Die Hansastraße ist eine von der Indira-Gandhi-Straße zu dem in den 1980er Jahren errichteten Neubauviertel Hohenschönhausen führende Straße. Sie verläuft in den Ortsteilen Alt-Hohenschönhausen und Weißensee. Die Straße entstand aus mehreren zu verschiedenen Zeiten angelegten oder projektierten Teilen. Im Jahr 1988 erhielt der zusammengefasste Verkehrszug seinen Namen nach der norddeutschen Kaufmannsvereinigung.

Namensherkunft Die Deutsche Hanse hat sich im 12. Jahrhundert aus den Gemeinschaften der Ost- und Nordseehändler entwickelt. Sie spielte eine wichtige Rolle beim Handel an der Ostsee. In der DDR-Zeit lag das Ostseeufer im Bezirk Rostock. Zur Erfüllung des Wohnungsbauprogramms und besonders der daraus abgeleiteten „Entwicklung der Hauptstadt der DDR“Werner Teuber: Beschleunigte Durchführung des Wohnungsbauproblems in der Hauptstadt der DDR, Berlin. In: Bauzeitung. 38/1984, S. 440. wurde das Wohnungsbaukombinat Rostock „von oben“ für den Wohnungsbau im Stadtbezirk Hohenschönhausen verpflichtet. Nach Berlin abgestellte Bauarbeiter aus dem Bezirk Rostock bauten mit ihrer Technik in Neu-Hohenschönhausen. Diesem „Einsatz zu Ehren“ wurde der Straßenzug als Hansastraße benannt.Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem

Eine kolportierte Erklärung für Hansastraße nimmt Bezug auf die vorherige Kniprodeallee mit der Verknüpfung zu deren Namensgeber Winrich von Kniprode. Er unterstützte Mitte des 14. Jahrhunderts als Hochmeister des Deutschen Ordens die Hanse gegen die Dänen.Website des Hansa Centers.

Die Namensgebung im Osten der geteilten Stadt führte im vereinten Berlin zur Doppelung mit der Hansastraße in Gesundbrunnen.

Lage und Beschreibung Die Hansastraße verläuft auf historischen Trassen der Ortsverbindungen von Alt-Berlin über Weißensee nach Falkenberg. Sie liegt im Osten des heutigen Bezirks Pankow, Ortsteil Weißensee, Anfang und Ende gehören jedoch zu Alt-Hohenschönhausen im Bezirk Lichtenberg. Mit der Straßennummer 41588 ist sie im Berliner Straßenregister mit einer Gesamtlänge von 3150 Metern erfasst. Davon gehört die Haupttrasse zwischen Indira-Gandhi-Straße (im Südwesten) und der Darßer Straße/Malchower Weg (im Nordosten) mit einer Länge von 2810 Metern zum übergeordneten Berliner Straßensystem (Kategorie II), und ein (gewidmeter) Seitenast im Wohnquartier südlich der Buschallee ist nach dem Straßenentwicklungsplan des Landes Berlin (StEP) unkategorisiert.

Ausgebaut wurde der Straßenzug Kniprodeallee/Falkenberger Straße seit 1986 und erhielt 1988 den neuen Namen Hansastraße. In diesen Jahren hielten die Stadtplaner eine Verbindung vom östlichen Stadtzentrum zur Großsiedlung Hohenschönhausen-Nord für erforderlich, jenes im Rahmen des Wohnungsbauprogramms (Grundsteinlegung: 9. Februar 1984) entstandene Quartier im neugeschaffenen Stadtbezirk Hohenschönhausen für die Plattenbausiedlung Hohenschönhausen-Nord. Damit sollte die seit den 1920er Jahren vorgesehene Umgehung des Weißenseer Zentrums (der Berliner Allee) realisiert werden, die dem Hobrechtplan entsprach. Damit wäre auch die Protokollstrecke nach Wandlitz aus der Weißenseer Klement-Gottwald-Allee (seit 1991 wieder Berliner Allee) herausgehalten worden.

Die Planung sah vor, dass die Trasse der verlängerten Kniprodestraße den Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee in zwei nur durch Fußgängerbrücken verbundene Teile zerschneidet. Die Ost-Berliner Jüdische Gemeinde hatte ihre Zustimmung erteilt. Nachdem die Straßenbauarbeiten, vorrangig an der Kreuzung Indira-Gandhi-Straße, schon begonnen hatten, wurden Proteste aus dem In- und Ausland wegen der „Instinktlosigkeit und Unverfrorenheit“ des Bauvorhabens laut. Daraufhin ließ der DDR-Staatslenker Erich Honecker die Bauarbeiten einstellen.Ulrike Offenberg: „Seid vorsichtig gegen die Machthaber“. Die Jüdischen Gemeinden in der SBZ und der DDR 1945–1990. Aufbau, Berlin 1998, ISBN 3-351-02468-1, S. 315, Fußn. 13. Dadurch verblieb die Verkehrsführung nach Hohenschönhausen auf der Berliner Allee. Mit einer durchgehenden Kniprode-Trasse hätte die Führung der Fernverkehrsstraße F 158 nach Hohenwutzen schon am Königstor begonnen.

Der Anschluss der Kniprodeallee an die Falkenberger Straße (ab Juni 1988) als Hansastraße führte zum Ausgleich eines Höhenunterschieds von drei Metern auf mehreren Abschnitten der neuen Trasse. Die Straßenbreite wurde beim Ausbau ebenfalls vereinheitlicht: die um 1930 angelegte Kniprodeallee hatte eine Breite von 34 Metern, die Falkenberger Straße musste beim Ausbau bis zur Liebermannstraße am unbebauten Nordrand (GLB Teich Hansastraße) verbreitert werden, der folgende neue Straßenbereich war bereits ab 1928 (Südseite [ab Parzelle 72] und Nordrand zwischen Parzelle 124 und 130) mit 34 Meter Breite freigehalten worden, die Fahrbahnbreite selbst betrug 16 Meter. Die Bebauung war somit durchgehend hinter die (neue) Flurlinie gesetzt.

mini|Wohnquartier Hansastraße 52–66 an der Ostseite mini|links|Wohnquartier Hansastraße 65–149 an der Westseite

Die Hansastraße besitzt zwei Richtungsfahrbahnen, an der Indira-Gandhi-Straße beginnend mit einem 20 Meter breiten grünen Mittelstreifen, der sich ab Orankeweg auf sechs Meter verjüngt. Neben den vorrangig zweistreifigen Fahrbahnen liegen entlang der Straße jeweils Radwegstreifen, Parkspuren und Gehwege. An den Kreuzungen bestehen zusätzlich Abbiegespuren. Insbesondere an der Giersstraße sind Überwege und Abbiegespuren auch für eine Verlängerung der letzteren über die Hansastraße auf das Gelände des stillgelegten Kinderkrankenhauses schon angelegt. Ab der Buschallee bis nach Hohenschönhausen wird der etwa zehn Meter breite Mittelstreifen zweigleisig von der Straßenbahn befahren. Die Straßenbahntrasse wurde am 10. August 1987 in Betrieb genommen, zunächst für die damalige Linie 28,Inbetriebnahme Strecke Buschallee/Kniprodeallee – Prerower Platz die von der bereits bestehenden Trasse auf der Buschallee abzweigte. Seit 2004 mit der Umstellung der Linienbezeichnungen (Stand 2019) verkehrt auf dieser Trasse die Linie M4 (MetroTram).

Im Bereich zwischen Indira-Gandhi-Straße und Buschallee befinden sich Plattenbau-Wohnquartiere, die die Adresse Hansastraße erhielten, sie bilden dabei nördlich und südlich innere Wohngebietsstraßen mit den Hausnummernbereichen 65–149 (ungerade) und 58–108 (gerade). Als Hansastraße bis in das Wohnquartier hinein benannt ist nur die Trasse nach Südosten in Richtung zum Orankeweg.

In der Nummerierung sind amtlicherseits die Parzellen oder Hausnummern 6–38, 238–252 (gerade) und 7–63 sowie 171 (ungerade) nicht enthalten. Die Nummernvergabe in der Kniprodeallee und Falkenberger Straße erfolgte (voneinander unabhängig) in Hufeisenform und wurde 1988 mit der Namensänderung in wechselseitige Zählung geändert.

An der Querung der Hansastraße durch den Orankeweg, der schon vorher als Fußweg bestand, wurde an der beginnenden schmaleren Stelle 30 Meter nach Nordost versetzt ein Überweg angelegt. Von Fußgängern und Radfahrern wird dagegen die direkte Verbindung 60 Meter schräg über die auseinanderliegenden Fahrbahnen benutzt.Siehe hierzu: Google Earth vom 18. März 2015 unter den Koordinaten 52°32'52 N, 13°28'20 O

Geschichte mini|Blick auf den Auferstehungsfriedhof Weißensee

Eine neue Trasse im Hobrechtplan Der von James Hobrecht erarbeitete Bebauungsplan für die Umgebung von Berlin enthielt die Trasse Am Friedrichshain–Kniprodestraße–Hansastraße (bis 1988: Kniprodeallee). In einem Vertrag vom 18. August 1915 musste die Jüdische Gemeinde zu Berlin Gelände an die Gemeinde Weißensee abgeben und sich verpflichten, dieses Areal von der Belegung mit Leichen freizuhalten. Dafür übernahm die Stadt den Ausbau der Lothringenstraße als Zugang zum Friedhof von Norden. Im Gegenzug wurde am 26. September 1921 der Magistrat von Groß-Berlin für den als Straßenlauf reservierten Streifen in das Grundbuch eingetragen. Im Südostteil des dadurch zweigeteilten Friedhofs waren bereits 1911 eine zweite Trauerhalle sowie 1912 eine Wartehalle und eine Blumenhalle errichtet worden. Beide sind 1944 bei einem alliierten Luftangriff ausgebrannt. Die Ruinen dienten danach als Abenteuerspielplatz von Kindern, wurden aber 1975 abgebrochen.

1924 hatte der Friedhof einen zweiten Eingang mit Pförtnerhaus und Besuchertoiletten an der Lichtenberger Straße erhalten. Die Straße durch den Friedhof wurde nie gebaut. Erst 1988 erfolgte die Rückgabe des Areals der geplanten Straße 90 durch den Friedhof an die Gemeinde zur „dauernden Nutzung für Friedhofszwecke“. Die Rückgabe erfolgte, weil die in den USA erscheinende deutschsprachige jüdische Zeitung Aufbau einen Hinweis mit dem Tenor „die Kommunisten in Ostberlin wollen quer durch den Jüdischen Friedhof eine Straße bauen“, veröffentlicht hatte. Nach der Rückgabe konnten neue Begräbnisfelder angelegt werden. Durch die (am 3. Oktober 1990) geänderten Verfahren zum Ende des geteilten Berlins fand am 25. Oktober 1990 die erste Beisetzung auf dem vorher reservierten Friedhofsteil statt. Dadurch ist auf der nun seit 1990 pietätsbelastetenEine jüdische Grabstätte bleibt bis zum Jüngsten Tag unangetastet. Fläche jeder Versuch, die Straßenplanung wieder aufzunehmen, vereitelt.

Teilabschnitt Falkenberger Straße Die Falkenberger Straße als Ortsverbindung von Weißensee nordostwärts nach Falkenberg (eigentlich die Straße nach Werneuchen) bildet die ursprüngliche Trasse der Hansastraße im Nordosten. Andererseits führt nach dem Plan von 1862 der Verlorene Weg, nach Hobrecht im Bebauungsplan XIII/1 als Straße 25, als Verbindung (aus Alt-Berlin) vom Friedrichshain zur Straße zwischen Lichtenberg und Weißensee mit Anschluss zur Colonie Hohenschönhausen (Wilhelmsberg). Beim Anlegen des Jüdischen Friedhofs 1880 wurde diese historische Trassenführung unterbrochen, allerdings blieb der Korridor durch den Friedhof bestattungsfrei. In Prenzlauer Berg wurde die Kniprodestraße bis an die Friedhofsgrenze ausgebaut. Letztlich liegt hier der Ursprung der südwestlichen Hansastraße (Straße 90, Verlängerte Kniprodestraße, Kniprodeallee).

Die Falkenberger Straße ist im Adressbuch 1894 von Weißensee nach Osten im bebauten (ortsnahen) Bereich aufgeführt. Der in der Hansastraße aufgegangene Abschnitt nach Nordwest ist im Adressbuch 1900 bis zur Hohen-Schönhauser Feldmark notiert. Im Jahr 1910 bestanden die Baupläne nicht mehr, die Grundstücke 58–141 waren nun Baustellen,In Berliner Adressbüchern sind im Kataster eingetragene Grundstücke ohne Besitzer als Parzelle aufgenommen. Wenn sich der Besitzer eintragen ließ, wird Baustelle angegeben, unabhängig, ob schon gebaut wird. Sobald das Grundstück bebaut ist, wird Neubau eingetragen oder der Eigentümer (E:), gegebenenfalls ein Verwalter (V.) sowie die gemeldeten Bewohner. einige dienten als Gärtnerei oder wurden landwirtschaftlich genutzt. Die 1907 eingerichtete Industriebahn (die seit 2001 festgelegte Ortsteilgrenze von Hohenschönhausen und Weißensee) kreuzt (in alter Nummerierung) die Falkenberger Straße zwischen den Parzellen 76/77 und 123/124. Nach dem Stadtplan 1907 war dieser Abschnitt eine Chaussee, jenseits der Grenze auf Hohenschönhauser Gebiet (eigentlich Wartenberg) führte die Straße durch Rieselfelder.Bereich Hansastraße Nordost 1907 Zu diesem Zeitpunkt ist auf dem Plan im südlichen Bereich der (späteren) Hansastraße ab Jüdischem Friedhof (also zwischen den verlängerten Wörth- und Gürtelstraße(n)) lediglich die für die Kniprodestraße projektierte Trasse östlich vom Verlorenen Weg vorhanden. Über die Lichtenberger Straße (→ Indira-Gandhi-Straße) zwischen Brauerei und Auferstehungsfriedhof existiert kein Trassenprojekt. Die innerstädtische Kniprodestraße (Berlin NO) endete zum Anfang des 20. Jahrhunderts vor der Ringbahn und besteht bis an den Jüdischen Friedhof aus projektierter Trasse.Kniprodestraße 1907

Geschichte weiterer Teilabschnitte anhand von Plänen und Adressbüchern