mini|Barbara Klemm (2022)

Barbara Klemm (* 27. Dezember 1939 in Münster, Westfalen) ist eine deutsche Fotografin und Pressefotografin.

Leben Barbara Klemm wuchs in der Karlsruher Dammerstock-Siedlung auf.Frankfurter Allgemeine Magazin. Nr. 100, Juni 2020, S. 7. Ihr Vater Fritz Klemm lehrte als Professor an der Karlsruher Kunstakademie, ihre Mutter, Antonia Gräfin von Westphalen, war ebenfalls Künstlerin. Fritz Klemm, der über eine Dunkelkammer verfügte, machte seine Tochter mit den fotografischen Techniken vertraut. Nach Besuch des Realgymnasiums absolvierte sie von 1955 bis 1958 im Karlsruher Porträtatelier bei Julie Bauer eine Fotografenlehre, die sie mit der Gesellenprüfung abschloss.

1959 zog sie nach Frankfurt am Main und arbeitete in der Klischeeherstellung und im Fotolabor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Durch den Fotografen Wolfgang Haut (1927–2001) wurde sie zu freiem Arbeiten und zur journalistischen Fotografie angeregt. Sie wurde zunächst freie Mitarbeiterin, ab 1970 bis zu ihrer Pensionierung 2005 Redaktionsfotografin der FAZ. Daneben erschienen ihre Fotografien in zahlreichen Büchern, Wochenzeitungen und Magazinen.

Ihre Schwerpunkte liegen auf Motiven aus der Politik und des Feuilletons, ihre durchweg schwarz-weiß fotografierten Bilder decken ein weites Spektrum der Pressefotografie ab. Ihre Porträts, Landschaften und die kulturellen Eindrücke ihrer Reisen sind die hervorragenden Themen in ihrem Œuvre. Barbara Klemm wird bei der Kritik als Fotografin herausgestellt, die durch einen ausgewogenen, oft subtil gewählten Bildausschnitt auffällt. Ihre Fotos gehen weit über die kurzlebige, das bloße Tagesgeschehen illustrierende „gewöhnliche“ Pressefotografie hinaus. Einige ihrer Aufnahmen, wie jene von Willy Brandt und Leonid Breschnew oder Brandt und Helmut Schmidt, zählen als Bildikonen inzwischen zum „fotografischen Gedächtnis“ der Gesellschaft.

Barbara Klemm ist Mitglied der Berliner Akademie der Künste und Honorarprofessorin an der Fachhochschule Darmstadt. Seit 2010 ist sie Mitglied im Kuratorium des Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Werk mini|U-Bahnhof Bockenheimer Warte in Frankfurt am Main mit Fotos von Barbara Klemm (2023). Das Werk von Barbara Klemm ist hauptsächlich in drei Themenbereiche aufgeteilt: Deutschland (Landschaft, Politik, historische Ereignisse), die Welt (Reisen, Reportagen) und die Kunst (Porträts von Künstlerpersönlichkeiten). Diese drei Bildergruppen werden von ihr verbunden durch das systematische Verfehlen des vermeintlich Repräsentativen; sie hält einen Augenblick vor oder nach dem offiziellen oder symbolischen Akt die jeweilige Szene fest, um das Zufällige oder Individuelle hervorzukehren. Mit diesem Prinzip des knapp verfehlten Augenblicks wirft sie einen persönlichen Blick auf das Ereignis.

Klemm hat bei ihren Fotos einen Hang zum Malerischen. Sie arrangiert und verdichtet Szenen, schafft ein Tableau, mit dem sich die einzelnen Figuren und Gegenstände aufeinander beziehen und zusammen ein Gemälde bilden. Indem sie mit den Fotos nicht nur den Gegenstand festhält, sondern sich in den Gegenstand vertieft, transzendiert sie den bloßen Gegenstand und setzt das Bild an die Stelle des tatsächlichen Ereignisses. Dadurch wirken viele Fotografien von Barbara Klemm eindrücklicher als das historische Ereignis, das sie abbilden.

Seit 1986 sind 15 großformatige Fotos von Barbara Klemm im öffentlichen Raum zu sehen. Die Fotos hänge an den Wänden des U-Bahnhofs Bockenheimer Warte in Frankfurt am Main und zeigen Szenen aus der Universität.Michael Köhler und Ernst Szebedits: Die Geschichte einer Fotoserie. Januar 2025. Abgerufen am 3. Oktober 2025.

Barbara Klemm erhielt am 4. Oktober 2021 in Essen den mit 10.000 Euro dotierten Internationalen Folkwang-Preis.

Zitat

Ausstellungen Einzelausstellungen (Auswahl) 1978: Reportagen, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main 1982: Fotografien von Barbara Klemm, Museum Folkwang, Essen 1991: Fotografien aus Deutschland und Osteuropa 1970–1990, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 1999: Unsere Jahre. Bilder aus Deutschland 1968–1998, Deutsches Historisches Museum, Berlin (auch Stadtmuseum Münster; Schirn-Kunsthalle Frankfurt am Main und Lindenau-Museum, Altenburg) 2001: Fotografien aus Deutschland 1968–1998, Westfälisches Landesmuseum, Münster 2002: Künstlerporträts, u. a. Landesmuseum Oldenburg 2004: Künstlerporträts, C/O Berlin 2005: Barbara Klemm – Künstlerporträts 1968–2004, Deichtorhallen, Hamburg; SK Stiftung Kultur, Köln; MARTa Herford; Das Städel, Frankfurt am Main. 2009: Barbara Klemm – Mauerfall 1989. Museum Wiesbaden, Wiesbaden. 2009: Straßen Bilder, Zollamt des Museum für Moderne Kunst (MMK), Frankfurt am MainDas Auge reist mit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28. September 2009, S. B4. Seit 2009: Barbara Klemm. Helldunkel. Fotografien aus Deutschland, weltweite Tourneeausstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen,Institut für Auslandsbeziehungen: laufende Tourneeausstellung mit Stationen und Vita. Premiere in Warschau, (Kuratorin Ursula Zeller und Kurator Matthias Flügge) 2010: Retrospektive. Fotografien 1968–2008, Kunstmuseum Karlsruhe 2013/2014: Barbara Klemm. Fotografien 1968–2013, Martin-Gropius-Bau Berlin. 2014: Reisenotizen – Barbara Klemm, Fotografien. Johann Wolfgang Goethe, Zeichnungen, Altana Kulturstiftung, Sinclair-Haus, Bad Homburg.Tiefe Wunder öffnen sich. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20. März 2014, S. R8. 2017: Picknick-Zeit, Museum Angewandte Kunst Frankfurt am Main (Kuratorin Charlotte Trümpler) 2019/2020: OSTEN – Bilder aus Osteuropa und der DDR, Leonhardi-Museum Dresden 2020: Barbara Klemm. Fotografien 1967–2019, Stadtmuseum Tübingen 2020: Hölderlins Orte, Wanderausstellung der Universitätsstadt Tübingen zum Jubiläumsjahr 2020 2021: Barbara Klemm: Zeiten Bilder, Stadthaus Ulm 2021: Barbara Klemm. Fotografien 1967–2019, Stadtmuseum Erlangen 2023: Barbara Klemm. Schwarz-Weiß ist Farbe genug – Fotografien 1967 bis 2019, Ludwiggalerie Schloss Oberhausen 2023/2024: Frankfurt Bilder, Historisches Museum Frankfurt

Gruppenausstellungen (Auswahl) 1978: Bilder aus Deutschland, Wanderausstellung in der UdSSR 1982: Bilder aus der Bundesrepublik, Galerie Spektrum, Hannover 1987: Bilder des Nachbarn, Institut français, Paris 1988: Zehn Deutsche Fotografinnen, Goethe-Institut, Brasilien; USA 1989: Joseph Koudelka, Graciela Irtubide, Barbara Klemm, Städtisches Museum Schloss Morsbroich, Leverkusen 1992: Ingrid Behm, Mara Eggert, Barbara Klemm, Galerie Teufel, Mahlberg 1993: Studentenbewegung 1968 – Abisag Tüllmann, Barbara Klemm, Römerhallen, Frankfurt am Main 1997: Chimaera – Aktuelle Photokunst aus Mitteleuropa, Staatliche Galerie Moritzburg, Halle; Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt 1999: Wohin kein Auge reicht, Deichtorhallen, Hamburg 2001: Urban Views, Galerie Ute Parduhn, Düsseldorf 2002: Sammlung Schupmann. Fotografie in Deutschland nach 1945, Stadtmuseum Münster 2004: Das XX. Jahrhundert – Fotografien zur Deutschen Geschichte 1880 bis 1989, Deutsches Historisches Museum, Berlin 2005: (my private) HEROES, MARTa Herford 2005: Erich Salomon – Barbara Klemm, SK Stiftung Kultur, Köln 2005: Wahlverwandtschaften, Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt 2006: totalstadt. beijing case, ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe Porträt und Menschenbild, SK Stiftung Kultur, Köln 2006: Leben. Sehen, Käthe-Kollwitz-Museum, Köln; sowie 2007: Kunstsammlungen Zwickau 2006: The Heartbeat of Fashion, Deichtorhallen, Hamburg 2007: Barbara Klemm – Fritz Klemm, Staatliche Kunstsammlungen Dresden 2007: Bare Life, Museum on the Seam, Jerusalem 2007: Porträt der Straße, Kunsthaus Kaufbeuren seit 2007: Zeitsprung – Erich Salomon, Barbara Klemm, weltweite Tourneeausstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen; Premiere in der Guardini Galerie, Berlin; Tourneeende frühestens 2020., laufende Tourneeausstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen e. V. mit aktuellen Tourneestationen und Vita 2008: Von Kunst und Politik: Fotografien, Kunst-Raum des Deutschen Bundestags, Berlin 2008: Angelandet. Die Sammlung im neuen Haus, Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus 2011: Spannungsbogen. Figur und Raum. Aus der Sammlung, Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus 2013: Aufbrüche – Bilder aus Deutschland, Fotografien aus der Sammlung Fricke, Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen 2014: Barbara Klemm / Stefan Moses, Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg

2022: So gesehen. Barbara Klemm · Christoph Brech, Diözesanmuseum Paderborn

Auszeichnungen mini|Barbara Klemm mit dem Orden Pour le Mérite (2014)

1989: Dr.-Erich-Salomon-Preis 1989: Hugo-Erfurth-Auszeichnung 1992: Mitglied der Akademie der Künste, Berlin 1998: Maria-Sibylla-Merian-Preis für bildende Künstlerinnen in Hessen 2000: Hessischer Kulturpreis 2000: Konrad-von-Soest-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe 2010: Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt am Main 2010: Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste 2012: Leica Hall of Fame Award 2013: Praxisstipendiatin in der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo 2021: Internationaler Folkwang-Preis 2021: Fritz-Schwegler-Preis für "für ihr künstlerisches Schaffen"Barbara Klemm ausgezeichnet, faz.net, 25. Mai 2021 2023: Kunstpreis für Fotografie des KuK (Aachen/Monschau)Kunstpreis des Fotografie-Forums, Pressemitteilung auf den Seiten des Fotografie-Forums.

Werke Sabine Gerbaulet: Grundschule, Kinderschule (Fotos), Kronberg im Taunus 1977. Barbara Klemm: 13. September – 9. November 1985, Berlin 1985 (Fotografien 1968–1985, Ausstellungskatalog) Bilder, Frankfurt am Main 1986. Bilder von Gehenden, Sitzenden, Wartenden, die Reportagefotografie, Frankfurt am Main 1991 (mit Barbara Catoir) Günter de Bruyn: Mein Brandenburg (Fotos), Frankfurt am Main 1993. Walter Haubrich, Eva Karnofsky: Städte Lateinamerikas (Fotos), Frankfurt am Main/Leipzig 1994. Blick nach Osten, 1970–1995, Frankfurt am Main 1995. Thomas Steinfeld (Fotos): Weimar, Stuttgart 1998. Unsere Jahre. Bilder aus Deutschland 1968–1998, Berlin 1999 (Ausstellungskatalog). Künstlerporträts, (mit Wilfried Wiegand) erschienen 2004 im Nicolai Verlag, Berlin. Zeitsprung. Erich Salomon. Barbara Klemm, (Ausstellungskatalog), Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa), Stuttgart 2007. Erinnerungstraining (Fotos zu Aufzeichnungen von Hans Dieter Schäfer), erschienen 2009 im Verlag Thomas Reche, Neumarkt in limitierter, signierter Auflage von 400 Exemplaren, ISBN 978-3-907142-48-6. Straßen Bilder (mit Einleitungen von Barbara Catoir und Hans Magnus Enzensberger), limitierte Auflage des Nimbus Verlags, Wadenswil, Kanton Zürich, Schweiz ISBN 978-3-907142-48-6. Gleichzeitig auch eine Ausgabe der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) in limitierter Auflage von 100 Exemplaren. Barbara Klemm. Helldunkel. Fotografien aus Deutschland, (Ausstellungskatalog), Institut für Auslandsbeziehungen e. V. (ifa), Stuttgart 2009. Abiku, (Fotos von Barbara Klemm und Robert Lebeck zu Gedichten von Wole Soyinka), Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2012, ISBN 978-3-929566-89-5. Fotoband Andreas Rossmann Text, Vorwort Karl Ganser: Der Rauch verbindet die Städte nicht mehr. Ruhrgebiet. König, Köln 2012, ISBN 978-3-86335-179-3. Fotografien 1968–2013 (mit Beiträgen von Hans-Michael Koetzle und Durs Grünbein), Nimbus Verlag, Wädenswil 2013, ISBN 978-3-907142-93-6. mit Andreas Rossmann: Mit dem Rücken zum Meer. Aus einem sizilianischen Tagebuch. König, Köln 2017, ISBN 978-3-03850-031-5. Zeiten Bilder. Vorwort Norbert Lammert, Nachwort Barbara Catoir, Schirmer/Mosel Verlag, München 2019, ISBN 978-3-8296-0877-0. Frankfurt Bilder (hg. Jan Gerchow), Steidl, Göttingen 2023, ISBN 978-3-96999-270-8.

Literatur Ursula Zeller: Das Bild der Wirklichkeit als das Offenbare. In: Barbara Klemm: Helldunkel. Fotografien aus Deutschland. Verlag für Moderne Kunst, Nürnberg 2010, ISBN 978-3-86984-031-4, S. 10–15.