mini|Francis Younghusband

Sir Francis Edward Younghusband (* 31. Mai 1863 in Murree, Indien; † 31. Juli 1942 in Lytchett Minster, Dorset, Vereinigtes Königreich) war ein britischer Forschungsreisender, Offizier, Religionsphilosoph und Sachbuchautor.

Mit nur 24 Jahren wurde Younghusband in die Royal Geographical Society aufgenommen und mit deren Goldmedaille ausgezeichnet. Er ist die jüngste Person, die jemals in diese angesehene Society gewählt wurde und erhielt diese Auszeichnung für seine Durchquerung der Wüste Gobi und seiner Überquerung des Karakorum-Gebirges. Younghusband war außerdem ein ausgezeichneter Leichtathlet: Eine Zeit lang hielt er den Weltrekord über die 300-Yard-Strecke. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er einer der bekanntesten Forschungsreisenden Großbritanniens, der in der britischen Presse als wagemutiger Soldat und großartiger Gentleman dargestellt wurde. Younghusband trägt allerdings auch die Verantwortung für das Massaker bei Guru im Rahmen des britischen Tibetfeldzugs von 1904. Seine Erfahrungen in Tibet führten jedoch auch zu einer Hinwendung zu religiösen Fragen. 1936 gründete er den World Congress of Faiths.World Congress of Faiths' History Er unterstützte außerdem die Bestrebungen Indiens für die Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft.

Als Präsident der Royal Geographical Society trug Younghusband in den 1920er Jahren wesentlich dazu bei, dass drei britische Expeditionen in das Gebiet des Mount Everest unterstützt wurden. Während die erste noch ausschließlich zum Ziel hatte, das Gebiet zu kartographieren, war es ausdrückliches Ziel der zweiten und der dritten Expedition, die Erstbesteigung des höchsten Gipfels der Welt für Großbritannien zu sichern. Die letzte dieser Expeditionen endete 1924 mit dem Tod von George Mallory, einem der besten Bergsteiger seiner GenerationWade Davis: Into the Silenc. S. 5. und seines Begleiters Andrew Irvine.

Leben Sein Großvater war Generalmajor Charles Younghusband (1778–1843) und so wundert es kaum, dass Francis’ Vater, Generalmajor John William Younghusband (1823–1907), ebenfalls eine militärische Laufbahn einschlug, wie wiederum dessen Söhne. Sein Vater war Generalmajor John William Younghusband (1823–1907), der unter Charles James Napier an dem Feldzug zur Eroberung von Sindh 1843 teilgenommen hatte und später kämpfte er unter John Nicholson, der verhinderte, dass der Aufstand in Peschawar sich ausweitete.Sepoy-Aufstand 1857/58 Uni Augsburg Wegen einer Verwundung war er zu Hause in England und heiratete am 21. Februar 1856 Clare Jane Shaw, die Schwester des allseits bekannten Zentralasien-Forschers Robert Shaw. Seine Eltern kauften 1856 Land im Kangra Tal, um eine Teeplantage anzulegen, so dass Francis in Murree geboren wurde. Frank, wie er in der Familie genannt wurde, hatte noch einen älteren Bruder George John, der 1859 geboren wurde, und ebenfalls in der Armee diente und mit dem er zur Entlastung von Chitral beitrug. Sie schrieben gemeinsam das Buch über den Feldzug nach Chitral.The relief of Chitral. Major General Leslie Napier Younghusband war sein jüngerer Bruder und Emmie seine unverheiratete Schwester, die bei ihren Eltern lebte.

Er wurde zur Schulausbildung von seinen Eltern auf das Clifton College in BristolClifton College heritage geschickt und besuchte anschließend die Royal Military Academy Sandhurst.Wade Davis: Into the Silence. S. 53

Erste Erkundungen im Himalaya-Gebiet mini|450px|From Peking To Yarkand and Kashmir via the Mustagh Pass – Zeitgenössische Karte mit der Route Younghusbands von Peking nach Yarkand und Kashmir. 1882, als er 19 Jahre alt war, trat Younghusband in ein in Indien stationiertes Regiment ein. 1886, nach mehreren Erkundungsexpeditionen ins Gebiet des Himalayas und Auskundungen entlang des Indus und der afghanischen Grenze, wurde er Mitglied einer Expedition, die in die Mandschurei führte. Nach sieben Monaten im Feld fand sich Younghusband alleine in Peking und musste von dort nach Indien zurückkehren. Er entschied sich, die Strecke zu Fuß zurückzukehren. Er war der erste Europäer, der die Wüste Gobi sowie den Karakorum über den Muztagh-Pass überquerte. Ein Jahr später kehrte der mittlerweile zum Captain beförderte Younghusband in das Karakorum-Gebirge zurück.Wade Davis: Into the Silence. S. 54. Die Expedition diente vorgeblich dazu, Angriffe auf Handelskarawanen zu untersuchen, tatsächliches Ziel war es jedoch, die Pässe und Flüsse zu erkunden, die durch das Gebirge führten und herauszufinden, inwieweit die Region von russischen Agenten infiltriert waren. Einer der Offiziere, der an dieser Expedition gleichfalls beteiligt war, war Charles Granville Bruce, der gemeinsam mit Younghusband in den 1920er Jahren die britischen Mount Everest-Expeditionen wesentlich unterstützte. Dieses Gebiet stellte eine der problematischsten Grenzregionen zum britischen Empire dar und britische Politiker und Militärs fürchteten in dieser Region ein Vordringen des kaiserlichen Russlands. Das russische Vordringen hätte aber beinahe einen Krieg zwischen Indien und dem kaiserlichen Russland ausgelöst.Hopkirk Peter: The Great Game. On Secret Service in High Asia. John Murray (Publishers) Ltd., London 1990. Seite 469–470.

Zwischen 1889 und 1895 war er an mehreren Expeditionen in die nordwestindischen Gebirge beteiligt. Im Sommer 1891 wurde Younghusband bei einer dieser Erkundungen von einer Kosaken-Patrouille gefangen genommen und gezwungen, nach Indien zurückzukehren. Der Vorfall löste eine schwere diplomatische Krise zwischen Großbritannien und Russland aus. Bei Younghusband führte der Vorfall dazu, dass er die russische Bedrohung an dieser Grenze des britischen Imperiums sehr ernst nahm. Diese Überzeugung teilte er mit Lord Curzon, den er 1893 kennenlernte als Curzon noch ein junges Mitglied des britischen Parlaments war und in Indien ebenfalls Erkundungsexpeditionen durchführte.

Tibet 1903 und 1904 Hintergrund: britische und russischer Konkurrenz um die Vorherrschaft in Zentralasien mini|Kampa Dzong 1904 Im April 1903 wurde Younghusband von Lord Curzon nach Tibet geschickt, um Handelsbeziehungen mit dem Land aufzunehmen. Diese Verhandlungen fanden in der Zeit des sogenannten Great Games, dem Wettlauf zwischen Russland und Großbritannien um die Vorherrschaft in Zentralasien statt. Er war gegen den diplomatischen Einfluss des Russischen Reiches auf Tibet gerichtet und nutzte aus, dass Russland aufgrund der Spannungen mit dem Kaiserreich Japan und später durch den Russisch-Japanischen Krieg militärisch gebunden war. Sowohl Lord Curzon als auch Francis Younghusband fühlten sich unter Handlungsdruck, weil sie fälschlich davon überzeugt waren, dass der mongolische Lama Agvan Dorzhiev für das russische Reich mit den Tibetern verhandele.Wade Davis: Into the Silence. S. 52. Anlass dieser seit 1900 auf britischer Seite herrschenden Befürchtungen waren unter anderem mehrere russische Zeitungsberichte aus den Jahren 1900 und 1901, dass der Lama im Jahre 1900 einen Brief des Zaren an den Dalai Lama überbracht habe und Dorzhiev ein knappes Jahr später mit einer Delegation tibetischer Mönche nach Russland zurückkehrte. Sie waren von dem japanischen Mönch Ekai Kawaguchi außerdem informiert worden, dass Russland Waffen nach Tibet lieferte und weitere 200 mongolische Mönche in Tibet lebten, womit es Russland leicht gewesen wäre, das Land auszuspähen. Auch diese Informationen erwiesen sich als letztlich nicht korrekt.

Der gescheiterte Versuch, mit Tibet diplomatische Beziehungen aufzunehmen Die diplomatischen Bemühungen Großbritanniens um die Aufnahme von Handelsbeziehungen im Jahre 1903 scheiterten, nicht zuletzt, wie Wade Davis festhält, wegen eines grundlegenden kulturellen Unverständnisses auf britischer Seite.

Begleitet wurde Younghusband von Captain Frederick O’Connor, der einzigen Person innerhalb der britischen Armee, die Tibetisch sprach sowie 500 Sepoys.Wade Davis: Into the Silence. S. 55. In Gangtok stieß auch noch Claude White, eigentlich der politische Offizier in Sikkim zu der Expeditionsgruppe. Der chinesisch sprechende Claude White sollte der Expedition als Dolmetscher dienen. Younghusband schickte zunächst seine Truppe voraus während er ab dem 4. Juli 1903 an der tibetischen Grenze wartete, bis in Kampa Dzong, einem kleinen Ort kurz hinter der tibetischen Grenze das britische Lager unterhalb der Festung errichtet war. Am 18. Juli ritt er dort mit allen diplomatischen Ehren ein. Younghusband wartete in Kampa Dzong frustrierende Monate vergeblich darauf, dass tibetische Vertreter eintreffen würden, um mit ihm Verhandlungen aufzunehmen. Noch niemals bin ich so verstockten und hinderlichen Personen begegnet, hielt Younghusband fest.Wade Davis: Into the Silence. S. 55. Im Original schrieb Younghusband: Never have I met so obdurate and obstructive a people.

Die Tibeter hatten dagegen keinerlei Interesse an einem Dialog, besonders an keinem, der auf ihrem eigenen Gebiet stattfand. Sie bestanden darauf, dass es zu keinen Verhandlungen kommen würde, bis sich die britischen Truppen wieder hinter die Grenze zurückgezogen hätten. Eine Verhandlung war auch deswegen nicht möglich, weil sich der 13. Dalai Lama Thubten Gyatsho sich zu einer dreijährigen Meditation zurückgezogen hatten und ohne ihn keine wesentlichen Entscheidungen getroffen werden konnten. Die britische Expedition vertrieb sich die Wartezeit mit Jagd, Pferderennen und dem Sammeln von Pflanzen. Nach mehreren Monaten vergeblichen Wartens wurden die britischen Vertreter nach Indien zurückbeordert. Für die Tibeter erwies sich ihr Erfolg jedoch als Pyrrhussieg. Die Briten nutzten die erstbeste Gelegenheit, um ihre Interessen mit Waffengewalt durchzusetzen.

Der Tibetfeldzug und das Massaker bei Guru Anlass mini|Francis Younghusband mit dem Amban mini|Major Francis Younghusband mit einigen Soldaten 1904 Gegen Ende des Jahres 1903 übertrat eine kleine Gruppe tibetischer Soldaten die Grenze, stahl eine Herde nepalesischer Yaks und trieb diese nach Tibet. Lord Curzon, Vizekönig von Indien und damit Herrscher über 300 Millionen Männer und Frauen, lieferte dieser Vorfall den willkommenen Anlass, die britische Regierung am 3. November 1903 über einen feindseligen Akt seitens tibetischer Militärs zu informieren und Younghusband mit einer Militärexpedition, dem sogenannten Britischen Tibetfeldzug, nach Tibet zu betrauen.Wade Davis: Into the Silence. S. 56. Der Auftrag lautete, möglichst tief in tibetisches Gebiet vorzudringen, allerdings auf keinen Fall weiter als bis zur Festung von Gyangzê, auf halbem Weg nach Lhasa. Diese Demonstration britischer Stärke sollte die Tibeter an den Verhandlungstisch zwingen. Die russische Regierung protestierte gegen dieses Vorgehen.