mini|350px|Ruine der Norkittener Kirche Die Kirche Norkitten () war ein länglich-ovaler Backsteinbau aus dem beginnenden 18. Jahrhundert und bis 1945 evangelisches Gotteshaus des jetzt Meschduretschje genannten Ortes im ehemaligen Ostpreußen. Heute sind von der Kirche nur noch Ruinenreste vorhanden.
Geographische Lage Das heutige Meschduretschje liegt zwischen Snamensk (Wehlau) und Tschernjachowsk (Insterburg) an der russischen Fernstraße A 229 (ehemalige deutsche Reichsstraße 1, heute auch Europastraße 28) und gehört zur Swobodnenskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Swoboda (Jänischken, 1938–1946 Jänichen)) im Rajon Tschernjachowsk (Kreis Insterburg) in der Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Der Ort ist Bahnstation an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode), einem Teilstück der einstigen Preußischen Ostbahn. Der Standort der Kirche ist mitten im Ort.
Kirchengebäude Norkitten erhielt bald nach Einführung der Reformation eine evangelische KircheDie Kirche in Norkitten bei ostpreussen.net. Bereits 1540 ist hier ein lutherischer Geistlicher im Amt. Eine später aufgesetzte Wetterfahne war auf das Jahr 1609 datiert. Im Jahre 1730 stürzte bei einem Starkgewitter der Turm auf das Kirchenschiff und zerstörte das Gebäude.
Es war Fürst Leopold Maximilian von Anhalt-Dessau (Sohn des „alten Dessauers“ Fürst Leopold von Anhalt-Dessau), der in den Jahren 1731 bis 1733 in Norkitten eine neue Kirche errichten ließWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 103, Abb. 450 und 451. Nach dem Vorbild der Georgenkirche im anhaltischen Dessau entstand ein verputzter ellipsenförmiger Bau aus BacksteinenBild der Kirchenruine Norkitten vor 1997Bild der Kirchenruine von 2010Bild der Kirchenruine von 2010, der bereits 1746 gründlich restauriert werden musste. Der Kirchturm wurde während des Siebenjährigen Krieges zerstört und 1761 ganz abgerissen. Er fand Ersatz in einem abseits stehenden Fachwerkglockenstuhl.
Der Innenraum der Kirche war sehr schlicht gehalten mit zwei halbkreisförmig angebrachten Emporen. Altar und Kanzel aus der Zeit um 1760 bildeten ein Ganzes. Der Taufstein und die Orgel waren neueren Datums. Im Glockenstuhl läuteten zwei Kirchenglocken.
Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und blieb danach ihrem Schicksal überlassen. Ihr heutiger Zustand ist desolatКирха Норкиттена Die Kirche Norkitten bei prussia39.ru. In verwilderter Umgebung stehen heute nur noch Teile der Außenmauern, Dachgebälk gab es noch vor 1997.
Kirchengemeinde Eine Kirchengemeinde gab es in Norkitten seit der ReformationWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 481–482. Das Kirchenpatronat war adlig und oblag den Fürsten von Anhalt-Dessau bzw. Anhalt (zuletzt bis 1945 Joachim Ernst von Anhalt) als Besitzer der Güter Norkitten, Schloßberg (heute russisch: Botschagi) und Paradeningken (1938 bis 1946: Paradefeld, heute russisch: Trjochdworka).
Das weitflächige Kirchspiel umfasste 24 Orte, in denen 1925 insgesamt 4.200 Gemeindeglieder lebten. Es war Teil des Kirchenkreises Insterburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie der restriktiven Religionspolitik der Sowjetunion brach nach 1945 das kirchliche Leben in Norkitten ab.
Erst in den 1990er Jahren bildete sich in Meschduretschje wieder eine evangelisch-lutherische Gemeinde. Sie ist Filialgemeinde der Kirchenregion Tschernjachowsk in der Propstei Kaliningrad (russisch/deutsch) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel der Kirche Norkitten gehörten 24 OrteWalther Hubatsch, wie oben, Band III, Seite 482 (* = Schulorte): Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Burkdorfshöhe Schloßberg Botschagi Daupelken Iswilino Schönfeld *Groß Bubainen seit 1928:Waldhausen Bereschkowskoje Schwägerau Saowraschnoje *Groß Jägersdorf Motornoje *Stutterei Winogradnoje Hopfenau Szaluppchen Kosacken Kosakowo *Uderballen Otterwangen Iswilino Kutkehmen seit 1928:Pregelau Uschakowo Uszbundszen seit 1928:Eichenstein Woronowo Mangarben Priwalowo Waldhausen Pastuchowo Metschullen Lehwald Motornoje Wenskowethen Milchbude *Wiepeningken seit 1928: Staatshausen Podgornoje *Norkitten Meschduretschje *Worpillen Woronowo Paradeningken Paradefeld Trjochdworka Woynothen Kleinnorkitten Schljusnoje
Pfarrer An der Kirche Norkitten amtierten von der Reformation bis 1945 insgesamt 20 evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 104:
NN., ab 1540 Laurentius Willenberg, 1547 Ambrosius Dryskiss, 1550–1552 Hader Pfaff, ab 1551 Hieronymus Beitner, 1554–1564 Valentin Pusch, 1577–1583 Ambrosius Krause, bis 1617 Johann Weigand Günthersdorf, 1618–1660 Christian Walther d. Ä., 1649–1679 Johann Richovius, 1681–1695 Friedrich Christoph Rabe, 1695–1720 Christian Melchior Rhode, 1720–1755 Carl Friedrich Jordan, 1755–1803 Friedrich Wilhelm Jordan, 1797–1845 Julius Adolf Teschner, 1844–1867Teschner (1810–1867) war Angehöriger des Corps Masovia. Johann Eduard Siebert, 1867–1890 Wilhelm John, 1890–1928 Franz Birken, 1928–1934 Friedrich Mickwitz, 1935–1938 Guido Brutzer, 1937–1945
Einzelnachweise
Norkitten Norkitten Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Norkitten Norkitten Norkitten Norkitten Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Norkitten Norkitten