio Admonitionis Fraternae, § 101f. (deutschsprachige Übersetzung bei Gerhard Michel: Johann Amos Comenius. Sankt Augustin 1992, S. 119ff.), wo er im Mai 1650Comenius: De Vocatione in Hungariam. In: Opera Didactica Omnia Bd. 3. Amsterdam 1657, S. 3. eintraf.
Sárospatak besaß bereits seit 1531 eine protestantische Lateinschule, die 1550 in den Rang eines Kollegs für weiterführende Studien erhoben wurde und unter der Förderung der Rákóczi eine Blüte erlebte.János Szombathi: Historia Scholae seu Collegii ref[ormatorum] Sárospatakiensis = Monumenta protestantium hungariae ecclesiastica 1. Sárospatak 1860, S. 197. Die Verhandlungen, die Comenius nach seiner Ankunft hauptsächlich mit Sigismund und dessen politischen und theologischen Beratern führte,Comenius: Continuatio Admonitionis Fraternae, § 103 (deutschsprachige Übersetzung bei Gerhard Michel: Johann Amos Comenius. Sankt Augustin 1992, S. 121). erbrachten im Ergebnis seine BerufungWiedergegeben von Comenius in dessen Abschiedsrede vom 2. Juni 1654. In: Opera Didactica Omnia Bd. 3. Amsterdam 1657, Sp. 1042f.; vgl.: Comenius: Continuatio Admonitionis Fraternae, § 104 (deutschsprachige Übersetzung bei Gerhard Michel: Johann Amos Comenius. Sankt Augustin 1992, S. 122)., zu einer Reform der Schule beizutragen und hierbei seine allenthalben gerühmte Methode in Idealform zu verwirklichen. Er war vom „Schulstaub“ beschwerlicher Pflichten befreit und sollte ausschließlich in leitender Funktion dem Reformwerk vorstehen. Ohne sich mit den vorhandenen Lehrplänen und Organisationsstrukturen besonders aufzuhalten, hatte Comenius im Rahmen seiner Verhandlungen mit Sigismund das Konzept einer völlig neuen Schola Pansophica erarbeitet, die allen Ständen offenstehen und in drei unteren Klassen elementaren, fortgeschrittenen und eleganten Gebrauch des Lateinischen, in vier höheren Klassen Philosophie, Logik, Politik und Theologie unterrichten sollte.Comenius: Scholae Pansophicae Delineatio. In: Opera Didactica Omnia, Bd. 3. Amsterdam 1657, S. 10 bis Sp. 58. Von seiner Gemeinde wurde er nach Sárospatak entsandt, zunächst ohne seine Familie und für einen kürzeren, möglichst noch vor dem Winter zu beendenden Aufenthalt, der sich im Ergebnis aber bis zum Juni 1654 hinzog.Comenius: Continuatio Admonitionis Fraternae, § 105f. (deutschsprachige Übersetzung bei Gerhard Michel: Johann Amos Comenius. Sankt Augustin 1992, S. 123f). In Sárospatak wurde ihm zu seiner Unterstützung ein Kuratorium von zunächst drei und dann sieben Personen zugeteilt, dem auch Tolnai angehörte.