PickpocketPickpocket ist in der französischen wie in der englischen Sprache das Wort für Taschendieb ist ein französischer Spielfilm des Regisseurs Robert Bresson aus dem Jahre 1959.

Handlung Pickpocket handelt von dem jungen Intellektuellen Michel, der langsam der Obsession verfällt, Taschendiebstähle begehen zu müssen. Zunächst bestiehlt er seine Mitmenschen aus Habgier, mit der Zeit allerdings wird das Stehlen zum Selbstzweck und Michel verfolgt sein kriminelles Handeln immer mehr als Passion. Nachdem er bei einem seiner anfangs dilettantischen Diebstahlversuche erwischt wurde, lässt er sich von einem professionellen Taschendieb ausbilden. Im Verlauf des Films zeigt sich eine immer größere emotionale Abhängigkeit des Protagonisten zu seinen Taten. Obwohl Michel engen Kontakt zu seiner kranken Mutter hat und von seiner Freundin Jeanne aufrichtig geliebt wird, vermögen diese menschlichen Beziehungen nicht den Grad an Befriedigung zu verschaffen, wie es das Stehlen vermag. Selbst am Ende des Films nimmt er die strafrechtlichen Konsequenzen seines Tuns leichtfertig in Kauf, als stelle der Taschendiebstahl eine unüberwindbare Sucht für ihn dar.1001 FILME DIE BESTEN FILME ALLER ZEITEN - Ausgewählt und vorgestellt von internationalen Filmkritikern, hrsg. v. Steven Jay Schneider, Edition Olms AG, Zürich 2004, S. 372.

Auch bei Jeannes erstem Besuch im Gefängnis weist er sie noch zurück. Erst ein darauf folgender Brief von ihr führt zu Michels Läuterung, und der Film schließt mit seinem berühmt gewordenen Satz: „O Jeanne! Welch seltsamen Weg musste ich gehen. bis ich zu dir fand!“Zitiert nach den deutschen Untertiteln der DVD-Ausgabe des Films aus der Reihe „Süddeutsche Zeitung – Cinemathek“. Der Satz im französischen Original: „Oh, Jeanne, pour aller jusqu'à toi, quel drôle de chemin il m'a fallu prendre".“

Nur durch diese letzten zwei Szenen erschließt sich der Sinn des Textes der Rolltitel, mit dem der Film beginnt: „Dies ist kein Kriminalfilm. Ziel des Autors ist es, in Bild und Ton darzustellen, wie ein junger Mensch´ins Verderben gerissen wird. Durch seine Schwäche wird er zum Taschendieb. Dafür war er nicht geschaffen. Doch auf seltsamen Wegen finden dadurch zwei Seelen zueinander, die sich sonst wohl nie begegnet wären.“Zitiert nach den deutschen Untertiteln der DVD-Ausgabe des Films. Der Text im französischen Original: „Ce film n’est pas du style policier. L’auteur s’efforce d’exprimer, par des images et des sons, le cauchemar d’un jeune homme poussé par sa faiblesse dans une aventure de vol à la tire pour laquelle il n’était pas fait. Seulement cette aventure, par des chemins étranges, réunira deux âmes qui, sans elle, ne se seraient peut-être jamais connues.“

Hintergrund Pickpocket gilt als einer der stilechtesten Filme von Robert Bresson. Die Sequenzen des Films sind miteinander verbunden durch einen aus dem Off gesprochenen „inneren Monolog“Diesen Begriff verwendet Hans Günter Pflaum im Begleittext zur DVD-Veröffentlichung des Films in der SZ-Cinemathek. des Protagonisten Michel, der seine – ihm in manchen Situationen selbst nicht verständliche – Handlungsweise schildert. Der emotionslos rezitierte Text ist, so zeigt es der Film in einigen Einstellungen, der seiner später festgehaltenen schriftlichen Aufzeichnungen über die durchlebte Zeit. Bresson setzte in Pickpocket, wie auch in vielen seiner Filme, Laiendarsteller ein, die er Modelle nannte und anwies, keinerlei Schauspieltechniken zu verwenden, sondern sich nahezu dokumentarisch distanziert durch seine Filme zu bewegen. Er setzte Musik sehr sparsam und nur in bestimmten, entscheidenden Momenten des Films ein, um dem Zuschauer ein größtmögliches Maß an Freiheit in der Deutung der Figuren und ihrer Handlungen zu lassen.Lennard Højbjerg & Peter Schepelern, Film Style and Story: A Tribute to Torben Grodal. Copenhagen: Museum Tusculanum Forlag (2003): 92

Rezeption Der Filmkritiker Roger Ebert sieht in Pickpocket Anleihen an Dostojewskis Verbrechen und Strafe. Bressons Michel handle wie der Protagonist Raskolnikov, der sich auf kriminellen Wege Geld beschafft, um seine Träume zu verwirklichen.

Für das Lexikon des internationalen Films war Pickpocket „[e]ine in der typischen Formsprache Bressons [...] gehaltene spröde Charakterstudie.“ Diese sei typischerweise geprägt von „Groß- und Detailaufnahmen, monologische[r] und elliptische[r] Erzählstruktur, Bedeutung[en] des Gegenständlichen“. Der Film passe sich „kontrastreich in das Aufbruchsjahr der französischen Nouvelle Vague“ ein.

Auszeichnungen Internationale Filmfestspiele Berlin 1960: Robert Bresson, Nominierung Goldener Bär

Weblinks

Eine mit vielen Abbildungen versehene Liste aller identifizierten Drehorte: auf der Website thecinetourist.net Mark Rappaport: Pickpocket – Revisited, Again mit zahlreichen Abbildungen; in: „La Furia Umana“, erste Veröffentlichung im August 2006; englisch.

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1959 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Filmdrama