mini|Römisch-katholische Pfarrkirche St. Gallus, Ansicht von der Dübendorfstrasse mini|Innenansicht mit dem Glasfenster von Fra Roberto Pasotti mini|Blick zur Orgelempore Die Kirche St. Gallus ist die römisch-katholische Pfarrkirche des Zürcher Stadtteils Schwamendingen.

Geschichte Hintergründe und Gegenwart Das einstige Bauerndorf Schwamendingen erlebte in den 1950er-Jahren einen Bauboom, durch den die Einwohnerzahl von ursprünglich 3'000 auf 34'500 im Jahre 1966 anstieg.Vgl. Artikel auf Wikipedia zu Schwamendingen Angelegt als Gartenstadt entstand ein traditionelles Zürcher Arbeiterquartier. In den letzten Jahren ist ein verstärkter Zuzug von Familien mit Migrationshintergrund zu verzeichnen, deren Integration die Pfarrei St. Gallus als eine ihrer Hauptaufgaben ansieht. Die Pfarrei hat 6'004 Mitglieder (Stand 2021) und ist damit nach Heilig Kreuz (Altstetten), Herz-Jesu (Wiedikon) und Maria Lourdes (Seebach) die viertgrösste römisch-katholische Kirchgemeinde der Stadt Zürich.Katholische Kirche im Kanton Zürich. Jahresbericht 2021. S. 106.

Baugeschichte Die Mutterpfarrei von Schwamendingen, die benachbarte Pfarrei Herz Jesu Oerlikon, reagierte auf die Bevölkerungszunahme in Schwamendingen nach dem Zweiten Weltkrieg, indem sie in Schwamendingen eine erste kleine Kirche errichten lassen wollte. 1947 projektierte hierfür das Architekturbüro H. Koellas Erben eine Notkapelle aus Holz, die von den Stadtbehörden jedoch nicht bewilligt wurde, da das Quartier mit den bereits errichteten Siedlungen Mattenhof und Sunnige Hof an der Dübendorferstrasse Mustercharakter für den damaligen Städtebau besass und der Entwurf der Holzkirche „ästhetisch unbefriedigend … und einen Baracken ähnlichen Eindruck“ machte. Deshalb beauftragte die Pfarrei Herz Jesu Oerlikon den Architekten Fritz Metzger, eine Kapelle aus Stein zu errichten. Dieser baute einen schlichten, zweigeschossigen Bau mit flachem Satteldach samt Dachreiter für eine Glocke.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 136. Die Kapelle wurde am 22. Oktober 1950 vom Bischof von Chur, Christian Caminada, zu Ehren des Hl. Gallus eingeweiht.Guido Kolb: Franz Höfliger der Bettelprälat, S. 186.

Für den Aufbau der Pfarrei St. Gallus entsandte der Bischof den als Bettelprälat schweizweit bekannt gewordenen Franz Höfliger nach Schwamendingen. Höflinger hatte bereits beim Aufbau der Pfarreien Liebfrauen Hinwil und St. Verena Stäfa wertvolle Dienste geleistet. Per Dekret vom 12. Dezember 1950 trennte der Bischof das Gebiet der heutigen Pfarrei St. Gallus von der Pfarrei Herz-Jesu Oerlikon ab und ernannte es zu einer eigenständigen Pfarrei. Wegen der rasch wachsenden Bevölkerungszahl genügte das Platzangebot der ersten Kirche bald schon nicht mehr, sodass der zwischen 1949 und 1966 als erster Pfarrer von Schwamendingen amtierende Franz Höfliger auf ausgedehnten Predigtreisen das nötige Geld für den Bau der heutigen Kirche sammelte. Sein Nachfolger wurde Guido Kolb, der als Schriftsteller das Wirken von Franz Höfliger in seinem Buch Franz Höfliger der Bettelprälat würdigte.Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 182.Guido Kolb: Franz Höfliger der Bettelprälat, S. 150–208.

Dank Spenden aus der ganzen Deutschschweiz und Sammelaktionen der Pfarrei konnte in den Jahren 1955 bis 1957 die heutige Kirche St. Gallus durch die Architekten Ferdinand Pfammatter und Walter Rieger erbaut werden.Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. S. 128. Eingesegnet wurde die heutige Kirche von dem Churer Bischof Christian Caminada am 23. Juni 1957.Guido Kolb: Franz Höfliger der Bettelprälat, S. 199. Die erste Kirche blieb zunächst noch erhalten und diente in den Folgejahren als Werktagskapelle. In den Jahren 1968 bis 1969 wurde an Stelle dieser ersten Kirche und des Pfarrhauses das heutige Pfarreizentrum durch Hanspeter Steiner errichtet. Am 5. Oktober 1969 wurde die Kirche St. Gallus von Bischof Johannes Vonderach feierlich geweiht.Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 182.

Im Jahr 1970 errichtete Architekt Hanspeter Steiner einen überdeckten Verbindungsgang zwischen dem neuen Pfarrhaus und der Kirche.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 135. 1971 bauten die Architekten Rudolf Mathys und Felix Marquard im Untergeschoss der Kirche, in dem sich zunächst der Pfarrsaal und Vereinsräume befunden hatten, eine Krypta sowie drei Beichträume ein. 1983 und 1987 wurden die Kirche und der Turm aussen saniert und das Pfarreizentrum erneuert.Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 183. In den Jahren 2011 bis 2012 erfolgten unter der Leitung der Architektin Nadine Gerber eine Innen- und Aussensanierung der Kirche samt Krypta. Im Rahmen dieser Sanierung wurde die Kreuznische im hinteren Teil der Kirche ausgebaut und zu einer Kapelle erweitert.

Namensgebung Zwei Gründe haben zur Widmung der Schwamendinger Kirche an den Hl. Gallus geführt:

Zum einen sind die Anfänge der Pfarrei St. Gallus eng mit dem Wirken von Prälat Franz Höfliger (1892–1985) verbunden, der in den Jahren 1949 bis 1966 mit Gastpredigten und Sammelaktionen in der ganzen Schweiz das Geld für den Bau der Kirche sammelte. Prälat Höfliger verstand sich wie der Hl. Gallus als Missionar. Zudem stammte Höfliger aus Wollerau im schwyzerischen Bezirk Höfe, einer Gegend, durch die der aus Irland stammende Gallus einst gezogen war.Gamma: 50 Jahre Kirche St. Gallus Zürich Schwamendingen. S. 12, 13 und 17.

Ein zweiter Grund für die Widmung der Pfarrei an den Hl. Gallus war, dass im Quartier Oerlikon in der unmittelbaren Nachbarschaft der heutigen Pfarrkirche Herz Jesu, zu der die Pfarrei St. Gallus ursprünglich gehört hatte, im Mittelalter zwischen den Jahren 1271 und 1523 eine Galluskapelle gestanden hatte.Gamma: 50 Jahre Kirche St. Gallus Zürich Schwamendingen. S. 12.

Baubeschreibung An der Dübendorfstrasse, einer Hauptachse des Quartiers Schwamendingen stehend, überragt die Kirche St. Gallus die benachbarten Gebäude mit ihrem markanten Kirchenschiff. Der Bau greift die Formensprache der Hangars vom nahegelegenen Militärflugplatz Dübendorf auf und soll damit die Offenheit und Modernität dieses Kirchbaus ausdrücken.

Der Querschnitt der Kirche zeigt eine oben fast halbkreisrunde Parabel von 16,5 Metern Höhe, die als Tonnengewölbe konstruiert für 700 bis 800 Gläubige gebaut wurde. Die Baulänge beträgt 34,5 Meter und die Breite knapp 22 Meter.Gamma: 50 Jahre Kirche St. Gallus Zürich Schwamendingen. S. 21

Kirchturm und Glocken Der 37,5 m hohe Kirchturm sollte ursprünglich direkt an die Dübendorfstrasse gebaut werden, wodurch der Standort der Kirche noch besser sichtbar gewesen wäre. Der Regierungsrat des Kantons Zürich stimmte diesem Bauvorhaben jedoch nicht zu. Deshalb wurde der freistehende Turm auf der Bergseite der Kirche südwestlich der Kirchenfront erbaut.Gamma: 50 Jahre Kirche St. Gallus Zürich Schwamendingen. S. 21

Am 15. Mai 1960 wurden die von H. Rüetschi, Aarau gegossenen Bronzeglocken vom St. Galler Bischof Joseph Hasler geweiht. Gamma: 50 Jahre Kirche St. Gallus Zürich Schwamendingen. S. 10. Die Tonhöhe der Glocken wurde auf das Geläut der nahe gelegenen reformierten Kirche Schwamendingen abgestimmt.Gamma: 50 Jahre Kirche St. Gallus Zürich Schwamendingen. S. 27.

Glocke Gewicht Durchmesser Schlagton Widmung 1 4100 kg 193 cm as° Dreifaltigkeit 2 2100 kg 154 cm c′ Muttergottes 3 1220 kg 129 cm es′ St. Gallus 4 880 kg 116 cm f′ Hl. Johannes 5 250 kg 96 cm as′ Schutzengel

Anlässlich der Sanierung der Kirche im Jahr 2012 wurde der Kirchturm erdbebensicher gemacht und mit einer Turmuhr versehen.

Ausstattung Altarraum Der Altarraum der Kirche wurde 1969/1970 an die Vorgaben der Konstitution über die heilige Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils angepasst. Nach Plänen des Bildhauers Albert Wider, Widnau SG wurde der Altar von seiner ursprünglichen Position an der Chorwand der Kirche in die Mitte des Altarraumes verschoben und auf beiden Seiten verkürzt. Hinter dem Altar befindet sich eine leicht gebogene Sitzgruppe für das Ministerium. Links des Altares wurde der Tabernakel nahe zum Volk gesetzt, um Gebete in der Nähe des Allerheiligsten zu ermöglichen. Rechts vom Altar befindet sich der Ambo und am rechten Ende des Altarraumes steht der Taufbrunnen.

In den Altar wurde eine Reliquie des Hl. Fidelis von Sigmaringen eingelassen. Passend zum ursprünglichen Altar der Kirche schuf Albert Wider ebenfalls aus Juramarmor den Ambo, den Taufstein und den Sockel des Tabernakels. Die Symbole auf dem Bronze-Tabernakel stehen für Christus (Kreuz), die Gottheit (Kugel) und das Ewige (Kreiselemente). Auf der Rückseite des Tabernakels verweisen die drei Kugelsegmente auf die Trinität. Das Becken des Taufbrunnens diente früher als Seitenaltar und wurde von Albert Wider umgearbeitet. Die sieben Wasserstrahlen symbolisieren die siebenfache Wirkung der Taufe auf die menschliche Seele. Der Ständer für die Osterkerze ist mit dem Taufbrunnen verbunden und zeigt so den Zusammenhang von Taufe und Ostergeschehen.Gamma: 50 Jahre Kirche St. Gallus Zürich Schwamendingen. S. 29–31 Im Jahr 2016 gestaltete Holzbildhauer Reto Odermatt, Flüeli-Ranft, neben dem Taufbrunnen eine farbig gefasste Holzplastik in Form einer Wolke, aus der drei Strahlen zum stilisierten Wasser niedersteigen.Website des Künstlers. Abgerufen am 10. Juli 2017.

Ein weiteres Gestaltungselement der Kirche sind die drei aus Holz geschnitzten Statuen des Kirchenpatrons St. Gallus, des Hl. Antonius und Marias als Mutter Gottes. Standen die Skulpturen des St. Gallus und der Muttergottes bis zur Kirchenrenovation 2012 im vorderen Teil der Kirche, so befinden sich nun der Hl. Antonius und St. Gallus unter der Orgelempore und die Muttergottes-Statue wurde in der neu gestalteten Kreuznische aufgestellt. Alle drei Werke stammen von Beat Gasser, Lungern.Gamma: 50 Jahre Kirche St. Gallus Zürich Schwamendingen. S. 32

Kirchenfenster Das erste farbige Glaselement der Kirche stellt der von Paul Monnier gestaltete Kreuzweg dar, der als Glasbetonfenster auf der rechten Seite der Kirchenwand im Fensterband eingelassen wurde. Dieses Kunstwerk wurde am 23. Februar 1958 eingesegnet.Gamma: 50 Jahre Kirche St. Gallus Zürich Schwamendingen. S. 10.

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Kirche wurde im Jahr 1987 das Buntglasfenster an der Chorwand der Kirche eingebaut. Die Fensterfront ist 18 Meter breit und 16 Meter hoch. Die Betonraster bilden 76 Segmente, deren Fläche rund 260 m² misst.Gamma: 50 Jahre Kirche St. Gallus Zürich Schwamendingen. S. 33–34. In Anlehnung an die Rosette gotischer Kathedralen zeigt das Buntglasfenster eine runde, helle Mitte, in der das Kreuz Christi verborgen aufleuchtet. Von dieser Mitte brechen Lichtstrahlen in die blauen Aussenflächen aus.Fra Roberto, in: Gamma: 50 Jahre Kirche St. Gallus Zürich Schwamendingen. S. 34 Entworfen wurde das Buntglasfenster vom Kapuziner Fra Roberto Pasotti aus dem Kloster Bigorio. Die Kunstglaser Georg und Stefan Mathies, St. Gallen, führten es aus.Truffer: Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich. S. 183.

Die beiden grossen Fensterflächen der Front- und Chorwand bestanden ursprünglich aus farblosen Fenstern. Ihr Betongitterwerk – ein typisches Gestaltungsmerkmal der Architekten Pfammatter und Rieger – wurde vom ursprünglichen Terrazzoboden in seiner Kleinteiligkeit aufgenommen. Dieser ursprüngliche Raumeindruck wurde durch den Einbau eines grau-beigen Bodens mit quadratischen Fliesen und dem monumentalen Chorfenster aufgehoben.Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. S. 138.

Kreuznische mini|Kreuznische von Alois Spichtig