Der DVW e. V. – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement (bis 2010 Deutscher Verein für Vermessungswesen) ist ein wissenschaftlicher Verein mit der Zielsetzung der Förderung von Wissenschaft und Forschung. Hierzu will der Verein die gemeinsamen, gemeinnützigen Ziele und Belange seiner Mitglieder in den Bereichen Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement vertreten, fördern und koordinieren sowie die fachlichen Entwicklungen und praktischen Erfahrungen vermitteln. Dem Verbändeverein gehören die 13 eigenständigen DVW-Landesvereine mit derzeit insgesamt ca. 7.000 Mitgliedern an. Der DVW ist damit der größte deutsche Berufsverband im Bereich von Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement.

Geschichte Vorgängerverein und Gründung mini|Gedenktafel zum 140. Jahrestag der Gründung des DVW im Hotel Goldene Traube, Coburg Der DVW wurde am 16. Dezember 1871 als technisch-wissenschaftlicher Verein mit dem Namen Deutscher Geometer-Verein (D.G.V.) in Coburg gegründet. Ziel der damaligen Vereinsgründung war es, das „gesamte Vermessungswesen, namentlich durch Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen zu heben und zu fördern“. Die seit 1872 vom Verein organisierten Treffen, erstmals in Eisenach abgehalten, wurden als Deutscher Geodätentag bekannt.

Der langjährige Vorsitzende Ludwig Winckel (1838–1904), der dem Deutschen Geometerverein von 1877 bis 1902 vorstand, wandte sich entschieden gegen eine Zersplitterung der Kräfte und das Bestreben mancher Zweigvereine, eigene Fachzeitschriften in Konkurrenz zur 1873 gegründeten Zeitschrift für Vermessungswesen herauszugeben. Im Mittelpunkt der Verbandsbestrebungen stand in jener Zeit die Ausbildung im Vermessungswesen, vor allem die Forderung, das Abitur als Voraussetzung für den Eintritt in die Landmesserlaufbahn vorzusehen. Nachdem die Preußische Staatsregierung zu erkennen gab, dass sie die Grund- und Gebäudesteuer den Kommunen überlassen wollte, setzte man sich gegen eine Kommunalisierung des Katasters ein.Karl Steppes: Ludwig Winckel †. In: Zeitschrift für Vermessungswesen, 1904, S. 449–454 (Internet Archive).

Registrierung im Berliner Vereinsregister als Deutscher Verein für Vermessungswesen Am 22./23. Juli 1919 erhielt der D.G.V. auf einer Versammlung des D.G.V. mit dem Landesverband der Preußischen Landmesservereine in Halle a. d. S. eine grundlegend neue SatzungSatzung des Deutschen Vereins für Vermessungswesen, 1919; abgedruckt auch in Zeitschrift für Vermessungswesen vom Juli 1919, S. 273–280 (Internet Archive). mit dem Ziel der Vereinsregistrierung; gleichzeitig wurde der Verein umbenannt in Deutscher Verein für Vermessungswesen (D.V.V.). Dabei wurden die unterschiedlich zusammengesetzten und unterschiedliche Interessen vertretenden Zweigvereine des D.G.V. in einen Großverein und seine Landesvereine umgegliedert. Am 7. Dezember 1921 wurde beim Amtsgericht Berlin-Mitte der Antrag auf Eintragung des Vereins im Vereinsregister als Deutscher Verein für Vermessungswesen e. V. gestellt. Die Eintragung erfolgte unter der Nr. 3565 am 20. Januar 1922.Öffentlicher Anzeiger Nr. 1 der Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin vom 4. Februar 1922. Ab 1. April 1922 lautete die selbst gewählte Abkürzung des Vereinsnamens D.V.W., da man festgestellt hatte, dass es schon einen Verein mit der Abkürzung D.V.V. gab.

Ab 1930 hatte der Verein Geschäftsstellenräume in der Grolmannstr. 32/33 in Berlin-Charlottenburg angemietet. Zum „Geschäftsleiter“ ab dem 1. Januar 1930 wurde in der D.V.W.-Mitgliederversammlung am 5. August 1929 der Vermessungsrat i. R. Otto Böttcher gewählt. Böttcher nahm die hauptamtliche Tätigkeit als Geschäftsleiter bis zum 1. April 1939 wahr und schied dann aus gesundheitlichen Gründen aus.

NS-Zeit Am 18. März 1934 wurde in Berlin von der Mitgliederversammlung das NSDAP-Mitglied Martin Dohrmann (1905–1992), ein Katasterlandmesser aus Königsberg, zum Vorsitzenden gewählt. Gleichzeitig hatte die Mitgliederversammlung die Auflösung des Vereins zum 31. März 1936 beschlossen,Beschlussniederschrift, Blatt 43 der beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg geführten Vereinsregisterakte VR 1535 B, Band 1 wobei dem Vorsitzenden die Entscheidung darüber überlassen wurde, wann und wie dies erfolgt und wie das Vereinsvermögen dann verwendet wird. Ebenfalls wurde beschlossen, dass der DVW sich hinter die Führung des Reichsstandes des Vermessungswesens (RdV) stellt, „um in gemeinsamer Arbeit das Deutsche Vermessungswesen“ zu fördern. Der DVW sollte auch weiter seine Einrichtungen und seine Mittel dem RdV zur Verfügung stellen.

Die Mitgliederversammlung vom 30. November 1935 hob den Beschluss zur Auflösung des Vereins auf und ergänzte die Satzung u. a. um Arier-Regelungen. Es wurde im § 4, Abschnitte a und b, hinzugefügt, dass Bedingung für die ordentliche und die außerordentliche Mitgliedschaft die arische Abstammung ist. Diese Regelungen mussten aufgrund von Beanstandungen des Registergerichts später mit Bezug auf das Reichsbürgergesetz vom 15. September 1935 und die 1. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 abgeändert werden. Dies erfolgte auf der Mitgliederversammlung am 31. Juli 1937.

Dohrmann wurde als Vorsitzender am 30. November 1935 wiedergewählt; das NSDAP-Mitglied Otto Speidel wurde zu seinem Stellvertreter ernannt. Zum 1. Juli 1936 wurde der DVW Mitglied der Fachgruppe Bauwesen der Reichsgemeinschaft der technisch-wissenschaftlichen Arbeit.Landesarchiv Berlin, A Pr.Br.Rep. 030-04 – 467, Blatt 18. Ab spätestens 1937 führte der DVW in seinem Kopfbogen zum Vereinsnamen des Zusatz „im Nationalsozialistischen Bund Deutscher Technik (NSBDT)“.Blatt 78 der Vereinsregisterakte Die Mitgliederversammlung am 31. Juli 1937 beauftragte Dohrmann mit der Weiterführung der Geschäfte beauftragt bis „zu einem Zeitpunkt, zu dem von ihm im Einvernehmen mit dem Leiter des Hauptamtes für Technik sein Nachfolger bestimmt wird“. Die Aufgabe des Geschäftsleiters wurden nach dem gesundheitlich bedingten Ausscheiden Otto Böttchers am 1. April 1939 dem Regierungsrat Horst Unger aus Berlin übertragen. Nachdem Unger 1942 zur Wehrmacht eingezogen worden war, übernahm Oberregierungsrat Max Radamm aus dem Innenministerium diese Aufgabe vertretungsweise.

Der DVW führte während der NS-Zeit, spätestens ab 1941, in seinem Vereinsrundstempel ebenfalls den Zusatz „im NSBDT“ und in der Mitte das Hakenkreuz.Blatt 111 der Vereinsregisterakte

Nach dem Zweiten Weltkrieg Am 9. Mai 1946 stellte der damalige Leiter des Stadtvermessungsamtes Berlin-Pankow, Friedrich Klempauhttps://cp.tu-berlin.de/person/788, den Antrag, ihn nach § 29 BGB (Notvorstandsklausel) als Vorsitzenden des Vereins einzutragen, da Dohrmann und Speidel ihre Ämter aufgrund ihrer NSDAP-Angehörigkeit nicht mehr ausüben könnten.Blatt 114 der beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg geführten Vereinsregisterakte VR 1535 B, Band 1 Als Stellvertreter benennt er Erich Brennecke (TU Berlin). Klempau legte dazu eine entsprechende Vollmacht des Magistrats von Berlin, Hauptamt für Vermessung, vom 23. April 1946 vor. Durch Beschluss des Registergerichts vom 11. Mai 1946 wurde Klempau zum Vorsitzenden und Brennecke zu seinem Stellvertreter bestellt. Die undemokratische Satzung von 1935 blieb bestehen. So konnten Klempau und Brennecke die Akten des DVW in seiner Geschäftsstelle sichern.Edmund Braune: Im Spannungsfeld zwischen Ost und West. Erinnerungen an den Wiederaufbau des Berliner Vermessungswesens in den ersten sieben Jahren nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches (1945–1952). Manuskript von 1961, Landesarchiv Berlin ERep 400-20, S. 165. Letztere wurde erst am 1. April 1950 aufgegeben.

mini|Teilnehmer am Treffen der Wiedergründung des Deutschen Vereins für Vermessungswesens in Marburg am 7. und 8. März 1950 Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildeten sich in den Jahren 1947–1949 in den Besatzungszonen, jedoch nur in jenen der westlichen Alliierten, eine Reihe von neuen regionalen Vereinen für Vermessungswesen, die sich am 7. und 8. März 1950 in Marburg wieder zum Deutschen Verein für Vermessungswesen (DVW) zusammenschlossen.DVW-Index (zfv-Sonderheft Dezember 1977), S. 6–7. Nach Braune wurde dabei bewusst eine Neuregistrierung des Vereins betrieben in Erwartung der Liquidation des Altvereins durch den Notvorstand, dessen Mitglied Brennecke bei der Gründungsveranstaltung in Marburg anwesend war.

Mit der Neugründung des DVW in den westlichen Bundesländern, inkl. Berlin, war daher 1950 eine Registrierung in dem beim Amtsgericht von Marburg geführten Vereinsregister (VR 602) beantragt worden. Die Liquidierung des Altvereins erfolgte jedoch dann nicht. Die bisherige Vereinsregisterakte 3565 in Berlin bestand trotz der Wirren um den Verein nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin und wird heute noch beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg (dort nun als VR1535B) geführt. Seit 1952 ist unter dieser Registernummer der im Jahr 1949 gegründete Deutsche Verein für Vermessungswesen, Landesverein Berlin (heute DVW Berlin-Brandenburg e. V. – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement –) eingetragen, womit faktisch mit verändertem Mitgliederkreis die Liquidation des Altvereins und die Aufhebung der alten Satzung erfolgte. Da eine Löschung der bisherigen Registrierung in Berlin nicht beantragt worden war, ergab sich die kuriose Situation, dass bis 1952 der DVW mit gleichem Namen jedoch verschiedenen Satzungen und verschiedenen Vorständen in zwei deutschen Vereinsregistern verzeichnet war.

Jüngere Geschichte Der DVW ist seit einer Satzungsänderung im Jahr 2000 ein Verbändeverein, d. h., er hat die jeweiligen Landesvereine als Mitglieder. Mit Satzungsänderung im Jahr 2010 wurde der Deutsche Verein für Vermessungswesen in „DVW – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement e. V.“ umbenannt. Seit 2019 lautet der Vereinsname nurmehr „DVW e. V.“, der Zusatz darf jedoch weiterhin angehängt werden.

Ziele Der DVW will die Geodäsie, die Geoinformation und das Landmanagement in Wissenschaft, Forschung und Praxis fördern.

Der Verein wirkt mit bei der fachlichen Aus-, Fort- und Weiterbildung und pflegt in diesem Rahmen die internationale Zusammenarbeit. Außerdem kooperiert er mit technischen sowie wissenschaftlichen Vereinigungen, Hochschulen und Institutionen. Er wirkt bei Gesetzgebungsverfahren auf Bundesebene mit, die die Bereiche Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement betreffen. Er stellt die Leistungen und die Bedeutung von Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement in der Öffentlichkeit dar.

Aktivitäten mini|Gedenktafel in Eisenach Der DVW ist für Deutschland als Mitglied in der Internationalen Vereinigung der Vermessungsingenieure (FIG) vertreten und im Deutschen Verband der Technisch-Wissenschaftlichen Vereine (DVT) organisiert.

zfv – Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement Seit 1872 gibt der DVW als technisch-wissenschaftliche Fachzeitschrift die zfv – Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement (ehemals Zeitschrift für Vermessungswesen) heraus.

Geodätentag / Intergeo mini|Intergeo 2026 München Seit 1872 richtet der Verein Hauptversammlungen aus, später als Deutschen Geodätentag bezeichnet, die Fachkongress und Ausstellung vereinen. Seit 1995 firmiert dies unter der Bezeichnung Intergeo – Kongress und Fachmesse der Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement. Die an jährlich wechselnden Standorten veranstaltete Intergeo hat sich zur weltgrößten Kongressmesse im Bereich Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement entwickelt.

DVW-Bibliothek