mini|hochkant|Ein Wahrsager in Rhumsiki in der nördlichsten Provinz von Kamerun sagt wahr, indem er die unterschiedliche Lage von Dingen wie zum Beispiel von Frischwasser-Krabben deutet mini|170px|Subsahara.Afrika (UN-Deinition) Traditionelle afrikanische Medizin (TAM) umfasst die indigene Medizin der Kulturen Afrikas, im engeren Sinn Subsahara-Afrikas. (Der nördliche Teil Afrikas, aber auch Teile im Osten und Südosten des Kontinents müssen gesondert betrachtet werden. Da die Grenzen der heutigen Staaten Afrikas auf koloniale Zugehörigkeiten zurückzuführen sind, verläuft die Begrenzung auch quer durch Staaten (Mali, Nigeria, Sudan) Im Osten muss auch Äthiopien überwiegend gesondert gesehen werden. Dort überschneiden sich kuschitische, amharische und arabisch-muslimische traditionelle Medizin.Ewald Wagner: Harar: Annotierte Bibliographie zum Schrifttum über die Stadt und den Islam in Südostäthiopien. Verlag O. Harrassowitz, 2003, ISBN 3-447-04742-9.)

TAM verbindet einheimisches, überkommenes Kräuterwissen mit afrikanischer Spiritualität. Sie wird von Geburtshelferinnen, Wahrsagern, Geistheilern und Kräuterkundigen angewendet. Nach den Angaben der WHO nutzen in manchen asiatischen und afrikanischen Ländern bis zu 80 % der Bevölkerung solche Formen der Medizin. WHO, Dezember 2008. Die WHO fördert seit 1977 die traditionelle Medizin der Entwicklungsländer, um die primäre Gesundheitsversorgung (primary health care) der Landbevölkerung zu verbessern. TM sei kulturell und sozial integriert, überall verfügbar und billig.WHO 1979, nach Isaac Sindiga u. a. (Hrsg.): Traditional medicine in Africa. 1995, S. 5.

Im Gegensatz zu theoretisch komplexen Medizintraditionen wie jene Chinas oder Indiens hat die TAM keine niedergeschriebene, ausformulierte Grundlage und basiert nur auf regionalen Überlieferungen. Anwender der traditionellen afrikanischen Medizin meinen, dass sie Erkrankungen wie Asthma, Rheumatismus,J. Githae: Ethnomedical practice in Kenya: The case of the Karati Rural Service Center. In: Isaac Sindiga u. a. (Hrsg.): Traditional medicine in Africa. 1995, S. 55–63. Krebs,A. Versi: Cancer Cure from African Traditional Medicine Found. African Business, Juni 2001. hohen Blutdruck,D. Krupa: Pressemitteilung der American Physiological Society, 2007. Malaria, Cholera, Fieber,O. Osowole u. a.: A survey of treatment practices for febrile illnesses among traditional healers in the nigerian middle belt zone. (PDF; 90 kB) Afr. J. Trad. CAM (2005) 2 (3), , S. 337–344. Ekzeme und andere Hautkrankheiten,N. D. Shimelis, S. Asticcioli u. a.: Researching accessible and affordable treatment for common dermatological problems in developing countries. An Ethiopian experience. In: International Journal of Dermatology. Band 51, Nummer 7, Juli 2012, , S. 790–795. doi:10.1111/j.1365-4632.2011.05235.x. PMID 22715822. die Heilung von Wunden und Brandverletzungen,J. Stromberg, S. Zielinski: Smithsonian.com, 19. Oktober 2011. Harnwegsinfekte, gutartige ProstatawucherungenG. I. Russo, S. Cimino u. a.: Potential Efficacy of Some African Plants in Benign Prostatic Hyperplasia and Prostate Cancer. In: Mini-Reviews in Medicinal Chemistry. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] Mai 2013, . PMID 23713889. Epilepsie, Depressionen, Angststörungen und andere psychiatrische Erkrankungen,Femi Oyebode: Thomas Adeoye Lambo O.B.E. In: The Psychiatrist. (2004) 28, S. 469. doi:10.1192/pb.28.12.469 Gicht, UnfruchtbarkeitN. Mngqundaniso, K. Peltzer: Traditional healers and nurses: a qualitative study on their role on sexually transmitted infections including HIV and AIDS in KwaZulu-Natal, South Africa. In: African journal of traditional, complementary, and alternative medicines : AJTCAM / African Networks on Ethnomedicines. Band 5, Nummer 4, 2008, , S. 380–386. PMID 20161960. . und die meisten Geschlechtskrankheiten behandeln und heilen können.D. Helwig: Traditional African medicine. 2010.N. E. Joel-Lewis, K. R. G. Lewis: , Blackherbals.com 23. August 2010, S. 1. Sie haben besonders große soziale Bedeutung bei unerfülltem Kinderwunsch und bei schwangerschaftsassoziierten Problemen. Traditionelle Geburtshelferinnen werden infolge ihrer breiten und kostengünstigen Verfügbarkeit und ihren profunden Kenntnissen den ausgebildeten Hebammen oft vorgezogen.E. A. Kawango: Ethnomedical remedies and therapies in maternal and child health among the rural Luo. In: Isaac Sindiga u. a. (Hrsg.): Traditional medicine in Africa. 1995, S. 80–93.

Probleme der TAM sind die fehlenden Regulierungen, Kontroll- und Qualitätssysteme. Patientenakten werden von den meist leseunkundigen Heilern nicht geführt. Ihre Kenntnisse sind oft geheim und beruhen auf undefinierten oder mystischen Prinzipien; die Methoden entwickeln sich nicht wissenschaftlich fort. Zusammenarbeit mit Ärzten wird von beiden Seiten abgelehnt.Isaac Sindiga u. a. (Hrsg.): Traditional medicine in Africa. 1995, S. 25. Der ganzheitliche Ansatz, den die traditionelle afrikanische Medizin verfolgt, hat Überschneidungen mit nichtmedizinischen Vorstellungen. Daraus entstehen Gefahren wie die Verfolgung von Albinos, Genitalverstümmelung bei FrauenGenitalverstümmelungen sind Menschenrechtsverletzungen. Terre des femmes, 2000. oder die Abkehr von wirksamer Medizin, z. B. bei der Behandlung des HI-Virus.HIV/AIDS in Südafrika. gesichter-afrikas.de, o. D.

Geschichte Zeit des Kolonialismus Die Wissenschaft hielt die Methoden der TAM in der Vergangenheit für primitiv und rückwärtsgewandt.Conserve Africa, 2002. In der Zeit der neuzeitlichen Kolonisierung Afrikas wurden die Heiler der TAM verfolgt, weil sie von vielen kolonisierenden Staaten und deren Behörden als Zauberer betrachtet wurden. Zauberei und Magie wurden bekämpft, die Ausübung der TAM verboten. In dieser Zeit wurde auch versucht, den Handel mit Kräutermedizin zu kontrollieren. So verabschiedete die Kolonialverwaltung in Tansania 1929 die Witchcraft Ordinance, die die Tätigkeit der Heiler verbot und erst 1968 aufgehoben wurde. Noch nach der Unabhängigkeit Mosambiks (1975) wurden von unter dem Einfluss der ehemaligen Kolonialherren erzogenen Regierenden TAM ausübende Heiler in Umerziehungslager gesperrt. Im Zug der Kolonialisierung Afrikas und der christlichen Missionierung wurden von den Kolonialherren und den Missionaren allgemeinmedizinische Krankenhäuser gebaut. Damit hoffte man, weitverbreitete Krankheiten zu bekämpfen. Es wurde jedoch wenig unternommen, die Gründe für diesbezügliche Praktiken der TAM zu untersuchen, weil die meisten Ausländer glaubten, diese seien heidnischer Aberglaube und könnten nur durch die Anwendung westlicher Methoden beseitigt werden.Onwuanibe, S. 27. In Krisenzeiten war der Widerstand gegen die Unterdrückung der TAM stärker, weil die Menschen dann eher in das Übernatürliche flüchten. Obwohl die traditionellen Heiler einen großen Beitrag zur Erhaltung der grundlegenden gesundheitlichen Bedürfnisse leisteten, wurden sie von Ärzten und Gesundheitshelfern streng gemieden.

Postkoloniale Zeit mini|Eine Krankenschwester im Hospital in Koidu Sierra Leone spricht mit Patienten.

Sehr viele Afrikaner nutzen die Angebote der traditionellen Medizin bis heute. Oft geschieht dies heimlich, weil offene Loyalität einer Ablehnung der westlichen Biomedizin, des Christentums, des Kapitalismus, und der gesamten Bandbreite des westlichen Imports gleichgesetzt wird. Traditionelle Anbieter werden vom Gesetz nicht geschützt; bei Fehlern riskieren sie die Verfolgung als Kriminelle oder Hexen. Vor allem chronische, nicht infektiöse Erkrankungen sind eine Domäne der TAM. In einer staatlich geförderten Klinik für traditionelle Pflanzenheilkunde in Kenia, die Krankenakten führt, klagten 20 % der Patienten über Nervenkrankheiten, 14 % über Erkrankungen der Atemwege, 13 % über Bauchbeschwerden, 11 % über Knochen- und Gelenkprobleme und 11 % über kardiovaskuläre Symptome.

In den letzten Jahren (seit etwa 2000), erfahren die in der TAM angewandten Behandlungsmethoden und Heilmittel bei Forschung und Wissenschaft mehr Wertschätzung. Auch die Entwicklungsländer wurden zunehmend der hohen Kosten der modernen Gesundheitssysteme und der dafür benötigten Technologien sowie der sich daraus ergebenden Abhängigkeiten gewahr. Diese Erkenntnisse führten in jüngster Zeit zu dem Wunsch, die TAM in die nationalen Gesundheitssysteme einzubeziehen. Im Zuge dieser Bemühungen hat ein TAM praktizierender Heiler in Kwa-Mhlanga Südafrika ein erstes Hospital mit 48 Betten eröffnet, das die Methoden der TAM mit denen der Homöopathie, der Irisdiagnose und selbst der traditionellen chinesischen Medizin verknüpft. Es besteht jedoch die Gefahr, dass durch die in der 'modernen' Medizin angewandten, ausgefeilten Technologien die tief wurzelnden kulturellen Werte Afrikas zerstört werden. Tatsächlich übernehmen viele Heiler inzwischen mehr oder minder ungeregelt medizinische Paraphernalia in ihre Praxen.

Diagnose Die afrikanische Medizin unterscheidet traditionell zwischen Krankheiten, die durch Parasiten, Wetterumschwünge, Gift, Miasmen oder Unfälle hervorgerufen werden, von solchen, die durch zauberkräftige Menschen, Götter oder Geister erzeugt werden. Dass Malariaepidemien mit dem Wetter zusammenhängen, Geschlechtskrankheiten bei polygamen Partnern häufiger sind, Wurminfektionen durch Parasiten entstehen etc. ist allgemein bekannt, wobei unklar bleibt, wie viele dieser Krankheitstheorien sich durch den Kontakt mit den Weißen verändert haben. Solche Krankheiten (Malaria, Durchfall, Wurminfektionen, Verletzungen usw.) können von Ärzten oder TAM-Heilern wahlweise behandelt werden. Diagnosen und Behandlungsmethoden der zweiten Gruppe fußen wesentlich auf spirituellen Gesichtspunkten, die den westlichen Ärzten fremd sind, etwa verärgerte Ahnen, übertretene Tabus, böser Zauber durch Feinde. Auch weibliche Unfruchtbarkeit gehört dazu, ferner hohe Kindersterblichkeit oder hoher Verlust von Haustieren in einer Familie. Für solche Fälle sind die traditionellen Heiler eher zuständig, wobei die Patienten sehr flexibel sind und häufig zwischen den Angeboten wechseln. Bei den Luo in Kenia ist es üblich, zunächst eine staatliche Gesundheitseinrichtung für Erstmaßnahmen aufzusuchen und damit Zeit zu gewinnen, um den Medizinmann nach der Krankheitsursache zu befragen. Bestimmte Krankheiten (Geisteskrankheiten, Epilepsie, Bauchschmerzen, Schwangerschaftsbeschwerden, Unfruchtbarkeit) sind der modernen Medizin überhaupt nicht zugänglich.

TAM geht davon aus, dass „niemand ohne ausreichenden Grund krank wird“.Onwuanibe, S. 25. Die Suche des Heilers nach dem verursachenden "Wer", vor der Suche nach dem "Was", und die Antworten darauf, stammen aus dem kosmologischen Glauben des Volkes.

Wird eine Person krank, benützt der Heiler zur Diagnose Beschwörungen. Beschwörungen werden als Weg zu mystischen und kosmischen Quellen betrachtet. Hellsehen wird genutzt, wenn die Ursache nicht einfach erkannt werden kann. Ist Hellsehen erforderlich, weist der Heiler die erkrankte Person manchmal an, einen Hellseher aufzusuchen. Für den Kontakt mit der Geisterwelt ist häufig nicht nur eine Medikation, sondern auch ein Opfer erforderlich.

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