mini|Campus August-Bebel-Straße, Dresden-Strehlen, Haupteingang (2009) alt=|mini|Hauptgebäude mit Portal, ehem. Militärakademie „Friedrich Engels“, Dresden-Strehlen (2009). mini|Truppenfahne der Militärakademie „Friedrich Engels“
Die Militärakademie „Friedrich Engels“ (MAFE)Abkürzung in: ZMSBw: Standortdatenbank NVA und GT/DDR. (deutsche-militaerstandorte-nach1945.de) der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR in Dresden gehörte zu den militärischen Hochschuleinrichtungen der DDR, war die zuerst gegründete und zugleich höchste militärische Lehr- und Forschungsinstitution sowie das Zentrum der militärwissenschaftlichen Forschung in der DDR.
Eine Besonderheit für deutsche Hochschulen war die Formierung und akademische Nutzung der Wissenschaftsdisziplin Militärwissenschaft als kompaktes theoretisches, methodologisches und organisatorisches Wissenschaftsgebäude. Darüber hinaus waren die (Sozial-)Gesellschafts- und Technikwissenschaften an der Militärakademie vertreten.Siehe: Rainer Böhme: Die Militärakademie in Dresden (1959–1990). Ein Rückblick – aus Anlass ihrer Gründung vor 60 Jahren. In: Schriftenreihe DGKSP-Diskussionspapiere, Dresden 2018, Dezember Abruf slub.qucosa.de
Auftrag Der Auftrag der Militärakademie bestand darin, Offiziere aller Teilstreitkräfte (TSK) der NVA, der Grenztruppen der DDR, der anderen Schutz- und Sicherheitsorgane sowie von Streitkräften anderer Staaten für Führungsfunktionen in den Ebenen Truppenteil, Verband, operativ-taktischer Verband und operative Vereinigung (Großverband), Kommando der TSK bis hin zu ministeriellen Verwendungen oder für Lehreinrichtungen zu qualifizieren. Ausbildung und Studienabschlüsse waren mit denen der sowjetischen Militärakademien vergleichbar.
Daneben waren die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (Promotion A und B) sowie die berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung für Führungskräfte zu gewährleisten.
Die Forschung hatte sich laut ministerieller Vorgabe auf „die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Landesverteidigung der DDR und für die Erfordernisse der Verteidigungskoalition“ zu konzentrieren. Das Qualifikationsniveau des wissenschaftlichen Personals und der Hochschullehreranteil an der Militärakademie entsprach weitestgehend dem Standard ziviler Universitäten.
Geschichte Vorgeschichte Der institutionelle Ausgangspunkt für die Militärakademie wurde im Februar 1949 durch die von Berlin nach Kochstedt (Land Sachsen-Anhalt) verlegte Hochschule der deutschen Verwaltung des Inneren gesetzt.
Am 15. November 1949 eröffnete diese den Lehrbetrieb, umbenannt als Offiziersschule Kochstedt der Hauptverwaltung Ausbildung (HVA) des Ministeriums des Innern (MdI), unter Leitung von Chefinspekteur der Volkspolizei Walter Freytag.
Ab September 1952 setzte sie mit neuem Standort in Dresden die Arbeit als Höhere Offiziersschule des MdI fort, unter Führung von Generalleutnant Walter Freytag.
Im Jahr 1953 erfolgte die Umwandlung in die Hochschule der Kasernierten Volkspolizei (KVP). Oberst Wilhelm Adam, ehemals Adjutant des Oberbefehlshabers der 6. Armee der deutschen Wehrmacht, nach 1945 Minister für Finanzen des Landes Sachsen und Volkskammerabgeordneter, übernahm, nachdem er in die KVP eingetreten war, die Funktion als Kommandeur der Hochschule.
Der ehemalige Generalfeldmarschall Paulus hielt nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft hier an der Hochschule einige Vorlesungen zu persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen. Bereits im Jahr 1954 arbeitete eine kleine Arbeitsgruppe unter seiner Leitung als Kriegsgeschichtliche Forschungsanstalt in Dresden. Aus diesem Institut ging im Jahr 1958 das Institut für Deutsche Militärgeschichte hervor, das 1972 in Militärgeschichtliches Institut der DDR umbenannt wurde.
Mit Gesetz der Volkskammer vom 18. Januar 1956 wurde die NVA geschaffen. Gemäß Befehl 1/56 des Ministers für Nationale Verteidigung, Generaloberst Willi Stoph, ging am 5. Oktober 1956 aus ihr die Hochschule für Offiziere der NVA, Dresden, als höchste militärische Lehreinrichtung der DDR hervor. Oberst Wilhelm Adam wurde ihr erster Kommandeur; gefolgt ab 1. April 1958 von Generalmajor Heinrich Dollwetzel. Die politisch zuverlässigen und fachlich fähigsten Offiziere der Hochschule der KVP wurden von der Hochschule der NVA übernommen und unter der übergebenen Truppenfahne vereidigt.
Die Hochschule erhielt den Auftrag, das wissenschaftliche Niveau der Ausbildung in allen Fachgebieten zu heben, um damit Voraussetzungen für eine Militärakademie zu schaffen. Mit ihrer Gründung entstanden die Lehrstühle Gesellschaftswissenschaftliche Ausbildung, Infanterieausbildung, Artillerieausbildung und Panzerausbildung. Neben den Zweijahreslehrgängen, in denen vorwiegend bereits im Truppendienst erfahrene Offiziere als Regimentskommandeure, deren Stellvertreter sowie Stabschefs für Mot.-Schützen-, Panzer- und Artillerietruppenteile, Leiter von Spezialtruppen und Diensten ausgebildet wurden, führte die Hochschule einjährige Qualifizierungslehrgänge für leitende Offiziere durch.
Nachdem die Bundeswehr im Jahr 1956, d. h. von Anfang an, in die Militärstrukturen der NATO integriert worden war, erfolgte auf Beschluss des Politischen Beratenden Ausschusses der Staaten des Warschauer Vertrages vom 24. Mai 1958 die Einbeziehung der NVA in die Vereinten Streitkräfte. Die Gründung der Militärakademie ging darauf zurück, dass sich die NVA den Anforderungen der Blockkonfrontation stellen musste.Siehe Rolf Lehmann: Die Militärakademie der DDR in Dresden – Struktur und Auftrag. In: Dresdner Geschichtsverein e. V. (Hrsg.): Dresdner Hefte, Heft 53, Dresden 1998, Januar, S. 65–69.
Mit Ministerbefehl 52/58 wurde ab Mai 1958 die Umwandlung der Hochschule für Offiziere in eine Militärakademie eingeleitet. Laut Beschluss des Ministerrates vom 28. November 1958 sollte sie als erste militärische Einrichtung das Recht erhalten, den akademischen Grad „Diplommilitärwissenschaftler“ und „Diplomingenieur“ zu verleihen und wissenschaftliche Aspiranturen einzurichten. Der Beschluss stellte die Militärakademie zum einen den zivilen DDR-Hochschulen gleich, zum anderen wies er eine führende Position im System der militärischen Ausbildung zu.
Gründung Die Gründung der Militärakademie der NVA in Dresden am 5. Januar 1959 war keine Augenblicksentscheidung, sondern aus Anforderungen der militärischen Blockkonfrontation und den militärpolitischen Bündnisverpflichtungen der DDR abgeleitet.
mini|Die Militärakademie war benannt nach Friedrich Engels
Die DDR-Militärakademie stand von Beginn an in einem besonders engen Verhältnis zur SED-Führung, deren politischer Führungsanspruch durch Artikel 1 der DDR-Verfassung abgesichert wurde.
Aus dieser politischen Vorgabe entsprang eine permanente politisch-ideologische Erziehung und gesellschaftswissenschaftliche Qualifizierung. Vom Lehrpersonal und von den Offiziershörern wurde ein klares Bekenntnis zur Parteipolitik der SED erwartet. Erst ab Mitte der 1980er Jahre erodierte ihr Einfluss und führte schließlich im Dezember 1989 zur Auflösung der SED-Parteiorganisationen in der NVA und den Grenztruppen der DDR, darunter in der Militärakademie.
Status Die Militärakademie hatte den rechtlichen Status einer Hochschule der DDR und somit das Recht, den Absolventen und Aspiranten akademische Grade zu verleihen: Diplom-Militärwissenschaftler, Diplom-Ingenieur, Diplom-Gesellschaftswissenschaftler, Diplomlehrer, Doktor eines Wissenschaftszweiges und Doktor der Wissenschaften.
Sie gehörte zum zweiten Sektor des DDR-Hochschulwesens, zu den sogenannten Hochschulen mit Sonderstatus. Durch ihre Integration in die NVA bedingt, ergaben sich einige signifikante Unterschiede zu den zivilen Hochschulen. Die Zuständigkeiten des Ministers für das Hoch- und Fachschulwesen (MHF) der DDR wurden im Wesentlichen auf den Minister für Nationale Verteidigung (MfNV) übertragen, der in Absprache mit dem MHF Ordnungen zur Durchsetzungen der gesetzlichen Hochschulbestimmungen erließ. Im Unterschied zu den zivilen DDR-Hochschulen waren der Rektor (Kommandeur, K-MA / Chef der Militärakademie, C-MA), die Prorektoren (Stellvertreter des Chefs), die Sektionsdirektoren (Kommandeure der Sektionen) und die Dekane nicht wählbar. Die Führungskräfte der Militärakademie waren Generale und Offiziere und wurden durch Befehl in ihre Dienststellungen eingesetzt. Die Studierenden (Offiziershörer, im Alter von ca. 30 Jahren, in der Regel Familienväter) und Lehrgangsteilnehmer waren Offiziere und Generale, die bereits eine Fach- oder Hochschule absolviert und berufliche Erfahrung gesammelt hatten. Militärfachliche Lehr- und Forschungsgegenstände unterlagen zum großen Teil der militärischen Geheimhaltung. Obwohl sich die Akademie der NVA an dem Bild der sowjetischen Militärakademien orientierte, war die Zusammenführung aller Teilstreitkräfte, der militärtechnischen und der sozialwissenschaftlichen Disziplinen unter einem akademischen Dach ein Novum in den Warschauer Vertragsstaaten. Bis zum Jahr 1990 war ständig ein sowjetischer General mit der Dienstbezeichnung Militäroberspezialist als Vertreter der Vereinten Streitkräfte an der Akademie tätig.
Die Bezeichnung Sonderstatus erstreckt sich außerdem darauf, dass die Militärakademie gemeinsam mit den anderen Hochschulen der NVA, der Grenztruppen der DDR, der anderen Schutz- u. Sicherheitsorgane sowie der gesellschaftlichen Organisationen in den staatsoffiziellen Darstellungen (Statistiken, Jahrbüchern, UNESCO-Berichten) über die Hochschullandschaft der DDR ausgespart blieb.
Promotionsrecht Die Erteilung des Diplom-, Promotions- und Habilitationsrechts sowie die Berufung von Hochschullehrern (Dozenten, Professoren) oblag unverändert dem MHF. Neben dem anfänglichen Recht zur Verleihung akademischer Diplom-Grade erhielt die Militärakademie im April 1962 vom MHF das Promotionsrecht für den Doktor eines Wissenschaftszweiges (Dr. rer. mil., Dr. rer. pol., Dr. oec., Dr. phil., Dr.-Ing.) und Doktor der Wissenschaften (Dr. sc. mil., Dr. sc. pol., Dr. sc. phil., Dr. sc. oec., Dr. sc. techn.). Über die Verleihung akademischer Grade und die wissenschaftliche Nachwuchsförderung konnte der Rat der Militärakademie (ab 1970 Wissenschaftliche Rat) als kollektives Beratungsgremium des K-MA / C-MA eigenverantwortlich entscheiden. Im Zuge der Militärreform wurde Ende März 1990 ein Konzil mit einem Senat gewählt, das an die Stelle des Wissenschaftlichen Rates trat.
Die erste Dissertation wurde im Juli 1963 an der Akademie verteidigt. Mit jährlich rund 25 erfolgreichen Promotionsverfahren baute die Militärakademie ihr wissenschaftliches Niveau aus. Bis Juni 1990 wurden insgesamt 542 Promotionsverfahren A und 99 Promotionsverfahren B abgeschlossen. In der Aspirantur waren selbst im April 1990 noch 147 Offiziere. Letzte Promotionsurkunden wurden vom Konzil der MA-FE am 25. September 1990 verliehen.
Insgesamt wurden an der Militärakademie „Friedrich Engels“ 680 Aspiranten zur Promotion geführt, darin eingeschlossen waren sechs ausländische Offiziere. Etwa 80 Prozent der 567 A-Promotionen (Dr.) und 113 B-Promotionen (Dr. sc.) unterlagen der Geheimhaltung. Da Offiziershochschulen kein Promotionsrecht besaßen, waren die Promotionsverfahren an der Militärakademie „Friedrich Engels“ zu über einem Drittel aus Gründen der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung für die Offiziershochschulen veranlasst.
Leitungsstruktur Leitung Die Militärakademie unterstand dem Minister für Nationale Verteidigung der DDR, welcher die Dienstaufsicht auf einen seiner Stellvertreter übertrug. Die Militärakademie wurde von einem Kommandeur (ab 1959, K-MA) / Chef (1970–1990, C-MA) geführt.
Die Politische Hauptverwaltung der NVA (PHV) nahm auf den Stellvertreter des C-MA und Leiter der Politabteilung Einfluss, dem die Sektion Gesellschaftswissenschaften, das Musikkorps und (ab 1984) die Wissenschaftliche Bibliothek unterstanden.