mini|Kirche in der engen Ortsmitte mini|Ellerbach bei Winterburg
Winterburg ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Nahe-Glan an. Winterburg ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
Geographie Winterburg liegt tief im engen Ellerbachtal im südöstlichen Hunsrück, westlich des Gauchswaldes und südlich des Soonwalds. Angrenzende Gemeinden sind im Westen Ippenschied, im Norden Winterbach, im Osten Allenfeld sowie Rehbach und Bockenau südlich davon. Die nächstgelegenen Städte sind Bad Kreuznach im Osten und Simmern im Nordwesten.
Geschichte Winterburg wurde erstmals im Jahr 1325 urkundlich erwähnt, als Graf Johann II. von Sponheim die Burg Winterburg dem Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg zu Lehen auftrug.Wilhelm Fabricius: Die Herrschaften des unteren Nahegebietes: der Nahegau und seine Umgebung, Bonn: Behrendt, 1914, S. 131 (dilibri.de) Durch Kaiser Ludwig IV., den Bayern, bekam das Dorf „Wynthirberg“ 1331 Stadtrechte.Stadtrecht der Stadt Winterberg in der Graffschaft Spanheim vom Jahr 1331. In: Carl Friedrich Walch (Hrsg.): Vermischte Beyträge zu dem deutschen Recht, Bd. VI. Christian Friedrich Gollner, Jena 1777, S. 252–263 (Google-Books) = Christoph Jakob Kremers: Diplomatische Beyträge, Bd. III. Frankfurt am Main / Leipzig 1761, S. 358–367 (Google-Books).
Winterburg gehörte zur Hinteren Grafschaft Sponheim und wurde bei der Teilung der sponheimischen Besitzungen im Jahr 1776 der Markgrafschaft Baden zugeordnet. Nach der Einnahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen (1794) gehörte der Ort von 1798 bis 1814 zum Kanton Sobernheim im Rhein-Mosel-Departement. Winterburg war Hauptort einer Mairie, zu der zwölf Ortschaften in neun Gemeinden gehörten. Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen kam die Region und damit auch Winterburg 1815 zum Königreich Preußen und wurde 1816 dem Kreis Kreuznach im Regierungsbezirk Koblenz zugeordnet, der von 1822 an zur Rheinprovinz gehörte.
Von 1896 bis 1936 hatte Winterburg Anschluss an die Bahnstrecke der Kreuznacher Kleinbahnen, die das Ellerbachtal abwärts bis nach Bad Kreuznach führte und Personen transportierte.
Bevölkerungsentwicklung Im Ort Winterburg lebten im Jahr 1607 29 Familien, im Jahr 1699 nur 18 und im Jahr 1772 insgesamt 53 Familien.
Die weitere Entwicklung der Einwohnerzahl von Winterburg, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 302 1835 295 1871 240 1905 204 1939 233 1950 269 Jahr Einwohner 1961 263 1970 295 1987 249 2005 215 2022 201
Das Schloss Winterburg Die weiträumige Burganlage lag über dem nördlichen Teil des Dorfes und bestand aus zwei Abschnittsgräben, einem Halsgraben, einer Kanzel als Bastion der Anlage, einer Vorburg, die bereits 1334 zerstört wurde und einer steinernen Brücke als Verbindung zur Hauptburg an der Spornspitze. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Burg 1689 von französischen Truppen endgültig zerstört.Geschichte der Burg Winterburg auf den Seiten des Schullandheims Winterburg 1747 errichtete man ein neues Amtshaus auf den Fundamenten der Vorburg. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Reste der Hauptburg abgetragen und unter anderem für den Neubau der evangelischen Kirche 1784 genutzt (vor der Zerstörung der alten Kirche wurde sie als Simultankirche genutzt). Der Schlossturm der Ruine stürzte 1839 ins Dorf und zerstörte das Schulhaus. Noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das von Mauerresten umgebene Areal der Hauptburg von den Bewohnern des Amtshauses mit Wegen, Gärten und Sitzbänken gepflegt, doch seitdem die Amtsverwaltung 1959 in das Dorf verlegt wurde, verfällt das Gebiet. Im Jahr 1990 rutschte erneut ein Felsmassiv des Schlosshügels ab und beschädigte ein Wohnhaus in der Ellerbachstraße.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Winterburg besteht aus sechs Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Bürgermeister Valentin Gere Zsíros wurde am 23. Oktober 2024 Ortsbürgermeister von Winterburg. Da für die Direktwahl am 9. Juni 2024 kein Wahlvorschlag eingereicht wurde, oblag die Neuwahl des Bürgermeisters gemäß rheinland-pfälzischer Gemeindeordnung dem Rat, der sich auf seiner konstituierenden Sitzung für Valentin Gere Zsíros entschied.
Seine Vorgängerin war Petra Woll. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 erreichte der bisherige Amtsinhaber Ralf Hartung mit einem Stimmenanteil von 38,53 % nicht die nötige Mehrheit. Deshalb fand am 1. September 2019 eine Wiederholungswahl statt, bei der sich Petra Woll mit einem Stimmanteil von 73,8 % durchsetzen konnte. Bei der Wahl 2024 trat sie nicht erneut an.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Winterburg ist in erster Linie für das Schullandheim Winterburg bekannt, welches von den Mainzer Gymnasien und sonstigen Gruppen gerne als Ziel für Klassenfahrten oder für Seminare genutzt wird. Trägerverein ist die „Schullandheim-Vereinigung 1955 Mainz e. V.“, ein gemeinnütziger Verein.Website des Schullandheim Winterburg
Im Ortskern von Winterburg findet man alte Fachwerkhäuser und Gebäude, die teilweise aus den Überresten der 1689 zerstörten Burg bestehen. Im Norden des Dorfes befinden sich ein Hotel, die renovierte evangelische Kirche und der Friedhof, auf dem ein 1869 errichteter Gedenkstein zu Ehren des Dichters Johann Nikolaus Götz steht.
An Vereinen und öffentlichen Einrichtungen gibt es die Freiwillige Feuerwehr, das Gemeindehaus, den Turnverein und den Soonwald-Nahe-Chor.
Siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Winterburg Liste der Naturdenkmale in Winterburg
Verkehr Die Bundesstraßen 41 und 50 sind gut erreichbar und führen zum einen zum Rhein-Main-Gebiet und dem Flughafen Frankfurt und zum Flughafen Hahn.
Der Bahnhof von Winterburg war von 1895 bis 1936 Endpunkt der schmalspurigen Bahnstrecke Bad Kreuznach–Winterburg. Omnibusse und ein Lastkraftwagen lösten deren Verkehr ab.
Söhne und Töchter der Gemeinde
Ludwig Christ (* 1900 in Winterburg; † 1938 in Koblenz), Politiker, Oberbürgermeister der Stadt Trier Johann Nikolaus Götz (* 1721 in Worms; † 1781 in Winterburg), Geistlicher, Schriftsteller und Übersetzer Christian Roos (* 1827 in Winterburg; † 1882 in Krefeld), Oberbürgermeister von Krefeld Philipp Caspar Roos (* 1717 in Winterburg; † 1805 in Dhaun), Jurist, Amtmann und Hofrat im Dienst der Wild- und Rheingrafen Johann Winterburger (* um 1460 in Winterburg; † Herbst 1519 in Wien), dt. Buchdrucker, der die Buchdruckerei 1492 in Wien einführte und bis 1510 alleiniger Drucker in der Stadt blieb. Er produzierte 106 Werke (u. a. für Kaiser Maximilian I.).Bibliographie der österreichischen Drucke des XV. und XVI. Jahrhunderts 1913: Biografie Wiens Buchdruckgeschichte 1883Die ersten Buchdrucker WiensGeschichte des Buchdrucks Nach ihm ist die Winterburgergasse in Wien benannt.
Weblinks
Ortsgemeinde Winterburg auf den Seiten der Verbandsgemeinde Nahe-Glan
Literatur Chronik von Gebroth und Winterburg, 1487–1731; Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (Handschrift 391)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Bad Kreuznach Kategorie:Ort im Hunsrück Kategorie:Ersterwähnung 1325 Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Rheinland-Pfalz Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1331