Die Bahnstrecke Knin–Zadar, auch Zadar-BahnTobias Reisky: Kroatien: Die Zadarbahn. In: LOK-Report, Nr. 8, 2013, S. 52–55. genannt, verbindet im Norden der kroatischen Region Dalmatien den Eisenbahnknoten Knin mit der Hafenstadt Zadar. Sie ist rund 95 km lang und durchquert die Gespanschaften Šibenik-Knin und Zadar. Die Strecke führt über 19 Brücken und durch 22 Tunnel,Fritz Stöckl: Eisenbahnen in Südosteuropa. Bohmann Verlag, Wien 1975, , S. 26. ist eingleisig, nicht elektrifiziert und als Strecke von internationaler Bedeutung klassifiziert. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt im Abschnitt Knin–Škabrnje 50 km/h, im Abschnitt Škabrnje–Zadar 70 km/h.

Geschichte Obwohl bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Überlegungen zur Anbindung Zadars an das Eisenbahnnetz bestanden hatten, wurde dieses Vorhaben erst von der Jugoslawischen Staatsbahn realisiert. Nach einer Bauzeit von 14 Jahren wurde die Gesamtstrecke 1967 eröffnet, zuvor waren bereits die Teilstrecken Knin–Kistanje 1962 und Kistanje–Benkovac 1963 eröffnet worden. Mit ihr wurde ein weiterer Adria-Hafen an das Eisenbahnnetz angebunden. Mit der Unabhängigkeit Kroatiens 1991 ging die Strecke auf die neu gegründete Eisenbahngesellschaft Hrvatske željeznice (HŽ) über. Eine ursprünglich für 1993 vorgesehene Streckenmodernisierung konnte wegen des Kroatienkriegs nicht durchgeführt werden. Der weit überwiegende Teil der Strecke lag von 1991 bis 1995 auf dem Gebiet der Republik Serbische Krajina und damit außerhalb der Einflusssphäre der HŽ. Im amtlichen Kursbuch der HŽ für den Sommerfahrplan 1994 waren dementsprechend auch keinerlei Verkehrsangebote auf dieser Strecke ausgewiesen.Hrvatske Željeznice p.o.: Vozni red 29.V.1994 − 24.IX.1994. Zagreb 1994, S. 214f. Nach Kriegsende war die Beseitigung von Kriegsschäden an dieser, vor allem aber auch anderen Strecken, wichtiger als der ursprünglich vorgesehene Ausbau dieser Strecke. Die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs erfolgte im Jahr 1996, der Streckenzustand verschlechterte sich nachfolgend jedoch mehr und mehr. Ab Ende 2012 begannen umfassende Maßnahmen zur Streckensanierung. Der Bahnhof in Zadar ist seither stillgelegt, im Bahnhofsgebäude befindet sich im Jahr 2023 ein Lebensmittel-Supermarkt.

Verlauf Gemeinsam mit den Strecken nach Oštarije (Lika-Bahn) und nach Novi Grad (Una-Bahn) verlässt die Strecke den Bahnhof Knin in nördlicher Richtung, schwenkt aber sofort in einem Linksbogen in das Tal der Krka ein und folgt dieser in südlicher Richtung. Bei Radučić verlässt sie das unmittelbare Flusstal und folgt dann im Wesentlichen der Nationalstraße D59 Richtung Südwesten. Hinter der Ortslage Đevrske schwenkt die Bahnstrecke in einem Rechtsbogen in nordwestliche Richtung ab und erreicht die Gespanschaft Zadar. Bei Raštević unterquert sie die Autobahn A1. Bei Škabrnje schwenkt die Strecke schließlich in Richtung Küste. Kurz vor deren Erreichen durchquert sie in Debeljak noch einen mehr als einen Kilometer langen Tunnel, den längsten von mehreren auf dieser Strecke. Im Bahnhof Bibinje zweigen die Anschlussgleise des Fährhafens Zadar ab. Die Strecke endet in Zadar in einem Kopfbahnhof.

Verkehrsangebot Über mehrere Jahrzehnte hinweg verkehrten auf dieser Strecke direkte Schnellzüge Zagreb–Zadar. Ergänzend führten zumindest bis zum Ende der 1970er Jahre in der Urlaubssaison einzelne Nahverkehrszüge auch Kurswagen aus Osijek, Belgrad oder Hamburg mit. Das Kursbuch der Jugoslawischen Staatsbahn für 1989 verzeichnete sechs Nahverkehrszugpaare sowie zwei saisonale Schnellzugpaare auf dieser Strecke. Nach Wiederaufnahme des kriegsbedingt unterbrochenen Zugverkehrs im Jahre 1996 verkehrten nur noch 3½ Zugpaare des Nahverkehrs. Ab 2002 wurde der Personenverkehr leicht ausgeweitet, ab dem Fahrplanjahr 2011 sukzessive wieder ausgedünnt. In den Fahrplanjahren 2006 bis 2010 verkehrte vorübergehend auch ein Eilzug mit Nachtkurswagen.

Im Jahresfahrplan 2013 wurde die Strecke von täglich drei Zugpaaren des Schienenpersonennahverkehrs bedient, die bis auf den Haltepunkt Oćestovo auch alle Unterwegshalte bedienten. Die Fahrzeit betrug in beiden Richtungen rund 2 Stunden und 20 Minuten, in Knin bestand in der Regel Anschluss von und nach Zagreb Glavni kolodvor.HŽ Putnički prijevoz d.o.o.: Vozni red 9.XII.2012 − 14.XII.2013. Zagreb 2012. Eingesetzt wurden Triebwagen der Baureihe 7122. Fernverkehrsleistungen direkt nach Zadar wurden nicht angeboten. Seit dem 24. April 2014 ist der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt. Nach Abschluss der Erneuerungsarbeiten soll er wieder aufgenommen werden.bac: Kahlschlag in Kroatien. In: Eisenbahn-Revue International 8–9 (2014), S. 414.

Im Jahresfahrplan 2019 für den Personenverkehr sind täglich drei Fahrtenpaare vermerkt, allerdings als Busersatzverkehr.

Im Jahr 2005 verkehrten regelmäßig Mineralöl-Ganzzüge auf der Bahnstrecke Knin–Zadar.

Sanierung und Neubau Die Passagierbahnstrecke wird derzeit modernisiert; die Fertigstellung ist für 2028 geplant. Die 90 Millionen Euro teuren Arbeiten werden von der Zagreber Niederlassung des österreichischen Unternehmens Swietelsky durchgeführt. Die Arbeiten umfassen den Austausch von Schwellen und Schienen sowie die Verlegung von neuem Schotter. Die Bahnstrecke wird in Bibinje aus der Ortschaft in einen über 3 km langen Umgehungstunnel verlegt. Die geplante Höchstgeschwindigkeit beträgt 100 km/h. Im Hafen von Gaženica bei Zadar wird ein neuer Verkehrsknotenpunkt für die Bahnstrecke errichtet. Ein Anschluss an den Flughafen Zadar ist geplant.

Einzelnachweise

Weblinks

Artikel Zadar-Bahn. In: Elmar Oberegger: Enzyklopädie zur Eisenbahngeschichte des Alpen-Donau-Adria-Raumes. 2011ff.

Kategorie:Bahnstrecke in Kroatien Bahnstrecke Knin Zadar Bahnstrecke Knin Zadar ZadarBahn