hochkant=1.5|mini|Lage des Heldburger Landes mini|Die Veste Heldburg über der Stadt Heldburg, seit dem 14. Jahrhundert auch „Fränkische Leuchte“ genannt mini|Deutsches Burgenmuseum auf der Veste Heldburg
Die Kulturlandschaft Heldburger Land liegt zwischen den Flüssen Helling, Kreck und Rodach, ist Teil des Itz-Baunach-Hügellandes und der südlichste Teil des Freistaates Thüringen und des Landkreises Hildburghausen. Das Heldburger Land wird in der Verwaltungssprache Heldburger Unterland, in der Umgangssprache auch Heldburger Zipfel genannt. Es liegt an drei Seiten eingeschlossen zwischen den nördlichen Gebieten der bayerischen Bezirke Unter- und Oberfranken und grenzt im Westen an den Landkreis Rhön-Grabfeld, im Süden an den Landkreis Haßberge und im Osten an den Landkreis Coburg. Die Grenzen des Heldburger Landes stimmen etwa mit denen des historischen sächsischen Amtsbezirks Heldburg überein. Nach Norden zu trafen die Amtsbezirke Hildburghausen und Heldburg bei Streufdorf aufeinander, die Linie Linden–Streufdorf bildet ungefähr die Nordgrenze. Die Gesamtfläche beträgt etwa 180 km². Kultur- und sprachgeschichtlich ist das Heldburger Land ein Teil der Region Franken. Der hier gesprochene Dialekt wird als Itzgründisch bezeichnet und gehört zum ostfränkischen Dialektgebiet.
Geschichte mini|hochkant|Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg, 1597, Öl auf Holz, Schloss Callenberg, Coburg mini|hochkant|Die Schauspielerin Ellen Franz, spätere Helene Freifrau von Heldburg mini|Hof der Veste Heldburg 1872, links der Französische Bau mit Herren- und Frauenerker
Die frühesten schriftlichen Nachrichten über einzelne Siedlungen des Heldburger Landes stammen aus der fränkischen Besiedlungszeit im Grabfeldgau: 776 wurden Westhausen (bei Hildburghausen) und 783 Hellingen in Urkunden des Klosters Fulda erstmals erwähnt, im 9. Jahrhundert in weiteren Urkunden Heldburg und Ummerstadt. Erstes religiöses und wohl auch weltliches Zentrum des Heldburger Landes war Westhausen. Neben seiner frühen Erwähnung weist die Kilian-Kirche auf die Missionszeit der irischen Mönche im Frankenland hin. Die weltliche Herrschaft im Stammesherzogtum Ostfranken übte lange das Grafengeschlecht der sogenannten Popponen aus. Die Abtei Fulda verlor später ihren Einfluss an das Bistum Würzburg. Nach der ersten Jahrtausendwende wuchs das thüringische Landgrafenhaus heran, verschmolz mit dem Geschlecht der Popponen und das Hennebergische Herrschergeschlecht übernahm die Macht, Stammsitz war die Burg Henneberg bei Meiningen. Bald darauf erlangten die Henneberger Einfluss im Heldburger Land, im Gebiet der Burg Strufe, mitten im Herrschaftsbereich des Bistums Würzburg. Die Machtbefugnisse beider Herrscherhäuser haben sich jahrhundertelang überschnitten. Poppo VI. residierte auf Burg Strufe, heute die Burgruine Straufhain. Sie war auch Gerichtssitz. 1317 hat man das Cent- und Landgericht zur Burg Heldburg verlegt und die Burg Strufe (Strauf) verlor ihre einstige Bedeutung. Noch unter den Hennebergern war Heldburg das neue Verwaltungszentrum, es bestand aus den Centen Heldburg und Hildburghausen.
Herzog Johann Casimir (Sachsen-Coburg) nutzte die Burg jahrzehntelang als Jagdschloss. Anlässlich seiner Hochzeit (Beilager) mit Prinzessin Margarethe von Braunschweig-Lüneburg im September 1599 wohnten dort zahlreiche Gäste des Herzogs, neben der Braut auch Markgraf Georg Friedrich I. (Brandenburg-Ansbach-Kulmbach), Herzog Ernst II. (Braunschweig-Lüneburg), Herzog Wilhelm Kettler von Kurland und Semgallen und Herzog Johann Ernst (Sachsen-Eisenach), jeweils mit ihrem Hofstaat.
Nach mehreren Eroberungen und Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg wurde die Heldburg neu befestigt und 1776 Residenz der ernestinischen Herzöge von Sachsen-Hildburghausen und schließlich 1871 Eigentum des Meininger Fürstenhauses. Herzog Georg II. (Sachsen-Meiningen) ließ sie 1874–1898 umfassend erneuern und bewohnte sie ab Mai 1877 zeitweise mit seiner Gemahlin Helene Freifrau von Heldburg.
Herzog Bernhard II. dankte 1918 ab, die herzogliche Familie behielt aber Wohnrecht in der Nebenresidenz der Veste Heldburg. Die Herzogtümer Sachsen-Meiningen und Sachsen-Coburg und Gotha waren erloschen und die Freistaaten Sachsen-Coburg und Sachsen-Meiningen entstanden. Die frühere Coburger Herrschaft schloss sich 1920 nach einem Volksentscheid dem Freistaat Bayern an. Das Amt Heldburg kam zum neugebildeten Freistaat Thüringen. Damit war der bis heute währende Zustand eingetreten, dass der Heldburger Zipfel an drei Seiten von bayerischem Gebiet umgeben ist. Ein weiterer Abschnitt in der Geschichte des Heldburger Landes unter der seit 1374 andauernden Herrschaft der Wettiner war zu Ende gegangen. Seit dem Dreißigjährigen Krieg hatte das Amt Heldburg 40 Jahre zum Herzogtum Sachsen-Gotha gehört (1640 bis 1680), 146 Jahre zum Herzogtum Sachsen-Hildburghausen (1680 bis 1826) und weitere 92 Jahre zum Gebiet des Herzogtums Sachsen-Meiningen (1826 bis 1918).
Geografie Relief Die höchste Erhebung des Heldburger Landes ist der Straufhain, er ist 449 Meter hoch und trägt die Burgruine Straufhain. Der 406 Meter hohe markantere Berg mit der Veste Heldburg liegt 10 km südlich. Er hat keinen eigenen Namen und wird Burg- oder Vestungsberg genannt. Am westlichen Rand des Gebietes zieht sich ein Höhenzug von Nord nach Süd, dessen höchste Erhebungen der Hexenhügel (417 m), der Kornberg (405 m) und der Spanshügel (444 m) sind. Im Osten dominieren die beiden oben genannten burgtragenden Berge die Landschaft, südlicher, an der Grenze zum Coburger Land, liegt der Hohe Stein (405 m), auf dem sich viele Grenzwege kreuzen.
Gewässer mini|Stausee Westhausen
Das dominierende fließende Gewässer ist das Flüsschen Kreck (Fluss), dessen eine Quelle bei Streufdorf liegt, drei weitere Zuflüsse tragen die Namen Westhäuser, Gompertshäuser und Gellershäuser Kreck. Aus dem Holzhäuser Tal kommend mündet der Saarbach bei Heldburg in die Kreck. Die Helling entwässert das Hellinger Tal und mündet erst südlich des Heldburger Landes bei Autenhausen in die Kreck. Die Kreck mündet auf bayerischem Gebiet bei Gemünda in die Rodach (Itz). Im Osten überquert die Rodach (Itz), deren Quelle nahe bei Hildburghausen liegt, mehrfach die Grenze zwischen Thüringen und Bayern. Alle genannten Fließgewässer tragen ihr Wasser letztlich in die oberfränkische Itz, die schließlich in den Main mündet.
An stehenden Gewässern gibt es neben etlichen kleinen Teichen den Speicher Lauter bei Rieth (ca. 20 ha), den Speicher Westhausen (ca. 20 ha) und zwei kleine Speicher bei Hellingen. In alten Zeiten besaß das Heldburger Land einen See unter der Veste Heldburg. Die heutigen Wiesen an der Einmündung des Saarbachs in die Kreck waren geflutet und bildeten den Heldburger oder Hundshauker See von ca. 25,5 ha Größe mit gutgehender Fischzucht. Der Meininger Herzog Georg I. (Regierungszeit 1782–1803) machte eine neue Landwirtschaftspolitik und ließ zahlreiche Gewässer im Herzogtum Meiningen trockenlegen, darunter diesen See.
Geologie mini|Ruine Straufhain
Geologisch gesehen ist das Heldburger Land Keupergebiet mit kräftigen Tonlagen, Sandsteinablagerungen und Basaltdurchbrüchen (Straufhain, Höhenberg, die nahen Gleichberge bei Römhild). Alle Durchbrüche sind vulkanischen Ursprungs. Der Heldburger Burgberg besteht ebenfalls aus basaltischem Gestein, das Phonolith (Klingstein) genannt wird. Basalt kommt im gesamten Gebiet nördlich und westlich von Heldburg an die Oberfläche. Mehrere Basaltadern durchziehen die Landschaft, einige davon dicht unter der Oberfläche über weite Strecken. Die bekannteste davon heißt die Höllen- oder Heidenmauer und läuft von Gleichamberg aus an Gleicherwiesen und Linden vorbei nach Trappstadt und weiter zum Main hin. Die Geologen nennen die vielen strichartig von Nordost nach Südwest verlaufenden Basaltadern die Heldburger Gangschar. Basalt-Magma drang im Tertiär in ein plattentektonisch verursachtes Spaltensystem, die „Heldburger Gangschar“ entstand. Diese „Härtlinge“ leisteten der nachfolgenden Erosion höheren Widerstand und ragen heute aus dem Landschaftsprofil. Ton und Mergel unterlagen der Erosion stärker, während die widerstandsfähigeren Sandsteine und Basalte als Rücken und Kuppen stehen blieben.
Südöstlich von Heldburg befindet sich das Geotop „Keuperrangen“. Aufgeschlossen sind Schichten des Blasensandstein im mittleren Keuper. Die Keuperschichten werden von einem Basaltgang durchschlagen.
Bodenschätze mini|Saline Lindenau-Friedrichshall
1665 wurden im Amtsbezirk Heldburg zehn Steinbrüche, zwölf Tongruben, elf Kalköfen und 13 Ziegelhütten betrieben. Tongruben wurden bis ins 20. Jahrhundert in Ummerstadt zur Töpferei genutzt, das Handwerk ist erloschen. Der zutagetretende Sandstein wurde oder wird an mehreren Stellen als sogenannter Coburger Bausandstein oder Festungssandstein abgebaut. Eine Reihe Sandsteinbänke führen fossile Ablagerungen, danach heißen sie Semionotus-Sandstein. Als Begleiter des Sandsteins lagert Gips in verschiedenen Zuständen im Boden. Er wurde früher als Dünger abgebaut, in der Gründerzeit war er für Stuckarbeiten begehrt. An einigen Stellen wird Gipsalabaster gefunden, ein marmorähnlicher, mehr oder weniger durchscheinender Gips. Zwischen Heldburg und Hellingen (Kreitberg oder Amyssenhügel) ist er von makellosem Weiß und hart genug für Bildhauerarbeiten. Das berühmteste Werk daraus ist das zwölf Meter hohe Renaissance-Epitaph für Herzog Johann Friedrich II. in der Morizkirche Coburg.
Durch Gipsschichten sickerndes Grundwasser ergibt Quellwasser mit hohem Kalkgehalt und mit bitterem Geschmack, ein im Heldburger Land verbreitetes Phänomen, das zu Problemen bei der Trinkwasserversorgung führte. Das Bitterwasser wurde in der Saline Lindenau zur Bittersalzgewinnung genutzt. Mehrere erbohrte Quellen lieferten mit einigen Unterbrechungen über Jahrhunderte die benötigte Sole. Eine Gradieranlage sorgte für höhere Konzentrationen. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es den Versuch, in Lindenau-Friedrichshall Solebadebetrieb einzurichten. Der Thermalsolebetrieb ist später nach Bad Colberg verlagert worden, die dortige Klinik mit Thermalbad nutzt eigene Quellen. Der Betrieb der Heldburger Bahn war mit dem kalkhaltigen Wasser des Heldburger Landes nicht möglich, das Wasser musste in Lindenau in einer besonderen Anlage aufbereitet werden. Das Heldburger Land wird heute durch eine Fernwasserleitung aus der Talsperre Schönbrunn mit Trinkwasser versorgt.
Pflanzen- und Tierwelt mini|hochkant|Fledermauszentrum in ehemaligem Grenzwachturm bei Billmuthausen
Naturschutzgebiete und -denkmale Europäisches Vogelschutzgebiet Rodachaue mit Bischofsau und Althellinger Grund, Schutzgebiet mit europäischer Bedeutung, Teil des Schutzgebietsnetzes NATURA 2000. Naturschutzgebiet Alstergrund mit Grenzstreifen bei Käßlitz Naturschutzgebiet Langer Berg bei Schweickershausen Naturschutzgebiet: Althellinger Grund und Kreckaue Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Wälder im Grabfeld: Waldgebiet Straufhain bei Streufdorf, Teil des Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 Naturdenkmal Weidenallee in Friedrichshall Artenschutz-, Forschungs- und Fledermauszentrum Billmuthausen im Kulturdenkmal Grenzturm Billmuthausen
Wälder mini|hochkant|Das Herzogliche Forsthaus in Heldburg, heute Dienstsitz des Forstamtes Heldburg