Hannsferdinand Döbler (* 29. Juni 1919 in Berlin; † 25. Dezember 2004 in Hannover), Pseudonym Peter Baraban, war ein deutscher Schriftsteller und Bibliothekar. Er schrieb Romane und historische Sachbücher. Sein Hauptwerk als Sachbuchautor ist die zwölfbändige Kultur- und Sittengeschichte der Welt. Als Romancier wurde Döbler mit einer autobiografischen Romantrilogie bekannt, in der er sich selbstkritisch mit seiner Jugend im Nationalsozialismus, seinen Erlebnissen als Soldat im Zweiten Weltkrieg, in der sowjetischen Kriegsgefangenschaft und als Heimkehrer auseinandersetzte.
Leben Hannsferdinand Döbler entstammte einem nationalistisch gesinnten Elternhaus; sein Vater war Architekt, seine Mutter Bibliothekarin. Döbler legte 1938 – zur Zeit des Nationalsozialismus – sein Abitur ab und durchlief anschließend seinen Reichsarbeitsdienst. Der Berufsoffizier nahm am Zweiten Weltkrieg teil und geriet dann für vier Jahre in sowjetische Kriegsgefangenschaft.Hugo Thielen: Döbler, Hannsferdinand (siehe Abschnitt Literatur)
Von 1949 bis 1952 absolvierte Döbler in Köln eine Ausbildung zum „Dipl.-Volksbibliothekar“ und arbeitete anschließend bis 1958 als Bibliothekar in Essen. 1955 debütierte er als Romanautor mit Ein Achtel Salz. Roman einer jungen Ehe. 1959/60 leitete er als Redakteur die Kulturzeitschrift Ruhrgebiet und war anschließend als Pressechef einer Lackfabrik in Wuppertal tätig. 1965 verlegte er seinen Wohnsitz nach München und veröffentlichte erste Sachbücher, ab 1971 die mehrbändige deutsche Kulturgeschichte.
1974 siedelte Hannsferdinand Döbler nach Hannover über, wo er an der dortigen Volkshochschule bis 1984 die Abteilung Kulturelle Bildung leitete.
Unterdessen nahm Döbler als 60-Jähriger mit einem selbstgemalten Schild an der Friedensdemonstration im Bonner Hofgarten 1981 teil, doch irritierten ihn dort die Fragen nach seinem eigenen Mitläufertum.Anna von Münchhausen: Hannsferdinand Döbler / Roman einer Rückkehr, Die Zeit vom 15. September 1989 (Nr. 38), zuletzt abgerufen am 5. Juli 2013
Nach 1984 widmete sich Döbler dann seinen Schriften als freier Schriftsteller.
Der Journalist Moritz Döbler ist sein jüngster Sohn. Hannsferdinand Döbler starb 2004 im Alter von 85 Jahren nach kurzer Krankheit.N.N.: Hannsferdinand Döbler ist tot, Hamburger Abendblatt vom 29. Dezember 2004, zuletzt abgerufen am 5. Juli 2013 Der Schriftsteller wurde auf dem Stadtteilfriedhof Hannover-Kirchrode bestattet.
Werke (Auswahl) Romantrilogie gez[eichnet] Coriolan, Hamburg 1956, ungekürzte Neuauflage mit einem neuen Vorwort des Autors Frankfurt/M. 1983 Kein Alibi. Ein deutscher Roman 1919–1945, Frankfurt/M. 1980Rolf Becker über neue Bücher zum Thema Jugend unter Hitler, in: Der Spiegel 39/1980, Online Nie wieder Hölderlin. Roman einer Rückkehr, Buxtehude 1998Rezension von Anna von Münchhausen in: Die Zeit 15. September 1989, Nr. 38, Online
Sachbücher Kultur- und Sittengeschichte der Welt, 12 Bände, Gütersloh 1971–1974; Taschenbuch in 10 Bänden unter dem Titel Döblers Kultur- und Sittengeschichte der Welt, München 1977–1979 Die Germanen. Legende und Wirklichkeit von A – Z. Lexikon zur europäischen Frühgeschichte, München 1975, Taschenbuchausgabe in 2 Bänden 1977; Sonderausgabe München 2000 Kleine Kulturgeschichte: Eros und Sexus, Orbis Verlag, München 2000, ISBN 3-572-01151-5 (Sonderausgabe, ursprünglich Verlagsgruppe Bertelsmann, München 1971) Hexenwahn. Die Geschichte einer Verfolgung, Bergisch Gladbach 1979, Neuauflage unter dem Titel Walpurgisnacht und Satanskuß, München 2001 7000 Jahre frühe technische Kultur, Bd. 1: Vom Ackerbau zum Zahnrad, Bd. 2: Vom Amulett zur Zeitung, rororo Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg 1969 (Neudruck als 7000 Jahre Handwerk und Technik, Pawlak-Verlag, Herrsching 1981)
Auszeichnungen 1981 Künstlerstipendium für Literatur des Landes Niedersachsen 1985 Ehrengast der Villa Massimo 1998 Kurt-Morawietz-Literaturpreis der Stadt HannoverHannsferdinand Döbler in der Munzinger DatenbankAnmerkung: Abweichend nennt das Stadtlexikon Hannover das 1999 als Jahr der Verleihung
Literatur Hannsferdinand Döbler. In: Killy Literaturlexikon Band 3, De Gruyter 2008, ISBN 978-3-11-020935-8, S. 57/58 Jürgen Lodemann: Hannsferdinand Döbler. In: Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, edition text + kritik, München 2012, ISBN 978-3-86916-219-5 Dieter Paul Meier-Lenz, Kurt Morawietz (Hrsg.): Niedersachsen literarisch, Band 2: 100 Autorenporträts, hrsg. im Auftrag des Fördererkreises Deutscher Schriftsteller in Niedersachsen und Bremen e.V. Hannover, in Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Schriftsteller (VS) in der IG Druck und Papier, Landesbezirk Niedersachsen, Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW, Verlag für Neue Wissenschaften, 1981, ISBN 3-88314-164-X, S. 145 Kleiner Stadtmüller. In: Von Dichterfürsten und anderen Poeten. Kleine niedersächsische Literaturgeschichte, Band 3: 45 Portraits. Von Arno Schmidt bis Hans Pleschinski, hrsg. von Dirck Linck und Jürgen Peters, mit Fotografien von Isolde Ohlbaum, Brigitte Friedrich u. a., 1. Auflage 1996, Hannover: Revonnah, ISBN 3-927715-30-1, S. 53–57 Hugo Thielen: Döbler, Hannsferdinand. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 135.
Weblinks
Artikel von und über Hannsferdinand Döbler in Die Zeit
Einzelnachweise und Anmerkungen
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