mini|Der Schwarze Garten in Nordhorn Der Schwarze Garten ist die zentrale Gedenkstätte für die Kriegsgefallenen sowie die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung der Stadt Nordhorn an der Stelle, die zuvor Mahnmal am Langemarckplatz hieß. Der 1992 bis 1995 von der US-amerikanischen Konzeptkünstlerin Jenny Holzer gestaltete Black Garden,Der Garten als Anti-Memorial: Band 145, 1999, S. 88. Kunstforum International vereinigt Elemente der ursprünglichen traditionellen Gedenkstätte für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71 und des Ersten und Zweiten Weltkriegs mit einem eigenen künstlerischen Konzept.

Die offizielle Übergabe der Anlage erfolgte am 8. Mai 1995. Seit 2000 ist der Schwarze Garten auch eine Station der deutsch-niederländischen Kunst- und Kulturroute kunstwegen und wird auch als Kunstobjekt geführt.

Das insgesamt 3447 Quadratmeter umfassende Areal, bestehend aus der Gedenkstätte, diversen Namen- und Erinnerungstafeln, Beeten, Gehwegen und Bänken aus Bentheimer Sandstein, steht unter Denkmalschutz.

Sowohl das ursprüngliche Kriegerdenkmal von 1929 als auch die Neugestaltung waren aus unterschiedlichen Gründen jeweils jahrelang und heftig umstritten.

Lage und Übersicht mini|Blick auf den schwarzfruchtigen Apfelbaum im Zentrum der Beetanlage mini|hochkant|Trauerblutbuche bei der Gedenkstätte Die Anlage befindet sich in der Stadtmitte Nordhorns im Bereich Völlinkhoff zwischen Vechtestraße und Van-Delden-Straße – an der Stelle, wo die Stadt Nordhorn 1929 ein Denkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71 und des Ersten Weltkriegs errichten ließ, das während der Zeit des Nationalsozialismus Mahnmal am Langemarckplatz hieß und später für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erweitert wurde. Sie ist nun zusätzlich den jüdischen Mitbürgern und denjenigen Personen gewidmet, die in der Zeit des Nationalsozialismus wegen ihrer politischen Überzeugung verfolgt oder verschleppt wurden und umgekommen sind.

Im Schwarzen Garten sind drei Wege als konzentrische Kreise angelegt, die von zwei gerade verlaufenden Wegen gekreuzt werden. Im Zentrum der Anlage steht der Sockel des früheren Mahnmals. Die Künstlerin wollte ein „Anti-Memorial“ schaffen und mit der Anlageform ausdrücken, dass sich der Besucher durch Kreise so bewegt, wie sich die Erinnerung um das Unvergessliche dreht.Jenny Holzer: The Black Garden: Der Garten als Anti-Memorial.

In den durch die Wegführung herausgebildeten Beeten befinden sich nur dunkle („schwarze“) Pflanzen, wobei der aus Hawaii stammende Schwarze Schlangenbart (Ophiopogon planiscapus) zusammen mit der Ajuga und der Heuchera dominierend ist. Diese werden durch jahreszeitliche Pflanzen wie Krokus, lila-schwarze Tulpen Queen of the Night, die Taglilie Devil Delight oder die Nelke King of the Blacks, Kaiserkronen, Iris und Stiefmütterchen ergänzt. Kleinere und größere Gehölze, wie Judasbaum oder Blutpflaume, wurden als Akzente gepflanzt, zwei Trauerblutbuchen flankieren den Eingang der Anlage bei der Gedenkstätte des Ersten Weltkriegs. Das Zentrum des Schwarzen Gartens wird durch den schwarzfruchtigen Apfelbaum gebildet, der ein Symbol für Fruchtbarkeit und Leben, aber auch den Sündenfall und die Sterblichkeit darstellen soll. („Der Baum der Erkenntnis trägt Trauer.“Angeli Sachs: Das traditionelle Mahnmal und seine zeitgenössische Umformulierung. Jenny Holzers 'Black Garden' in Nordhorn. S. 185.)

Die Farbe schwarz gilt im europäischen Kulturkreis als Trauerfarbe und wird in erster Linie mit Nacht, Tod, Trauer und Melancholie verknüpft. Die Pflanzen sollen Düsternes ausdrücken beziehungsweise mit negativen Assoziationen Tod und Unglück versinnbildlichen.Farbe im Garten Das von der Künstlerin ursprünglich vorgesehene, auf US-amerikanische Klimaverhältnisse ausgerichtete Pflanzkonzept aus überwiegend exotischen Pflanzen musste mit der Zeit auf die europäischen Witterungsverhältnisse angepasst werden, so dass der Bepflanzungsplan laufend zusammen mit der Künstlerin überprüft und schließlich der Anteil heimischer Bodendecker und Dauerstauden entsprechend erhöht wurde.

Zwischen den Beeten verteilt befinden sich fünf Sitzbänke aus ziegelrotem Bentheimer Sandstein mit eingeschlagenen Texten der Künstlerin in deutscher und englischer Sprache, die an die Grausamkeit des Krieges erinnern. Vor der Tafel für die „politisch und rassisch Verfolgten“ befindet sich ein kleiner White Garden, ein Beet mit weiß blühenden Pflanzen – wobei die symbolische Bedeutung der weißen Farbe als die der Reinheit und Unschuld in Kontrast zum Schwarz gesetzt wird.

Die Beete sind mit rotem Wesersandstein eingefasst, die Weg mit rotem Ziegelsplitt bestreut.

Auf den Gedenktafeln sind nicht alle Namen der aus dem jetzigen Stadtgebiet von Nordhorn stammenden Bürger erwähnt. Das liegt daran, dass einige Ortschaften erst 1929 beziehungsweise 1974 nach Nordhorn eingemeindet wurden und bis dahin eigene Gedenkstätten errichtet hatten. Die Angaben beinhalten Name, Geburtsort, Todestag und Sterbeort.

Geschichte Nach dem Ersten Weltkrieg mini|Das Denkmal am Langemarckplatz (vor 1933) Die Gedenkstätte hat ihren Ursprung 1929, als die Stadtverwaltung mit finanzieller Unterstützung von Nordhorner Bürgern ein Ehrenmal für die Gefallenen der Kriege 1870/71 und 1914–1918 errichten ließ.

Schon Jahre zuvor hatte es immer wieder Vorstöße zur Errichtung eines Kriegerdenkmals für „Groß-Nordhorn“ gegeben, auch weil einige mittlerweile eingemeindete oder in unmittelbarer Nähe befindliche Dörfer und Bauerschaften eigene Mahnmale hatten oder zu errichten gedachten, die Stadt selbst jedoch nicht. 1924 wurde von „den städtischen Kollegien“ der Entschluss gefasst, die „Gefallenenehrung in Verbindung mit der Errichtung einer gemeinnützigen Anstalt vorzunehmen“Schreiben des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold e.V., Ortsgruppe Nordhorn, vom 19. Dezember 1924; Stadt-Archiv C VIII i 21 lt. Stadt Nordhorn, Kulturdezernat (Hrsg.): Vom Langemarckplatz zum Schwarzen Garten (Nordhorn Kulturbeiträge 4). S. 14. aber noch 1927 mahnte der Vorsitzende des Nordhorner Krieger- und Landwehrvereins anlässlich der Einweihung des Kriegerdenkmals im damals noch nicht eingemeindeten Bakelde die Stadt Nordhorn, „... für die 295 Gefallenen ... endlich einen würdigen Platz zur Verfügung zu stellen, auf dem das Denkmal ... errichtet werden (kann) ...“Nordhorner Nachrichten vom 10. Januar 1927.

Wer und wann schließlich den Entschluss zur Durchführung des Bauvorhabens traf und den Hannoveraner Bildhauer Hermann Scheuernstuhl mit der Durchführung beauftragte, ist ungeklärt. Im Nordhorner Stadt-Archiv sind lediglich eine Reihe von Schreiben erhalten, in denen sich Bildhauer, Steinwerke und Handwerksfirmen um den Auftrag bewarben.Stadt Nordhorn, Kulturdezernat (Hrsg.): Vom Langemarckplatz zum Schwarzen Garten (Nordhorn Kulturbeiträge 4). S. 15. Im Juni 1929 bat der Magistrat die Bevölkerung um Spenden für das entstehende Ehrenmal, dessen Kosten er mit 25000 Deutschen Mark veranschlagte und teilte mit: „Nach langen Bemühungen wird die Stadtverwaltung noch in diesem Jahr endlich dazu kommen, für unsere im Weltkriege gefallenen Söhne der Stadt eine Heldengedächtnisehrung zu gestalten. Es besteht die Absicht, auf dem ... städtischen Grundstück gegenüber dem Schülerheim der Aufbauschule in Verbindung mit dem späteren Bau des Hallenschwimmbades den Vorplatz durch einen Gartenarchitekten und Bildhauer von Ruf als Heldengedächtnisehrung auszugestalten... Die Namen der gefallenen beziehungsweise vermissten Helden sollen auf Mosaikplättchen in einer von Koniferen umrankten Kreisfläche aufgelegt werden. In der Mitte dieses Bodenbelags soll ein Lebensmotiv durch den Bildhauer gestaltet werden.“Stadt-Archiv C VIII i 23 lt. Stadt Nordhorn, Kulturdezernat (Hrsg.): Vom Langemarckplatz zum Schwarzen Garten (Nordhorn Kulturbeiträge 4). S. 15.

Mit diesem „Lebensmotiv“ wurde die von Scheuernstuhl gestaltete Figur des „sich erhebenden Jünglings“ angesprochen, die in der Folgezeit für jahrelange heftige Kontroversen sorgte.

Am Totensonntag, den 24. November 1929, wurde das Denkmal offiziell eingeweiht.

Die bis heute erhaltene Anlage für die Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg besteht aus einer ebenerdigen Rundung mit einem Durchmesser von 6,30 Metern. In flachliegenden, ringförmig angelegenten Gedenktafeln sind die Namen von 207 Gefallenen mit militärischem Dienstgrad, Namen, Geburtsdatum und Todestag in Stein aus fränkischem Muschelkalb eingemeißelt. Für jeden Gefallenen war eine Steinplatte vorgesehen. Die Buchstaben wurden mit dunkler Farbe unterlegt. In der Mitte der Platten stand ein runder Sockel mit einem Durchmesser von 1,50 Metern und einer Höhe von einem Meter. Am unteren Rand des Sockels ist zu lesen:

Auf dem Sockel in der Mitte der Anlage stand die 2,10 Meter hohe Bronzestatue des sich aufrichtenden Jünglings. Auf dem oberen Teil des Sockels ist in aufgelegten Großbuchstaben die Inschrift zu lesen:

Die Fundamentierungsarbeiten für das Denkmal führte die Nordhorner Firma Portheine und Sohn aus; die Steinmetzarbeiten wurden der Münchner Marmorindustrie Kiefer AG übertragen und für den Entwurf der gärtnerischen Anlage zeichnete der Gartenarchitekt Wilhelm Hübotter aus Hannover verantwortlich. Die Ausführung der Gesamtarbeiten lag in der Verantwortung des Nordhorner Stadtbaurats Krieger.

Die Einweihungsfeier einschließlich der Reden von Bürgermeister Wilhelm Henn sowie dreier Geistlicher (jeweils ein katholischer, evangelischer und jüdischer) und die namentliche Aufzählung der teilnehmenden Gruppen und Vereine dokumentierte ein mehrseitiger Artikel der Nordhorner Nachrichten,Nordhorner Nachrichten vom 25. November 1929. wo unter anderem der Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer als Teilnehmer erwähnt sind. Wenige Tage nach der Zeremonie erschien in den Nordhorner Nachrichten ein weiterer langer Artikel, in dem eben jener Reichsbund (der heutige Sozialverband Deutschland) sich zum Sprecher der Nordhorner Bevölkerung machte und das Denkmal aufs Schärfste kritisierte. So könne man „mit der Ausführung keineswegs einverstanden sein“, denn die Gefühle der Bevölkerung würden durch diese „Figur des nackten Jünglings“, dessen Kopf „negroide Züge“ aufweise, „aufs schlimmste verletzt“.Nordhorner Nachrichten vom 6. Dezember 1929. Dies schien tatsächlich der Stimmungslage in der Bevölkerung zu entsprechen, da die Medien das Denkmal jahrelang immer wieder negativ zum Thema machten und darüber berichteten, dass die Figur von der Bürgerschaft abschätzig „Klötenheini“ genannt werde.Stadt Nordhorn, Kulturdezernat (Hrsg.): Vom Langemarckplatz zum Schwarzen Garten (Nordhorn Kulturbeiträge 4). S. 16/17

mini|hochkant|Hinweistafel im Garten

Nach Werner RohrWerner Rohr: Der Langemarckplatz in Nordhorn. In: Jahrbuch des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim. 1991, S. 57–61. wurde die Figur daraufhin „von SA-Angehörigen vom Sockel geholt und im Garten des ehemaligen Bürgermeisters Henn eingegraben“. Eine andere Quelle schrieb: „Ein Ehrenmal entstand (1929) ... mit einer nackten männlichen Gestalt, die unblutige linke Hand zum Schwur erhoben, fand aber nicht den Beifall der Bewohner, so daß sie wieder entfernt werden mußte und nur der Sockel mit den Namen der Kriegsopfer stehen blieb.“Ernst Kühle: Nordhorn z.Z. des Bürgermeisters Henn 1927–1933. Jahrbuch des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim. 1976.