mini|Friedrich Overbeck: Porträt Martini (1809) im Museum Behnhaus mini|Elternhaus Martinis in der Mengstraße 1, Marienquartier (vor 1908) Johann Christian Jeremias Martini (* 26. August 1787 in Lübeck; † 11. August 1841 ebenda) war ein deutscher Mediziner und Teilnehmer der Koalitionskriege im ärztlichen Dienst.
Leben Der Arzt Johann Christian Jeremias Martini war der erste Neuzugang als Mitglied im Jahr 1817 nach der Gründung des Ärztlichen Vereins zu Lübeck als Mitglied Nr. 13.
Der Lübecker Bibliothekar Paul Hagen zitierte auch noch im Jahr 1931 zu Martini schlicht den Lebenslauf, den der Lübecker Staatsarchivar Carl Friedrich Wehrmann 1872 auf Anfrage dem Kunsthistoriker Hyacinth Holland als Auskunft erteilte:
Seit 1831 war er als Nachfolger von Heinrich Wilhelm Danzmann als Stadtphysicus für das Gesundheitswesen in Lübeck verantwortlich. Martini wurde unter einem hohen Obelisken unter abgetrepptem Sockel auf dem Lübecker Burgtorfriedhof begraben. Das Grabmal ist eingetragenes Kulturdenkmal.Hartwig Beseler: Kunst-Topographie Schleswig-Holstein. Neumünster 1974, S. 156.
Paul Hagen merkte nur folgendes zum Lebenslauf Wehrmanns an: Die Empfehlung zum Eintritt in die Französische Armee sei von dem in Lübeck lebenden Franzosen Charles de Villers ausgegangen, der in dem Haus der Lübecker Salonnière Dorothea Schlözer ein und aus ging. Martini wurde nach 1817 in Lübeck ein herausragender Chirurg. 1820 wurde er vom Lübecker Rat zum städtischen Hebammenlehrer und 1831 zugleich zum Stadtphysicus bestellt. Er engagierte sich in der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit als Mitglied der Vorsteherschaft und hielt dort als begeisterter und begeisternder Redner zahlreiche Vorträge, von 1821 bis 1839 allein 23, die in der Literatur als „gemüt- und witzigreich“ beschrieben werden.Eschenburg (1909), S. 16; so wohl auch die Neue Lübeckische Blätter, 1841, S. 282.
Von 1824 bis 1831 veröffentlichte er eine nahezu jährliche Serie von Fallbeschreibungen als Medicinisch-chirurgische Betrachtungen in Johann Nepomuk Rusts Magazin für die gesammte Heilkunde.Magazin für die gesammte Heilkunde 16 (1824), S. 492–538; 19 (1825), S. 399–460; 23 (1826), S. 127–185; 27 (1828), S. 395–452 (mit einer Kupfertafel); 34 (1831), S. 146–201 (mit einer Kupfertafel) mini|Eintrag Martinis im Stammbuch Otto von Plessen (1816) In seiner weiteren Lübecker Zeit wurde Martini noch einmal um 1827 von Friedrich Carl Gröger porträtiert.Peter Vignau-Wilberg: Der Maler Friedrich Carl Gröger. Neumünster: Wachholtz 1971 (Studien zur schleswig-holsteinischen Kunstgeschichte, Band 11), S. 188 (Nr. 296). Dieses Bild befindet sich ebenfalls in der Sammlung des BehnhausesInv. Nr. 1915/33. als permanente Leihgabe des Ärztlichen Vereins zu Lübeck. Aber auch in seiner (späten) Studienzeit in Göttingen 1816 hinterließ Martini Spuren; im Stammbuch des Mecklenburger Otto von Plessen, das vom Göttinger Stadtarchiv verwahrt wird, findet sich sein Eintrag vom 5. Mai zusammen mit denen vieler anderer Lübecker und mecklenburgischer Mitglieder des Corps Vandalia Göttingen.Stammbucheintrag Stadtarchiv Göttingen, Signatur: Stabu 237 (Bl. 151r+v), Einträger: Martini, [Christian] (genannt Pater). - Nation: Deutschland. - Herkunft: Lübeck. - Beruf: stud. med. - Matrikel: Göttingen 24263. Eintragung: Göttingen, 1816.05.05. - Sprache: dt. - Illustration: Freundschaftsmotiv (Vergißmeinnicht, Kreuz, Anker und Totenkopf, Tinte). - Stammbuchkupfer Brednich-Nr.: fehlt bei Brednich (Michael Angelo Buonaroti.) Ebenfalls 1816, allerdings erst am 12. September, trug er sich in Göttingen mit dem Zirkel des Corps Vandalia Göttingen in das Stammbuch Adolph Goetze aus Neustrelitz ein; dieses Stammbuch befindet sich heute im Institut für Hochschulkunde.Hans Peter Hümmer, Michaela Neubert: Spurensuche zur Jenaer und Göttinger Vandalia im Stammbuch (1812-16) Adolph Goetze aus Neustrelitz, in: Einst und Jetzt Band 60 (2015), S. 67 ff. (S. 101) Auch in das Stammbuch des Göttinger Vandalen und späteren Bürgermeisters von Danzig Samuel Friedrich Schumann (1795–1877) trug er sich im Oktober 1816 mit dem Göttinger Vandalen-Zirkel ein.Stadtarchiv Göttingen: Stabu Nr. 275, Seite 8r-v.
Nach Martinis Tod beschloss der Rat, die Ämter des Hebammenlehrers und des Stadtphysicus wieder zu trennen. Er berief William Henry Newman-Sherwood zum Hebammenlehrer und Johann August Hermann Heylandt zum Stadtphysicus.Siehe Loytved (Lit.), S. 264
Schulfreund des Malers Friedrich Overbeck miniatur|hochkant=1.5|Friedrich Overbeck: „Einzug Christi in Jerusalem“ 1808/24, Lithographie von Otto Speckter 1831, der engere Freundeskreis Overbecks am rechten Bildrand Die alte Schulfreundschaft zu Friedrich Overbeck führte nicht nur zu Overbecks Martini-Porträt aus der gemeinsam in Wien verlebten Zeit des Jahres 1809, das ihn als Militärarzt des 25. französischen leichten Infanterieregiments mit Napoleons Übergang über den Grenzfluss Bidasoa im Hintergrund zeigt,Museum Behnhaus Inv. Nr. G 58; siehe dazu Johann Friedrich Overbeck (1789–1869). Gemälde und Zeichnungen. Katalog der Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, hrsg. von Andreas Blühm und Gerhard Gerkens, Lübeck 1989, S. 110 und 111 sondern auch als Freund weiterer Nazarener des Lukasbundes zur Aufnahme in Overbecks Hauptwerk „Der Einzug Jesu in Jerusalem“. Dort war Martini im Freundeskreis Friedrich Overbecks links neben Overbeck und Franz Pforr abgebildet; das Gemälde war in der Lübecker Marienkirche aufgestellt und ist dort beim Luftangriff auf Lübeck am Palmsonntag 1942 verbrannt. Eine Lithographie von Otto Speckter aus dem Jahr 1831 gewährt heute noch eine Idee dieses Gemäldes. Der Schriftwechsel zwischen den Freunden wird in der Bayerischen Staatsbibliothek in München und in Lübeck in sechs erhaltenen Briefen Martinis an Overbeck und Pforr bewahrt und wurde 1931 durch den Lübecker Bibliothekar der Stadtbibliothek Paul Hagen im Lübecker Jahrbuch Der Wagen veröffentlicht. Die Gegenstücke der Briefe der beiden an Martini sind nicht überliefert.
Werke Observationes de vulneribus inflictis in bello gesto inde ab anno MDCCCX vsqve ad annvm MDCCCXIV. Göttingen: Herbst 1817 (Diss.)
Literatur Martini (Johann Christian), in: Adolf Callisen: Medicinisches Schriftsteller-Lexicon der jetzt lebenden Aerzte, Wundärzte, Geburtshelfer, Apotheker und Naturforscher aller gebildeten Völker. Band 12, Kopenhagen 1832, S. 274–276 (mit Schriftenverzeichnis) Theodor Eschenburg: Der Ärzteverein zu Lübeck während der ersten 100 Jahre seines Bestehens 1809–1909, Wiesbaden 1909 Paul Hagen: Johann Christian Jeremias Martini (1787 bis 1841). mit 3 Abb., in: Der Wagen 1931, S. 14–34 Digitalisat auf Commons Friedrich von Rohden: Von alten Lübecker Ärzten in: Der Wagen 1960, S. 85/87 Wulf Schadendorf: Museum Behnhaus. Das Haus und seine Räume. Malerei, Skulptur, Kunsthandwerk (= Lübecker Museumskataloge 3). 2. erweiterte und veränderte Auflage. Museum für Kunst u. Kulturgeschichte d. Hansestadt, Lübeck 1976, Nrn. 69 und 163 Rüdiger Kurowski: Medizinische Vorträge in der Lübecker Gesellschaft zur Beförderung Gemeinnütziger Tätigkeit 1789–1839: eine Patriotische Sozietät während der Aufklärung und Romantik, Schmidt-Römhild, Lübeck 1995 Christine Loytved: Hebammen und ihre Lehrer: Wendepunkte in Ausbildung und Amt Lübecker Hebammen (1730–1850). Osnabrück: Rasch 2002 (Frauengesundheit; Bd. 2), Zugl.: Osnabrück, Univ., Diss., 2001, ISBN 3-935326-76-9, S. 224ff
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Einzelnachweise
Kategorie:Person in den Koalitionskriegen (Frankreich) Kategorie:Person in den Koalitionskriegen (Hansestädte) Kategorie:Angehöriger der Hanseatischen Legion Kategorie:Militärarzt Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (19. Jahrhundert) Kategorie:Chirurg Kategorie:Stadtphysicus (Lübeck) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1787 Kategorie:Gestorben 1841 Kategorie:Mann