Der Eislaufverein Landshut ist ein Eishockeyverein aus der niederbayerischen Stadt Landshut, der seit 2019 wieder in der DEL2 spielt. Die Profimannschaft des 1948 gegründeten EV Landshut wird seit 2002 von der Landshuter Eishockey Spielbetriebs-GmbH organisiert, die von 2002 bis 2013 unter dem Namen Landshut Cannibals () auflief und von 2013 bis 2015 als „EVL Landshut Eishockey“ antrat. Der Stammverein ist weiterhin für den gesamten Nachwuchsbereich zuständig. Das Team spielte von 1963 an ununterbrochen in der Eishockey-Bundesliga und war Gründungsmitglied der 1994 eingeführten Deutschen Eishockey Liga. Die bisher größten Erfolge feierte der Club in den Jahren 1970 und 1983, in denen er jeweils Deutscher Meister wurde.

Die Vereinsfarben des EV Landshut sind Rot und Weiß, die Heimspiele werden in der VR-Bank Landshut Arena ausgetragen, die 4448 Zuschauern Platz bietet. Die Nachwuchsarbeit des Vereins wird oftmals zu den besten in Deutschland gezählt und brachte schon zahlreiche bekannte Eishockeyspieler hervor, wie zum Beispiel die Truntschka-Brüder Gerd und Bernd, Alois Schloder und die langjährigen NHL-Spieler Marco Sturm, Christoph Schubert und Tobias Rieder sowie den zweifachen Stanley-Cup-Gewinner Tom Kühnhackl.

Geschichte Ursprünge des Landshuter Eishockeysports Schlittschuhlaufen kam in Landshut spätestens im ausgehenden 19. Jahrhundert in Mode, eine Zeitungsanzeige im Landshuter Kurier aus dem Jahr 1871 warb für Damen- und Herrenschlittschuhe.MATCH-Magazin – Saison 2007/2008. Michael Zierer: Eis-kalte Leidenschaft – oder: Wie alles begann (I) Als Eislaufflächen waren geflutete Wiesen im Bereich des heutigen Eisstadions, des Rennwegs sowie der Nikolastraße beliebt. Mit dem Eishockeysport kamen die Landshuter erstmals zu Beginn des Jahres 1934 in Berührung, als Heinz Wittmann eine Eishockeygarnitur aus Garmisch-Partenkirchen organisierte. Unter seiner Federführung wurde eine Privatmannschaft aufgestellt, die – nach dem damaligen Gönner, der heute noch existierenden Brauerei Wittmann – unter dem Namen „Team Brauerei Wittmann“ auflief. Im Tor stand Toni Stanglmeier, Adolf Knauer und Toni Heigl bildeten die Verteidigung und Hans Schneider, Kurt Höhna, Richard Kollmannsberger, Fred Tayler, Organisator Heinz Wittmann sowie Georg Zeller bildeten die Offensive. Letzterer war an der Entwicklung des Landshuter Eishockeys in der Folgezeit maßgeblich beteiligt. Die ersten Spiele wurden auf dem „Selmeier-Eis“ gegen Privatteams aus Wartenberg und Donaustauf ausgetragen. Wenige Monate nach Gründung der Mannschaft – zum 1. Februar 1934 – entstand innerhalb des Ski-Clubs Landshut (SCL) eine eigene Eishockeyabteilung, die noch im selben Jahr Meister der Region Donau wurde.

Zur Saison 1935/36 nahm die beinahe unveränderte Mannschaft des SC Landshut an der Kreisliga teil, damals die zweithöchste Liga. Nach der darauf folgenden Spielzeit, die auch in der zweitklassigen Kreisliga bestritten wurde, beschloss die Eishockeyabteilung, den Ski-Club zu verlassen und der – weitaus größeren – Turngemeinde Landshut (TGL) beizutreten. Es folgten zwei Saisons, die ebenfalls in der Kreisliga ausgetragen wurden, bevor der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs dem geregelten Ligabetrieb ein Ende setzte. In den Kriegsjahren fanden nur wenige Partien statt. 1940/41 wurden nochmals Freundschaftsspiele als Abteilung der TGL organisiert, die darauf folgende Saison war das Team unter dem Dach der Hitlerjugend als Bann 332 Landshut aktiv und spielte gegen andere Bann-Vereine, wie zum Beispiel gegen Straubing am 10. Januar 1943. Das Hinspiel wurde mit 8:1 gewonnen und auch das Rückspiel in Straubing am 31. Januar 1943 entschieden die Landshuter mit 2:0 für sich.

Nach dem Krieg war wieder die TG Landshut für die Eishockeygeschicke „zuständig“. Als Spielfläche diente nun der sogenannte „Kolbeck-Eisplatz“, eine Natureisbahn, die sich an der Kreuzung von Luitpoldstraße und Rennweg im Nikola-Viertel befand. Das erste Spiel nach dem Zweiten Weltkrieg wurde gegen Donaustauf auf eigenem Eis mit 5:0 gewonnen. Von der ersten Nachkriegsspielzeit 1945/46 bis zur Saison 1947/48 spielte die Mannschaft in der zweitklassigen Landesliga. In diesen Jahren stießen einige neue Spieler zum Verein, von denen Hans Frühmorgen, Walter Rauhmeier und Jaro Truntschka zu den wichtigsten gezählt werden. Letzterer wurde in den folgenden Jahren acht Mal bester Torschütze des Teams. Der in der ČSR geborene Stürmer kam nach Kriegsende nach Bayern. Wie viele seiner damaligen Mitspieler lief er in den eishockeyfreien Sommermonaten für die SpVgg Landshut als Fußballer auf. Zur Saison 1947/48 bestand die Abteilung Eishockey erstmals aus einer zweiten Seniorenmannschaft sowie einem Jugendteam.

Gründung des Eislaufvereins und Zweitklassigkeit in der Landesliga Saison Liga Klasse Vorrunde Endrunde 1948/49 BLL I I 1. Platz 2. Platz ↑ 1949/50 BLL I I 2. Platz keine 1950/51 BLL I I 2. Platz keine 1951/52 BLL I I 2. Platz keine 1952/53 BLL I I 4. Platz 1. Platz ↓ 1953/54 BLL I I 2. Platz/B keine 1954/55 BLL I I 1. Platz 2. Platz ↑ 1955/56 BLL I I 2. Platz/A keine 1956/57 BLL I I 1. Platz Meister ↑ ↑ ↓ in der Auf-/Abstiegsrunde der jeweiligen Liga links|mini|Das ehemalige Gasthaus Sterngarten 2010 Trotz des soliden Fundaments in der zweitklassigen Landesliga gab es Streitigkeiten zwischen der Eishockeyabteilung und der Führung der Turngemeinde. Dabei ging es vor allem um die Zweckentfremdung von Zuschauereinnahmen aus den Eishockeyspielen zugunsten anderer Bereiche der TGL. Aus diesem Grund beriet sich die Eishockeyabteilung auf Anregung Georg Zellers über Möglichkeiten, die bestehenden Probleme zu lösen, und befasste sich auch mit der Gründung eines eigenen Vereins. Daraufhin fand am 25. April 1948 die Gründungsversammlung des Eislaufvereins Landshut im Gasthaus Sterngarten in der Seligenthaler Straße statt.MATCH-Magazin – Saison 2007/2008. Michael Zierer: Eis-kalte Leidenschaft – oder: Wie alles begann (II) Als Gründungsmitglieder sind Georg Zeller, Helmut Kalbe, Johann Frühmorgen, Ludwig Jena, Walter Rauhmeier, Josef und Rudolf Wagner, Jaro Truntschka, Walter Kolb und Herrmann Simbürger überliefert.eishockey.net, Erster Vorsitzender des Vereins wurde Ludwig Fronauer.

Die Mannschaft des EVL bestand zur ersten Spielzeit 1948/49 aus Torhüter Adolf Spohrer und den Feldspielern Neumann, Fred Tayler, Josef Wagner, Otto Kolbeck, Walter Rauhmeier, Rudi Wagner, Walter Kolb, Hans Frühmorgen, Jaro Truntschka und Rudi Fischer.EVL-Chronik 1948/49. Georg Spießl: Der EV Landshut wird gegründet Das Team von Trainer Franz Stern, der als Spieler mit dem SC Riessersee im Folgejahr Deutscher Meister wurde, trat in der Landesliga, der zweithöchsten Liga, an. Die immer noch bestehende Eishockeyabteilung der TGL dagegen kam über die Kreisliga nicht mehr hinaus und wurde schlussendlich nach der Saison 1950/51 aufgelöst. Im ersten Freundschaftsspiel verlor der Verein auswärts gegen den EV Tegernsee mit 2:3. Die beiden Tore auf Landshuter Seite schossen Josef Wagner und Hans Frühmorgen. Am darauffolgenden 20:0 gegen Donaustauf war Jaro Truntschka, der überragende Spieler der Landesliga, mit fünf Treffern beteiligt. Im Vorfeld des ersten Ligaspiels gegen den SC München, das der EVL mit 3:0 für sich entschied, mussten die Eishockeytore selbstgezimmert werden, da die ursprünglichen von der TGL gepfändet worden waren. Am Ende der Hauptrunde stand der erste Rang zu Buche und gegen den EV Tegernsee wurden zwei Entscheidungsspiele um den Aufstieg in die Oberliga ausgetragen, die beide verloren wurden.

In den folgenden Jahren fanden mehrmals Wechsel der Spielstätten statt. Zur Saison 1949/50 spielte der EVL zum Beispiel auf dem Tennisplatz Rot-Weiß. Nachdem diese Spielzeit auf dem zweiten Rang abgeschlossen worden und Jaro Truntschka, wie im Vorjahr, Top-Torschütze geworden waren, erreichte die Mannschaft in der Folgesaison – diesmal auf einem Platz an der Gabelsbergerstraße in Isarnähe – ebenfalls den zweiten Platz. Diesmal schoss Hans Frühmorgen die meisten Tore. 1951 folgte ein erneuter Umzug: Der Verein fand seine endgültige Spielstätte in einer Natureisfläche am Gutenbergweg. Der Eintrittspreis betrug damals für Erwachsene eine Mark, Kinder bezahlten 50 Pfennig, durchschnittlich besuchten 700 Zuschauer die Heimspiele in der Premierensaison direkt neben der Isar. In diesem Jahr stieß Dieter Lang zur Mannschaft, er wurde der erste Landshuter Nationalspieler. Nach der Spielzeit belegte das Team den abermals zweiten Platz. Die Saison 1952/53 wurde auf dem vierten Rang beendet, was zur Folge hatte, eine Relegationsrunde gegen einen möglichen Aufsteiger auszuspielen, die gewonnen wurde. In der folgenden Spielzeit fand sich der EVL zum wiederholten Male auf dem zweiten Platz, Torschützenkönig wurde – auch zum wiederholten Male – Jaro Truntschka mit 20 Toren aus acht Spielen.

Da die Vereinsführung jedoch nicht auf Dauer in der Landesliga verharren wollte, setzte sie sich für ausgedehntere Trainingseinheiten ein. Weil Natureisplätze witterungsbedingt oftmals nicht nutzbar waren, hatten die anderen Vereine der Landesliga, die in der Nähe von Kunsteisstadien beheimatet waren, entscheidende Trainingsvorteile. Als Zwischenlösung nahm der EVL in Bad Tölz Eiszeiten, die oft erst spätabends zugeteilt wurden.MATCH-Magazin – Saison 2007/2008. Michael Zierer: Eis-kalte Leidenschaft – oder: Wie alles begann (III) Die Trainingseinheiten zeigten 1954/55 erste Erfolge, unter anderem sicherten die beiden besten Torschützen Jaro Truntschka (14 Tore) und Rudi Wagner (7 Tore) dem Verein den ersten Platz in der Landesliga. Im Aufstiegskampf mussten sich die Landshuter dem ESV Kaufbeuren geschlagen geben. Zu Beginn der Saison 1955/56 wurde Leopold Eichbichler zum Eishockeyobmann gewählt. Er setzte sich bald für den Bau eines Kunsteisstadions ein, für das Projekt war jedoch ein Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse notwendig, der nach dem zweiten Rang nach der Vorrunde nicht sofort erreicht wurde. Mit Sepp Schramm begann ein Spieler seine Karriere, der die folgenden sechzehn Jahre das Tor der Landshuter hüten sollte. Nach der Hauptrunde 1956/57 stand der Verein auf Rang eins und qualifizierte sich als „Bayerischer Meister“ für die Aufstiegsrunde. In insgesamt vier Spielen trat der EVL gegen den SC Ziegelwies und gegen den TEV Miesbach an. Während die Begegnungen gegen Ziegelwies mit 4:0 und 5:3 gewonnen wurden, unterlag der EVL Miesbach im ersten Spiel mit 0:5 Toren. Im entscheidenden zweiten Spiel gegen die Oberbayern gewann die Mannschaft mit 3:1 und machte den Aufstieg in die erstklassige Oberliga perfekt.

Für tabellarische Saisonübersichten mit Kader und Platzierung siehe: Saisonübersichten/1940er und 1950er

Das neue Kunsteisstadion und Etablierung in der Eishockey-Bundesliga Saison Liga Klasse Vorrunde Endrunde 1957/58 OL I 5. Platz 3. Platz ↓ 1958/59 OL I I 4. Platz keine 1959/60 OL I I 2. Platz keine 1960/61 OL I I 2. Platz keine 1961/62 OL I I 1. Platz Meister ↑ 1962/63 OL I I 1. Platz Meister ↑ 1963/64 1. BL I 5. Platz 1. Platz ↓ 1964/65 1. BL I 6. Platz 2. Platz ↓ 1965/66 1. BL I 8. Platz 3. Platz ↓ 1966/67 1. BL I 3. Platz 3. Platz ↑ ↑ ↓ in der Auf-/Abstiegsrunde der jeweiligen Liga