Otto Rathke (auch: Rathke-Bernburgermit diesem Doppelnamen hat es eine eigene Bewandtnis, wird er doch nur zu bestimmten Gelegenheiten verwendet; so z. B. bei der Instrumentations-Tabelle, die er 1927 mit Theo A. Körner verfasst hatte, und, hier sogar separat vom Namen Rathke, im Catalog of Copyright Entries: Musical compositions, Teil 3, sp. 1287 zum Eintrag Pan und Waldschrat: Charakterstück von Otto Rathke of Germany, instr. von O. Rathke-Bernburger of Germany, copyr. May 1931, Verl. Albert Schaper, Berlin, Nr. 25 278: als Komponist nennt er sich Otto Rathke, als Arrangeur aber Rathke-Bernburger. Das erinnert an den Berliner Komponisten und Musikverleger Erich Plessow, der sich als Komponist Eric Plessow, als Textdichter aber Ewald Walter nannte; das waren seine beiden weiteren Vornamen, vgl. Poestges 2002.; * 13. April 1881 in Danzig-Langfuhr; † 24. Juli 1936 in Berlin) war ein deutscher Musiker und Vortragskünstler.
Leben Nach dem Tod seines Vaters zog Otto Rathke mit der Familie nach Berlin. Dort erlernte er das Trompeten- und Cornetspiel.
1900 spielte er im Musikkorps des 2. Garde-Regiments zu Fuß unter Musikmeister Max Graf. Er studierte Harmonielehre und Komposition an der Hochschule für Musik in Charlottenburg. Als Komponist wurde er vor allem durch seine Militärmärsche bekannt. Er schrieb aber auch Charakterstückesein meistgespieltes war vielleicht der „Marionetten-Brautzug“: Charakterstück / von Otto Rathke. ISMN: 9790221119650 – Publisher: Simrock., Lieder und volkstümliche Tänzez. B. die Altmärker Bauerntänze: Dem ollen Herrn sin'n. Walzer / von Otto Rathke; Krempsteebel-Polka / von Otto Rathke: auf Beka 31 536, 31 537; Peter Wendt’n sin Levlingsdans, Rheinländer / von Otto Rathke und Ick deen nich mieh as Ossenknecht, Polka / von Otto Rathke, auf Beka 31 573 und 31 574, aufgenommen im Jänner 1922, vgl. Zwarg Phonomuseum S. 133 u. 137., die seine Verbundenheit mit der Heimat bekunden.
Nach dem Weltkriege erweiterte er seine musikalischen Wirkungsbereiche. Er besorgte Arrangements für Tanzorchesterso Berthold Leimbach: Tondokumente der Kleinkunst und ihre Interpreten 1895–1945. Göttingen, im Selbstverlag, 1991, unpaginiert. wie Bernard Etté, Marek Weber, Georges Boulanger und Barnabás von Géczy; auch komponierte und interpretierte er moderne Unterhaltungsmusik, bisweilen unter dem Pseudonym Erik Bloomströmz. B. Blütenfest. Intermezzo Foxtrot (Eric Bloomström: Otto Rathke) auf Favorite F.463-II (mx. F-0483) v. 23. September 1922, vgl. Zwarg Phonomuseum S. 166, oder Mister Radio Man, Foxtrott von Cliff Friend: Eric Bloomström-Orchester, Kalliope K. 647, auch Stradivari Record G.647 (mx. Zw 3405), Driftwood [Davis & Lyman]: Bloomström Eric [= Otto Rathke], Kalliope K. 648 (Matrix number Zw 3407), ca. 1924 ; es sieht so aus, als habe Rathke das Bloomström-Pseudonym vorwiegend für die Firma Kalliope und ihre Untermarken benutzt..
Rathke spielte für die Bühne, die Schallplatte und den Rundfunk. Für Aufnahmen bei der Schallplattenfirma Voxvgl. Firmengeschichte bei dirigierte er ein “Blasorchester mit Gesang”vgl. Vox-Aufnahmebuch mit Titeln wie In der Bar ist Großbetrieb Vox 1433 A, Kind komm mit mir in die Mongolei, Vox 1433 B, beides aus “Die Damen vom Olymp” von Rudolf Nelson, Im Hotel Zur Grünen Wiese, Vox 1434 A, Wir bauen uns ein Häuschen, aus “Die Frühlingsfee” von Victor Corzilius, Vox 1434 B, Oktober 1923. Auch seine Marschkompositionen nahm er hier auf, z. B. Aus Stahl und Eisen, Vox 1392 (mx. 1572 B), Westfalentreue Vox 1392 (mx. 1573 B), Juli 1923.
In der Haller-Revue “Wann und wo ?” blies er 1927 im Orchester der Revue, das unter der Leitung von Hans Schindler stand, die Trompeteein Photo des Orchesters bei mit Text: Das Orchester der Haller-Revue unter Hans Schindler im Admiralspalast in der Revue „Wann und Wo“ u. a. mit Paul Dietrich (acc), Paul Godwin (v, Konzertmeister), Leo Monosson (v, 11.neben Schindler), Paul Romby (cl, as), Otto Rathke (tp, 2. v. re)..
Rathke trat jedoch auch als Humorist in Erscheinungvgl. Kompositionen wie Hugo auf der Männerjagd : urkomische Verzweiflungsscene eines verwitweten Familienvaters. Tonweise von Otto Rathke. Wortlaut von Max Koch. Leipzig: Verlag Dietrich, [ca. 1905] (= Humoristische Soloscenen, 198). Als Vortragskünstler hatte er schon kurz nach dem Kriege bei Bekavgl. Zwarg, Phonomusum, Parlo 0301173: z. B. Ach Angelika, Couplet, Beka 31 431, aufg. 28. Okt. 1921, oder Der schneidige Franz, Couplet, auf Beka 31 457, aufgen. 11. November 1921 Couplets und humoristische Vorträge aus eigener Feder auf Platte gesungen; mehrere humoristische Orchesterstücke, die er auch noch selber eingespielt hat, zählen zu seinen Werkenz. B. Rixdorf am See: Bergstiefel-Polka mit Einlegesohlen oder das komisch-graziöse Ferkelballett, mit feinem musikalischem Humor.. Noch Ende der 1920er Jahre besprach er mehrere kleine Derby-Plattenzu diesen in Engschnitt bespielten 20-cm-Schallplatten vgl. Lotz, Verzeichnis bei mit eigenen Kleinkunst-Texten, die veröffentlicht wurden.
Zusammen mit der Lachkünstlerin Lucie Bernardo war er 1920 am Zustandekommen der weltberühmten “Original Lach-Aufnahme” auf Beka beteiligt. Er war darauf der Kornettist, der sich beim Solo „Aus der Jugendzeit“ immer wieder ‘verblies’Beka 30 590 “Die mißglückte Jugendzeit”, aufgen. 6. August 1920, erschienen auch auf Beka B.3727-I, OkeH 4678-A, Odeon A 74 360 (mx. Be 5306), vgl. Zwarg Phonomuseum S. 45 (PDF; 3 MB), Abbildung des Etiketts mit Namensnennung der Künstler bei . Der Erfolg ließ noch weitere „Lach-Aufnahmen“ folgenz. B. Die verlachte Traurigkeit, auf Beka B.6137 (mx. 33 671), Ich lach bis mir der Bauch zerplatzt, auf Odeon O-2944 (Be 8986), oder Lachtypen, auf Odeon O-11 196 (Be 8757).
Von der Soubrette Margarete Wiedeke ließ er sich 1931 eine “Gardinenpredigt” haltenauf Gloria G.O.10 072 (Bi 120).
Mit dem Conférencier und Humoristen Ernst Petermann verfasste er den Huldigungs- u. Festmarsch “Die Gratulanten”Rathke, Otto (Musik): Die Gratulanten. Huldigungs- und Gratulationsmarsch. No. 2769, Berlin, Richard Birnbach, 1935..
Zusammen mit Theo A. Körner verfasste er 1927 eine Instrumentations-Tabelle für Grosses-, Salon- und Jazz Orchester, welche mit einem Begleitwort von Alexander von Fielitz bei Anton J. Benjamin in Leipzig erschien. Sie wurde noch 1951 erneut aufgelegt.Hamburg: Benjamin Jahr: Umfang: 4 Bl., 3 gef.; in Quart. Bestellnummer(n): Elite Ed. Nr. 329: 4.00
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten komponierte er 1933 die Musik zu dem bedenklichenDas Lied war im Dritten Reich verboten; auch wenn es von den Ausführenden als Propaganda gedacht war, erkannte die NS-Führung schnell, dass man es als „Realsatire“ auffassen kann, und ging gegen seine Verbreitung vor (so wie auch gegen „hakenbekreuzte“ Eierbecher, Fußmatten etc.), vgl. ähnlich missglückte Anbiederungsversuche bei Gauß S. 211 ff. Titel Adolf Hitlers Lieblingsblume ist das schlichte Edelweiß, dessen Text auf das Konto von Emil Gustav Adolf Stadthagen geht.
Seine Militärmärsche mit so markigen Titeln wie Aus Stahl und Eisen oder Mit eiserner Faust wurden, obgleich viel früher entstanden, im “Dritten Reich” noch gerne gespieltz. B. von der SA-Kapelle Johannes Fuhsel: (Tono) 2008A, 1932 Neuer Preußenmarsch, Marsch, Otto Rathke, Auch auf Brillant-Special 206, oder (Tono) 4055, Ritter und Recken. Marsch, Otto Rathke, vgl. Liste “NS-Schallplattenindustrie”: Blasorchester, bei Lotz-verlag.de.
Rathke starb an einem Herzinfarkt am 24. Juli 1936 in Berlin.
Werke Marschmusik Aus Stahl und Eisen Deutsch-Österreich Marsch Deutsche Recken. Kraft-Marsch Deutscher Präsentiermarsch Mit eiserner Faust Neuer Preussenmarsch Westfalentreue Wetterleuchten
Charakterstücke Marionetten-Brautzug. Charakterstück Matrosenstreiche. Charakterstück Pan und der Waldschrat. Charakterstück Schloßwache der Ameisen. Charakterstück Schmetterlinge. Charakterstück Spatzenparade. Charakterstück Tanz der Glockenblumen. Konzert-Mazurka Tanzende Müllergesellen. Charakterstück Zirkus-Löwen. Charakterstück Zwerg-Patrouille. Charakterstück
Lieder Oh kehr' zurück. Lied (TuM.: O. Rathke) Stosst an, füllt die Becher, es lebe der Rhein. Lied (Bearbeitung; Komponist: Erich Zieglergeb. am 3. Jan. 1900/1909? in Berlin, Deutschland, gest. am 24. Dez. 1948 in Den Haag, Niederlande, Komponist, Pianist, Unterhaltungsmusiker. Vgl. LexM (2013, aktualisiert am 18. Juni 2013)) Adolf Hitlers Lieblingsblume ist das schlichte Edelweiss. Lied (Text: Emil Gustav Adolf Stadthagen)
Unterhaltungs- und Tanzmusik Die Dame aus der Bar. Two-step Die Kleinbahnfahrt. Foxtrott Die Liebe und der Suff. Jux-Rheinländer Franz Schubert. Romantischer Symphonic-Fox Ich brauche Liebe. Shimmy Ich freu' mich so aufs Wochenend. Polka modern (Text: Curt Schulz) Idioten-Jazz. Dadaistischer Foxtrott Komm, Hein, wir trinken noch ein'n. Seemannswalzer (Musik und Text: Otto Rathke) Niedliche kleine Berlinerin. Walzer Tanz um den Weihnachtsbaum. Slow-Fox Wenn der Frosch sein Liebesliedchen quakt. Walzer (Text: Curt Schulz)
Tondokumente (Auswahl) Aufnahmen bei Beka als Vortragskünstler 30 289 und 30 290 Musik und Suff (TuM.: Rathke) I und II: Otto Rathke, aufgen. 26. Juni 1919 30 291 und 30 292 Musikalische Rundschau (TuM.: Rathke) I und II: Otto Rathke, aufgen. 26. Juni 1919 30 302 Die Schwiegermutter. Humoristischer Walzer (TuM.: Rathke) Otto Rathke, Vortrag m. Orchester, aufgen. 27. August 1919 30 303 Plem-plem. Original-Couplet (TuM.: Rathke) Otto Rathke, Vortrag m. Orchester 30 304 Paukenverse (TuM.: Rathke) Otto Rathke, Vortrag m. Orchester 30 305 Neue Paukenverse (TuM.: Rathke) Otto Rathke, Vortrag m. Orchester 30 339 Und die Sache ist gemacht! Couplet (TuM.: Rathke) Vortrag m. Orchester, aufgen. 16. Oktober 1919
als Dirigent Unterhaltungsmusik: 30 299 Und überhaupt die ganze Liebe, aus “Die Dame vom Zirkus” (Rob. Winterberg – Jean Kren, Leonhard Buchbinder) Orchester, dirigiert v. O. Rathke. 30 300 Auf Erden da ist es zum Weinen bestellt, aus “Die Dame vom Zirkus” (Rob. Winterberg – Jean Kren, Leonhard Buchbinder) Orchester, dirigiert v. O. Rathke. 30 301 Heut muß ich mein Mädel haben, One-step (Adorjan Ötvös) Orchester, dirigiert v. O. Rathke. 30 454 Max, du Schmalzmelone (TuM.: Rathke) Orchester, Dirigent O. Rathke; aufgen. 20. Jänner 1920vgl. Zwarg Phonomuseum S. 30 31 457 Weine, Lene! Couplet (TuM.: Rathke) Orchester, Dirigent O. Rathke; aufgen. 11. November 1921 Reflexionen auf „moderne“ Musik nach 1918: 30 452 Red Skin – Indianischer Marsch (Harry Schreier) Orchester, dirigiert v. O. Rathke, aufgen. 20. Jänner 1920 30 453 Niggerpiccolo – Ragtime (Siegwart Ehrlich) Orchester, dirigiert v. O. Rathke, aufgen. 20. Jänner 1920vgl. Zwarg Phonomuseum s. 30. 30 510 Smiles – Fox Trot (Lee S. Roberts) Orchester, dirigiert v. O. Rathke, aufgen. 30. März 1920. 30 791 Boxer Trott – Radau-Foxtrot (O. Rathke) Orchester, dirigiert v. O. Rathke, aufgen. 13. Jänner 1921. 30 870 Idioten-Jazz – Dadaistischer Foxtrottvgl. Zwarg Phonomuseum S. 74. ‘Dadaistische Foxtrotts’ lagen zu Beginn der 1920er Jahre gewissermaßen in der Luft, vgl. z. B. “DaDa/ Da-Da-Da-Da-/ dadaistischer/ Foxtrot/ für TROTTEL und/ SOLCHE-/ die es noch werden WOLLEN/ Worte von/ DaDa Beda/ MUSIK VON/ Ober-Da-Da Hajós”home von Karl Hajos (Musik) und Dr. Fritz Loewy alias Löhner-„Beda“ (Worte), verlegt beim Berliner Bohème-Verlag / Karl Brüll / Berlin W 15, Fasanenplatz. (O. Rathke) Orchester, dirigiert v. O. Rathke, aufgen. 17. Februar 1921. 32 706 Negerplatte (O. Rathke) Orchester, dirigiert v. O. Rathke, aufgen. 26. Februar 1925. Humoristische Stücke 30 963 Rixdorf am See: Bergstiefel-Polka mit Einlegesohlen (O. Rathke) Orchester, Dirigent O. Rathke, aufgen. 19. April 1921. 30 964 Im Grunewald bei München. Humoristischer Rheinländer (O. Rathke) Orchester, Dirigent O. Rathke, aufgen. 19. April 1921.