Hanfried Schulz (* 1922 in Guben; † 2005 in Berlin) war ein deutscher Maler, Grafiker und experimenteller Künstler.Burg Beeskow: , 2005
Leben und künstlerisches Schaffen Schulz absolvierte von 1936 bis 1939 eine Lehre als Dekorationsmaler. Im Zweiten Weltkrieg wurde Schulz zum Militärdienst eingezogen und geriet in Kriegsgefangenschaft. Von 1949 bis 1955 studierte er bei Arno Mohr an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee. Ab 1955 arbeitete er freischaffend in Ost-Berlin. Gemeinsam mit dem Mail-Art-Pionier Robert Rehfeldt übernahm er zahlreiche Aufträge für Wandbilder.berlin.de: , Hanfried Schulz
In den 1950er und 1960er Jahren bildete Schulz mit Robert Rehfeldt, Ingo Kirchner und ab 1965 mit dem befreundeten Maler Dieter TucholkeBildatlas Kunst in der DDR: Dieter Tucholke eine experimentelleCornelia Nowak: Dem Auge ein Fest: die Schenkung Rudolf und Ilse Franke, Angermuseum, 2005, S. 304, hier S. 192 und S. 262 Künstlergruppe. Die Mitglieder der Gruppe knüpften an Dadaismus und Konstruktivismus an und griffen bald auch Elemente des Tachismus und der Pop-Art auf. Sie fanden so zu künstlerischen Strategien, die „genügend Realität aufnehmen konnten und sich dennoch einer verallgemeinernden Welthaltigkeit nicht verschlossen“.Museum Junge Kunst, Armin Hauer: , Frankfurt (Oder), 2009 Die Gruppe bestand auf der Pflicht zum „Experiment mit allen Medien und Materialien“. Damit entsprach sie weder dem Kunstverständnis der in Berlin dominierenden Berliner Schule noch dem Begriff, den die staatlichen Institutionen der DDR von Kunst hatten.Franziska Dittert: Mail Art in der DDR: Eine intermediale Subkultur im Kontext der Avantgarde, Logos Verlag Berlin GmbH, 2010, S. 743, hier S. 317 Tucholke sagte in einem 1990 veröffentlichten Gespräch über die Verbundenheit des Künstlerkreises: „Wir [...] hatten [...] kein Programm, dafür gemeinsame künstlerische Haltungen.“Petra Jacoby: Kollektivierung der Phantasie?: Künstlergruppen in der DDR zwischen Vereinnahmung und Erfindungsgabe, transcript Verlag, 2007, S. 273, hier S. 47 Der Kunsthistoriker Wolfgang Hütt beschrieb, dass die Künstler in ihren Arbeiten sehr persönliche Bekenntnisse abgaben und schonungslos ihre eigenen Ängste und Nöte offenbarten.Wolfgang Hütt: Schattenlicht: ein Leben im geteilten Deutschland, Fliegenkopf, 1999, S. 488, hier S. 247
Schulz war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und nahm in der DDR von 1949 bis 1986 an einer bedeutenden Zahl zentraler und wichtiger regionaler Ausstellungen teil.
Selbstreflexion
Fotografische Darstellung Schulz’ (Auswahl)
Christian Borchert: Der Maler Hanfried Schulz in seinem Atelier (1975)
Werke (Auswahl) mini|Keramikrelief von Robert Rehfeldt und Hanfried Schulz aus dem Jahr 1982 in Berlin-Friedrichsfelde, 2011 mini|Bocaccio – Der Frieden aus einer 1975 entstandenen Reihe von Reliefs von Schulz und Werner Petrich, Frankfurter Allee 174, Berlin-Lichtenberg Albert Einstein (Holzschnitt, 98 × 62 cm; auf der IV. Deutschen Kunstausstellung) Mahatma Gandhi (Holzschnitt, 98 × 62 cm; auf der IV. Deutschen Kunstausstellung) Thomas Mann (Holzschnitt, 98 × 62 cm; auf der IV. Deutschen Kunstausstellung) Albert Schweitzer (Holzschnitt, 98 × 62 cm; auf der IV. Deutschen Kunstausstellung)
1964: Mädchen MitkatzeARCADJA: Hanfried Schulz 1968: ERBAUT 1777Kleist-Museum: ERBAUT 1777 1981: Bildelemente von Albrecht Dürer in Berlin-Marzahn, Allee der Kosmonauten 141/143 (zusammen mit Werner Petrich); Außenwandbild an der Stirnwand des Eingangsvorbaus der damaligen 1. Hilfsschule „Reinhold Dahlmann“. Nicht erhalten, da im Jahr 2005 das Gebäude abgerissen wurdeKunst in der Großsiedlung, Kunstwerke im öffentlichen Raum in Marzahn und Hellersdorf, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, um 2010; Seite 86 um 1982: EinblickGalerie Pohl: in Memoriam - Drei Künstlerfreunden zum Gedenken. Hanfried Schulz (1922–2005), Robert Rehfeldt (1931–1993), Rolf Winkler (1930–2001) - Malerei, Grafik und Plastik, 21. Februar bis 31. März um 1984: Genesis um 1984: Ritter Apokalypsis, Zeichnung und Collage
Für den Band 80 der Lyrikreihe Poesiealbum der Dichterin Gabriele Eckart aus dem Jahr 1974 schuf Schulz den Einband und die Grafik.Gabriele Eckart: Gedichte. Vorbemerkung Karl Mickel. Einband und Grafik Hanfried Schulz. (=Poesiealbum 80), Neues Leben, Berlin 1974
Mediale Aufmerksamkeit erregten 1995 die Pläne der Berliner Verkehrsbetriebe, nach denen die „aus DDR-Zeiten stammenden Kunsttafeln“ – ein Zyklus von Robert Rehfeldt, Hanfried Schulz und Siegfried Krepp – auf dem U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz mit Reklametafeln zugenagelt werden sollten. Die 16 Tafeln mit Collagen zu Motiven der Kaiserzeit und der Weimarer Republik wiesen Graffiti und Vandalismusschäden auf. Im Jahr 2003 wurden die Tafeln abgehängt und bis zur Klärung ihrer weiteren Verwendung eingelagert. Die frei gewordene Fläche wurde überstrichen.Berliner Zeitung, Peter Neumann: BVG entfernt DDR-Kunst, 11. Februar 2003
Einzelausstellungen (unvollständig)
1963: Berlin-Weißensee, Kunstkabinett der Instituts für Lehrerweiterbildung
1968: Erfurt, Erfurter Ateliergemeinschaft, Hanfried Schulz – ZeichnungenYvonne Fiedler: Kunst im Korridor: Private Galerien in der DDR zwischen Autonomie und Illegalität, Ch. Links Verlag, 2013, S. 400, hier S. 325 1975: Neubrandenburg, Haus der Kultur und Bildung (Grafik)
2005: Berlin, Galerie Joachim Pohl – Abstraktion & Konstruktivität: Arbeiten auf Papier und Skulptur
Postum
2005: Beeskow, Burg Beeskow– Hanfried Schulz ,Maler und Grafiker 2006. Berlin, Galerie Parterre – Zwiegespräch 2006: Berlin, Galerie Joachim Pohl, – in memoriam (mit Robert Rehfeld und Rolf Winkler)
Literatur
Edith Krull: Porträt in Holzschnitt. In: Bildende Kunst, Berlin, 1958, S. 838–840
Schulz, Hanfried. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 868/869
HAP Grieshaber, Sven Knebel; Felix Rellstab [Hrsg.]: Spektrum. Intern. Vierteljahresschrift für Dichtung und Originalgraphik, Zürich. Nr. 40. Sept.1968. Jubiläums-Sondernummer. 10 Jahre Spektrum. Fichtner 192. Mit farbigen Original-Grafiken von HAP Grieshaber (WV Fürst 68/28), C. G. Becker, Otokar Hudecek, Hanfried Schulz, Walter Wörn u. a. Zürich, Druck: Stutz. 1968
Weblinks
Einzelnachweise
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