mini|1919 entworfen und das erste Mal gehisst; zwanzig Jahre daraufhin „Aufrührerfahne“; nach der britischen Besetzung der Färöer im Zweiten Weltkrieg am 25. April 1940 anerkannt; und im Autonomiegesetz der Färöer 1948 bestätigt: Merkið, die Flagge der Färöer. Sie hängt heute in der Kirche zu Fámjin mini|FÆROARUM – Prima & accurata delineatio. Die älteste bekannte Färöerkarte hat Lucas Debes 1673 gezeichnet. Die Geschichte der Färöer umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Färöer-Inseln von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie ist ein Teil der Geschichte Skandinaviens. Häufig weist sie Parallelen zur Geschichte Islands auf, ist wie diese oft zunächst von Ereignissen in der Geschichte Norwegens und später in der Geschichte Dänemarks bestimmt.

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung auf den Färöern stellen verkohlte Gerstenkörner dar, die im Jahr 2013 in Á Sondum entdeckt wurden. Sie stammen aus der Mitte des 4. bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts, weitere stammen aus der Zeit zwischen dem späten 6. und dem späten 8. Jahrhundert. Am selben Ort fand sich auch ein Wikingerhaus aus dem 9. Jahrhundert.Ureinwohner überraschten Wikinger auf Färöer-Inseln, in: Spiegel online, 9. September 2013. Bis dahin hatte man angenommen, die Inseln seien zu dieser Zeit unbewohnt gewesen.

Um 625 wurde die Inselgruppe von irischen Mönchen entdeckt. Nach 800 fand die Landnahme der Wikinger auf den Färöern statt, deren Nachfahren die Mehrheit der heutigen Bevölkerung der Färöer bilden. Die Wikingerzeit auf den Färöern ist in der auf Island entstandenen Färingersaga und durch zahlreiche archäologische Funde rekonstruierbar.

Im Jahr 999 wurden die Färöer christianisiert und 1035 ein Teil Norwegens. Mit der dänisch-norwegischen Personalunion (ab 1380) wurden die Färöer faktisch ein Teil Dänemarks. Die Reformation (1538) stärkte die Stellung der dänischen Sprache in Norwegen und seinen früheren Besitzungen. Das alte Macht- und Handelszentrum verlagerte sich von Bergen nach Kopenhagen, was ebenfalls die Vorherrschaft der dänischen Sprache und Kultur sicherte. 1814 wurde Norwegen von Dänemark institutionell getrennt, doch die Färöer blieben ein Teil Dänemarks. Von 1821 bis 1948 waren die Färöer ein sogenanntes dänisches Amt. Seit 1850 gilt die dänische Verfassung auf den Färöern. Das dänische Handelsmonopol wurde 1856 aufgehoben. Um diese Zeit bildete sich die neufäröische Schriftsprache aus, die Grundlage der heutigen Verwaltungs- und Bildungssprache auf den Färöern.

In der Folgezeit wandelten sich die Färöer von einer mittelalterlichen Agrargesellschaft zu einer modernen Fischereination. Der so genannte Sprachenstreit mündete in die Durchsetzung der bedrohten Landessprache als wichtigstes nationales Identitätsmerkmal der Färinger.

Nach der britischen Besetzung der Färöer im Zweiten Weltkrieg (ab 1940) wurde die Flagge der Färöer anerkannt, und die Färöer bildeten eine eigene provisorische Regierung. Nach dem Krieg erlangten sie 1948 weitgehende Autonomie mit einem eigenen Regierungschef, dem Løgmaður, und dem alten Løgting als Parlament.

Geologische Geschichte

Die Färöer gehören als entlegene Inselgruppe zu jenen Winkeln der Welt, die zuletzt von Menschen besiedelt wurden. Sie entstanden vor etwa 70–60 Millionen Jahren im Tertiär infolge vulkanischer Tätigkeit als Teil des damaligen Landrückens, der sich von Grönland bis Irland und Schottland erstreckte und bis zu 4000 Meter hoch war.

Aus der erkalteten Lava bildete sich der typisch färöische Basalt, der immer wieder durch dünnere Tuffschichten durchzogen ist, die aus dem nachfolgenden Ascheregen entstanden. In einer vulkanischen Pause gab es eine tropische Vegetation. Kohleschichten zeigen Abdrücke des Urweltmammutbaums und des Ginkgos. Durch Erosion senkte sich der größte Teil dieses Plateaus ab. Übrig blieben die Inseln der Hebriden, der Färöer und Island.

Die Eiszeit formte aus den Resten dieses Plateaus die Färöer in ihrer heutigen Gestalt mit den charakteristischen Tälern in südöstlich-nordwestliche Richtung, die sich oft mit Wasser füllten, eine Verbindung mit dem Meer schufen und die heutigen Fjorde der Färöer bildeten. Die weichen Tuffschichten waren ständig der Gewalt der Brandung und des rauen Klimas ausgesetzt, wurden ausgespült und ließen die mächtigen Basaltschichten darüber zusammenstürzen. So entstanden die charakteristische Treppenstruktur im Landesinneren und die gewaltigen Abbruchkanten vornehmlich an der Westküste und den nördlichen Klippen wie z. B. Beinisvørð und Enniberg.

Womöglich überlebten arktische Pflanzen die Eiszeit auf den färöischen Gipfeln oberhalb der 400 Meter dicken Gletscher. Als jene verschwanden, wurden die Färöer von Pflanzen aus Schottland und Norwegen neu besiedelt, die zum Beispiel durch Seevögel ins Land kamen. Neben den Vögeln gab es sonst nur noch Insekten und Robben, die sich auf den färöischen Holmen und in den Grotten ihre Plätze suchten.

Die ersten Menschen fanden ein Land vor, in dem es weder Landsäuger, Reptilien noch höhere Bäume gab. Neben den genannten (dürftigen) Kohleflözen haben die Färöer keine Bodenschätze vorzuweisen. Allerdings gibt es Anzeichen für Erdöl im Schelf innerhalb der heutigen 200-Seemeilenzone.

Ackerbau ist nur begrenzt möglich, und die Inseln werden hauptsächlich als Weideland für Schafe genutzt, die auch auf unzugänglichen Klippen und z. B. der unbewohnten Insel Lítla Dímun ausgesetzt werden, um jeden Quadratmeter zu nutzen. Die allgegenwärtigen Schafe verhindern nachhaltig den Baumwuchs. Die Färöer bieten Weideplatz für etwa 70.000 Schafe, die über Jahrhunderte die Bevölkerungszahl von ca. 5000 ernähren konnten. Seit dem 19. Jahrhundert und der Industrialisierung der Fischerei hat sich die Inselbevölkerung verzehnfacht.

Größte natürliche Ressource der Färöer ist aber der Ozean. Der Grindwalfang auf den Färöern ist Teil der Tradition und Kultur, und die heutige Nation bezieht ihren Reichtum aus der Fischerei.

Irische Mönche mini|Der Baglhólmur soll einst von irischen Mönchen bewohnt worden sein

Die Legende von St. Brendan besagt, dass er um 560 herum auf seiner berühmten Reise Navigatio Sancti Brendani ein „Vogelparadies“ entdeckt hat. Viele nehmen an, damit könnten die Färöer gemeint gewesen sein, zumal er weiter nördlich eine „Feuerinsel“ gefunden haben will – Island?

825 werden die Färöer erstmals erwähnt. Der irische Mönch Dicuil schreibt in seinem Liber de mensura orbis terraeDicuili: Liber den mensura orbis terrae. Dublin 1967 (S. 75–76)

Heute ist unbestritten, dass die Färöer spätestens um 625 von irischen Mönchen betreten und vom Ort Sumba ausgehend besiedelt wurden. Archäologische Zeugnisse gibt es auch in der unmittelbaren Umgebung bei Akraberg, Víkarbyrgi und etwas weiter nördlich in Porkeri. Neuere Untersuchungen vermuten eine Besiedlung bereits in der Mitte des 4. Jahrhunderts Artikel aus Spiegel Online. Abgerufen am 10. September 2013..

Unter anderem konnte anhand botanischer Untersuchungen auf Mykines nachgewiesen werden, dass der Hafer seit dieser Zeit dort kultiviert wird. Hierbei muss es sich aber um vergleichsweise kleine Einsiedler-Gruppen gehandelt haben.

Wikinger-Landnahme

Die Haupteinwanderung trat im 9. Jahrhundert durch die Wikinger ein, die von Norwegen aus gen Westen zogen. Gemäß der im 13. Jahrhundert auf Island geschriebenen Färingersaga hieß der erste Siedler Grímur Kamban. Er soll in Funningur gewohnt haben. Seine Ankunft wird auf den Zeitraum um 825 geschätzt. Ein anderer bekannter Siedler aus dieser Zeit ist Naddoddur. Ihm wird die Entdeckung Islands um 850 zugeschrieben, als er auf dem Heimweg von Norwegen an den Färöern vorbei segelte.

Etwa 885–890 fand die zweite Landnahmewelle statt, als viele Menschen aus Norwegen vor Harald Schönhaars Herrschsucht flohen, wie die Färingersaga berichtet. Es kamen aber auch Einwanderer aus Irland und Schottland, zumeist Wikinger, aber auch mit keltischen Frauen und Sklaven. Genetische Untersuchungen belegen, dass die heutigen männlichen Bewohner der Färöer in ihren Geschlechtschromosomen, das heißt in ihren Y-Chromosomen, zu 80 % skandinavische Merkmale aufweisen, während die X-Chromosomen der heutigen Frauen zu 90 % keltischer Herkunft sind.Færøerne i dag S. 9

Die Siedler auf den Färöern entsprachen nicht dem landläufigen Klischee der Wikinger, sondern waren einfache Bauern. Raubzüge der Färinger sind nicht bekannt. Im Gegensatz zu Island gab es auch keine heimische Oberschicht, was mit ein Grund ist, dass sich über viele Jahrhunderte keine eigenständige färöische Literatur herausbilden konnte. Färöische Balladen begründeten eine Tradition, in der Literatur mündlich überliefert wurde, und die färöischen Sigurdlieder sind ebenso einzigartig wie die Tatsache, dass parallel zur isländischen Färingersaga das färöische Sigmundskvæði die Grundzüge der Geschichte bestätigt.

Es wird davon ausgegangen, dass sich das Althing auf Tinganes bereits um 900 etablierte. Sicher belegt ist es aber erst seit ca. 970. Zu dieser Zeit waren die Färöer eine Art Republik.

Die färöische Wolle war seitdem bis ins 19. Jahrhundert wichtiges Exportgut des Landes. Ebenso wurde Trockenfisch exportiert. Importiert wurde zum Beispiel Holz aus Norwegen zum Schiffbau. Zur Selbstversorgung der Siedler dienten die reiche Vogelwelt, das Meer mit seinen Fischen, Walen und Robben und das Treibholz zum Hausbau.Færøerne i dag S. 25

Christianisierung und norwegische Herrschaft mini|Nach 1000 Jahren: Friedhofsgärtner pflegen die Grabstätte des Sigmundur auf Skúvoy. mini|Statue von Bischof Erlendur († 1308) in der Westfassade des Nidarosdoms in Trondheim. Ihm verdanken die Färöer den Magnusdom und den Schafsbrief, aber als der den Kirchenzehnten erhöhte, musste er fliehen. mini|links|Anfangsinitial des Schafsbriefs im wertvollen Lundabók von 1310, das seit dem 18. Jahrhundert in der Universitätsbibliothek Lund in Schweden aufbewahrt ist (daher der Name).

Nachdem sich der norwegische König Olav I. Tryggvason 994 beim englischen König Aethelred taufen ließ und im Jahr darauf Norwegen missionierte, lud er den angesehenen färöischen Häuptling Sigmundur Brestisson zu sich ein, der dann bekehrt, 999 auf den Färöern für die Annahme des Christentums durch das färöische Althing, das heutige Løgting, sorgte. Der Widerstand der einheimischen Wikinger unter dem Häuptling Tróndur í Gøtu führt 1005 zur Ermordung von Sigmundur Brestisson. Sein Grabstein auf Skúvoy gehört zu den wichtigsten Denkmälern des Archipels. Der Nachfolger Olavs, Olav II. Haraldsson (Olav der Heilige) von Norwegen, konnte das Christentum in Norwegen und auch auf den Färöern und in Island endgültig durchsetzen. Dafür wird er von den Insulanern heute noch an seinem Todestag, der Ólavsøka (deutsch etwa „Olafswacht“), verehrt.

Ab 1035 gehörte der Archipel als Lehen des Leivur Øssurson politisch zu Norwegen, was das endgültige Ende der Wikingerzeit markierte. Die Färöer konnten sich aber durch ihre große Entfernung von der Zentralmacht ein hohes Maß an Eigenständigkeit erhalten. Von der internationalen Handelstätigkeit dieser Zeit zeugt der Münzfund von Sandur, der etwa 1070/80 vergraben worden sein muss.

In der Folge etablierten sich die katholischen Bischöfe in Kirkjubøur, dem Sitz des Bistums Färöer, das um 1100 eingerichtet wurde. Ab etwa 1110 gab es hier mit der Priesterschule die erste Schule der Färöer. Diese muss schon damals einen hohen Standard gehabt haben, wie die Biografie des späteren norwegischen Herrschers Sverre Sigurdsson andeutet, der hier von 1156 bis 1168 aufwuchs und daheim dann als außerordentlich gebildet galt. Um 1250 wurde dort die Olavskirche errichtet, die noch heute in Betrieb ist. Der um 1300 angefangene Magnusdom blieb indes unvollendet. Es war die Zeit von Erlendur, dem berühmtesten Geistlichen der Färöer in der katholischen Ära.