mini|Kirche St. Anton, Frontansicht Die Kirche St. Anton ist die römisch-katholische Pfarrkirche des Zürcher Stadtteils Hottingen. Sie ist seit 1981 als schutzwürdiger Bau von kantonaler Bedeutung aufgeführt.Hanspeter Rebsamen: Die katholische Pfarrkirche St. Anton in Zürich. S. 10.
Geschichte mini|Östliches Seitenportal mini|Westliche Fassade Im Jahr 1898 wurde der Römisch-katholische Kultusverein Zürich gegründet, der zum Ziel hatte, im Quartier Fluntern, Hottingen oder Riesbach eine katholische Kirche zu errichten.Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 176. Sie sollte die fünfte katholische Kirche in der Stadt Zürich werden, eine Tochterpfarrei der Liebfrauenkirche.Rainald Fischer, in: Guido Kolb: 100 Jahre St. Peter und Paul. S. 190.
Als Kirchenpatron wurde der volkstümliche Heilige Antonius von Padua (1195–1231) bestimmt. Am 13. Juni 1898, dem Antoniustag, erfolgte ein erster Spendenaufruf für den Neubau dieser Kirche.Hanspeter Rebsamen: Die katholische Pfarrkirche St. Anton in Zürich. S. 5–6. 1901 fand ein Architekturwettbewerb statt; die drei eingeladenen Architekturbüros Stadler und Usteri, Richard Schuster sowie Chiodera und Tschudy erarbeiteten je ein Projekt, unter denen dasjenige von Chiodera und Tschudy als Sieger hervorging. Als dieses Projekt unter anderem wegen des Bauplatzes, der Gestalt und des Stils der Kirche unter Kritik geriet, liess sich das bischöfliche Ordinariat durch das Architekturbüro Curjel & Moser ein weiteres Projekt vorlegen. 1901 konnte an der Neptunstrasse der Bauplatz für die heutige Kirche St. Anton gekauft werden. Da im Jahr 1905 das Projekt von Chiodera und Tschudy nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprach, erfolgte ein beschränktes Konkurrenzverfahren unter den Architekten Chiodera und Tschudy, Curjel & Moser, Albert Rimli sowie Thiersch. Obwohl Moser und Curjel nicht eine romanische, dreischiffige Basilika vorlegten, sondern eine neubarocke Kirche, gingen sie als Sieger aus dem Projekt hervor. Sein neubarockes Kirchenprojekt konnte Karl Moser 1912–1914 mit dem Bau der Kirche St. Josef im Zürcher Industriequartier realisieren. Karl Moser, verantwortlicher Architekt des Projekts, arbeitete dieses entsprechend der Forderungen der Kommission um. Im Frühling 1906 erfolgte die Baubewilligung und am 28. Oktober 1906 die Grundsteinlegung.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 106 und 110.
In den Jahren 1906 bis 1908 wurde die Kirche nach den Plänen von Robert Curjel und Karl Moser, Karlsruhe, erbaut. Für den späteren ETH-Professor Karl Moser war die Kirche St. Anton der erste öffentliche Auftrag in der Stadt Zürich.Robert Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. S. 75. Am 10. Oktober 1908 wurde die Kirche durch den Bischof von Chur, Georg Schmid von Grüneck, eingesegnet. Die eigentliche Kirchweihe fand am 27. Oktober 1935 statt, nachdem die Innenausstattung nach und nach vervollständigt worden war.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 106.
1935 wurde die Unterkirche durch Architekt Karl Strobel ausgebaut. 1973 erfolgte durch Architekt Walter Bosshart ein Umbau der Unterkirche. 1977 wurde die St.-Anton-Kirche aussen renoviert und in den Jahren 2001/2002 umfassend im Innern saniert. Dies erfolgte durch das Architekturbüro Felix Schmid. 2008 wurde die Unterkirche durch Walter Moser renoviert und umgestaltet.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 105.
Bis 1985 hatte sich das alte Pfarrhaus von der Neptunstrasse aus gesehen rechts von der Kirche St. Anton befunden. 1984/1985 wurde das heutige Pfarrhaus links von der Kirche erbaut. Danach konnte das alte Pfarrhaus abgebrochen und an dessen Stelle in den Jahren 1985 bis 1988 das Pfarreizentrum erbaut werden.Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 177.
In den Jahren 2001 und 2002 erfolgte eine Innenraumsanierung nach den Plänen der Architekten Oskar Pekarek und Pius Bieri vom Architekturbüro Felix Schmid, Rapperswil. In Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege wurde eine Rückführung der Innengestaltung der Oberkirche in den Zustand von 1929 angestrebt. Neu gestaltet wurde hierbei jedoch der Altarbereich.Hanspeter Rebsamen: Die katholische Pfarrkirche St. Anton in Zürich. S. 10–11. Ziel war eine Anpassung der Liturgie an die stets schwindende Gemeindegrösse.
Tochterpfarreien Zur Pfarrei erhoben wurde St. Anton im Jahre 1910. Damals gehörten auch die ehemaligen Gemeinden und späteren Quartiere Zürichs Hottingen, Hirslanden, Riesbach und Witikon zum Pfarreigebiet.Hanspeter Rebsamen: Die katholische Pfarrkirche St. Anton in Zürich. S. 4. Die eigentliche Kirchweihe fand erst am 27. Oktober 1935 durch Bischof Laurenz Matthias Vincenz statt.
1927 wurden die Gemeinden Zollikon und Zumikon von der Pfarrei Küsnacht abgelöst und der Pfarrei St. Anton zugeteilt. Im gleichen Jahr wurde für die spätere erste Kirche von Zollikon ein Baugrund an der Riethofstrasse gekauft. Im Jahr 1931 wurde Zollikon eine eigene Pfarrei.
Für den Bau der späteren Erlöserkirche erwarb der Kultusverein von St. Anton im Jahre 1933 einen Baugrund an der Zollikerstrasse. Die Erlöserkirche wurde in den Jahren 1936–1937 erbaut, per Dekret vom 22. Dezember 1937 zu einer eigenständigen Pfarrei erhoben und von der Pfarrei St. Anton abgetrennt.Henri Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 176–177.
In Witikon konnte der Kultusverein der Pfarrei St. Anton im Jahr 1954 den Baugrund für die heutige Kirche Maria Krönung an der Carl-Spitteler-Strasse erwerben. Im Jahr 1957 wurde in Witikon ein Pfarrvikariat errichtet und nach dem Bau der Kirche Maria Krönung von Bischof Johannes Vonderach per 19. Januar 1964 zur Pfarrei ernannt.Vgl. Artikel auf Wikipedia zu Maria Krönung (Zürich-Witikon)
In den Jahren 1960 und 1961 wurden die Pfarreigrenzen von St. Anton mit den Nachbarpfarreien neu geregelt.
Seit 1933 fanden in St. Anton regelmässig Gottesdienste für die Französisch sprechenden Katholiken statt. In den Jahren 1964 bis 1966 wurde die Église de la Sainte Famille an der Hottingerstrasse erbaut. Neben der Don Bosco Kirche im Quartier Aussersihl ist dies der einzige separate Kirchbau für eine katholische Mission in der Stadt Zürich.Robert Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. S. 17 und 77.
Andere Missionen feiern bis heute zahlreiche Gottesdienste in fremder Sprache in der zentral gelegenen Kirche St. Anton.
Die Pfarrei zählt 5'007 Mitglieder (Stand 2021) und ist damit eine der mittelgrossen römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich.Katholische Kirche im Kanton Zürich: Jahresbericht 2021. S. 106.
Baubeschreibung
Äusseres und Kirchengebäude «Wie ein Monument» steht die Kirche zwischen Kreuzplatz und Römerhof.Sonja Lüthi Ihle, Pascal Ihle: 100 Jahre St. Anton. S. 23. Die Kirche wurde als optischer Zielpunkt in der Blickachse der Apollostrasse geplant. Als Hauptachse des Quartiers führt diese Strasse fast gerade auf die Hauptfassade der Kirche St. Anton zu, was bereits 1903 beim Planungsbeginn des Kirchbaus so festgelegt worden war.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 108.
Die St.-Antonius-Kirche zeigt mit ihren kubisch gegliederten Massen von breitem Mittel- und schmalen Seitenschiffen, elliptischem Chor und balkonartiger Vorhalle, von Turm und symmetrischen seitlichen Annexen, dass sie als neuromanische Kirche konzipiert wurde. Der Turmhelm erinnert dabei an Gotteshäuser im Wallis und im Piemont, und die Lisenen-Gliederung der Wände hat ihr Vorbild in oberitalienischen Bauten. Im Gegensatz dazu stehen die modernen Elemente wie die plastischen Dekorationen der Teichflora, die dem Jugendstil entnommen sind. Der Aussenbau von St. Anton gilt als der fortschrittlichste unter den Historismus-Bauten der Stadtzürcher Diaspora.Rainald Fischer, in: Guido Kolb: 100 Jahre St. Peter und Paul. S. 195.
Ausstattung mini|Blick zum Altarraum Die Kirche weist einen basilikalen Grundriss mit einem Mittel- und zwei Seitenschiffen auf. Dicke Rundpfeiler prägen die Vorhalle und auch das Innere der Kirche. Konsolen stützen die Gurten, welche die Joche mit den Kreuzgratgewölben gliedern. Eine mächtige Kappe überwölbt die Apsis. Dreigekuppelte Fenster führen das Licht in das Mittel- und die Seitenschiffe.Rainald Fischer, in: Guido Kolb: 100 Jahre St. Peter und Paul. S. 195. Der Längsrichtung der Kirche wirkte Karl Moser entgegen, indem er die Kirchenbänke vom Hauptschiff bis in die Seitenschiffe hineinbaute. Zudem wurden die Gurtbögen durch Schablonenmalereien hervorgehoben, um die Querrichtung zusätzlich zu betonen.
Als letztes Element der ursprünglichen Innengestaltung wurden von Fritz Kunz im Jahr 1929 die Kreuzwegstationen fertiggestellt. In diesen Zustand von 1929 sollte die Kirche bei der Innensanierung in den Jahren 2001/2002 wieder zurückgeführt werden. Die Aussentüren wurden rekonstruiert, die eingelagerten ursprünglichen Alabaster-Leuchter erhielten wieder ihren ursprünglichen Platz in den Bogenöffnungen zwischen Haupt- und Seitenschiffen. Der Boden in den Kirchenschiffen wurde nach alten Vorlagen nachgearbeitet und die Kirchenbänke von ursprünglich 1000 auf 364 Sitze reduziert.
Die Kanzel besteht aus gelbem Siena-Marmor und wurde 1917 eingebaut. Vier Bronzereliefs zeigen die abendländischen Kirchenväter St. Ambrosius, St. Gregorius, St. Hieronymus und St. Augustinus. Geschaffen wurden diese Reliefs 1920 vom Bildhauer Andreas Kögler (1878–1956).
Der Hochaltar wurde 1914 ebenfalls in gelbem Siena-Marmor von der Firma Schmidt & Schmidweber, Zürich und Dietikon, angefertigt. Links und rechts neben dem Tabernakel mit Kruzifix wurde je eine Priesterfigur angebracht, welche selber wiederum links und rechts von je einer Engelsfigur umgeben wurden. Die vier Engel zeigen Sinnbilder des Leidens Christi (Schweisstuch, Dornenkrone u. a.). Wegen des Ersten Weltkriegs war das Messing knapp; deshalb wurden nur die zwei Priesterfiguren aus getriebenem Messing gefertigt, die Engel bestehen aus bemaltem und patiniertem Gips.Hanspeter Rebsamen: Die katholische Pfarrkirche St. Anton in Zürich. S. 22–23.
Neu gestaltet wurde bei der Innensanierung der vordere Altarbereich, der ins Kirchenschiff vorgezogen wurde. Der Bildhauer Hans-Peter von Ah (* 1941), Ebikon, schuf den neuen Volksaltar aus weissem Carrara-Marmor, welcher sich zwar mitsamt dem neu geschaffenen Liturgiebereich der Symmetrie des Chorraums unterordnet, farblich jedoch ein Fremdkörper in Mosers Ensemble bleibt. Geweiht wurde der Altar am Pfingstsonntag 2002.Hanspeter Rebsamen: Die katholische Pfarrkirche St. Anton in Zürich. S. 11.
Chorgemälde und Gemälde über den Seitenaltären Die Fresken im Chor der Kirche, welche am 9. Oktober 1921 eingeweiht wurden, stammen von Fritz Kunz. Sie sind gekennzeichnet durch eine feierliche Strenge, Stilisierung und charakteristische Farbgebung. Beeinflusst wurde Fritz Kunz hierbei von der Beuroner Schule.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 110. Das grosse Fresko wurde für eine Fläche von 200 Quadratmetern in den Jahren 1919 (Skizzen) und 1920 (Modell) entworfen. Vom 11. Mai bis 11. Oktober 1921 schuf Fritz Kunz das Fresko in der Kirche.Hanspeter Rebsamen: Die katholische Pfarrkirche St. Anton in Zürich. S. 23.
Das Fresko in der Apsis stellt ein Te-Deum-Bild mit thronendem Christus dar, umgeben von Engeln, Aposteln und Heiligen.