Ljusterö befindet sich in Uppland in der Österåkers kommun. Sie ist die größte Insel im Stockholmer Schärengarten ohne feste Verbindung zum Festland.
Kommunale Administration Die Insel wurde 1869 Ljusterö socken zugeordnet. Vorher war sie in die Kirchengemeinden Norra Ljusterö församling und Södra Ljusterö församling aufgeteilt. Ljusterö socken ging 1967 in Österåkers landskommun auf und wurde 1974 zur Vaxholms kommun gezählt. Als im Jahr 1983 die Österåkers kommun gebildet wurde, ging die administrative Gewalt von dort aus. Die Kirchengemeinde ging 1998 in die Ljusterö-Kulla församling auf.
Geologie Das Grundgestein, auf dem Ljusterö gegründet ist, gehört mit zu den ältesten Felsformationen in Schweden. Die ehemaligen Bergketten bildeten sich etwa vor 1.500 bis 800 Millionen Jahren. Während der letzten Eiszeit, vor circa 21.000 Jahren, schliff die vier Kilometer dicke Eisschicht während verschiedener Perioden diese Berge ab. Dieser Schleifprozess erfolgte aus nordwestlicher in südöstliche Richtung. Dies führte zu den heute relativ glatten Felsen, auf denen noch immer deutliche Schleifspuren zu sehen sind. Diese rühren größtenteils von im Eis eingefrorenen Steinen her. Von diesem Prozess waren besonders das nördliche Ljusterö und die nahe gelegenen Inseln betroffen.
Als sich vor circa 10.000 Jahren das Inlandeis zurückzog, lag der heutige Schärengarten tief unter dem damaligen Meeresspiegel. Die dann einsetzenden Landhebungen führten zur Bildung des heute bekannten Landes. Auch heute noch setzt sich diese Hebung mit einer Geschwindigkeit von circa 0,5 Zentimetern pro Jahr fort. Man kann bei Ausgrabungen im Wald, weit entfernt vom Strand, Schnecken finden, die aus der Zeit stammen als Ljusterö Meeresgrund war.
Große Teile von Ljusterö haben einen sehr kalkreichen Boden. Erst vor ungefähr 1.000 Jahren, also etwa während der Wikingerzeit (800 bis 1.050 n. Chr.), bildeten sich auf den höchsten Landerhebungen größere Inseln, die als Siedlungsplätze in Frage kamen. Noch vor einigen hundert Jahren bestand Ljuströ aus zwei Inseln mit dem Mjölnarstrom in der Mitte, doch man konnte zu Fuß durch das Wasser von einer Insel zur anderen gelangen. Die aus der damaligen Zeit stammende Aufteilung in Süd und Nord wurde bis heute beibehalten. Östra Lagnö im nördlichen Teil von Ljusterö ist vom eigentlichen Land getrennt. Doch man zählt es zu Ljusterö zugehörig, weil es über eine Brücke mit der Insel verbunden ist. Die Brücke zwischen West- und Ostlagnö ist eine manuell zu öffnende Klappbrücke über den Klintsundet. Die Durchfahrtshöhe bei geschlossener Brücke beträgt 3 Meter.
Natur mini|Schwedische Elche in Kårboda, Ljusterö, Stockholms län, November 2013. Foto: Dan Koehl mini|Sommerlandschaft auf Justerö (Oscar Törnå, 1892) Die unbebauten Teile von Ljusterö bestehen hauptsächlich aus Wald. Das Gelände ist leicht hügelig mit maximalen Höhen von etwa 20 bis 25 Metern über dem Meeresspiegel. Zwischen den Erhebungen befinden sich relativ große Flächen fruchtbaren Landes, deren größte Teile aus Weiden- und Grasland bestehen. Im südlichen Teil von Ljusterö gibt es einige größere Erhebungen. Eine davon ist der Kopf von Ljusterö, der gleichzeitig mit 52 Metern der höchste Punkt auf der Insel ist.
Auf der Insel gibt es 15 mit Namen benannte Binnenseen. Diese heißen: Insjön (bei Ost-Tranvik), Flyn, Tappen, Mjölnarsjön, Kavelsjön, Kärren, Stupsjön, Måssjön, Sundviksjön, Kyrksjön, Skären, Mörtsjön, Kobban, Fladen und außerdem einen weiteren, der ebenfalls den Namen Insjön trägt (auf Ost-Lagnö).
Die Schärengarten-Stiftung () besitzt und verwaltet das Land in zwei Gebieten, welche das Ost-Lagnö – Själbottna Naturreservat mit einer Gesamtfläche von 155 Hektar bilden.
Im Naturreservat gleich bei Bössarvikens nördlichem Strand auf Nord-Ljusterö, aber auch an vielen anderen Plätzen, gibt es eine einzigartige Flora.
Die meisten landlebenden großen Säugetiere gibt es auf der Festlandseite bei Roslagen. Am häufigsten kommen Hasen, Füchse, Dachse, Rehe und Elche vor. Auch Seeadler-Nester gibt es auf oder in der Nähe von Ljusterö.
Geschichte mini|Armring vom Sillinge-Hof
Ljusterös älteste Geschichte und Kultur ist von Landwirtschaft, Jagd und Fischfang geprägt. Besonders der Fischfang in den sehr fischreichen Gewässern in der Umgebung war lange Zeit ein wichtiger Teil der Versorgung der Bevölkerung. Als später der Wald nach und nach gerodet wurde und die Flächen in Ackerland umgewandelt wurden, übernahm die Landwirtschaft diese Rolle.
Nord- und Süd-Ljusterö In Ljusterös Geschichte vor dem 19. Jahrhundert war die Insel in Nord- und Süd-Ljusterö geteilt. Dies änderte sich erst, als durch Landerhebungen eine zusammenhängende Insel entstand.
Der Name Ljusterö Ljusterös Name wurde erstmals 1322 erwähnt, damals noch in der Form Sudhralyustra mit der Bedeutung „södra ljuster“ (). Der Name rührte daher, dass die Form der beiden südlichen Landzungen einem Speer mit Widerhaken ähnelte.Nationalencyklopedin. Leider gibt es für diese Theorie keine gesicherten Quellen und die Aussage ist somit unsicher. Im 14. Jahrhundert gab es noch keine genauen Landkarten, besonders nicht aus dem Schärengarten. Diese wären jedoch zwingend erforderlich, um die Gleichheit des Aussehens mit einem Speer zu belegen. Viel eher wird angenommen, dass in dieser Zeit Fisch und besonders Aal mit einem solchen Fanggerät gejagt wurde. Diese Erklärung ist naheliegender als die erste These.
Altertum Schon während der Vendelzeit (550–800 v. Chr.) gab es eine Wohnbevölkerung auf Ljusterö. Noch heute sind Spuren alter Gräber in mehreren Dörfern auf der Insel zu finden. Der älteste Fund stammt aus dem Dorf Bolby im Süden von Ljusterö. Dort fand man vor etwa 100 Jahren ein großes Leergrab aus der Eisenzeit. Im nördlichsten Teil von Nord-Ljusterö, auf dem Sillinge-Hof, fand der Knecht Josef Jansson im Jahr 1923 zwei ausgesucht schöne, ungewöhnliche Armreifen aus verdrillten Golddrähten die zusammen ein Gewicht von 400 Gramm hatten. Sie befinden sich heute im Historischen Museum.
14. Jahrhundert Im Jahr 1301 bestätigte König Birger Magnusson einen Landtausch zwischen Ambjörn Sixtensson und Karl Gregersson (Läma). In diesem Tausch war auch Süd-Ljusterö inbegriffen. Der damals erwähnte Name lautete Sydra Lystra.
1322 tauschte Erzbischof Olof Björnsson seine Ländereien in Valla gegen Nils Ambjörnssons Insel Sudhralyustra.
16. Jahrhundert mini|Bolby, eines der ältesten Dörfer auf Ljusterö. Foto: Frühes 20. Jahrhundert Nord-Ljusterö wurde während des späten 16. Jahrhunderts an den Grafen Per Brahe den Älteren auf Rydboholm Schloss entlehnt. Im Jahr 1641 wurde Feldmarschall Lennart Torstenson durch eine Schenkungsurkunde Inhaber von ganz Nord-Ljusterö. Seine Witwe Beata De la Gardie lebte zeitweise auf Väsbys Gutshof.
In der ältesten erhalten gebliebenen Zählung des damaligen Landvogtes für Värmdö zum Schiffsgesetz von 1535 sind unter anderem 6 Höfe auf Ljusterö erwähnt. Diese sind: Bolby, Väsby, Ösby, Gärdsvik, Inneby und Mörtsunda. Gärdsvik und Inneby sind noch früher belegt.
Im Jahr 1535 gab es auf Ljusterö 28 Lehnsbauern. 18 auf Nord-Lusterö und 10 auf Süd-Ljusterö. In den nächsten 40 Jahren kamen nur zwei neue Höfe hinzu. Doch während der Jahre 1535 und 1719 vervielfachte sich die Anzahl der Höfe auf etwa 100.
17. Jahrhundert Anfang des 17. Jahrhunderts gab es auf Ljusterö 200 Hektar Kulturland. Im Jahr 1606 wurde Süd-Ljusterö von Jöran Persson, einem Ratgeber Erik des XIV, an Erik Göransson Tegel entlehnt.
18. Jahrhundert Während des 18. Jahrhunderts gingen sowohl Nord- als auch Süd-Ljusterö in Värmdö skeppslag und Värmdö socken auf. In dieser Zeit gehörten Süd- und Nord-Ljusterö sowie Svartsjö dazu. Im Jahre 1719 hatte der gesamte Stockholms skärgård eine Bevölkerung von etwa 2.800 Personen. Davon lebten circa 700 auf Ljusterö.Stockholms skärgårds Bevölkerung im 18. Jahrhundert nach Bertil Hedenstierna. Rund 400 dieser Personen sind mit Namen identifizierbar. Vor allem durch Volkszählungen. Das Kulturland hatte sich auf eine Fläche von 250 Hektar vergrößert. Die größten Höfe befanden sich in Bolby, Gärdsvik und am Mellansjö. Wenn Missernten erfolgten, konnte man eine frühe Form von Agrarsubventionen erhalten. Im Jahr 1719 erhielten die Bauern Roggen für die Aussaat von Stockholms Schlossmagazin. Dies geschah unter der Regierungszeit von Ulrika Eleonora (1688 bis 1741), Regentin von (1719 bis 1720).
Gutshöfe Hummelmora säteri Marums gut auch bekannt unter dem Namen Värmdö skeppslags war der größte Heuproduzent Anfang des 18. Jahrhunderts Väsby säteri
Ålöns Ziegelei und Marums Gut mini|Marums gut 2014. Foto: Dan Koehl Das Gut Marum und die Insel Ålön gleich westlich von Ljusterö wurden 1725 von dem damals sehr bekannten Stockholmer Kaufmann Hans Lenman (1683 bis 1739), verheiratet mit Märta Kohl (1691 bis 1734), gekauft. Auf Ålön wurde die zur damaligen Zeit größte Ziegelei im Schärengarten von Stockholm gegründet. Außer dem Betrieb auf Ålön gehörte Lenman noch eine weitere Ziegelproduktion in Kungsholmen. Der Betrieb der Ziegelei auf Ålön lief bis in die 1860er-Jahre.
Auf Marums Gut befindet sich ein Gutshaus, welches von Hans Lenman mit Steinen aus der Ziegelei auf Ålön errichtet wurde. Es gab Gerüchte, dass Prinzessin Kristina (1626 bis 1689) Marums Gut zeitweise als Jagdschloss nutzte. Diese Behauptung ist jedoch zurückzuweisen, da die Prinzessin schon vor Fertigstellung des Gutes verstorben war. Endgültig fertiggestellt waren die Gebäude erst in den 1740er-Jahren, einige Jahre nach dem Tode Lenmans. Im Norden des Gutes gibt es ein sumpfiges Gebiet mit dem Namen Maren. Diesem verdankt das Gut seinen Namen. Heute (2009) befindet sich das Gut in privater Hand. Man kann dort Einstellplätze für Pferde mieten.
Schiffe Im Jahr 1715 gab es auf Ljusterö ein Segelschiff für die Küstenschifffahrt von 80 Fuß, 28 Kajütenboote von 30 Fuß und 12 größere Fischerboote.
Fischerei Die Netzfischerei war ein elementarer Bestandteil des damaligen Lebens und unabdingbar für die Ernährung der Bevölkerung. Ein großes Fischernetz war Eigentum des Dorfes und man half sich gegenseitig beim Fischen. Frischen und gesalzenen Fisch konnte man gegen Getreide tauschen. Für eine Tonne Salzhering (circa 125 Liter) gab es zwei Tonnen Roggen. Man beteiligte sich auch an saisonalen Fischzügen im äußeren Schärengarten bei Horssten und Grönskär. Dabei wurden vorrangig Dorsche und Heringe gefangen.
Ortsnamen Sämtliche Ortsnamen auf Ljusterö haben ihren Ursprung von den einzelnen Dörfern oder größeren Gutshöfen auf der Insel.
Der Hauptort ist Linanäs auf Süd-Ljusterö. Die übrigen Orte mit einer relativ dichten Bebauung sind außerdem Kårnäs, Tranvik, Staveström, Stensvik, Grundvik, Hummelmora, Lillström, Kårboda, Marum, Västernäs, Öran, Laggarsvik, Bolby, Väsby strand, Ugglan, Knektudden, Arnö, Mellansjö, Nolvik, Åsättra, Lervikstorp, Ängsvik, Dragboda, Inneby, Gärdsvik, Sillviken, Hästede, Svedlandet, Västra Lagnö (westlich von Klintsundet) und Östra Lagnö.
Größere besiedelte Inseln neben Ljusterö Die größeren besiedelten Inseln in der Nähe von Ljusterö heißen Örsö, Edö, Huvön, Västerholmen, Hummelmoraön, Ålön und Siarö.
Öffentlicher Sektor
Ausbildung Auf Ljusterö gibt es verschiedene Bildungseinrichtungen. Es gibt eine Vorschule, die sich in kommunaler Regie befindet, mit zwei Abteilungen bei Mellansjö. Außerdem eine Freizeiteinrichtung in der Schule von Ljusterö. Zudem existiert noch eine Grundschule in Mellansjö, die ebenfalls von der regionalen Kommune betrieben wird. In der Schule von Ljusterö befindet sich zudem noch eine Bibliothek.
Gesundheitswesen und Altenbetreuung In Mellansjö gibt es eine Arztstation, die in Teilzeit betrieben wird. Außerdem wird dort noch ein Seniorenheim in kommunaler Regie geführt.
Verkehrsanbindungen mini|Ferry Ljusterö-Östanå mini|Dampfschiff-Anlegestelle in Linanäs auf Süd-Ljusterö, ungefähr um 1900