Die Leonhard Kurz Stiftung & Co. KG ist ein Unternehmen für Dünnschichttechnologie und Oberflächendekoration mit Hauptstandort in Fürth und über 50 Standorten weltweit.
Unternehmensgeschichte Der Kaufmann Leonhard Kurz gründete 1899 in der Fürther Innenstadt eine Blattmetallschlägerei. Leonhards Sohn Konrad Kurz entwickelte 1931 eine vakuumbedampfte Echtgoldprägefolie, die unter anderem für Bleistifte und in der Buchbinderei verwendet wurde. In den 1970er Jahren traten die Brüder Walter und Peter Kurz in die Geschäftsleitung der Firma ein. Das Unternehmen vergrößerte sich weiter und produziert seit 1985 in einer zweiten Produktionsstätte in Sulzbach-Rosenberg, wo im Jahr 2016 etwa 1.200 Mitarbeiter beschäftigt waren. 2003 gründete Kurz gemeinsam mit Siemens das Gemeinschaftsunternehmen PolyIC. Seit dem 1. Februar 2023 wird das Unternehmen mit Andreas Hirschfelder als Vorstandsvorsitzendem erstmals nicht mehr von der Familie Kurz geführt. Walter und Peter Kurz sind weiterhin im Beirat des Unternehmens tätig.
Grafische Industrie Eines der großen Geschäftsfelder von Kurz ist die grafische Industrie. In diesem Bereich liegt der Fokus auf Etiketten- und Verpackungsdesign, Veredelungslösungen und Prozessen rund um grafische Produkte. Veredelungsmethoden wie Heißprägen, Kalttransfer und Digitaltransfer kommen dabei zum Einsatz.
Herstellungsverfahren Das Heißprägeverfahren von Kurz ist in nahezu allen Bereichen der grafischen Industrie als Druckveredelungsverfahren nutzbar. Eingesetzt wird es bei Druckerzeugnissen wie Grußkarten, Zeitschriften, Kalendern, Postern, Tabakwaren, Süßwaren, Lebensmittel und Non-Food-Produkte. Darüber hinaus wird das Verfahren für die Veredelung von Verpackungs-, Kosmetik- und Getränkeetiketten verwendet.
Die von Kurz entwickelte Kalttransfertechnik eignet sich für den Bogenoffsetdruck, Schmalbahn-Flexodruck, Buchdruck und Offsetdruck. Mit Kalttransfer lassen sich große Flächen und filigrane Muster dekorieren.
Kunststoffindustrie Gemeinsam mit dem Tochterunternehmen PolyIC, das ein Spezialist für Sensorlösungen ist, produziert Kurz HMI-Bauteile, Touchcontrolpanels oder Hinterleuchtungen.
Automobil Für den Automobilsektor bietet Kurz Kunststoffoberflächenlösungen in den Bereichen Automobil-Interieur und Automobil-Exterieur an. Dazu kommen Designlösungen und Mobilitätskonzepte für E-Mobility. Kurz ist Zulieferer für Automobilhersteller und entwickelt Lichtkonzepte und Bedienelemente für Fahrzeuge.
Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik Die Veredelung und Integration von Sensortechnik in weißer Ware wie Kühlschränken oder Waschmaschinen ist eines der Hauptgeschäftsfelder von Kurz. Neben der Veredelung von Haushaltsgeräten dekoriert Kurz auch Produkte aus der Unterhaltungselektronik wie Smartphones, Flatscreens oder Notebooks. Mittels In-Mold-Dekoration (IMD) kann eine hauchdünne Lackschicht auf Oberflächen aufgebracht werden. Dabei kann jegliche Art von Textur nachgebildet werden, egal ob Holz, Leder oder Metall. Die von Kurz aufgetragenen Beschichtungen sind laut der Unternehmenswerbung gegenüber Licht sowie beispielsweise auch Sonnencreme robuster als Echtmaterial.
Standorte (Auswahl) Das Unternehmen hat in mehreren Ländern Produktions- und Distributionsstandorte.
Deutschland: Fürth Schweiz: Zug China: Hefei Indien: Noida Thailand: Bangkok Malaysia: Ipoh Vietnam: Quy Nhon Brasilien: São Paulo USA: Huntersville Marokko: Casablanca
Produkt- und Markenschutz Leonhard Kurz stellt beispielsweise Sicherheitselemente für Marken, Banknoten und Dokumente her. Für das modulare Steuerbanderolen-Konzept „Trustconcept Tax Stamps“ erhielt das Unternehmen im Jahr 2017 laut dem PR-Dienstleister PresseBox den „Excellence in Tax Stamps Awards“ von Reconnaissance International in der Kategorie „Best Innovation“.
Die Steuerbanderole bzw. die Schutzetiketten besteht aus einer diffraktiven Sicherheitsfolie, die mit verschiedenen offensichtlichen, verdeckten und forensischen Sicherheitsmerkmalen versehen und mittels Heißprägen, Kaltfolientransfer oder im Digital-Metal-Verfahren auf das jeweilige Produkt aufgebracht wird.
Mögliche Sicherheitsmerkmale sind: Einsatz von mehrfarbiger UV-fluoreszierender Tinten Guillochen Mikrotexte Hologramme Serialisierung Codierung Infrarot-Features
Die gedruckten Sicherheitsmerkmale können darüber hinaus um eine Fälschungsschutzsoftware ergänzt werden: Durch einen Multi-Scan mit dem Smartphone werden je nach Zielgruppe die in der Datenbank von Leonhard Kurz hinterlegten Produktinformationen, Bewegungsdaten von verbrauchssteuerpflichtigen Produkten oder die Produktauthentifizierungsdaten für Endkunden, den Markeninhaber oder entsprechende Agenturen sichtbar.
Im Juli 2021 gab das Unternehmen bekannt, zur Erweiterung ihrer Produktpalette tesa scribos zum 1. September 2021 zu übernehmen.Leonhard Kurz macht Produktpiraten das Leben schwer auf der Webseite von MM Logistik vom 15. Juli 2021, abgerufen am 27. Juli 2021.Pressemitteilung vom 14. Juli 2021, abgerufen am 27. Juli 2021.
Fälschungsschutz im Thermotransferdruck Leonhard Kurz ist mit dem Tochterunternehmen Kurz Typofol GmbH seit 1991 auch in der Herstellung von speziellen Folien für den Thermotransferdruck tätig. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem Farbpigmente mittels Hitzeeinwirkungen von einer Thermotransfer-Folie auf ein Substrat aufgebracht werden und das beispielsweise bei Etiketten oder Barcodes sehr häufig zum Einsatz kommt. Dabei hat Kurz besondere Thermotransferbänder mit integriertem, unsichtbarem Fälschungsschutz entwickelt, deren individuelle Eigenschaften mittels eines Lesegeräts gescannt und mit einer Software ausgewertet werden können. Die Beschichtung besteht jeweils aus einer einzigartigen Zusammensetzung, ähnlich eines Fingerabdrucks.
Sicherheitstechnologie für Banknoten Mit der proprietären Kinegramm-Technologie des Tochterunternehmens OVD Kinegram AG, das seit 1999 zur Unternehmensgruppe gehört, fertigt Leonhard Kurz in Deutschland spezielle und proprietäre Sicherheitsmerkmale für Banknoten. Die Währungen von über 80 Ländern werden mit den fälschungssicheren Folien ausgestattet – beispielsweise der Euro, Schweizer Franken, Türkische Lira, Kanadische Dollar oder auch das Britische Pfund. Als Kooperationspartner einiger Zentralbanken wurde Leonhard Kurz im Jahr 2016 bei den Central Banking Awards von der Internetsite centralbanking.com als Banknoten- und Währungsdienstleister des Jahres ausgezeichnet.
Die diffraktiven Kinegram-Sicherheitselemente, die bei Bewegung verschiedene 2D- oder 3D-Bilder zeigen, können auf Papier-, Polymer- und Komposit-Banknotensubstrat aufgebracht werden, wobei insbesondere die Polymer-Banknoten in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen haben. Seit dem Jahr 2020 stellt Leonhard Kurz mithilfe der Technologie der OVD Kinegram AG zudem spezielle Sicherheitsfäden für Banknoten her, die ebenfalls mit der Kinegram-Technologie ausgestattet sind, verschiedene Bewegungseffekte oder Farbwechsel zeigen und auch mit maschinenlesbaren Features (Infrarot-, UV- oder Magnetismus-Lösungen) oder mehreren Farben versehen werden können.
Einzelnachweise
Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Fürth) Kategorie:Maschinenbauunternehmen Kategorie:Unternehmensgründung 1899