Schwarzenau ist ein Gemeindeteil des Marktes Schwarzach am Main im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Schwarzenau hat eine Fläche von 3,578 km². Sie ist in 726 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4927,36 m² haben.
Schwarzenau war bis zum 31. März 1971 eine selbstständige Gemeinde. Bereits seit der Altsteinzeit ist das Areal um das Dorf durchgehend besiedelt, wie geplante Ausgrabungen in den 1960er Jahren belegten. Später stieg Schwarzenau, insbesondere durch seine Furt über den Main, zu einem sehr reichen Dorf auf.
Mittelpunkt der Siedlung war jahrhundertelang der Gutshof, der von mehreren Adelsgeschlechtern beansprucht wurde. Heute ist in den Baulichkeiten eine Lehr- und Versuchsanstalt für Schweinehaltung untergebracht, die von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft betrieben wird. Die Furt erhielt später eine Fährstelle und wurde im 19. Jahrhundert mit einer Mainbrücke überspannt, die heute südlich des Ortes zu finden ist.
Geografie Geografie und naturräumliche Lage Das Pfarrdorf Schwarzenau liegt im äußersten Westen des Schwarzacher Gemeindegebietes, als einziger Gemeindeteil auf der linken Mainseite. Der Fluss fließt von Nordwesten kommend in einem langgestreckten Bogen im Osten am Ort vorbei und wendet sich dann nach Südwesten. Nördlich, getrennt durch den Main, liegt Sommerach auf der Weininsel. Das gegenüberliegende Mainufer wird von den drei Schwarzacher Gemeindeteilen (von Norden nach Süden) Gerlachshausen, Münsterschwarzach und Stadtschwarzach dominiert, die inzwischen miteinander zusammengewachsen sind. Hörblach liegt in einiger Entfernung im Südosten. Auf der Westseite grenzt die Schwarzenauer Gemarkung an das Gebiet von Dettelbach, das Areal der Kernstadt liegt dem Ort am nächsten. Lediglich ganz im Nordwesten erhebt sich Dettelbach-Neuses am Berg.
Nächstgelegene, größere Städte sind Volkach, mit einer Distanz von etwa 7 Kilometern und Kitzingen, das ungefähr 8 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das etwa 20 Kilometer entfernte Würzburg.
Naturräumlich befindet sich Schwarzenau am westlichen Rand der sogenannten Schwarzacher Talweitung (auch Schwarzacher Becken). Der Abschnitt des Mittleren Maintals zeichnet sich durch seine direkt an den Main anschließenden flachen Abschnitte aus. Die Talweitung ist auch wegen ihrer fruchtbaren Böden dicht besiedelt. Daneben ragt im äußersten Norden der Gemarkung der ebenfalls dem Maintal zugeordnete Naturraum Volkacher Mainschleife herein. Ganz im Westen der Gemarkung beginnt außerdem die Gäufläche im nördlichen Maindreieck, die von großen Ackerbauflächen dominiert wird.
Der Gemeindeteil liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Klimazonen in Deutschland zählt. Das erklärt auch den Weinbau, der jahrhundertelang eine wichtige, wirtschaftliche Rolle für Schwarzenau spielte. Anders als auf der östlichen Mainseite mit ihren Keuperböden überwiegen im Westen des Schwarzacher Beckens Gesteine des Muschelkalks.Büll, Franziskus: Das Monasterium Suuarzaha. S. 17. Die Gäufläche ganz im Westen besitzt Lehm- und Lösslehmböden.
Hydrologisch wird Schwarzenau vom Main dominiert, der im Osten die Gemarkung durchquert. Mit dem Mainkanal zwischen Volkach und Gerlachshausen grenzt eine bedeutende Schifffahrtsstrecke unmittelbar nördlich an die Gemarkung von Schwarzenau. Anders als in den anderen Schwarzacher Ortsteilen existieren um Schwarzenau keine kleineren Flüsse, die dem Main zustreben. Stattdessen ist unmittelbar östlich der bebauten Fläche der sogenannte „wachsende See“ zu finden, der bereits in historischen Quellen genannt wird. Im 20. Jahrhundert entstanden im äußersten Norden der Flächeneinheit Schwarzenau mehrere Baggerseen mit Mainzugang. Größter See ist der Schwarzenausee.
Dorfgliederung Im Südosten in Mainnähe ist die bebaute Fläche zu finden. Schwarzenau entstand als mainparalleles Straßendorf entlang der heutigen Straßen Mainstraße und Stadtschwarzacher Straße. Den Mittelpunkt bildete das Areal um Herrschaftshof und Kirche. In der Mitte des 20. Jahrhunderts entstand westlich des Altortes ein großer Gutshof, der heute von der Lehr- und Versuchsanstalt für Schweinehaltung eingenommen wird. Im Osten des Altortes siedelte sich auf den Mainauen ein Campingplatz an. Daneben errichtete man Neubaugebiete, insbesondere im Norden, und vervielfachte die bebaute Fläche.
In die Freifläche der Gemarkung ausgelagert wurden die Sportplätze des örtlichen Vereins, die ganz im Westen zu finden sind. Hier entstand auch im 19. Jahrhundert ein inzwischen stillgelegter Steinbruch. Der Süden wird von einer kleinen Waldfläche, dem sogenannten Paradies eingenommen. Hier wurde mit dem sogenannten Waldhof auch ein Aussiedlerhof errichtet. Zwischen dem Altort und dem Aussiedlerhof entstand das Imkereizentrum Unterfranken.
Schwarzenau hat, insbesondere entlang des Maines und im Norden der Gemarkung, große Flächen, die von den Naturschutzbehörden unter Schutz gestellt wurden. So zieht sich das Fauna-Flora-Habitat (FFH) Mainaue zwischen Grafenrheinfeld und Kitzingen entlang des Flusses. Daneben hat der Ort Anteil am Landschaftsschutzgebiet Volkacher Mainschleife. Das Vogelschutzgebiet Maintal zwischen Schweinfurt und Dettelbach berührt ebenfalls die Gemarkung. Unter besonderem Schutz steht der als Naturdenkmal eingetragene Leitenberg zwischen Neuses am Berg und Schwarzenau mit seiner großen Artenvielfalt. Daneben bildet die Flurlage Wehrwiesen ein 13 Hektar großes Gebiet, das ganzjährig aus der menschlichen Nutzung entnommen wurde. Es ist Rückzugsort für verschiedene, geschützte Vogelarten.Kitzingen: Schutzverordnung Wehrwiesen, PDF-Datei, abgerufen am 9. Februar 2023.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Schwarzenau hat eine sehr lange Siedlungsgeschichte. Anders als bei den anderen Schwarzacher Gemeindeteilen kann eine Siedlungskontinuität seit der Steinzeit durch Lesefunde und Ausgrabungen in den 1960er Jahren nachgezeichnet werden. Allerdings ist die Altsteinzeit lediglich mit den Funden eines Wildpferd- und eines Mammutbackenzahnes vertreten, weswegen die Anwesenheit von Menschen zu diesem Zeitpunkt im Schwarzacher Becken lediglich in der angrenzenden Hörblacher Gemarkung gesichert werden kann.Hahn, Andreas: Die Vor- und Frühgeschichte eines fränkischen Dorfes. S. 4.
Aus der Mittelsteinzeit wurden Funde ganz im Norden der Gemarkung gemacht. Hier identifizierte man durch die Verfärbung der Oberflächen eine Siedlung mit 20 bis 30 Hütten. Ebenfalls grub man in diesem Areal einen bandkeramischen Kumpf aus. Die Siedlung der Bandkeramiker wurde später auch von den Menschen der Rössener Kultur weiter genutzt, was der Fund eines kleinen Mahlsteins beweist. Damit wurde die Gegend um Schwarzenau bereits vor 4600 Jahren von Menschen dauerhaft bewohnt.
Die Bronzezeit ist mit wesentlich weniger Fundstücken vertreten. Am Roßweg, wesentlich näher an der heute bebauten Fläche, wurde eine Bronzefibel der Hallstattzeit gefunden. Ebenso fand man Bruchstücke eines Webegewichts und die Nadelrast eines vorzeitlichen Webstuhls. Die Siedlung veränderte ihren Standort wohl, weil der Main im Laufe der Zeit sein Bett verändert hatte. In der Nähe des Geißberges, heute bereits in der Gemarkung von Dettelbach, lag das der Siedlung zugeordnete Gräberfeld. Neun Hügel konnten identifiziert werden.
Besonders bedeutsam sind die Funde aus der Latènezeit, die ab 1963 direkt im Ort gemacht wurden. So konnte eine 10 m lange Hütte verortet werden, die bereits auf die im Main gelegene Furt ausgerichtet war. Bei Bauarbeiten stieß man außerdem auf einen Eisenring und ein Messer. Ein ausgegrabenes Glasarmreif-Fragment ist in der Region am Maindreieck besonders selten. Während der Völkerwanderung saßen in Schwarzenau zunächst keltische Stammesverbände.Hahn, Andreas: Die Vor- und Frühgeschichte eines fränkischen Dorfes. S. 45.
Die Franken begannen ab dem 6. Jahrhundert in das Becken vorzustoßen. Sie brachten das Christentum an den Main mit und etablierten erste Verwaltungsgrenzen, die sogenannten Gaue. Das spätere Schwarzenau lag südlich des Schwarzachbachs und war damit Teil des Iffgaus. Allerdings tauchte der Ort nicht in den Quellen auf, als im 8. Jahrhundert das Kloster Münsterschwarzach gegründet wurde und fand auch in einer Urkunde von 918 keine Erwähnung, in der die meisten Orte der Talweitung erstmals genannt wurden.
Deshalb ist man in der Zeit des Frühmittelalters auf Projektionen angewiesen. So gehörten zur Ausstattung des Münsterschwarzacher Frauenklosters auch Besitzungen rechts des Mains, wo die Grafen zu Castell begütert waren. Der Ort Schwarzenau hatte bereits vor seiner Ersterwähnung eine große, wirtschaftliche Bedeutung, lag er doch an einer Mainfurt. Hier lief der Verkehr zwischen dem fränkischen Königshof in Dettelbach und dem Steigerwald.Bauer, Hans: Landkreis Kitzingen. S. 41. 849 soll außerdem ein Münsterschwarzacher Zehnthof im Dorf gelegen gewesen sein.Burger, Peter (u. a.): Schwarzenauer Dorfchronik. S. 6.
Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde Schwarzenau allerdings erst im Jahr 1074. Bischof Adalbero schenkte damals dem Abt Egbert von Kloster Münsterschwarzach einen Weinberg in „Swartzenauwe“. Noch immer hielten allerdings die Grafen zu Castell den größten Anteil des Dorfes in ihrem Besitz. Dies änderte sich erst 1135, als Heinrich von Gerlachshausen, der den Castellern zugerechnet wird, seine Rechte an das Kloster verschenkte. Schwarzenau war kirchlich zu diesem Zeitpunkt der Pfarrkirche in Gerlachshausen zugeordnet.
In den folgenden Jahrhunderten blieb ein Großteil des Ortes dem nahen Benediktinerkloster unterstellt. 1165 suchte eine Pestwelle die Bevölkerung Schwarzenaus heim. Im Jahr 1326 bestätigte der Würzburger Bischof Wolfram von Grumbach den großen und kleinen Zehnt in Schwarzenau für das Kloster Münsterschwarzach. Zugleich entfremdete sich der frühmittelalterliche, abteiliche Zehnthof immer mehr von dem Kloster und gelangte schließlich in die Hände der Grafen von Henneberg, die bis ins 19. Jahrhundert die Grundherrschaft über Schwarzenau ausüben sollten.
Erstmals mit den Hennebergern in Verbindung gebracht wurde Schwarzenau bereits im ältesten Lehensbuch des Adelsgeschlechts, das von Berthold VII. († 1340) angelegt worden war. Die weit entfernt residierenden Grafen vergaben Schwarzenau als Lehen an niederadelige Geschlechter. Erstmals erwähnt wurde „Johans von Tetelbach“ als Lehensinhaber. Die Ritter von Dettelbach aus dem Nachbarort blieben auch im Jahr 1383 im Besitz des Lehens, als Otto und Kunz von Dettelbach den Besitz empfingen.Mötsch, Johannes: Schwarzenau am Main - Ein hennebergisches Lehen. S. 130.
In der Folgezeit wechselten die Lehensinhaber recht häufig. So versuchte die Witwe des jüngeren Johann von Dettelbach, Elisabeth, das Lehen an ihren Bruder Eberhard von Seinsheim zu übertragen. Am Ausgang des 14. Jahrhunderts gelangte der hennebergische Anteil dann an Katharina, der Witwe von Johann von Lichtenstein. 1436 hatte dann Ritter Friedrich von Wolfskeel das Lehen inne. Schließlich wurde das Dorf an Albrecht Schrimpf verkauft, wobei auch der reiche Adelige Erkinger von Seinsheim Interesse an dem Lehen zeigte.Mötsch, Johannes: Schwarzenau am Main - Ein hennebergisches Lehen. S. 131.
Die verschiedenen Adelsgeschlechter hatten auch eine Wasserburg am Ortsrand, die zeitweise als Sitz diente. Dieses sogenannte Alte Schloss lag in der heutigen Mainstraße und wurde bereits am Ende des 15. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt. Im 18. Jahrhundert verlegte man das Schloss in die Nähe der Kirche und errichtete das Neue Schloss. Neben dem Kloster Münsterschwarzach und den Inhabern des hennebergischen Lehens waren im Spätmittelalter auch andere Geschlechter wie die Seckendorff in Schwarzenau begütert.
Frühe Neuzeit