Samuel Keller (Pseudonym: Ernst Schrill, * 15. März 1856 in Sankt Petersburg; † 14. November 1924 in Freiburg im Breisgau) war ein Schweizer evangelischer Theologe, Evangelist und Schriftsteller von geistlicher Literatur, Erzählungen und Romanen.
Leben Samuel Keller war der Sohn des aus schaffhausischen Siblingen stammenden Schweizer Lehrers Johannes Keller und seiner aus dem Baltikum stammenden Ehefrau Christine, geborene Hesse, durch die Samuel Keller mit Hermann Hesse verwandt war. Er wuchs auf der Insel Oesel auf, die heute zu Estland gehört, und im dortigen Arensburg besuchte er das Gymnasium. 1875 bis 1879 studierte er evangelische Theologie an der Kaiserlichen Universität DorpatKeller, Samuel (1856-1925), Baltisches Biografisches Lexikon digital BBLd (2025, abgerufen am 4. Januar 2025) und wirkte anschließend als Hilfsprediger der estnischen Gemeinde in Sankt Petersburg. Im Oktober 1880 erhielt er eine Pfarrstelle in Grunau im Siedlungsgebiet der Schwarzmeerdeutschen, wo er mit seiner Frau hinzog. Ab 1884 betreute er die Gemeinde der Krimdeutschen mit Sitz in Neusatz, die um die 20.000 Personen aus verschiedenen Ethnien umfasste und sich auf 104 Ortschaften verteilte.
1891 musste Samuel Keller wegen Drohungen des orthodoxen Bischofs und aus politischen Gründen nach Deutschland flüchtenGottfried Keller-Ammann: Samuel Keller, in: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte. Biographien Band II. 34. Jg. 1957, S. 262–265 (PDF, abgerufen am 4. Januar 2024), wo er die Stelle eines Generalsekretärs des neugegründeten Deutschen Sittlichkeitsbundes annahm. Adolf Stoecker hätte Samuel Keller, mit dem er zusammen auf einer Versammlung gesprochen hatte, „am liebsten ganz für die Stadtmission gewonnen“.Bunke, Ernst: Samuel Keller Gottes Werk und Werkzeug, 2. Auflage, Gießen 1949, S. 35 1892 wechselte er auf eine Pfarrstelle in Düsseldorf, wo er nebst den geistlichen Diensten eine Kleinkinderschule gründete.
Im März 1898 gab er diese Stelle auf und zog nach Freiburg im Breisgau, von wo aus er in den folgenden Jahrzehnten als erfolgreicher Prediger und Publizist für die evangelische Evangelisation wirkte. Sein Einsatzgebiet erstreckte sich auf ganz Deutschland, aber er nahm auch Einladungen in Österreich, der Schweiz, Frankreich, England, Schweden, Norwegen, Dänemark und Italien an.Gottfried Keller-Ammann: Samuel Keller, in: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte. Biographien Band II. 34. Jg. 1957, S. 262–265 (PDF, abgerufen am 4. Januar 2024)
1902 war Keller Mitbegründer des „Eisenacher Bundes“, einer Unterstützerorganisation der im 19. Jahrhundert entstandenen pietistischen „Gemeinschaftsbewegung“; von 1902 bis 1916 gab er die Monatszeitschrift Auf Dein Wort heraus. Während des Ersten Weltkrieges unterstützte Keller die deutsche Kriegsanstrengung durch eine Vielzahl von patriotisch-theologischen Vorträgen und Veröffentlichungen. Der Evangelist und frühere Pastor der Berliner Stadtmission Paul Le Seur hielt in seinen Lebenserinnerungen fest, dass er mit dem „Deutschrussen“ Pastor Samuel Keller durch dessen Versammlungen in Berlin „freundlich verbunden war“.Paul Le Seur: Aus meines Lebens Bilderbuch, 3. Auflage, Kassel 1957, S. 84; Keller fuhr nach der Mobilmachung am 1. August 1914 von Freiburg nach Berlin, „um dort in der Stadtmissionskirche Pastor Le Seur zu vertreten“. Bunke, Ernst: Samuel Keller Gottes Werk und Werkzeug, 2. Auflage, Gießen 1949, S. 82
Neben theologischen Texten verfasste Samuel Keller unter dem Pseudonym „Ernst Schrill“, das er in Russland gewählt hatte, auch erzählende Werke, die meist auf Erfahrungen des Autors während seines Aufenthalts in den jungen Jahren in Russland basieren.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 ließen seine Kräfte nach, trotzdem übernahm er 1921 eine Pfarrstelle in Wickersheim im Elsass. 1922 erlitt er den ersten Schlaganfall, der ihm das Reden weitgehend verunmöglichte. 1924, kurz vor seinem Tod, konnte er in Basel einen letzten Vortrag halten. Dann kehrte er nach Freiburg zurück, wo er in einer Klinik seine letzten Tage verbrachte.Gottfried Keller-Ammann: Samuel Keller, in: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte. Biographien Band II. 34. Jg. 1957, S. 262–265 (PDF, abgerufen am 4. Januar 2024)
Familie Samuel Keller war mit Elisabeth, genannt Etty, Clever, einer Tochter von Franz Ferdinand Clever, verheiratet.
Schriften
Literatur
Oskar Brüssau: Ernst Schrill (Samuel Keller), Hagen i.W. 1906. Ernst Bunke: Samuel Keller, Gottes Werk und Werkzeug, Brunnen Verlag, Gießen [u. a.] 1937, 1949 und 1961.Ernst Bunke: Samuel Keller, Gottes Werk und Werkzeug, Website info2.sermon-online.com (Buch von 1961 als PDF) Gottfried Keller-Ammann: Samuel Keller, in: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte. Biographien Band II. 34. Jg. 1957, S. 262–265 (PDF). Heinz Keller und Andreas Schäfer: Gott erzieht sich Originale: Samuel Keller erzählt aus seinem spannungsreichen Leben, St. Johannis Druckerei, 1992, ISBN 978-3-50101-156-0.
Ludwig Weichert: Samuel Keller, ein Volksmissionar, Meiringen [u. a.] 1925 und 1934. Carola L. Gottzmann / Petra Hörner: Lexikon der deutschsprachigen Literatur des Baltikums und St. Petersburgs. 3 Bände; Verlag Walter de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-019338-1. Band 2, S. 649–655. Jakob Wipf: Siblinger Landkraft in der Fremde. Samuel Keller, in: SchT 1904, Nr. 186. Pfarrer Zeißig: Zum Gedächtnis an Pastor Samuel Keller, Buchhandlung des Gemeinschaftsvereins, Chemnitz 1925.
Weblinks
Keller, Samuel (1856-1925), Baltisches Biografisches Lexikon digital BBLd Hans Christian Brandenburg: Keller, Samuel, in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 466-467. Samuel Keller – Ernst Schrill, Website Projekt Gutenberg.
Einzelnachweise
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