alt=Foto von Erich Köhn|mini|hochkant|Erich Köhn mini|hochkant|Foto der Familie Köhn, 1905
Erich Oswald Reinhold Köhn (* 1. Februar 1870 in Schlawe, Pommern; † 10. Juni 1945 in BerlinGeburts- und Sterbeurkunde von Erich Köhn) war ein deutscher Architekt.
Leben Er wurde als Sohn des Eisenbahn-Telegrafisten Friedrich Köhn und dessen Ehefrau Louise geb. Vollbrecht geboren.
Köhn kam 1891 als gelernter Maurer und Bautechniker nach Berlin und war bis 1899 für die Königlichen Bauräte Havestadt & Contag, Atelier für Ingenieurbauten und Architektur tätig.Vorläufiger Beschäftigungsausweis der Firma Havestadt & Contag, vom 22. März 1892 In dieser Zeit war er bei der Ausführung der Neubauten des Wilmersdorfer Rathauses, der Feuerwache, der evangelischen Auenkirche (1897) nebst Konfirmandenhaus maßgeblich beteiligt, sowie für Entwurfsarbeiten, Bauleitung und Abrechnung mehrerer Wohn- und Geschäftsgebäude und Villen verantwortlich.100 Jahre (1903–2003) Beamten-Wohnungs-Verein zu Berlin e. G. Hausgruppe Wilmersdorf
Danach arbeitete er als Baukontrolleur („Postbausekretär“) bei der Kaiserlichen Ober-Post-Direktion.
Am 1. September 1900 war er Mitbegründer des Beamten-Wohnungs-Vereins (BWV) zu Berlin, wurde in den Verwaltungsrat gewählt und leitete bis 1906 das technische Büro mit zwölf Architekten und Bauführern. In dieser Zeit errichtete Erich Köhn „nebenamtlich“ für den BWV insgesamt zehn Wohnanlagen (Prenzlauer Berg, Wilmersdorf, Mitte, Steglitz, Moabit, Charlottenburg, Friedrichshain, Dahlem, Neukölln) mit ca. 1800 Wohnungen. Alle Gebäude sind noch erhalten und stehen mittlerweile unter Denkmalschutz.
Erich Köhn gilt auch als Reformer der Mietwohnungen. Arbeiterfamilien sollten in hellen einzelnen Wohnungen mit eigener Küche mit Speisekammer und eigenem Bad mit Toilette wohnen. Er wollte von den ursprünglichen Mietshäusern mit ihren dunklen Hinterhöfen weg. So schuf er grüne, bepflanzte, zur Straße geöffnete Höfe, Balkone und Loggien. Selbst Erker, Türen, Fenster und Treppengeländer entwarf und zeichnete er selbst und so zeigen alle von ihm entworfenen Häuser mit dem favorisierten Krüppelwalmdach seine Handschrift. Bevor er mit der Bauplanung eines Gebäudes begann, ließ er einen Wünschelrutengänger das Gebiet ablaufen, um störende Wasseradern auszuschließen. Und er ließ jedes seiner Häuser segnen. Erich Köhn kündigte sein Dienstverhältnis zum 30. September 1906 beim BMV.
Am 23. Januar 1905 wurde Erich Köhn von der Kaiserin der Königliche Kronenorden vierter Klasse verliehen,Urkunde zur Verleihung des Königliche KronenordenKöniglicher Kronenorden u. a. für den Bau des „schwimmenden Schifferheims“, ein Kirchenboot für die Fluss- und Kanalschiffer (Einweihung am 13. November 1904 im Humboldthafen).Broschüre zur Einweihung des schwimmenden Schifferheim in Berlin. Wilhelm Ernst & Sohn VerlagFoto des schwimmenden Schifferheim in Berlin 1906 wurde von Erich Köhn ein Schifferkinderheim entworfen und 1907 in Teltow (Oderstraße/Boberstraße) als erstes Schifferkinderheim in Deutschland eröffnet.Sandra Stötzer Braunsch: Schifferkinderheim. In: Magisterarbeit, Institut für Kunstgeschichte Berlin Es wurde seinerzeit mit Spendenmitteln finanziert aber nie ganz – so wie ursprünglich von Erich Köhn geplant – fertiggestellt. Es wurde nach der Wende renoviert und dient heute als Jugendzentrum.
Ab 1906 war Erich Köhn als freischaffender Architekt tätig (u. a. Landhaus Hulda in Berlin-Schlachtensee, Mietshäuser Moosdorferstraße und Am Treptower Park, Landhaus Damm, Landhaus Bingerstraße).
1907 wurde er gerichtlich vereidigter Bausachverständiger beim Königlichen Landgericht II und vereidigter Bauschätzer für die Landfeuersozietät der Provinz BrandenburgAusweis zum vereidigten Bausachverständigen in Brandenburg und Kreistaxator im Kreise Teltow.Bestallungsurkunde zum Kreis-Taxator des Kreises Teltow
Um 1907 zog er mit seiner Frau Magdalena Clara Martha, geb. Befeldt (7. Februar 1869 – 4. September 1956) und seinen drei Kindern (Helmut, geb. 12. März 1897, Gerhardt, geb. 3. Januar 1899 und Hildegard, geb. 22. November 1900)Familienstammbuch der Familie Köhn in die Gertraudstraße 10, ein von ihm entworfenes Haus mit seinem Architekturbüro und mehreren Mietwohnungen.
Am 14. Juni 1920 ist Erich Köhn in den Bund Deutscher Architekten aufgenommen worden.Mitgliedskarte zum Bund Deutscher Architekten
Am 10. Juni 1945 verstarb Erich Köhn in seiner Wohnung in Berlin-Zehlendorf. Als Todesursache wird Magenverhärtung und Herzmuskelschwäche genannt.
Nach seinem Tod wurden – auf seinen Wunsch hin – alle Pläne und Skizzen, die sich in seinem privaten Besitz befanden, verbrannt.
In Berlin stehen heute zahlreiche von Köhns Bauten unter Denkmalschutz.
Bauten Gebäude Bauzeit Denkmalschutz BildBeamtenwohnhaus & Pumpwerk
Sophie-Charlotten-Straße 114 / Mollwitzstraße 1 in Berlin-Charlottenburg1889–90130x130px Wohnanlage des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Berlin Wichertstraße 63–65, Greifenhagener Straße 23–25, Rodenbergstraße 18–22, Scherenbergstraße 25–27 in Berlin-Prenzlauer Berg () 1901–02 130px Mietwohnanlage „Steglitz I“ des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Berlin Klingsorstraße 22–34, Leydenallee 45, Lutherstraße 10–11, Vereinsweg 1–3 in Berlin-SteglitzBerlin und seine Bauten. Teil IV: Wohnungsbau. Band B: Die Wohngebäude – Mehrfamilienhäuser. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1974, , S. 304–305. () 1901–04 130px Mietwohnanlage „Wilmersdorf“ des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Berlin Hildegardstraße 19–22, Koblenzer Straße 25–27, Weimarische Straße 1–3 in Berlin-WilmersdorfBeamtenwohnhäuser des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Berlin. In: Berliner Architekturwelt, 7. Jahrgang, Nr. 1 (April 1904), S. 15–16.Berlin und seine Bauten. Teil IV: Wohnungsbau. Band B: Die Wohngebäude – Mehrfamilienhäuser. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1974, , S. 246–247. () 1902–03 130px Wohnanlage Helenenhof des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Berlin Helenenhof 1–8, Gryphiusstraße 1–8, Holteistraße 28–33, Simplonstraße 41–51, Sonntagstraße 17–22 in Berlin-FriedrichshainJosef Paul Kleihues u. a. (Hrsg.): Bauen in Berlin 1900–2000. nicolai, Berlin 2000, ISBN 3-87584-013-5, S. 30. () 1903–05 130px|alt=|Helenenhof Wohnanlage und Innenhöfe Torstraße 3–15 in Berlin-Prenzlauer Berg () 1903–06 130px 130px205 Wohnungen des Beamten-Wohnungs-Verein zu Berlin Wilhelm-Pieck-Straße 3–11 (ehemals Lothringerstrasse 3–11)1903–06nein206x206pxVier Landhäuser „Dahlem I“ des Beamten-Wohnungs-Verein zu Berlin Altensteinstraße 52–56 / Reichensteinerweg in Berlin-Dahlem1904nein75 Wohnungen des Beamten-Wohnungs-Verein zu Berlin
Stromstraße 22–23 / Perleberger Straße 40 in Berlin-Moabit1904nein216x216pxSchwimmende Schifferheim, Humboldthafen in Berlin-Mitte1904nein130x130px Mietwohnanlage „Neukölln“ des Beamten-Wohnungs-Verein zu Berlin Boddinstraße 23–31, Hermannstraße 223, Mainzer Straße 25–26 in Berlin-NeuköllnBerlin und seine Bauten. Teil IV: Wohnungsbau. Band B: Die Wohngebäude – Mehrfamilienhäuser. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1974, , S. 342–343. () 1904–06 130px Landhausgruppe „Dahlem II“ des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Berlin Ladenbergstraße 22–24, Rudeloffweg 4–16, Von-Laue-Straße 3–17 in Berlin-DahlemBerlin und seine Bauten. Teil IV: Wohnungsbau. Band B: Die Wohngebäude – Mehrfamilienhäuser. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1974, , S. 265–266. () 1904–06 130px Mietwohnanlage „Charlottenburg I“ des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Berlin Fritschestraße 71–73, Kaiser-Friedrich-Straße 21–23, Zillestraße 97–103 in Berlin-CharlottenburgBerlin und seine Bauten. Teil IV: Wohnungsbau. Band B: Die Wohngebäude – Mehrfamilienhäuser. Verlag von Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1974, , S. 209–211. () 1904–06 130px 130pxLandhaus Hulda in Schlachtensee, Waldemarstraße 431906130x130pxSchifferkinderheim in Teltow, Oderstraße/Boderstraße1906–07130x130px Mietshäuser Moosdorfstraße 3–14, Am Treptower Park 24 in Berlin-Plänterwald () 1908–10 130px 130px |-Landhaus Damm in Zehlendorf, Machnower Straße 791909neinMietshaus in Zehlendorf, Gertraudstrasse 101910nein130x130px 173x173px Wohnhaus Hohenzollernstraße 27 in Berlin-Zehlendorf () 1909–11 130px Landhaus Binger Straße 63 in Berlin-Wilmersdorf () 1923–25 130px
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