Die Vienna Symphonic Library GmbH (engl. für Wiener Symphonische Bibliothek), kurz: VSL, ist ein forschungsorientiertes Unternehmen, das innovative Musiksoftware und orchestrale Sample-Libraries entwickelt. Orchestrale Musik, ihre Instrumente und Aufführungssäle sollen möglichst originalgetreu für den Einsatz in Personal Computern reproduziert werden. Dafür werden die Instrumente (einzeln oder in Gruppen) von Tontechnikern gesampelt und anschließend PC-gerecht aufbereitet. Mithilfe eigens entwickelter Software können diese Klänge mit unterschiedlichen Spielweisen und Artikulationen vom User wiedergegeben werden.»Vienna Instruments PRO« auf www.bonedo.de, abgerufen am 20. April 2017
Bis dato wurden ca. 6 Millionen Samples von Orchesterinstrumenten sowie einzelnen Singstimmen und Chören mit einem Datenvolumen von über einem Terabyte digitalisiert und veröffentlicht. Die Produkte werden weltweit vertrieben und kommen bei der Komposition von Filmmusik sowie im Bereich der Popmusik zum Einsatz.
Die Vienna Symphonic Library hat sich einen besonderen Namen durch den digitalen Nachbau der Akustik berühmter Konzerthallen mit der Technik des Faltungshalls gemacht.
Geschichte Entstehung mini|Herbert Tucmandl bei ersten Tests der Vienna Symphonic Library. (2004)Das Unternehmen wurde im Oktober 2000 von Herbert Tucmandl in Wien gegründet. Er studierte ursprünglich Violoncello mit dem Ziel, Berufsmusiker zu werden. Nachdem er zwei Jahre lang u. a. als Substitut bei den Wiener Philharmonikern gespielt hatte, wandte er sich mit 21 Jahren der Filmbranche zu: Nach einer Ausbildung zum Kameramann entschied er sich gegen ein weiterführendes Studium auf einer Filmakademie und begann, selbst Filme zu produzieren. Anfangs war er in der Werbe- und Dokumentarfilmbranche tätig, spätere führte er auch für Spielfilme Regie. Im Laufe der Zeit verband er seine Musik- und Filmkenntnisse miteinander und avancierte zum erfolgreichen Filmmusikkomponisten für Eigen- sowie Fremdproduktionen wie etwa Geboren in Absurdistan (Houchang Allahyari) oder Tatort (Episode 388 Mein ist die Rache 1996). 2012 wurde seine Musik für den Film Atmen (Karl Markovics) von der Akademie des Österreichischen Films ausgezeichnet.
Tucmandl produzierte diese Filmmusiken mithilfe von Computern und virtuellen Orchestermusikdatenbanken. Da die damals verfügbaren Klänge seinen Ansprüchen nicht genügten, entwickelte er ein eigenes Konzept für eine authentisch klingende Sample Library für Orchestermusik. Seine Idee bestach durch den Ansatz, nicht ausschließlich Einzelnoten, sondern auch Tonverbindungen (z. B. Legato) und Tonwiederholungen aufzunehmen, die durch ihre Kombination erstmals lebendige Interpretationen ermöglichen sollten. Er erprobte sein Konzept selbst mit dem Cello und überzeugte mit den klanglichen Resultaten den Vorarlberger Investor Markus Kopf.http://www.ray-magazin.at/magazin/2012/09/oesterreichischer-film-herbert-tucmandl mini|links|Die zur Aufnahme eigens erbaute Silent Stage; die Markierungen auf dem Boden bezeichnen die Positionen der Musiker. (2004)Während die größten Libraries zur damaligen Zeit das gesamte Orchester mit rund 6.000 Samples abdeckten, entwickelte Herb Tucmandl eine Struktur für über eine Million Einzeltöne und Phrasen.
Silent Stage Nachdem kein bestehendes Tonstudio konstante akustische Bedingungen für die Aufnahme der Orchester-Samples gewährleisten konnte, wurde in Ebreichsdorf (Niederösterreich) eine eigene Aufnahmehalle gebaut; die sogenannte Silent Stage. Bis Ende 2016 wurden dort unter der künstlerischen Leitung von Michael Hula nahezu täglich Samples aufgenommen. Das Cello spielte Tucmandl stets selbst ein.
Synchron Stage Vienna Im Jahr 2013 übernahm die Vienna Symphonic Library die historische, denkmalgeschützte „Synchronhalle“ auf dem Gelände der Rosenhügel-Filmstudios des Österreichischen Rundfunk. Die Halle aus den 1940er-Jahren wurde in Zusammenarbeit mit der renommierten Walters-Storyk Design Group sowie den Architekten Schneider+Schumacher zu einer weltweit einzigartigen Musikproduktionsstätte ausgebaut. Nach der Fertigstellung im September 2015 verfügt das Gebäude über mehrere Aufnahme- und Regieräume, Editing-Studios, Einzelkabinen („Iso Booths“), zwei Instrumentenlager mit mehreren Klavieren und Konzertflügeln und ca. 300 Schlaginstrumenten, ein Notenarchiv, Aufenthaltsräume sowie Büros und Lounges für Komponisten, Produzenten, Mitarbeiter und Gäste auf insgesamt über 2.000 m². Das Herzstück der modernen Musikproduktionsstätte ist die große Aufnahmehalle, Stage A: Mit ihren 540 m² bietet sie Platz für ein bis zu 130 Personen umfassendes Orchester. mini|Aufnahmen mit dem Synchron Stage Orchestra in der großen Aufnahmehalle „Stage A“ der Synchron Stage Vienna 2022. Die erste Produktion in der Synchron Stage Vienna war die Aufnahme der Filmmusik der berühmten Sissi-Trilogie im Oktober 2015. Die Partitur galt lange Zeit als verschollen und war daher nie als CD oder Download erschienen. Die Produktion stellte einen historischen Brückenschlag dar: Bereits 1955–1957 wurde in der damaligen „Synchronhalle“ die Originalmusik zu den drei legendären Filmen über Österreichs Kaiserin Elisabeth, die Romy Schneider zu ihrer internationalen Karriere verhalfen, aufgenommen. Anhand des Original-Manuskripts des Komponisten Anton Profes stellte Paul Hertel drei Suiten zusammen, die mit dem Synchron Stage Orchestra unter Conrad Pope als Dirigent eingespielt wurde. Für die Aufnahmeleitung zeichnete sich Grammy-Preisträger Dennis Sands verantwortlich.
Im Frühjahr 2016 übersiedelte die gesamte Firma zum neuen Standort. Am 15. Juli 2016 wurde die Synchron Stage Vienna offiziell eröffnet. Zur Eröffnungsfeier waren über 200 Personen geladen, um die hochmoderne Aufnahmestätte zu besichtigen. Hollywoodgrößen wie Grammy-Gewinnerin Nan Schwartz oder Joe Kraemer standen ebenso auf der Gästeliste wie ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, Justizminister Wolfgang Brandstetter und VfGH-Präsident Gerhart Holzinger. Durch den Abend führte Karl Markovics.
Neben Samplings Sessions für die Produkte der Vienna Symphonic Library finden in der Synchron Stage Vienna seit 2016 regelmäßig Musikaufnahmen für nationale und internationale Film- und Fernsehproduktionen statt. Bereits kurz nach der offiziellen Eröffnung ließ Remote Control Productions, die Produktionsfirma von Hans Zimmer, mehrere Projekte hier aufnehmen. Seit 2021 ist die Synchron Stage Vienna ein offizielles Dolby Atmos Studio und kann neben Stereo und Surround auch Aufnahmen in Auro-3D anbieten.
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Produktübersicht Die Produktpalette der Vienna Symphonic Library reicht von einer Vielzahl einzelner sowie in Gruppen aufgenommener Instrumente hin zu innovativen Softwarelösungen für die Bereiche Komposition, Instrumentation und Orchestrierung am Computer. Das Sortiment wird laufend erweitert und beinhaltet auch Aufnahmen von Chören.Product List auf www.vsl.co.at. Produktübersicht auf den Webseiten von Vienna Symphonic Library
Musikschaffende und Studiobesitzer weltweit nutzen die Produkte der Vienna Symphonic Library: Bekannte TV- und Filmmusikkomponisten wie Hans Zimmer, Danny Elfman, A.R. Rahman, Alan Silvestri, Alexandre Desplat, James Newton Howard, Pinar Toprak verwenden sie, um Demos (engl.: „mock-ups“) ihrer orchestralen Scores zu produzieren und kombinieren die virtuell-orchestralen Klänge in der Endmischung auch mit den Live-Aufnahmen des echten Orchesters. Musikschaffende der Popmusik gehören ebenfalls zu den Kunden, etwa Lenny Kravitz, Beyoncé oder Justin Timberlake.
Die ersten Produkte kamen im Dezember 2002 auf den Markt. Die „First Edition“ bestand aus den Modulen „Strings“, „Brass & Woodwinds“, „Percussion“ sowie dem „Performance Set“. Im Sommer 2003 folgte die „Pro Edition“ mit der doppelten Menge an Samples. Beide Editionen wurden in Formaten für die Software-Sampler TASCAM GigaStudio und Apple Logic EXS24 (damals noch Emagic) angeboten.http://www.soundonsound.com/sos/mar04/articles/vienna.htm Ab Ende 2003 folgten kleinere Packages der „Horizon Series“, die auch in Formaten für Steinberg Halion und Native Instruments Kontakt verfügbar waren.http://www.record-producer.com/new-additions-to-vienna-symphonic-library-s-horizon-series Als erste kleine Software-Entwicklung gab es das MIDI-Utility „Performance Tool“, mit dessen Hilfe Legati und Repetitionen in Echtzeit gespielt werden konnten.http://www.soundonsound.com/sos/may03/articles/viennasl.asp
Musikproduktionen, die mit Hilfe der VSL-Produkte realisiert wurden, können selbst Experten kaum von Einspielungen mit realem Orchester unterscheiden.http://online.wsj.com/public/article/SB117832128175492832-6e_Kq7tucUrrETbn0osjv8AXOgM_20080504.html?mod=tff_main_tff_top# Auch einigen Konkurrenzprodukten gelang dieser technische Durchbruch der Authentizität.
Um die große Menge an Samples benutzerfreundlicher verwalten zu können, wurde ein eigener Sample Player entwickelt, der „Vienna Instruments“-Player. Die ab Herbst 2005 veröffentlichten „Vienna Instruments Collections“ enthalten den kostenlosen Player, der in den Formaten AU, VST, AAX Native und RTAS unter Mac OS X und Windows läuft.http://www.soundonsound.com/sos/jul06/articles/vslvienna.htm Es folgten weitere Software-Entwicklungen: der netzwerkfähige Mixing-Host „Vienna Ensemble PRO“, das Effekt-Plug-in-Bundle „Vienna Suite“, und die Mixing- und Reverberation-Software „Vienna MIR PRO“.http://recording.de/Magazin/Testberichte/Portraet/2631/Vienna_Symphonic_Library_-_Eine_Erfolgsgeschichte_.html#article
Seit 2012 werden die Klangbibliotheken nicht mehr auf DVDs, sondern ausschließlich via Download oder auf Datenträger (USB-Stick oder Hard-Disk) ausgeliefert.
Mit der Veröffentlichung der ersten Bibliothek der „Synchron“-Serie im April 2017 war die Vienna Symphonic Library die erste Sample-Library weltweit, die ihre Instrumentenbibliothek neben Stereo und Surround auch in Auro-3D anbieten konnte.
Durch das charakteristische Multi-Mikrofon Setup der Serie stiegen die zu verarbeiteten Datenmengen, was die Entwicklung eines neuen Softwareplayers erforderte: Der „Synchron Player“ wurde mit einer runderneuerten Audio-Engine und innovativen Algorithmen ausgestattet, um die nötige Performance zu liefern.
Sample Libraries
Vienna Instruments Serie Die Produkte der „Vienna Instruments“-Serie wurden in der relativ trockenen Umgebung der Silent Stage aufgenommen. Eine Ausnahme stellt lediglich die „Vienna Konzerthaus Organ“ dar, die im berühmten Wiener Konzerthaus aufgenommen wurde. Mit über 2,8 Millionen enthaltenen Samples ist es die bei Weitem größte Sammlung an Orchesterklängen der Welt. Seit der Einführung Ende 2005 zählte die Serie zu den mächtigsten virtuellen Instrumenten weltweit. Sie bietet intelligente Performance-Algorithmen unter dem User Interface von einfach zu bedienenden VST/AU/AAX-Plug-ins. Die riesige Menge an verwalteten Samples ermöglicht es Musikschaffenden, nahezu jede klangliche Nuance eines Instruments oder Ensembles auf authentische Weise zu reproduzieren.
Alle Produkte der „Vienna Instruments“-Serie werden als Standard und als Full Library angeboten. Die Varianten unterscheiden sich in der Anzahl der enthaltenen Artikulationen.
Synchron-Serie Mit dem Umzug in die Synchron Stage Vienna entstand die neue „Synchron“-Serie. Alle Produkte der Serie werden mit einem Multi-Mikrofon Setup aufgenommen, um den Klangcharakter der einzelnen Instrumente und deren natürlichen Raumklang einzufangen. Dabei kommen bis zu neun getrennte, phasenkohärente Mikrofonanordnungen zum Einsatz: Mikrofone mit mittlerem bis kleinem Abstand zum gesampelten Instrument sowie Decca-Tree und Surround-Mikrofone. Je nach gesampeltem Produkt werden noch zusätzlich Mikrofone, wie Kondensator-, Bändchen- oder Ribbon-Raummikrofone, verwendet. Alle Mikrofon-Signale stehen im eigens entwickelten „Synchron Player“ separat zur Verfügung.