Harald Lönnecker (* 28. Juli 1963 in Hannover; † 6. Juli 2022 in Spetzerfehnhttps://lebenswege.faz.net/traueranzeige/harald-loennecker) war ein deutscher Jurist, Historiker und Archivar mit dem Schwerpunkt Studentenverbindungen.
Vorfahren Lönnecker war Enkel des Kraftfahrzeug- und Motorsportpioniers August Lönnecker, Urgroßneffe von Karl Lönneker und Julius Wagner-Jauregg und Ururgroßneffe von Friedrich Martius. Durch seine Vorfahrin Maria Gimborn (1791–1837), illegitime Tochter des Grafen Ludwig von Wallmoden-Gimborn, verehelichte Boessler von Eichenfeld, ist er ein Nachkomme von Georg II. August.Sigurd H. Loennecker: Iohann Christian Loennecker og Hans Efterslekt – Slekten Tønsberg – Slekten Wiberg. Oslo 1956Sigurd H. Loennecker: Slekten Loennecker – Lönnecker. Johann Christian Loennecker og Hans Forfedre. Oslo 1968.
Leben Harald Lönnecker war der Sohn des Fahrlehrers Lothar August Karl Lönnecker und der Sekretärin Lieselotte Maria Adeline Lönnecker, geb. Huser. Nach dem Abitur in Hannover diente Lönnecker bei der Bundesmarine. Anschließend studierte er Geschichte, Rechtswissenschaft, Evangelische Theologie, Geographie, Europäische Ethnologie, Lateinische Philologie, Musikwissenschaft und Germanistik an der Philipps-Universität Marburg, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er bestand beide Staatsexamina für das Lehramt an Gymnasien und wurde Studienassessor. Mit seiner Doktorarbeit „Das Notariat in Hessen – dargestellt nach den Quellen im Hessischen Staatsarchiv“ bei Peter Rück wurde er 1989 in Marburg zum Dr. phil. promoviert. 1992 entdeckte Lönnecker das Archiv der Deutschen Sängerschaft, das er sicherte und wissenschaftlich untersuchte.Burschenschaftliche Blätter, 2/2013, S. 88. Ein Ergebnis war seine HabilitationHabilitationsschrift: Scharnier zwischen Macht und Musik, Politik und Kultur. Sängervereinigungen an den Hochschulen des deutschen Sprachgebiets ca. 1815–1914. im Februar 2015.Lebenslauf Harald Lönneckers. In: Christian Oppermann (Hrsg.): „Wahrheit, Muth und Kraft!“ - Gedenkschrift für den Historiker, Archivar und Burschenschafter Professor Dr. Dr. Harald Lönnecker. (= Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im 19. und 20. Jahrhundert, Band 24), Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2025, S. 773–774.https://www.tu-chemnitz.de/phil/fakultaet/habil.php
Nach Tätigkeiten am Hessischen Staatsarchiv Darmstadt, am Militärgeschichtlichen Forschungsamt und bei der Konrad-Adenauer-Stiftung leitete Lönnecker ab 1995 das Archiv und die Bücherei der Deutschen Burschenschaft und der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung im Bundesarchiv in Koblenz. An der Universität Paderborn hatte er einen Lehrauftrag für Neuere Geschichte. Seine Arbeitsgebiete waren die allgemeine Wissenschafts- und Hochschulgeschichte, die Geschichte der Parteien und Verbände, die historische Vereinsforschung, Geschichte der Presse (Medien) und Massenmedien, Musik- und Historiographiegeschichte, Landes- und Rechtsgeschichte, Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft. In der Studentengeschichte widmete er sich besonders dem akademischen Sängerwesen.
Die Universität Rostock promovierte ihn mit der Dissertation »… der deutschen Studentenschaft und unserem Rechtsleben manchen Anstoß geben« – Zwischen Verein und Verbindung, Selbsthilfeorganisation und Studienvereinigung. Juristische Zusammenschlüsse an deutschen Hochschulen ca. 1870–1918 bei Ralph Weber im Juli 2013 summa cum laude zum Dr. iur.Juristische Dissertation: Akademisch-rechtswissenschaftliche Vereine ca. 1870–1918. Die Technische Universität Chemnitz ernannte ihn 2015 zum Privatdozenten am Institut für Europäische Geschichte. Im Februar 2021 wurde er „um seinen Einsatz in der Lehre zu würdigen“ zum apl. Professor am 2018 neugebildeten Institut für Europäische Studien und Geschichtswissenschaften berufen.Forschung und Lehre, Jg. 28 (2021), H. 9, S. 764.Burschenschaftliche Blätter, Jg. 136 (2021), H. 1, S. 43.Deutsche Sängerschaft. Gegr. 1895 als Akademische Sängerzeitung, Jg. 126 (2021), H. 2, S. 21.
Laut Günter Cerwinka war Lönnecker der „derzeit wohl bestausgewiesene deutsche Studentenhistoriker“.Günter Cerwinka: Rezension zu: Asche, Matthias/Klenke, Dietmar (Hrsg.): Von Professorenzirkeln, Studentenkneipen und akademischem Networking. Universitäre Geselligkeiten von der Aufklärung bis zur Gegenwart (= Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen. Band 19), Köln/Weimar/Wien 2017, in: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark. 108 (2017), S. 209.
Harald Lönnecker, der verheiratet war, starb nach kurzer Krankheit am 6. Juli 2022, drei Wochen vor Vollendung seines 59. Lebensjahres.Studentenhistoriker aller Couleur trauern um Professor Harald Lönnecker. Auf studentenhistoriker.eu, abgerufen am 8. Juli 2022. Er wurde am 15. Juli 2022 unter großer Anteilnahme der Deutschen Burschenschaft auf dem Friedhof der Evangelisch-Reformierten Gemeinde Bad Bentheim in Gildehaus beigesetzt.Benjamin Haasis: Abschied von Harald Lönnecker. In: Burschenschaftliche Blätter, 137. Jg. (2022), H. 3, S. 120–121.
Mitgliedschaften Vereine und Gesellschaften
Arbeitskreis „Geschichte der jüdischen Wohlfahrt in Deutschland“ (AKJW) Arbeitskreis Militärgeschichte e. V. Arbeitskreis zur Erforschung der Moderne im Rheinland an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf e. V. Arbeitskreise für Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts bzw. Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen Deutsche Gesellschaft für Hochschulkunde Deutsche Mozartgesellschaft, Augsburg Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte (GDS) Gesellschaft für Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte Gesellschaft für Universitätssammlungen e. V. Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung e. V., Wetzlar Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung Gesellschaft für pommersche Geschichte, Altertumskunde und Kunst Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft e. V., Halle/Saale Heraldischer Verein „Zum Kleeblatt“ von 1888 zu Hannover e. V. Herold, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften Historischer Verein für Niedersachsen Humboldt-Gesellschaft Museo Internacional del Estudiante in Salamanca Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das Land Lippe Oldenburger Landesverein für Geschichte, Oldenburg Oldenburgische Gesellschaft für Familienkunde, Oldenburg Ranke-Gesellschaft, Hamburg Kuratorium der Stiftung Deutsche Studentengeschichte (SDS) Studentengeschichtliche Vereinigung des Coburger Convents Upstalsboom-Gesellschaft für historische Personenforschung und Bevölkerungsgeschichte in Ostfriesland, Aurich Verein für corpsstudentische Geschichtsforschung Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde
Studentenverbindungen Burschenschaft Normannia-Leipzig zu Marburg (1984) Kasseler Burschenschaft Germania (1985, Mitbegründer) Burschenschaft Normannia zu Leipzig (1992) Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken (Ehrenmitglied 2013)„für seine herausragenden Arbeiten zur Geschichte der Prager deutschen Studentenschaft“ Sängerschaft Normannia Danzig zu Braunschweig (Ehrenmitglied 2013)„unter dem Schirm und im Namen der Deutschen Sängerschaft (Weimarer CC) mit besonderem Dank für seine hervorragenden Verdienste und Leistungen um die Aufarbeitung der Geschichte der Deutschen Sängerschaft (Weimarer CC) und ihrer Bünde“ Ehrenämter Kurator des von der Universität Paderborn und der Gemeinschaft für deutsche Studentengeschichte (GDS) getragenen Instituts für deutsche Studentengeschichte (IDS) im Stadtarchiv Paderborn. Wissenschaftlicher Beirat der Stiftung Dokumentations- und Forschungszentrum des Deutschen Chorwesens – Sängermuseum Feuchtwangen.
Ehrungen Auf dem Burschentag am 28. August 2021 in Seebach wurde Harald Lönnecker das Ehrenband der Deutschen Burschenschaft verliehen.Christoph Lindemann: Laudatio anläßlich der Verleihung des Ehrenbandes der Deutschen Burschenschaft an Prof. Dr. Dr. Harald Lönnecker. In: Burschenschaftliche Blätter, Jg. 136 (2021), H. 3, S. 110 f. Die seltene Auszeichnung dürfen zur selben Zeit nur drei lebende Mitglieder der Deutschen Burschenschaft tragen.
Die Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung widmete Lönnecker im Jahr 2025 eine umfangreiche Gedenkschrift, die unter dem Titel „Wahrheit, Muth und Kraft“ (dem Wahlspruch der Burschenschaften Normannia-Leipzig zu Marburg und Normannia Leipzig) als Band 24 der Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert erschien, an denen Lönnecker zu seinen Lebzeiten über viele Jahre mitgewirkt hatte.Christian Oppermann (Hrsg.): „Wahrheit, Muth und Kraft“ – Gedenkschrift für den Historiker, Archivar und Burschenschafter Professor Dr. Dr. Harald Lönnecker (= Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert. Band 24), Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2025, ISBN 978-3-8253-9595-7, 834 Seiten. Beiträge lieferten unter anderem die Universitätsprofessoren Matthias Asche, Matthias Stickler, Günter Cerwinka, Christian Neschwara, Peter Kaupp, Peter Gutjahr-Löser und Axel Bernd Kunze, sowie die Studentenhistoriker Bernhard Grün, Frank Grobe, Sebastian Sigler und Raimund Lang. Im Rahmen einer Feierstunde zur Vorstellung der Gedenkschrift anlässlich des Burschentages 2025 verlieh die GfbG ihre höchste Auszeichnung, die Herman-Haupt-Medaille, posthum an Lönnecker.Christian Oppermann: Rede anläßlich der Gedenkstunde der Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung für Prof. Dr. Dr. Harald Lönnecker am 14. Juni 2025 im Berghotel in Eisenach. In: Burschenschaftliche Blätter, 140. Jg. (2025), H. 3, S. 125–127.
Werke (Auswahl)
Monographien mit Marco Arndt: Wahrheit, Muth und Kraft. Geschichte der Burschenschaft Normannia zu Leipzig/Normannia-Leipzig zu Marburg 1868–1993, Friedrich Bohl, Leipzig/Marburg 1993, 241 S. „… freiwillig nimmer von hier zu weichen …“. Die Prager deutsche Studentenschaft 1867–1945. Bd. 1: Verbindungen und Vereine des deutschnationalen Spektrums (= Abhandlungen zum Studenten- und Hochschulwesen. Bd. 16). SH-Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-89498-187-7. Zwischen Völkerschlacht und Erstem Weltkrieg: Verbindungen und Vereine an der Universität Leipzig im 19. Jahrhundert. Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung, Koblenz 2008. ISBN 978-3-9807164-6-8. „Das Thema war und blieb ohne Parallel-Erscheinung in der deutschen Geschichtsforschung“. Die Burschenschaftliche Historische Kommission (BHK) und die Gesellschaft für burschenschaftliche Geschichtsforschung e. V. (GfbG) (1898/1909–2009). Eine Personen-, Institutions- und Wissenschaftsgeschichte (= Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert. Bd. 18). Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-8253-5672-9. „… Das einzige, was von mir bleiben wird“. Die Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken 1880–2000. Burschenschaft Ghibellinia zu Prag in Saarbrücken, Saarbrücken 2009, ISBN 978-3-00-028568-4. „... der deutschen Studentenschaft und unserem Rechtsleben manchen Anstoß geben“ – Zwischen Verein und Verbindung, Selbsthilfeorganisation und Studienvereinigung. Juristische Zusammenschlüsse an deutschen Hochschulen ca. 1870–1918 (= Rostocker Rechtsgeschichtliche Reihe, Bd. 13). Shaker Verlag, Aachen 2013, ISBN 978-3-8440-2166-0.
Aufsätze