mini|Kirche St. Felix und Regula, Ansicht von der Hardstrasse mini|Ansicht von Osten mini|Ansicht von Süden mini|Pfeiler, die den Kirchenraum als Zelt Gottes ausweisen mini|Kirche St. Felix und Regula, Kirchturm mini|Kruzifix von Albert Schilling mini|Hauptaltar von Albert Schilling mini|Tabernakel von Alfred Huber mini|Taufstein von Alfred Huber Die Kirche St. Felix und Regula ist die römisch-katholische Pfarrkirche des Zürcher Stadtteils Hard. Sie trägt das Patrozinium der Stadtpatrone Zürichs Felix und Regula und besitzt als Besonderheit den grössten Glasbildzyklus, den der Künstler Ferdinand Gehr geschaffen hat.
Geschichte Hintergründe und Vorgeschichte Das Quartier Hard ist ein traditionelles Arbeiterquartier der Stadt Zürich. Nach der Tieferlegung der Seebahn im Jahr 1927 wurde das bisher kaum bebaute Gebiet vom Städteplaner Konrad Hippenmeier strukturiert. Baugenossenschaften und die Stadt Zürich errichteten Wohnkolonien und schufen damit Platz für die zahlreichen Arbeiter, die wegen der nahe gelegenen Industrie ins Quartier Hard ziehen wollten.Artikel in Wikipedia zu Quartier Hard (Stadt Zürich).
Die Pfarrei Herz Jesu Wiedikon, zu der das Quartier Hard gehörte, reagierte auf die wachsende Bevölkerung. So wurde am 1. April 1927 für den Bau der heutigen Kirche St. Felix und Regula Land gekauft. Auf dem Areal befand sich eine alte Scheune, die zu einer Notkirche umgewandelt wurde.Kirchgemeinde Herz Jesu Wiedikon (Hg.): Herz Jesu Pfarrei Zürich Wiedikon. S. 115 Am 7. Juli 1936 fand darin der erste Gottesdienst statt.Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 178.
Mit Beginn des Schuljahres 1932/1933 wurde im Quartier Hard der Religionsunterricht aufgenommen.Kirchgemeinde Herz Jesu Wiedikon (Hg.): Herz Jesu Pfarrei Zürich Wiedikon. S. 94 Im Jahre 1939 mietete die Pfarrei Herz Jesu an der Zypressenstrasse 11 eine Wohnung an, in der eine Beratungsstelle für religiöse und soziale Fragen eingerichtet und die später zu einem Vikariat erhoben wurde. So konnte die Seelsorge im Quartier Hard weiter aufgebaut werden.Kirchgemeinde Herz Jesu Wiedikon (Hg.): Herz Jesu Pfarrei Zürich Wiedikon. S. 110 und 115
Baugeschichte 1944 bereitete der diözesane Kultusverein einen Wettbewerb für den Bau einer Kirche im Hardquartier vor. Die Stadt Zürich sprach Subventionen für den Bau aufgrund der Arbeitslage zu unter der Bedingung, dass der Architekturwettbewerb ohne konfessionelle Einschränkungen stattfinden sollte. Namhafte katholische und reformierte Architekten reichten Projekte ein, u. a. Fritz Metzger, Ferdinand Pfammatter, Karl Strobel, Robert Landolt und Roland Rohn. Der erste Preis wurde Roland Rohn zuerkannt, drei weitere wurden zweitplatziert sowie zwei weitere Projekte angekauft, darunter auch dasjenige von Fritz Metzger. Die Preisvergabe löste heftige Reaktionen aus. Zu unterschiedlich sind die Meinungen über das Kirchenbild, im städtebaulichen Kontext zur Frage der Repräsentanz im Stadtgefüge, zum Kirchen- und Gottesdienstverständnis bei der Raumform. Pfarrer Benjamin Simmen, der mit dem Siegerprojekt unzufrieden war, besprach sich mit Hermann Baur, der zur Preisvergabe der Jury Stellung bezog und das Projekt von Architekt Fritz Metzger und Ingenieur Emil Schubiger zur Umsetzung empfahl. Dieser erhielt daraufhin den Zuschlag und realisierte sein leicht abgeändertes Projekt.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 118.
In den Jahren 1949–1950 wurde die Kirche St. Felix und Regula nach den Plänen des Architekten Fritz Metzger, der auch die Kirchen Maria Lourdes (Seebach) und St. Theresia (Friesenberg) entworfen hatte, erbaut. Am 21. Mai 1949 war der Spatenstich, am 3. Oktober 1949 das Richtfest und am 10. Dezember 1950 die Kirchweihe der Kirche durch den Bischof von Chur, Christian Caminada.Robert Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. S. 20
1951 wurde Felix und Regula durch Bischof Christian Caminada zur Pfarrei erhoben und von der Mutterpfarrei Herz Jesu Wiedikon abgetrennt.Rainald Fischer, in: Guido Kolb: 100 Jahre St. Peter und Paul. S. 190
Am 3. März 1968 konnte das Kirchgemeindehaus eingeweiht werden.
Am Festtag der Stadtheiligen von Zürich, dem 11. September 2011, wurde der neu gestaltete Vorplatz der Kirche eröffnet. In den Jahren 2012–2013 wurde die Kirche umgebaut und in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz in den Bauzustand der 1960er Jahre zurückgeführt.
Die Pfarrei St. Felix und Regula ist mit 3‘188 Mitgliedern (Stand 2021) eine der kleineren römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich.Katholische Kirche im Kanton Zürich: Jahresbericht 2021. S. 106.
Namensgebung Pfarrer Christian Herrmann von der Herz-Jesu-Kirche Wiedikon beschloss im Jahr 1926, die zukünftige Pfarrei für das damals kinderreichste Quartier Friesenberg der Hl. Theresia vom Kinde Jesu zu widmen, die Pfarrei für das seiner Meinung nach glaubensärmste Quartier Hard dagegen nach den Glaubens- und Blutzeugen St. Felix und Regula zu benennen.Kirchgemeinde Herz Jesu Wiedikon (Hg.): Herz Jesu Pfarrei Zürich Wiedikon. S. 92
Baubeschreibung Hintergrund Fritz Metzger hatte an der ETH Zürich bei Karl Moser studiert und war deshalb mit den Anfängen der modernen Kirchenarchitektur in der Schweiz vertraut. Er realisierte mit den beiden Kirchen St. Franziskus, Riehen und St. Felix und Regula, Zürich-Hard nach dem Zweiten Weltkrieg zwei zukunftsweisende Kirchgebäude, die keine Longitudinalbauten mehr darstellten, sondern die Grundrisse in Form eines Trapezes (Riehen) bzw. eines Ovals (Zürich-Hard) aufwiesen.Fabrizio Brentini: Rudolf Schwarz und sein Einfluss auf die Kirchenarchitektur in der Schweiz. PDF S. 1–2 Mit diesen innovativen Grundrissen rückte Fritz Metzger vom Longitudinalprinzip ab und begründete dies damit, dass die «Gemeinschaft der Gläubigen nahe vor dem Altar und Kreuz im geistigen und räumlichen Zentrum zu besammeln» seien.Fabrizio Brentini: Rudolf Schwarz und sein Einfluss auf die Kirchenarchitektur der Schweiz. PDF S. 2 und 5 Dieser Gedanke greift die Forderung der Liturgischen Bewegung nach einer Participatio actuosa auf und nimmt die Konstitution über die heilige Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils vorweg.
Der Architekt Fritz Metzger stützte sich beim Entwurf der Kirche St. Felix und Regula auf die Offenbarung des Johannes (Kapitel 21, Verse 2-4), in der das neue Jerusalem als Zelt Gottes unter den Menschen beschrieben wird.Josef Z’graggen: 50 Jahre Kirche und Pfarrei St. Felix und Regula. S. 48 Der Rundbau von Felix und Regula sollte mit seinen Betonstützen an das Zelt Gottes erinnern. Ein zweites Element, das das Kirchengebäude mit seiner Anlehnung an ein Zelt aufnimmt, ist die Legende der Kirchenpatrone St. Felix und Regula. Diese waren mit der Thebäischen Legion ebenfalls mit Zelten unterwegs. Die sichtbaren Bausteine der Kirchenwände erinnern zudem an den Gedanken, dass die Stadtheiligen Felix und Regula in Zürich als lebendige Bausteine begannen, die christliche Gemeinde von Zürich aufzubauen.Josef Z’graggen: 50 Jahre Kirche und Pfarrei St. Felix und Regula. S. 49
Äusseres Architekt Fritz Metzger schreibt: «Die Schwierigkeit, eine Kirche in ein Mietquartier einzufügen, ist im vorliegenden Fall noch erhöht worden durch den trapezförmigen Bauplatz und seine Lage zur Sonne. Man mussten den sakralen Bau in Kontrast zur profanen Umwelt setzen und dementsprechend Lage, Form und Höhe wählen. Dies war bei dem gegebenen Bauplatz möglich und zwar durch ein Absetzen von den Baufluchten, durch ein Distanznehmen von den Wohnhäusern und durch die Anlage einer Mitte, die im Ausgleich zu den starren Baumassen der Umgebung steht. Im Gegensatz zu den ausschliesslich kubischen Wohnblöcken soll das weite Oval des Gemeinderaums Entspannung bieten und Refugium sein. Die Grösse einer Kirche ist von anderer Ordnung und lässt sich nicht an der Höhenentwicklung ihrer Umgebung ablesen. Um das Mass zu wahren, innerhalb dessen das Monumentale menschlich bleibt, ist sie niedrig gehalten, so niedrig als der Innenraum es erlaubt.»Fritz Metzger: Zum Wettbewerb für eine katholische Kirche an der Hardstrasse in Zürich, in: Schweizerische Bauzeitung (SBZ), 127.7, 1946, S. 85.
Die Kirche St. Felix und Regula befindet sich bei der Einmündung der Hirzel- in die Hardstrasse. Auf der äusseren Ecke des trapezförmigen Grundrisses steht der Turm, etwas zurückversetzt die Kirche mit der breit gerundeten Fassade. Dahinter folgt das 1968 erstellte Pfarreizentrum.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 118.
Kirchturm und Glocken Zusammen mit der Kirche wurde der Turm 1949/1950 erbaut. Am 8. Oktober 1953 goss die Firma H. Rüetschi, Aarau die Glocken für die Kirche St. Felix und Regula und einen Monat später, am 8. November weihte der Diözesanbischof Christian Caminada das Geläute.Kirchgemeinde Herz Jesu Wiedikon (Hg.): Herz Jesu Pfarrei Zürich Wiedikon. S. 115 und Josef Z’graggen: 50 Jahre Kirche und Pfarrei St. Felix und Regula. S. 44 Im Jahr 1957 wurde die Turmuhr installiert.
Nummer Gewicht Ton Widmung 1 3485 kg B Dreifaltigkeit 2 1863 kg d Muttergottes Maria 3 1093 kg f Felix und Regula 4 735 kg g Hl. Josef 5 554 kg a Schutzengel
Innenraum und künstlerische Ausstattung Fritz Metzger gestaltete den Eingangsbereich sowie den Gemeinde- und den Altarraum als differenzierte Einheit. Der einzelne sollte so schrittweise in die Gemeinschaft der Gläubigen und hin zum Geschehen am Altar geführt werden. Der Eingang ist schlicht gestaltet. Durch die beiden Anbauten auf der Seite des Hauptraumes wird eine basilikale Struktur angesprochen. Der Hauptraum besteht aus einer ovalen Rotunde, die mit einer flachen Schalenkuppel abgeschlossen wird. Mit den neuen Baustoffen und Konstruktionsmöglichkeiten schuf Ingenieur Emil Schubiger die wie aus einem Guss geformte Kuppel. Diese wird von konzentrisch nach innen geneigten Stützen getragen, die sich mit ihrem Fuss gegen den Sockel der Ringmauer anstemmen. Die Wände sind mit Kunststeinen aus Kalk verkleidet und bestimmen zusammen mit den Sichtbetonelementen das Innere der Kirche. Der Altarraum ist etwa doppelt so breit wie tief und mit einem flachen Korbbogen gewölbt.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 118–120.
Der Künstler Albert Schilling, Arlesheim schuf 1950 den freistehenden Hauptaltar mit seinem Relief, das das Osterlamm mit 7 Augen und 7 Hörnern (Symbol für Weisheit, Kraft, Herrschaft und Würde Gottes) sowie das versiegelte Buch nach dem 5. Kapitel der Offenbarung thematisiert. Das Lamm wird von sieben Leuchtern (Symbol für die versammelte Gottesdienstgemeinde) umgeben.Josef Z’graggen: 50 Jahre Kirche und Pfarrei St. Felix und Regula. S. 72 In den Hauptaltar eingelassen sind Reliquien der Patrone St. Felix und Regula, die aus der Pfarrkirche Andermatt stammen.Josef Z’graggen: 50 Jahre Kirche und Pfarrei St. Felix und Regula. S. 60
Albert Schilling gestaltete auch das an der Chorwand hängende Kreuz, welches er im Jahr 1954 aus Mahagoni (das Holz erinnert an das Holz des Kreuzes Christi), Silber und Email (Sinnbild für die Auferstehung und den festlich geschmückten Bräutigam der Kirche) fertigte. Diese Gestaltung des Kreuzes lehnt sich an die Offenbarung 19, 1-10 an.Pfarramt St. Felix und Regula (Hg.): Festschrift zum 25. Kirchweih-Jubiläum der Kirche St. Felix und Regula. S. 13 und Josef Z’graggen: 50 Jahre Kirche und Pfarrei St. Felix und Regula. S. 51